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Jüdische Rundschau · 1911-11-10 · Heft 45 (10.11.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Amt Uhland 815. ־־‘-י,,.■־־ י‘, 1 * *§ f \ rן J lli li ü ר־ (: ר. ר׳• q ‘ ־ ־׳... C 1 י י״־׳/ י? . י׳* ל" ע.ל ü u ל Nummer 45 »•* 3“er הן ר־״׳* 7~r fr x U׳? L f '? Berlin, den 10. November 1911 —19. Chcschwan 5672 XVI. Jahrgang ״Per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer affcnlKch-rcchtllch geulclicrten llclmstütte ln Palästina.“ Baseler Programm« Sitzung des Grossen Actions־־Comites zu Berlin vom 4.—7. November 1911 Das Cjrolle Actions-ComiK der zionistischen I Bewegung hat in Merlin, am Orte der neuen j Leitung, seine erste Sitzung nbgelnlten und dabei die Prüfung auf seine lligmtng •zu fruchtbarer Beratung und Entschlicllung bestanden. Wie zu erwarten, war das ganze weite Gebiet /ionistischer Tätigkeit (iegenstand der Beratung, und es lallt sich wohl kein Punkt der Tages- Ordnung aufweisen, bei dem man nicht sagen könnte, dafl der (iegenstand gefördert, der Wille des X. Kongresses seiner Verwirklichung näher gebracht worden sei. So lallt sich denn heute, svo der Bericht des E. A. ('., über die ersten drei Monate seiner Tätigkeit und die Beschlüsse der G. A. C.-Sitzung vorliegen, das eine mit Sicherheit sagen: In Basel wurden diesnnl keine piatonischen oder rein demonstrativen Beschlüsse ^,gefallt. UebcraU js.t die Arbeit in l'lull. Hier, Ist sie weiter gediehen, dort weniger weit, aber die Tätigkeit der nächsten Wochen und Monate wird uns nach menschlichem Ermessen auf allen Gebieten fördern. Die überaus starke Beteiligung aus den verschiedensten Ländern (nur drei Mitglieder fehlten an der klug auf 30 beschränkten Personenzahl) zeigte von •neuem, dal! es gewill keine leere Phrase war, wenn man im Verlaufe der Erwägungen, die dem letzten Kongrell vor• ausgiitgen, Berlin immer wieder als ein jiidi• sclies und geographisches Zentrum pries, das zu ständiger zionistischer Arbeit und zu periodi* sehen Tagungen besonders geeignet sei. Das wurde auch von jenen Mitgliedern des A. C. aufs angenehmste empfunden, die Gelegenheit nahmen, mit den zahlreichen Gesinnungsgenossen aus der Provinz. Fühlung zu nehmen, die zur Teilnahme, an anderen jüdischen Tagungen, die gleichzeitig stattfanden, in der Hauptstadt an• wesend waren. Erste Sitzung vom Sonnabend, den 4. November, abends 6 Uhr Anwesend sind die fünf Mitglieder des l:\A.C., Professor Wartung. Dr. J n coli so 1111, Dr. I I n n < k e , f)r. L e v 1 n und S o k o I o w. Vom grollen A. C. sind last sämtliche Mitglieder erschienen: Dr. Bodeiilicimer, Böliin, Fischer, Dr. Friedemann. B. Goldberg, Dr. Ilalpern, Dr. Hansmann, Idcfsohn, Kann, Dr. Klee, Dr. Marmorck, Motzkin, Podlischewski, Kosoif, Rosenbaum, Schein, Simon, Stand. Tschlenow, Ussisclikiu, Professor Wcizmann und wolffsolm; die Herren Kollier, Kreme• nezky und Nniditsch haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Ferner nehmen an der Sitzung die Direktoren des J. C. T״ Dr. Kntzcnelsolm, Gowen mul Feldstein, der Vorsitzende der Misraclii-l'ötJeratio», Dr. Franck, und Herr Bczalel Joffe aus Palästina teil. Der Vorsitzende, Professor W a r b u rg, erinnerte in seiner Eröffnungsansprache daran, dall dies die erste Sitzung des Aktions-Komitees nach dem Kongrell sei, die an dem Sitz der neugcwähltcn Leitung stattfindet. Er begrüßt die Mitglieder des Aktions- Komitees und spricht den Wunsch aus, dall sic sich immer wieder gern zu gemeinsamer Arbeit am Orte der Leitung zusammenfinden werden. Das A. C. ehrt das Andenken des Herrn Sapltir, des Subdirektors der A. P, G;( und des Herrn I Azaria durch Erheben von den Sitzen.; Hierauf erstatteten die Herren Sokolow‘ und 1 Dr. Jacobson einen ausführlichen Bericht über j die politische Lage, an den sieh eine lange Dis• kussion ankniipft, die mit der Annahme der vom Engeren Aktions-Komitees zu diesem Punkt dei Tagesordnung gestellten Anträge endigt. Schluß der Sitzung nachts 12 Uhr. Sitzung vom Sonntag, den 5. und Montag! den 6. November, vormittags 10 Uhr Die nächste Sit/iing beginnt Sonntag, den 5. November, vormittags 10 Uhr, mit den! Referat über die P a I ä s t i n a a r b e i t, das Professur W a r borg erstattet, Er weist in dem Bericht darauf bin, daß die prinzipiellen Richtlinien unserer Palilstlnaarbclt fcstgcstelll werden müßten. Manche Tätigkeitsgebiete werden von andern! Organisationen bearbeitet, ,1 «cli gibt «•י wi,<!< 1!!.'וו Spi /!.־(!gebi! Ic, denn! wii uns vorwiegend /uwcndcn müssen. Als erster Punkt wäre die Erforschung Palästinas zu neunen, für die jet/t von l all zu I all Erforschmigsarbeilen angestellt werden, so* oft eine Frage wirtschaftlicher Natur an uns heranlritt. Die Ideen-Propagamla leisten wir hauptsächlich durch die Presse. Aber auch durch interne Konferenzen wird propagandistisch viel er• reicht, wie die Erfahrungen 0er letzten Jahre bc. wiese« habe«. Von größter Wichtigkeit sind Pa- I ii s t i 11 a r e i s e n unserer C i e s i 11 n u n g s g e n o.s seil. Unser Hauptinteresse richtet sich naturgemäß vor allem auf die Schaffung größerer agri• kultureller Institutionen. Wir müssen einen Land• k a 11 f 11 u d e i 11 e n () k k u p a t i o n s f u 11 d s habeii* Erstem) brauchen wir, um Enmlkäiife diirelizulüliren, sobald sieh Kaufiuögliclikelteu bieten. Letzterer muß di׳: Kredite gewähren, die nötig sind, um das Land sofort zu bewirtschaften. Eür die Zwecke der Parzellieriing haben wir die P a 1 c s t i 11 e Land D e ve Io pme 111 Co., die aber in ihrer Entwicklung sehr gehemmt ist, weil ihr kleines Kapital in der Farm Kincrcth festliegt und daher für die Par• zeilicrung größerer Ländereien auf den Kredit des J. N. F. angewiesen ist. Dieser Kredit kann aber nicht sehr hoch hemesseu werdet!; da das eigene Kapital der Uesellseliatt zu gering ist, auch fehlt es ihr an dem nötigen Okkiipatiojisfoiids, Daher muß die P, L. D.C. ganz anders gestellt mul mit viel größeren Kanitalicn ausgeslnltct werden, um ihre hoch• wichtige Aufgabe durchführen zu können. Die Wichligkeit des A g r a r K r e d it e s ist allgemein anerkannt, wir brauchen neben dem langfristigen Agrarkredit für die ärmeren Ansiedler auch einen Betriebs• kredit, der nicht für lange Jahre fosllicgt. I Von den gemeinnützigen Unternehmungen, die wir fördern müssen, ist der •Be/alel, der .Verband Jüdischer Frauen, sowie die geplante Gartenstadt zu nennen. Ferner gehören hierzu die ländlichen gemeinnützigen Institutionen, hauptsächlich die Sied• lungsgeiiossenseliall. Da die Mittel des Nationalfonds größtenteils bereits feslliegen, so müssen wir für die vielseitigen Aufgaben der Kolonisation neue Mittel Schaffell, und zwar durch Heranziehung von I* r i v a t k a p i t a 1 und Verkauf der Anteile der J>. L. D.C. Im Anschluß an das Palästina-Referat erstattet Dr. L e v i 11 das Referat filier die kulturellen Aufgaben. Er führt aus, daß die zionistische Organisation ן mit anderen Organisationen philanthropischer Natur I auf dem Gebiete des Schulwesens heute nicht kan- I kurrieren könne. Wenn sich die zionistische Organisation aber damit befallt, die s c 11111 c 1111 a s s e 11 u I Jugend zu fördern und duieh Einrichtung von Volks- Universitäten und Fortbildungskursen int Orient Ein• flull zu gewinnen, so wird sie in rascher Zeit und mit verhältnismäßig geringen Mitteln einen großen Finfluß aul die orientalische Jiidcnhcit gewinnen und sie in unserem Sinne erziehen. In Palästina selbst haben wir die wichtige Aufgabe, die Organisation der jüdischen I ehrer und die hebräische!,resse zu fördern. Für diese großen und wichtigen Aufgaben haben wir keine Mittel, aber das E. A.C. betrachtet cs als seine Aufgabe, die Mittel hierfür zu schaffen. An die beitJeri Referate schloß sich eine lange Debatte, die am Montag vormittag noch fortgesetzt wurde. Herr J. H. Kann führt aus, er beabsichtige nicht, prinzipiell Opposition gegen die Palästiiiaarbcit zu machen, doch habe er auf Grund von fachmännischen Urteilen die Ansicht gewonnen, daß manche unserer Gesellschaften nicht kaufmännisch genug verwaltet werden, insbesondere scheine ihm dies für die Od• baumspcmlc /11/11lrelfen. Professor Wartmrg erwidert, daß die von Herrn Kann genannten t11;:iü1tio1H,1 zum 1 eil. PrivatgcseH- , schäften seien, daß aber bei keiner Gesellschaft Grund zu Vorwürfen vorlicgc. Diese Punkte führen zu einer langen Debatte, an der sich sämtliche Mitglieder des A. G. beteiligen. Aus der Debatte geht Iicrvor, dall das Aktions-Komitee darin ühcrciustirnmt, daß die Gesellschaften viel Gutes leisten. Naturgemäß nuißten wir erst allmählich über den Zustand des Expcninciitierens lünatiswaclisen, und manche Schwierigkeiten sind noch zu überwinden. I lerr Sokolow führt in Ergänzung des Referates über die Kiilltirfragc aus, daß sich eine große Arbeit für die zionistische Organisation durch das Studium der Sehulfrage im Orient eröffne. Dies sei eine sehr ernste mul wichtige Angelegenheit und müsse Gegenstaiul einer sorgfältigen l:1u|1a׳tc sein. Diese Ausffihruiigen begegnen allgemeiner Zustimmung. Von den Beschlüssen des A. G. zur Frage der Palästinaarbeit sind folgende bcrvor/ulicben: L Antrag des E. A. C.: Bezüglich der praktischen Arbeit in Palästina ist das A. G. der Ansicht, daß alle Arbeit auf den Erwerb von Ländereien durch Privatleute und auf die Förderung unserer Parzellierungsgcsellscliaft, der P. L. I). C., konzentriert werden muß. Das E. A, G. wird beauftragt: , E In allen Eamlesverbämlcn und Sondcrvcrhändcn eine energische Arbeit nach dieser Richtung hin ein/ulcileii, 2. <lcn Kongreßbeschlull wegen Erhöhung des Kapitals der P. L. I). O. auf das schleunigste durctizufiihren, 3. die Agitation (ür den N.-F. einschließlich seiner Nebenabteihuigen (Genosseusehaftsfonds, Ocllv.mmspvsule, ArbvUeöwUusHiUenfoiuU} dauernd mit allen Mitteln zu unterstützen. 2. Antrag Tschlenow 1 Das E. A.C. wird beauftragt, alle nötigen Maßregeln zur Schaffung eines Instituts für Agrarkredit zu treffen. 3. Antrag Böliin: Das F.A.C. wird beauftragt, gemeinsam mit den!.eitern!!er verschiedenen zionistischen Institutionen einen Arbeitsplan atif/iislellen, in welchem jeder der Institutionen ihre bestimmten Aufgaben zugewiesen werden und durch den ein einheitliches und rcibkngftloses Zusammenarbeiten tler einzelnen Leitungen der Institutionen gewährleistet wird. 4. Antrag Weizmann und Motzklm Das E. A.(נ. wird beauftragt, für eine der nächsten Sitzungen des A. G. alles erreichbare Material über die Möglichkeiten der Einwanderung nach dem Orient zu sammeln und zu bearbeiten.

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