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Jüdische Rundschau · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements ,111( ,li» wüclifnllHh »m l'rc.tijr ff• ״Jüdische Rundichau" kn.lrn tri der K*|1f<lil1111׳ und bei *Ilm l’o«(rtmlfrn vierlcljnlirlith l,?5 M , (uOfhulb Dful«rbl*ml1 ״ml t )<- *Ir r. rficlfU״ga׳n» M.1 für Mitglieder jüdisch(׳' Vrifine im S*mmclbetug durch 11m Vrrtin I,־* M, Vurlag JUtllarli■ Rundadtau E. (V m, b. II. BERLIN W. IS, Silch.l.che SlraOe 6. Telephon: Amt Uhlanil 84S. 0«׳*fh?1l|ulumlrn: D I imil 4—7 Uhr, aulirr Sunnabrnil und Sonntag, *~־f ד¬¬ ו ] 1 f » j 1 . : n \ J \ ־־}, q r\ q r״ U t 1 V. ■ י יח יי ־? I■mJ יי•——L-J L . / L . V ר"׳! ס ך־ Z3 J u LJ O < ■ J u ו n r\ n / I Anzeigen Itoilfd für di# *ftlugrapallene Petit• feil» oiltr drr«n Raum tu PLl Stellen• Angebote und •Cmuche »«.wie Verein»• Mitteilungen und ״Klein» Amrigen* □ □ nur 30 l'lennig O O | Manuikripte wrrdtn, wenn Porto beiliegL | »lei» lururkgetandt. KedaktionaadiluBt |! . Mitlwodi vormittag•. ן I I ■ Redaktion JUdlielt(# Rtiadadiaa j! BERLIN W. IS, SSduliche SlraOe «. ן ן Telephon 1 Amt Uhlanil 845. | I” ‘ ‘ ‘ י" ‘ *r' *־־ “ ^■e fl MG cn ה r c’j' j K J . J U ח o vO ף ״ח v.2 ü u O - ' ר־׳ י* j Nummer 47 Berlin, den 24. November 1911 — 3. Kislew 5672 XVI. Jahrgang ששםשש₪םששםםםשםםפפ Ausweis Landcshciträgc: Varel 8,— Mk־., Nürnberg-Fürth 40 M., Schöninitkc 31 M., Rappenau 2 M., Wilhelms• luven 3 M. Organisationsfands: Albert Asch, Merlin, -U M., nerlrand Hamburg, Berlin, 23 M., Nathan Klein, 2. Kate, •1,50 M., Notar Jakob Schachtel, Berlin, Sonderbeitrag, 33,10 M., Erlös für 1 Sharcbticlt des J.C.T. 18,30 M. Eingang vom 17. bis 22. Novembers Landes• beitrüge 81 M., Organisaliousfomls 102,00 M. Gesamteingangs Schekel 177 M., Laiutcsheitr.'igc 6123,05 M,, Organisationsfonds 0839,88 M. Adresse für Geldsendungen 1 Zionistische Vercinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Stralie 8. Postscheckkonto! Berlin 8091, Bank■ konto: A. H. Hcymoim & Co.» Berlin, Unter den Linden 59. ששששששששששששששששש Der jüdische Monist Man hat den Zionismus oftmals die bis turiso 11 gerichtete Anschauung im Jiidenlnm geiiannt. Dali wir aus unseres Volkes Vergangen* lieit gelernt haben ihm ein Zukunflsziel zu setzen und uns zu treuen Hütern seiner nationalen Tradition gemacht haben, das allein kann den An* Spruch auf diesen Ehrentitel im Sinne neu/.eitlieber Geschichtsforschung nicht begründen. Da könnte mancher mit uns rechten, oh denn gerade unser Ziel das historisch bedingte sei und ob nicht manchmal das Aufgehen einer Tradition hi* »torisch folgerichtiger sei, als das starre Festhalten am Ucberlieferten. Historische Weltanschauung bedeutet heute etwas anderes. Sie erstreckt sich nicht nur auf Vergangenheit und Zukunft, 8011• (lern in erster Linie auch auf die lebendige Gegenwart. Wir — und n u r wir — haben es gelernt ein jedes Ereignis — mag es von atiBcn an uns herantreten oder In unseren eigenen Reihen seinen Ursprung haben — historisch zu erfassen und dem Gesamtbilde unserer Volksgeschichtc cinzufügen. Diese Anschauung ist nicht bc• quem, aber sie schützt vor Ucberraschungen und Enttäuschungen. Sie zieht die großen Ercig« nissc des Weltgeschehens ebensowohl in den Kreis ihrer Betrachtung, als auch winzige Vorkoinmnissc, die dem historisch nicht geschulten Auge bedeutungslos scheinen. — Dafür ein Beispiel: Der Referent der ״Norddeutschen Allgc* meinen Zeitung״ berichtete jüngst aus einer Ver- Sammlung des Kcplcrbundes von dem Auftreten eines ״jüdischen Monisten“. Das hat zu langen Erörterungen in der Presse Anlaß gegeben, bei denen das allein Symptomatische übersehen wurde, wie stets bei Dingen, die das Judentum angchen. Der Monist rangiert in den Augen unserer Offiziösen gewiß nicht allzu weit hinter dem leibhaftigen Gottseibeiuns, hat zum mindesten aber vor dem Sozialdemokraten nicht viel voraus. Der jüdische Sozialdemokrat — hier ist uns die Verbindung schon •geläufiger. Und dann aus dem Munde des Besitzlosen: Der jüdische Ka- ״Der Ziontamua crutrcbt für das jüdische Volle die Schaffung einer üffent- Hch-rcchtilch gcslchorton llclmsUttto In Pnlllotlna.“ Baseler Programm. pitalist. Oder ,vom Strenggläubigen: Der jit* dischc Freimaurer. All das haben Nichtzionisten, orthodoxe wie liberale hundertmal gehört und — nichts gelernt; konnten nichts lernen, weil sie den Zusammenhang nicht sahen. Wie cinträchtiglich hier doch im Grunde der Besitzende mit dem Be* sitzlosen, der Strenggläubige mit dem Freidenker ist. Für jeden ist der Jude das Böse schlechthin. Historische Betrachtung verbindet nicht nur Ver* gangenheit mit Gegenwart und Zukunft, sondern sie schlägt auch Brücken zwischen den Gcscheli* uissen unserer Tage. Der Monist, der von der ״Norddeutschen All* gemeinen Zeitung“ so unerwartet au sein Volkstum erinnert wurde, er teilt sein Schicksal mit jedem staniniesverwamltcn Wucherer, Dieb und Wcchselfälscber. Hier darf sich das offiziöse Blatt schon nicht mehr erlauben die Bezeichnung ״jüdisch" jedesmal fein säuberlich beizuset/en. Man muß schon tiefer steigen. Zur ״Deutschen Tageszeitung", zum ״Reielisboteii“ und iihnlieben. Aber die feine Nase für den ״jüdischen Glauben" von Leuten die sich mit Reclu »nie; Un recht minderen Ansehens erfreuen, findet man auch weithin außerhalb des Leserkreises dies •r Blätter. Vom Judentum eines Ehrlich, Israels Lie* bennann ist unseres Wissens noch kein beson* tleres Aufsehen gemacht worden. Aber man soll deshalb niemanden schelten. Wir alle, Juden wie Nichtjuden unterliegen dem einen histori* sehen Gesetz: ״Die starken Völker werden nach ihren Besten beurteilt, die schwachen nach ihren Schlechtesten“. Wer sich einen Deutschen vor* stellt, denkt an den Recken vom Sachseinvald, der Jude lebt in der Vorstellung des Wohlmeiiien־ den oftmals als Schnorrer, in der der Voreilige* nominellen als Gauner. Sollte nicht die Scham gerade Jene, die über Fälle, wie den des jüdischen Monisten zu lamcn• ticrcu pflegen, anfeuern mit uns daran zu arbeiten, daß unser Volk stark, und daß dann ein adliger Mann der Prototyp der Juden werde? Die Zeit wird kommen mit oder ohne Hilfe unserer Gegner von heute, herbelgcführt von allen, die licrzl lehrte das Judentum in zionistischer An* schaumig historisch zu betrachten. Das Schicksal der jüdischen Landgemeinden Von Dr. Arthur Kahn, ״ . . . ja, lieber, alter Freund, du kannst mir glauben, daß wir auf dein Dorfe auch schwer dar* unter Ickten, wenn so einer nach dem anderen fort* zieht, den Kindern nach. Und wo sic keine Kinder haben, ziehen sic doch fort, um ihr Qeld in der Stadt zu verzehren. Sind sic liier am kleinen Ort reich geworden, so kommt der Ehrgeiz dazu, und es ist ihnen nicht mehr genug, Ocmcindcrat und Parncß zu celn; fort ins Mokcm, wo sic glauben, die ersten zu werden. Dann lieber, alter Freund, verlieren wir nicht allein das Minjan, sondern auch die Steuer dazu. Wenn auch beides sehr arg ist, so treibt doch die vermehrte Last für den Kultus wieder andere auch fort, und wir werden immer weniger. Da dachte jcli darüber nach, daß Du, ntter Kriegskamerad, uns Landjuden helfen kannst. Wenn Jnfolgc des gesetzlichen feicrlages musste die Redaktion der vorliegenden f/ummer schon am ])lenslag geschlossen werden. Sinige ]ie~ richte und JJnzcigcn, die uns nach Redaktions-, Schluss zugingen, mussten infolgedessen zurückgeste/lt werden. Du willst, so kannst Du, auf Dich hört man noch, also rechnen wir fest auf Dich Dieser an den Verfasser gerichtete Brief eines auf dein Dorfe wohnenden Juden berührt einen der wundesten Punkte der modernen Judcnnot. Unsere f )orJgenielmlcn verschwinden, und damit versiegt der Quell unserer Kraft. Der Verlust b/w. das Eingehen der kleinen Landgemeinden bedeutet für uns keine geringere Gefahr als Misebebe, Taufe, Ehelosigkeit Gebmtenverminderung. Wie aus dem obigen Briefauszug zu entnehmen• ist, bedeutet der Abzug vom Lande — was ja auch, bekannt ist - nicht nur eine Schwächung des Kultus, indem die erforderliche Minjanzahl aufhört, sondern auch den finanziellen Nicdcrbnieli der Dorfgemeinden wie auch kleiner Stadtgeiucimlen. Fs gibt aber einen Ausweg, um diesem Auflösungspro/cll entgegen/uwirkeu und beide vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Wnm ein Jude heute sein Domizil ändert, so ge* siliiehl di er. :־.n! mir. wvijjgcn .Ausnahmen aus einer Land• oder Kleiiistadtgemeimle in eine Großstadt, PerT“"״ Ab• resp. /!!ziehende ist in der Regel finanziell gut situiert und gehörte zu den I loch• lind Höchstbesteuer* teil seiner früheren Heimat. Zieht er nun in eine größere Gemeinde, so findet er dort bereits alte In*, stitmionen vor, deren Mitgenuß der üemcindeverwal* tmig keine erhöhte Kosten durch das neue Gemeinde* nutglicd verursacht.• Auch ist die Stadtgcmcindc durch* Wegs so situiert, daß sie auch ohne das neu hinzu* gezogene Mitglied ruhig weitercxisticrcn könnte. In Berlin können Jahre vergeben, che ein neu hinzu* gezogener Jude besteuert wird. Oft, sehr oft bleibt da* durch ein vermögender Mann lange Zeit hindurch ganz steuerfrei; mancher ״nassauert", je größer und;• reicher die Gemeinde und je schwieriger die Kon-" trolle wird, um so länger. Hier wäre nun folgender Ausweg zu schaffen, dem man im Interesse armer Kleingemehidcn Oesetzeskraft verschaffen müßte. Mein Vorschlag hierzu ist folgender: Wer von einer kleinen Gemeinde (deren Mindest* oder Böchstzahl von Zcnsitcn resp. Höchstciiuialunc und Kultusetat festzusetzen wäre) In eine giöBcre zieht, zahlt für die Dauer von drei Jahren an die verlasscnc Gemeinde die bisher bezahlten Steuern in gleicher Höhe weiter und wird nur mit der Differenzquote, falls diese in der größeren Gemeinde (,,Zuzugs*' gemeinde") durch eine höhere Steuer entsteht, von dieser besteuert. Im vierten Jahre zahlt der Abzichcndc noch zwei Drittel, im fünften Jahre die Hälfte seiner Qcsamt* Steuer an die alte Muttergcmcindc und wird erst nach 8 Jahren von der Stciicrentrichtung seines frühere 11 Wohnortes gänzlich befreit. Der Rest der Steuer- 1 differenz kommt selbstverständlich der neuen Gc-' rncindc zugute. Eine unserer wichtigsten und brennendsten Zeit- , fragen ist hier zur Debatte gestellt. Weder der ver- (l flossenc Oemciiuictag noch der vor einigen Tagen > stattgehabte ״Verbandstag" haben sich mit diesem | Problem, dessen immense Wichtigkeit niemand unterschätzen wird, beschäftigt. Es stand nicht einmal auf der Tagesordnung. Um so mehr wird hoffentlich die gesamte jüdische Presse diese ernste Frage zur KII* rung führen. Obiger Vorschlag soll kein propo- '; nlcrtes Fundamcntalgcsetz, sondern ein Beispiel oder eine Grundlage hierzu bieten. Damit •ei da• Problem I zur Diskussion gestellt.

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