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Jüdische Rundschau · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Rcnlaktton JUdlaihe Ilumladiau l1r.1a.IN W. IS, .SäcIinUrh« Slraßet. TrU|1l1״n1 Amt Uldand 81$. Sprediatunden Dirnatag und Donnrratag J-0 Uhr nadimillaga. %י״יי< ן■-»•• / /! O 4L.3 GO c־־o Berlin, den 2. 0 ־'"■י0)?י׳ג־י» t-srtf*• UuVi.aUW« fT 17 — ן. Kislcw 5672 XVI. Jahrgang Ausweis Schekel: Gollttb 10 M., Stalliipönen I SS., Sieg• bürg 18 M., Varel 7 M., Stettin 25 M., Königsbirg 12 M. LandcsbeitrUgc: Essen 100 M., Berlin 250 M., Königsberg 100 M. Organisationsfonds: H. Poslawclski, Stallnpöticu 5 M. Eingang von! 30. November bis 6. Dezembert Schekel: 73 m, l.nndcsbci'trägc: *150 M, Organisntionsfunds 5 M. Gosamteingang! Schekel: 230M. Landcsbcitrage: 6613,05 M. Organisationsfomls: ‘)873,88 M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vor* cinigung für Dcutsdiland, Berii» W. 15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• konto: A. H, Hoyrnann & Co,, Berlin, Unter den Linden 59. Der Schekel Die zionistische Organisation marschiert. Aus mühseligen Anfängen cniporgcwnchscn, ist sic innerhalb weniger Jahre zur grollten Organisation der Judenhcit geworden, und rings um uns itclifticn wir die tiefen Wirkungen ihrer Tätigkeit wahr. Das Erwachen des nationalen Stolzes, die liebevolle Pflege der hebräischen Sprache, der Aufschwung des palästinensischen Kolonisationswerkos — das sind Resultate, auf die wir heute schon mit berechtigtem Stolze himveisen können. Aber noch sind wir von unserem Ziele weit entfernt. Noch fühlen wir, wie wenig das Erreichte bedeutet, wenn wir cs an unseren Wiinsehen und Hoffnungen messen. Und so erhebt sich die Frage, durch welche Mittel, auf welchen Wegen wir rascher vorwärts kommen könnten. Wenn wir alle anderen jüdischen Organisationen weit überflügelt haben, so geschah dies nicht durch die Größe unserer Geldmittel; dein! die älteren jüdischen Organisationen sind weit reicher als wir. Es geschah, weil wir den n a t i o n a I e n Willen wachriefen, weil wir an die Stelle von Vereinen und Komitees das Volk setzten, weil wir auf breitester demokratischer Basis eine alljüdische, nationale Organisation schufen, die nicht nur Fonds verwaltet, sondern die das Gewissender jüdischen Nation wachruft, die Jugend zu heller Begeisterung entflammt, die Seele des Juden erlöst. Es geschah, weil wir kein Verein sind, sondern eine Bewegung, in der das jüdische Blut strömt und dar. jüdische Herz vibriert. Alle Juden, die mit uns eines Sinnes sind, sollten nach dein Willen der Schöpfer unserer Bewegung die Möglichkeit haben, sieh der Organisation anztischlicßen, und so wurde der jährliehe Parteibeitrag auf den niedrigen Betrag von 1 Mark festgesetzt. Aber es zeigte sich, daß der Appell an das Volk nicht den erwarteten Widerhall fand. Seit Jahren sind wir über die /.ahl von 100 000 organisierten Anhängern nicht hinausgekommen, und dieser Stillstand wirkte lähmend auf die Partei, entmutigte viele ihrer Anhänger und •verschuldete die geringe Aktionsfähigkeit der Parteileitung, deren Mittel nicht ausreichen, um den großcii Aufgaben, die ihrer Lösung harren, gerecht zu werden. Die Institution des Schekels, die unsere größte Stärke hätte werden können, weil auch der Acrmstc den geringen Betrag von einer Mark zu entrichten vermag, ist unsere größte Schwäche geworden. Sie sollte ein goldener Strom sein, aus dem die Parteileitung mit vollen Händen schöpfen ״Der Ztonlr.mun crnlrebt für «hm jüdloclic Voll; «110 nchr.flans einer ßffeut- UcIi-reclVwI’cli 2c31cl:c1־t.cu Hclnsatlttio In Paliisilan.“ Dncclci• Prosrrnmni. kann, und ist statt dessen ein spärlich fließendes Bächlein, das jeden Tag zu versiegen droht. Wie ist Abhilfe zu schaffen? Wir können mul wollen an den Ormulpriuzipicn unserer Ik•־ wegnug nicht rütteln. Wir müssen den demokratischen Gedanken wahren, müssen unablässig danach streben, die zionistische fdee den Massen vertraut zu machen. Deshalb halten wir an der lustimtion des Schekels, dessen Zahlung «las Be kcimtnis zu unserer Partei bedeutet, unerschütterlieh fest. Um aber der Parteileitung die nötigen Mittel zu schaffen, muß die Sehekelzahl vermehrt werden. Und noch ein zweiter, noch wichtigerer Gesichtspunkt tritt hinzu. Die geringe Zahl unserer Anhänger ist der Größe unserer Aufgabe unwürdig. Unsere Organisation ist größer als alle anderen jüdischen Organisationen, aber was bcdeutet das, wenn wir die Aufgaben jener Organisalionen mit denen der nnsrigen vergleichen? Wir haben es unternommen, das jüdische Volk zu organisieren mul sollten zufrieden sein, wenn wir lüöüDO Anhänger zählen? Nein, wir müssen zahlenmäßig w e i t e r k 0 m m 011, damit wir Vertrauen zu uns selber, steigende Achtung in den Augen der andcren und schließlich die erforderliche Macht im Judentum erringen. Deshalb gibt es nur eine Parole für unsere Anhänger in Ost und West: Vorwärts, unablässig vorwärts, unablässig gekämpft für die Gewinnung neuer Anhänger. Die Schekelzahl muß sich in den nächsten Jahren vor* doppeln und verdreifachen — das ist das Ziel unserer Agitation, dafür müssen jetzt alle Kräfte angespannt werden. Das Aktionskomitee ist ent* schlossen, die Werbearbeit in der ganzen Welt zu unterstützen. Die Hauptarbeit aber bleibt den Landesverbänden, den Vereinen und schließlich den einzelnen Parteigenossen, deren Wille, deren Tatkraft uns den Sieg erringen muß. Schon das nächste Jahr soll zeigen, «laß wir imstande sind, unsere Macht auch äußerlich zu verstärken, und deshalb muß ohne Zeitverlust und ohne Schwanken,sofort an die Schekel- Propaganda geschritten werden. Nach den Beschlüssen des X. Kongresses sind nur diejenigen Gruppen berechtigt, einen Delegierten zum Kongreß zu entsenden, die innerhall) zwei Jahren, also von einem Kongreß zum andern, 400 Schekel abgeliefert haben. Während bisher die Schekelarbeit nur in den Kongrcßjaliren mit einiger Energie betrieben wurde, soll sie nunmehr während der gesamten Kongreßperiode eifrig fortgesetzt werden, denn jeder Schekel zählt für die Wahlen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft unseres Volkes soll sich in freudige Taten um* setzen. Alle unsere Anhänger sollen von dem Bewußtsein durchdrungen werden, daß cs von ihnen selbst ahhängt, ob wir In den nächsten Jahren mächtig vorwärtssclircitcn oder in dumpfem Stillstand■ verharren sollen. Die Bahn zur Arbeit ist frei, die zionistische Organisation ist einig, mm soll sic aller Welt zeigen, was sie vermag, und wenn sie bisher langsam, in miihseligeiü Ringen, Schritt für Schritt an Terrain gewann, so soll sie nunmehr im Sturmschritt marschieren! ששששששששששששששששש Infolge einer erheblichen Erhöhung de* Druckpreiscs unserer Zeitschrift sehen wir uns veranlasst, zum 1. Januar 1912 den Quartalsprcis für das Einzelnbonnement der ״Jüdischen Rundschau“ auf El 1,50 zu erhöhen. Der niedrige Preis von für den Bezug durch die Vereine bleibt bestehen. Wir bitten unsere Leser im Interesse einer ge* regelten Zustellung ihr Abonnement sofort zu erneuern. Spätere Reklamationen über unpünktliche Lieferung sind häufig auf eine verspätete Anmeldung zurückzuführen. Verlag der ,Jüdischen Rundschau*4• Berlin W 15, Sächsische Str. 8. ששששששששששששששששש Die Grundlagen zionistischer Politik Ein eigentümlicher Zufall, ein Zusammentreffen, dem man so etwas wie historische Bedeutung zu. sprechen möchte, will es, daß die Neuorientierung der zionistischen Organisation, die der letzte Kongreß be. schlossen hat, zeitlich fast zusammen fällt mit der kolossalsten Erschiitterimg, die der Orient im letzten Jahrhundert zu überstellen hatte. Die neue Ordnung in der zionistischen Organisation wird damit zu einer Zeit, da sic gerade begonnen hat, einer 80 emi• nenten Belastm1gspro1>c ausgesetzt, wie man sic früher kaum auszudenken wagte. Hs ist natürlich, daß sich in diesen Tagen unsere Blicke mit besonderer Aufmerksamkeit, die von Bcsorgnis nicht frei ist, zum Zentrum unserer Organ!• sation hinwcmlen. Zu der Unruhe, die die Schwierig, kelt des Augenblicks notwendigerweise hervorrufen mußte, gesellte sich naturgemäß die Erwägung, in welcher Weise die neue Leitung ihrer politischen Aufgabe gerecht werden wolle: welches Ist ihr polltische» System? Es ist sehr erfreulich und cs entbehrt nicht einer prinzipiellen Bedeutung nach innen hin, daß da• E. A. C. offenbar nicht der Ansicht ist, daß die Methode unserer Politik ein noli mc tangere ist, da• der öffentlichen Diskussion entzogen werden müßte. Es muß nicht nur zur Beruhigung der Gemüter und zur Stärkung־׳ des Vertrauens beitragen, wenn von autoritativer Seite Erklärungen über diese Punkte abgegeben werden, die, so ganz privater Natur sie auch sein mögen, immerhin als der Niederschlag jener Meinung aufgefaßt werden können, die heute in der Leitung vorherrscht. Es wird unserer Md• mmg nach auch der Arbeit in der Organisation nur vorteilhaft sein, wenn auf diese Weise einem weiten Kreise Uelegcnheit gegeben ist, sich ein geordnete• Bild nicht mir unserer politischen Aufgaben, sondern — und darauf kommt es an — unserer politischen Methode zu machen. Wir möchten sogar der Am Rieht Raum geben, daß cs auch unserer ״äußeren Erscheinung“ nur förderlich sein kann, wenn man sieht, wie ernst wir diese Dinge nehmen, wie lebhalt wir bestrebt sind, uns darin zu versenken und wie prinzipiell einerseits und ehrlich und loyal andererseils die Basis ist, auf der unsere Politik aufgcbaüt ist. Wir leiden heule zweifellos unter einem Mange! polllisch geschulter Köpfe, solcher Minner, die

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