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Jüdische Rundschau · 1911-10-27 · Heft 43 (27.10.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Telephon: Amt Ulilend 845. SprceLetueden Dient)•; und Donnaralaf 5-6 Uhr nadimitlaga. GO TOSE! <3 Nummer 43 Berlin, den 27. ז VA '■׳m* ±±\ß& Vi 5. ChcGclnvan 5672 XVI. Jahrgang Ausweis Schekels Breslau 5» Mk., Elberfeld :10 Mk. Landesbeit rüge: Stettin 13 Mk., Dnrlimind 70 Mark, Elberfeld 30 Mk. Orgnnisationsfonds: Lehrer M. Maier, Weinbeim, 5 Mk., Nathan Mehl, Elberfeld, 5 Mk.. Albert I evi. Nenkircben, 5 Mk., Lehrer Sandler, Königsberg, 'י Mk., A. Stein (V. J. St.), Berlin, 10 A\k., Julius Simon, Mannheim, 50 Mk., I)r. I.dwenluim, Berlin, 30 Mk., W. Schenker, Dresden, 5 Mk., Rechtsanwalt Ludwig Keiler, Schweidnitz, 2 Mk., ans Hamburg 1,50 Mk., .־ms (»leiwit/ 31,31) Mk. (laut Spezifikation in ״Verschiedene Spenden“ aus Nr. II und •12). Eingang vom 19. bis 25. Oktober! Seitekel: SO Mk., Laudcsbeiträgo: 122 Mk., Organisntiousfomls: I ■12,80 Mk. Gcsamtcingang: Schekel SO Mk., Lamlcsbcitriigc 5078,05 Mk., urganisntionsfouds <)580,08 Mk. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Siichsischc Str. 8. Postscheckkonto: Berlin 809t, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. ״Ein Ruf zur Tat“ Unter diesem Titel isl in einer iiicht/ionisti־ sehen Zeitschrilt ein Artikel erschienen, der bei uns so großes Aufsehen erregt hat, daß er in der ״Rundschau“ vollinhaltlich nbgedriickt und in der ״Welt“ mehrfach ausführlich besprochen worden ist. Man empfand das darin (iesagte als eine große Anregung, die geeignet scheint, in unserer an klaren Forderungen recht armen Zeit einen Widerhall zu finden stark genug, um vielleicht den angedeutelen Blau zu verwirklichen. Dieser Plan läuft darauf hinaus, zu der immer unerträglicher werdenden Lage der russischen und rumänischen Juden in einem alljüdischen Kongreß Stellung zu nehmen, und zu versuchen, ob mau durch Anrufung der öffentlichen Meinung Europas liier bessernd eingreifen könnte. Es ist weiter davon die Rede, daß Mittel und Wege gefunden werden sollten, in jenen Ländern selbst, das ökonomische Rückgrat der jüdischen Bevölkerung zu stärken, oder (laß in der Einigrationsfrage elwas Entscheidendes geschehen solle, um das Uebcl durch Arbeit a u ß e r h a 11) jener Länder zu bekämpfen. Es ist charakteristisch, daß die ״Welt“ in diesem Gedanken eine Frucht zionistischer Erziehungsarbeit sehen will. So weil identifiziert sie sich mit den hier gestellten Forderungen. Wie sehr aber eine solche Stellungnahme zu he* großen ist, so ist diese Auflassung doch nicht richtig. Nicht die zionistische Bewegung (mit ihrem Programm der Schaffung einer Heimstätte in Palästina) ist der Ursprung des Gedankens einer alljüdischen Organisation, sondern diese a 11 j fi d i s c h e n Ideen s i n d d e r Ursprung des Zionismus. Hieran wird auch nichts etwa dadurch geändert, daß in dem zionistischen Programm׳ unter anderen Mitteln zur Erreichung Palästinas auch jüdische Organisation aufgezälilt wird. Die Orga* nisation ist hier eben nur Mittel zu einem jüdischen Teil zweck, während der alljüdische Standpunkt eine Ci e s a m t ־ Organisation verlangt, die allen Zwecken der jüdischen Gesamt 11 eit d i e n c n s 011. Und hier ist auch der Platz, um zu betonen, daß die Zwecke der Gesamtorganisation viel weiter zu fassen sind, als cs in dein zitierten Artikel selbst der Fall war. Nicht die Lage in ״Dee Zlont:־:;m;3 cr!:ta*oI)& für dnn jUdlncho Volk dlo Cchnf *1:ןימ einer Cffcatlich-rcchtllch £crdcI1cr«;ca I*eIm:;i״ilto 11» FaUlfjtinn.“ Dncclor Prorpenmin# Rußland oder in Rumänien so sehr sie auch bestimmend auf die Zustände der jüdischen Ciesamtheit wirkt - - sollte der ausschließliche Zweck oder auch nur die programmatische Veranlassung der geplanten Zusammenfassung aller jüdischen Krälte bieten, sondern svir sollten von vorn- 11 e r ein die C i e s a 1» t h e i I der j ü d i s c h e n F r a g e!1 als das Arbeitsgebiet der a 11 j ü d i s c h cn C) r g a n i s a t i o n d e f i * 11 i e r e n. Die Gründe hierfür sind sehr verschiedener Art. Zunächst wäre es logischer, wie wohl nicht weiter ausgeführt zu werden braucht. — Daun aber hätte die Einberufung eines alljiidisehen Kongresses zu den gedachten Zwecken auch ihre Cie fahren. Es nützt uns nicht, zu sagen, daß es schlimmer nicht werden kamt als es isl. Das wurde von denen, die zu solcher Redeweise neigen, schon früher und schon oft gesagl, und die weitere Entwicklung hat ihnen nicht reell', gegeben. Ei t Appell au die Kulturweit, von dem ich wenig halle (weil die tu atori eilen Interessen derselben. Kulturwelt an einer ״ungestörten“ Entwicklung Rußlands ־- um hei diesem ßeispiel zu!)leihen viel größer sind als alle ethischen Erwägungen), brauchte in keiner Weise tatsächlich gegen Rußland zu wirken und könnte doch (und würde sicherlieh!) in Rußland seihst den Vorwand zu einer weiteren Verschlimmerung unserer Lage abgeben. Rußland ist ״allmächtig“, und wir können keinen Kampf gegen Rußland führen, weder durch Mobilmachung der öffentlichen Meinung Europas noch selbst dadurch, daß wir etwa auch nur die jüdische Einanzwelt zu beeinflussen suchen, ihre tatsächliche Macht Rußland gegenüber zur Geltung zu bringen . . . leb gebe zu, daß es im Falle von Ru* mänien anders steht, und vor reichlich zehn Jahren habe ich einmal in der Oeffcntliehkcil den Vorschlag gemacht, es solle, eine ernsthafte jüdische Körperschaft au die Mitglieder aller Pari a m e n t e Europas eine Denkschrift gelangen lassen, die (ohne Pathos und möglichst ohne jede Art von Kommentar) in knappen Sätzen eine Aufzählung der Rechlsbescliränkuugen enthalten soll, die Rumänien 1111 Gegensatz zu den Berliner Be- Stimmungen des Berliner Vertrages, die die Voraussetzimgen seiner Selbständigkeit waren den Juden gegenüber zur Anwendung gebracht hatte . . . Diese durchführbare Anregung von damals wurde übrigens nicht verwirklicht, sie ist aber seither nicht gegenstandslos geworden. Immerhin sollte mit diesen beiden Beispielen mir die Schwierigkeit einer all jüdischen Aktion gegen irgendwelche Machtfaktoren beleuchtet werden. Aber d.Tdmdi wird die Notwendigkeit einer solchen Organisation keineswegs /ermindert! Wir sollen sic nur von vornh e r e i n für n n s ins Leben rufen u n d nicht gegen irgendwen und i r g e n d - w a s. Auch angesichts der Lage in Rußland gibt es alljüdische Mittel, die sich nicht gegen Rußland richten, und die uns dort nicht schaden können. In dem ״Ruf zur Tat“ sind, sie schön klar genug formuliert. Es sind die Wirtschaftliehe Stärkung der Juden in Rußland und die Systematisierung der jüdischen Auswanderung. Der letztere Weg ist der bessere, denn in der Arbeit innerhalb Rußlands können wir Störungen erleiden, die bei der Auswanderuitg nicht in Frage kommen. (Das wir andererseils die Möglichkeiten der Auswanderung und der Kolonisation meist sehr unterschätzen, hat su'iuii Grund in der allgemeinen jüdischen Unkenntnis der einschlägigen!־'ragen, die aber einmal beseitigt werden muß.) Von anderer Seite wird seit Längerem ein Emigrationskongieß geplant, dessen Zustandekommen aber bisher immer wieder nufgcschobcn wurde. Ohne ״Piioritälen“ betonen zu wollen, kann ich auch daran erinnern, daß ich einige Monate vor der Brüsseler Konferenz die Eiitberufung einer solchen Tagung zur öffentlichen Diskussion gestellt habe. Nur war es nicht meine Auffassung, daß die Initiative dazu von zionistischer Seite erfolgen solle. Daß cs schließlieh doch so kam, mul daß die Brüsseler Kon* feren/ (gleichviel ob sie durch meinen Vorschlag beeinflußt war oder nicht) von unserem Kreise aus eiuherufen wurde, erklärt die Verhältnismäßige Erfolglosigkeit jener Konferenz. Auch heule liegt es ähnlich, uud so sehr der ״Rut zur Tal“ von zionistischer Seite begrüßt wird, so ist es doch inzwischen wohl allen klar geworden, daß die Sache keinen Erfolg haben kann, wenn wir versuchen sollten, sie aus unserem engeren Kreise heraus oder unter unserer Aegiile zu verwirklichen. Darüber kann kein Zweifel sein, daß aus unseren Reihen die freudigste Mitarbeit au einem solchen Werke geleistet werden würde. Aber die Initiative muß von anderen Seiten ausgehen. Wir sollten versuchen - von vornherein int Gedankenaustausch mit in anderen Lagern stehen* den — die G r u n d I a g e u einer alljiidischcn Organisation soweit vorzubereiten, daß ein weitschauender, staatsmännischer Plan seinen Weg in die große jüdische Öffentlichkeit nehmen kann, die allein ihn zu verwirklichen vermag. Davis Trietsch. Ein jüdischer Michael Kohlhaas ״Nun tun Sic mir mir den einen Gefallen,“ sagte eine Kaffechausgrölle zu mir uml blies mir ärgerlieh den Dampf seines Zigarrenstummels ins Gesicht, ״lind betrachten Sie nicht auch den Fall Becker vom jüdischen, womöglich zionistischen Standpunkt.“ War es nur der Geist, der stets Verneint, der mich antrieh, auch diesen Ausschritt der jüngsten Zeit sub spccio ,Zionismus‘ nh/tihandclu? Damals als die erste Verhandlung gegen den Rittergutsbesitzer Im fernen Norden sieh abspieltc, weilte ich in Süddeutschland. Das ,ou dit‘, welches die Prozesse erst würzt, laugte nicht bis zu uns. Unsere einzige Quelle war die Presse. Damals meinte ein Verwandter, der sich im allgemeinen mir für die jüdische Küchenfrage Interessiert, im übrigen von sich mit Fug und Recht sagen kann: ,Omuia Judaica 111c atiena esse*, zu mir: ״Palt auf, hinter Becker steckt ein Glaubensgenosse I“ Ich bewunderte meinen Verwandten, der den ״G I a ti ben s“ genossen so gut herausfüldt, versuchte iim zu berichtigen, daß er damit vielleicht Stammesgenossen meine und war selbst auf Qrund allerdings rein äußerlicher Zufälle, die ich aber für ausscltlaggebend hielt, nicht der gleichen Meinung. Es hatte kein antisemitisches Blatt den Mann, wie es unausbleiblich ist, mit Kot beworfen; der Stand, das Milieu, der Name erschienen mir entgegensprechend,

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