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Jüdische Rundschau · 1911-12-22 · Heft 51-52 (22.12.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 51-52 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Beim Zionistischen Zentralburcau direkt eiligegangen: aus Hees •I M. Schekel. Die Juden in der Weltpolitik Zum russisch-amerikanischen Konflikt. Die innere Politik der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat es mit sich gebracht, daß die Union wieder einmal in den Ruf gekommen ist, etwas für die Juden getan zu haben. Nun ist das Vorgelien des Repräsentantenhauses, das — wie wir bereits in der vorigen Nummer Ixvieh- . tetcu,— einmütig die Pußschwierigkeitcu, die Rußland den ausländischen Juden macht und besonders den amerikanischen, die früher einmal russische Untertanen waren, für eine unzweideutige Verletzung des bestehend e 11 Freundsehaftsvertrages von 1832 erklärte, gewiß erfreulich und von uns durchaus zu begrüßen. Wir könnten aber nicht leicht einen größeren Fehler begehen, als wenn wir uns nun dem Wahne hiugäben, die Regierung der Vereinigten .Staaten trete irgendwie für verletzte Judenrechte ein. Oewiß kränkt es den stark entwickelten Nationalstolz der Amerikaner, daß ein anderes Land cs sich herausnimml, die amerikanischen Bürger von sich aus nach seinem Belieben in zwei Klassen zu teilen, ohne daß im Gesetz der Union dafür eine Grundlage vorhanden wäre. Aber dieses ethische Moment hat bisher noch keinen einzigen G r o ß s t a a t des KontinctUs, denen allen gegenüber sielt ja Rußland genau so verhält, veranlaßt, auch nur diploina- Petersburg zu unternehmen, immer, in Paris mul in Berlin Wien, Rom und in London, sich an der Ausrede Rußlands genügen lassen, daß cs sich in der Paßfrage der Juden um eine innere Angelegenhc!1 der russischen Regierung handele. Wie falsch das ist, beweist die Tat- Sache, daß Frankreich es 1804 der Schweiz gegenüber nicht damit sein Bewenden haben ließ, sondern den schweizerischen Himdcsrat durch einen Zollkrieg dazu zwang, den französiscltcn Juden auf Grund des Handelsvertrages in der Schweiz die gleichen Rechte zu gewähren wie allen anderen französischen Bürgern. Freilich hat die Schweiz dann diese Rechte ihren eigenen Juden auch nicht länger vorenthalten können und zwei Jahre 6pätcr ihre Emanzipation durchgeführt. tische Schritte in Vielmehr hat man genau so wie in ״Der Zion! :;1.110 ' er,־;trabt vür tlr.o jüdliic'ic Volk die fJcbrvrfivrif; ebne;• GrientlicIi-rcchtHck gctilcliczlzn in Pßlaulinn.“ Daeo!or Pro;;rß1m:t. nmmtrmx’riGiirr* *1* *ו־זיפיר «e1yr״*c*u. © **•»*׳ **•*. Diese Folgerung, die der Schweiz "als einem politisch freiheitlichen Laude ohnehin nalieiag, will und wirit aber Rußland unter keinen Umstünden ziehen. Und weil cs sich den politischen Notwendigkeiten nicht soweit ent* ziehen kann, diese Konsequenz einer Gleich- Stellung der ausländischen Juden mit den andereu Ausländern als unumgänglich anzuerkennen, deshalb erklärt die Petersburger Regierung diese Frage für eine innere Angelegenheit Rußlands —■ die sie an sich durchaus nicht ist! — und weigert sich, irgendwelche Konzessionen irgendeinem Lande zu machen. Denn faktisch hedeutete das den Beginn der Aufhebung der antijüdischen Reehlsbeschrünkungen in Rußland. Man erkennt daraus, wie starkes Ge• schütz ein Staat müßte auffahren können und wollen, um Rußland eine solche Konzession abzuzwingen. Wer auch nur einigermaßen auf den Namen eines Realpolitikers Anspruch erhebt, kann sieh hier gar keinen optimistischen Anwandhingen hingeben. Frage: Kann u'nd will die nordamerikanisclie Union solche scharfen Maßnahmen gegen Rußland in Anwendung bringen? Antwort — wenigstens für die unmittelbare Gegenwart: N e i n , sie k a 11 u nicht, und infolgedessen will sie auch nicht! (Zukünftige Möglichkeiten einer weltpolitischen Verwicklung, die diese Situation ändern .uul unsere Frage als sehr gelegenen Vorwand abermals zur Entscheidung stellen könnten, müssen nach menschlichem Ermessen noch für lange, sehr lange Zeit außer Berochnung bleiben.) Die Entwicklung, die die Dinge in Washington nach der Annahme der Rcsolution Sulzer im Repräsentantenhaus genommen haben, beweist klar, daß Amerika cs nicht zum Konflikt kommen lassen kann noch will. Was geschah denn nach der monatclangen Agitation im Lande, deren Krönung die Sulzersehe Resolution war? Der russische Botschafter in Washington, Baehmetjeff, gab dem Präsidenten Taft gegenüber die Erklärung ab, daß die'russisehe Regierung cs als einen äußerst uufreimdliehen Akt bezeichnen müßte, wenn der Präsident entsprechend dem Wunsche des Kongresses — denn an der Zustimmung des Senates war kein Zweifel — das Dekret über die Kündigung des Handelsvertrages mit der Sulzersehen Begriimlung, die Rußland offen Vertragsverletzung vorwerfe, unterzeichnen würde. Nach einer Vor• sion soll I lerr Baehmetjeff gleich hinzugefiigt haben, die russische Regierung würde sich in diesem Falle für verpflichtet halten, die diplomatisdien Beziehungen mit der Union überhaupt ahzubrcchcu und dem amerikanischen Gesandten in Petersburg die Pässe zuzustellcn; nach einer anderen soll der Botschafter seihst für den Fall der Annahme der Resolution Sulzer im Senat seine Piissc verlangt haben. Offiziös hat man aber dann aus Petersburg die schroffe Haltung des Botschafters etwas abgeschwücht, weil man im Voraus wußte, daß T a ft nach g e l> e n würde. Und so geschah es auch. Denn man verkenne nicht, daß die daraufhin von Taft vorgenommene — und des Ansehens halber etwas vordatierte! — eigenmächtige Kiindig in; g des Vertrages es dem Senat unmöglich machte, noch irgend eine begründende Resolution, selbst eine milder gefaßte als die von Sulzer, aiizunelnneu. Das wäre dann geradezu ein Casus belli gewesen lind hätte zumindest den Rücktritt des Präsidenten provoziert. Denn Präsident Taft hatte sofort nach dem Bestich Bachmctjcffs einen Ministerrnt einberufen, der anfangs, wie es heißt, eine Botschaft an den Senat beschließen wollte, in welcher dieser ersucht würde, eine Resolution anzunclimen, ״die keinerlei verletzende Wendung enthält“. Selbst dieser Ausweg, der dem Senat immer noch freie Hand ließ, erschien aber Taft zu gefährlich, und so griff er zu dem in den Vereinigten Staaten ganz ungewöhnlichen M i tte I,- selbst und ohne irgend eine Befragung des Senates den Vertrag durch eine ״in den höflichsten Ausdrücken gehaltene Note“ zu kündigen, in der er zugleich' Verhandlungen über den Abschluß eines neuen, ״den gegenwärtigen " Verhältnissen der beiden Staaten mehr entsprechenden Verträges“ anregt. Danach blieb dem Senat nicht viel mehr übrig, als diesem Vorgehen seine Zu- Stimmung zu erteilen, und das hat er denn auch am Dienstag durch Annahme einer entsprechenden Resolution getan. Damit ist der drohende Konflikt vermieden, und wenn auch ״Nowoje Wremja“ noch ein wenig mault, wird man sich bis zum Zeitpunkt des Ablaufs des Vertrages, 19. Dezember 1912, über einen neuen Vertrag geeinigt haben, der — vielleicht eine Scheinkon/ession Rußlands — jedenfalls keine wesentliche Aenderuug des bcstehenden Zustandes bringen wird. Rußland wird wieder die zu amerikanischen Bürgern gewordenen russisch-jüdischen Revolutionäre und Anarchistcn auf marschieren lassen, denen cs nicht die Rückkehr unter dem Schutz, amerikanischer Pässe gestalten könne (als ob diese Leute amerikanischc Pässe brauchten, wenn sic zurückkehren wollen!), und alles bleibt heim alten. Schluß frage: Wozu der Lärm? Antwort: Einmal ist der Vertrag von 1832, wenn auch durch neuere Tarife modifiziert, Amerika nicht mehr bequem und, ein Vorwand zur Kündigung durchaus angenehm. Zum anderen könnte am Ende, wenn die herrschende republikanische Partei in dieser Sache nichts tut, die, wie gesagt, immerhin den Nationalstolz der Amerikaner etwas kitzelt, die demokratische Partei, die gern herrsehen möchte, mehr zu tim versprechen. Und drittens, daran anschließend, im nächsten Jahre 1912 sind in A m c r i k a W a h 1 c n I Da nun die Demokraten den Republikanern bereits vor vier Jahren hart auf den Fersen waren, und da die Juden eine im Staate New York mul anderen Orten ausschlaggebende Wähler!nasse bilden, auch der Anhang und der Einfluß der reichen Juden Amerikas nicht unbeträchtlich ist, so mußte man doch wieder einmal etwas für die Juden tun! Infolge der bevorstehenden Feiertage gab© der ״Jüdischen -Rundschau“. W gang und lassen am 5. Januar 1912 die Cri י׳*» /*s 1 ד־' י i OUI I’ :4• l i' in der sac nsten 1 ו*׳יי־«״!v* ־ j W il** * I V-*׳ w w \ ־ ,״•*׳*f*Y^ V I w•4 ׳ V Woche keine Ausn mit dieser Nummer den XVI. Jahr־ neuen Jahrgangs folgen. ummer s I

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