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Jüdische Rundschau · 1911-10-13 · Heft 41 (13.10.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 41 (13.10.1911)
Date
1911-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IS, Siehil.cli« Strafe I. י 1 Tilephon! Amt Uliland 845. I 9 I * SpreAatuaden Di»n«t,.e und Uonntrttag ■ 5—6 Uhr nachmittag«, r י y u J Nummer 41 c c Berlin, den 13. n ח \r':mzv CP ^״/ p _ q {~^ י ן.,;J C jL>U UV.j IJj מ . י U נ £•••• ■« hihihi •kaw *4S y r 1 ״\י> 1 1 yii 2l. Thischri 5672 XVI. Jahrgang Wegen der Feiertage erscheint die vorliegende Ausgabe der ״Jüdischen Rundschau" im verringerten Umfang von S Seiten, Ausweis Schekel» Frunkfnrt it. (). I Mk., Meiningen 1 Mk. Landesbeitrllgo: Wnmke 70 Mk., II alberst,ult 30 Mk״ Misrachij»ruppc llcrlin 20 Mk״ Halle a. S. 3 Mk., Meiningen I Mk., Hannover 31 Mk. OrganittaÜonsfondss Rabbiner Auerbach, (iollantsch, 5 Mk., L. Perlmann, Tilsit, 6 Mk., Professor Klasmer, Breslau, 12 Mk., M. Alba in, Königsberg, 5 Mk., M. Kttpferberg, Berlin, 2 Mk., W. K., Konigslu'rg, 5 Mk., Isidor Kahn, Frankfurt a. M5 ״ Mk., M. GoUIsdtmidt, Frankfurt a. M., 3 Mk., I)r. Atlolt Natlian-Nordcgg, Magdeburg, 10 Mk., l.co Winter, Köln, 10 Mk., Zahnarzt M. Falk, Breslau, 3 Mk., Dr. Ludwig Freundlich, Berlin, 10 Mk., Ernst Drcy* fus, Mülbausen, 5 Mk., Dr. Bernstein, Elberfeld, 5 Mk., Referendar Aaron, Elberfeld, 5 Mk., L. Sachs, Schön־ . lanke, 10 Mk.׳, M. Hcimann, Krcuzbiirg, 3 Mk.' f5F. Ludwig Ooldberg, Frankfurt a. M., 10 Mk., Adolf Dcssaticr, Berlin, 6 Mk., L. Schlesinger, Berlin, 20 Mk., Dr. Georg Rosen, Leipzig, 10 Mk״ S)r. E. Straus, München, •10 Mk״ Leopold Appel, Berlin, 5 Mk., O. Bleiweill, Wandsbek, 2,50 Mk., Dr. Pinktis, Berlin, 10 Mk״ Robert Gottsclinlk, Hamburg, 5 Mk., Hugo Blum, Berlin, 5 Mk״ Otto Cohn, Königsberg, 10 Mk״ Marlin Zcrnik, Breslau, 5 Mk., Leonhard Weißbrem, Königsberg, 10 Mk. Aus Chemnitz: M. Goldmann 3 Mk., J. Pfeffer 0,50 Mk., 1). Klebe 2,50 Mk., R. Geller 0,50 Mk,, M. Aspis 1 Mk״ D. Goldhaber 2,50 Mk., S. Schwarz 8 Mk., Frau M. Gütz 2,50 Mk. Ortsgruppe Tarnowitz (2. Rate) 00 Mk. Eingang vom 21. IX. bis 11. X. 1911: Schckc!: 2 Mk., Landesbeiträge 155 Mk., Organisationsfonds: 323 Mk. Gesamteingang 1 Schekel 7 Mk״ Lnndcsbcitriigc 5389,05 Mk״ Organisationsfonds 9315,18 Mk. * Wir freuen uns, diesmal unseren Freunden einen etwas umfangreicheren ״Ausweis" unterbreiten . zu können, nachdem die Einzahlungen für unsere administrativen Fonds in letzter Zeit ein wenig ins Stocken geraten waren. Die Besserung ist wohl mit in erster Linie auf eine gröbere Anzahl Erinnerungs־ schreiben zurtickzufültren, die wir an unsere säumigen Gesinnungsgenossen versandt haben. Es hat sich ge־ zeigt, daß bei unseren deutschen Zionisten das Ver• ständnis gerade für diese finanziellen Erfordernisse wohl bisweilen durch anderweitige zionistische Inanspruch־ nähme abgclcnkt werden, niemals jedoch mehr ganz verschwinden kann. Nur diese Gewißheit kann unserer Arbeit Stetigkeit und damit die Oewähr gesunden Fortschrcitcns und dauernden Erfolges geben. An alle aber ergebt erneut der dringende Appell, mit Beginn des Winters mit frischen Kräften an die Arbeit zu gehen für das Ziel, dessen Erreichung wir an dieser Stelle schon 60 häufig als dringend notwendig auf־ gezeigt haben: Für die finanzielle Sicherstellung unserer zionistischen Arbeit in Deutschland. Adresse fQr Geldsendungen: Zionistisches Zentralburcau, Berlin W. 15, Sächsische Str. 8. Postscheckkonto 8091, Bankkonto: A. H. Hey• mann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. ״Der ZUt.'m :,%■>’} eraU׳oU für dan JüdfscTio Vol's dta Cc!1nf»'^,n^ einer Cffcnt- Hcl1-rec!1LI!cU £ceIch orten Ilelmritlltio In PnlilrjUw.׳!«“ DnctTer IVo^rnram« > 11111« נ ן *% 1& ״ •י j fl i ־ J />׳•;״'* r\ ^1fn-t /,Xi1* ItfaC4׳X^2 u.wlii 5!1 wL uj Berlin hat wieder einmal seinen Skandal gehabt. Eine Woche lang wurde in Moabit ein Prozeß gegen den Oralen Gisbert Wolff-Metter• j nicli wegen einer Reihe von Belrngsfällen verhandelt. Das sollte uns eigentlich gar nichts an• gehen. Auch daß der jetzt 21jährige Graf in einer, wie man sagt, längst nicht mehr dem Judentum :mgcliörigen Familie Wertheim eine Zeitlang verkehrt hat und sielt dort für den zukünftigen Schwiegersohn gehalten hat, könnte unser Ittleressc an der Skandalaffärc nicht rechtfertigen. Und dennoch müssen wir uns mit der unsauberen Angelegenheit beschäftigen, weil sie zu unendlich vielen — teils berechtigten, teils sehr unberechtigten — Angriffen gegen die Juden Ver־ anlassung gegeben hat, und weil in diesem Prozeß Dinge zur oft entliehen Diskussion gestellt worden sind, die in der Tat leider ein jüdisches Kulturproblem von heute darstellen. Natürlich, wenn aus den trüben Familien־ bildern, die hier zur Sprache kamen, anUserni־ tische Blätter das Recht herlcitcten, frohlockend zu sagen: Seht einmal an, das ist euer jüdisches Familienleben in seiner so oft gerühmten sitt־ lieben Reinheit! ״־ so dürfen wir uns diese Frechheit einfach verbitten. Mit derselben Bcreciiligung, mit der es sich die ״Krcuz/.eitung“ verbitten würde, wenn wir sagen wollten: seht einmal an, d a s ist hier der Typ des deutschen Adels, dieser alle Welt begaunernde Hochstapler und Glücksritter! Nein ־*־ diese dumme Redensart charakterisiert nicht das jüdische Familienleben, sondern nur das Niveau der ״Kreuzzeitung“ und ihrer Leser. Selbst, wenn die nun so vielgenannte Frau Gertrud Wertheim und ihre Tochter Jüdinnen wären, würden wir gegen solche albernen Verailgcmcineruugen nicht ankiintpfen, weil es zwecklos wäre. Wir brauchen uns auch nicht zu fürchten, daß man uns zu so vielen 'anderen, die nicht 2u uns gehörten, mm auch noch die Worthcimschen Damen ankreidet. Wir fürchten uns davor so wenig, daß wir selber ruhig gegen diese Wertheims e tutti qunuti auftreten dürfen. Parvenüs und Protzen hat cs gewiß immer und überall gegeben, und die Acußerungen ihrer schönen Seelen waren gewiß früher und bei anderen Völkern nicht edler und auch nicht sym־ pnthischer. Aber cs muß rückhaltlos zugegeben werden,' daß, wenn in neuerer Zeit gar so häufig der getaufte oder ungetaufte jüdische Kon»־ merzicurnt in den Witzblättern als Typ des gcschmacklosen Parvenüs erscheint, dies einer inneren Berechtigung nicht entbehrt. Und die deutschen, und ganz besonders wieder die Bcrliner Juden von heute stellen tatsächlich zu der verächtlichen und lächerlichen Klasse der her* aufgekommenen Streber einen' allzu starken Prozentsatz. Natürlich sind cs zumeist jene Schichten, die entweder dem Judentum schon Valet gesagt haben oder es zu tun im Begriff sind. Der innere Zusammenhang, der sich hier offenbart, kennzeichnet das Schdldkonto des ״liberalen“ und ״rcformatorischen“ Assimilations* judentums. Das ändert aber nichts an der traurigen Tatsache, daß es Juden sind, die beutzutage so vielfach sich und (las Judentum kam* promittiereu durch eine unsäglich gemeine Nachäfferei sogenannten vornehmen Lebens und durch ein würdeloses Kriechen vor jeder noch so «äußer* liehen christlichen ״Vornehmheit“. Wir bewußte Juden haben diese entjudelcn Kreise ja längst so energisch von uns abgeschüt* teil, daß wir sie »licht einmal mehr bekämpfen. Wir Juden aller möglichen politischen und religiüsen Anschauungen haben 1ms ja überhaupt längst abgewohnt, die Leute dieses Schlages zur jüdischen Gemeinschaft zu* rechnen, von der sic selbst durchweg ja auch nichts wissen wollen. Aber ihr Schicksal kann denen eineWarnung sein, die «auf dein Wege dahin sind, wo cs zwar aus dem Judentum hinaus aber nirgends anders hinein geht, und wo uir Willensschwäche Naturen gar oft die Schicksalscckc ist. Diese Wertheims, die sich Offiziere und Oralen als Pagen halten, von denen sic wegen ihres Geldes umscliwärmt, zugleich aber vcrachtet werden, sind zwar glücklicherweise keine jüdischen Typen, aber sie sind wohl Typen für eine gewisse verfaulende׳Oberschicht der Berliner jüdischen und ncuch'ristlichcn Gesell* schaft. Je schneller diese von uns abfällt, desto besser für uns. . . . Denn was für eine verkommene Sippe übel* duftender Gentlemcn wird von diesen Leuten für ״Aristokratie“ genommen. Da ist der genannte Graf Wolff-Metternich, der ja von den Gerichten genugsam gekennzeichnet ist. Da marschiert in zweiter Reihe der preußische Gardooffizicr von Fetter, ein Edelmann, der zwar Geschenke aller ' Art amiimmt, der sich auch von Frau Wcrtheirn allmonatlich tausend Mark ״Darlehen“ geben läßt, die gütige Spenderin dann aber — wie er stolz und schnarrend erklärt — dafür später auf Bällen ״geschnitten“ hat. Verdammt vornehm — was?? Der Dame Wertheim gc״ schiebt ja natürlich nur recht mit solchem Dank, wie ihn ihr die Kavaliere ihrer Tochter abgestattet haben. Aber eben diese Kavaliere — germa* nisclten Stammes und christlichen Glaubens, deutsche Edelleute — kennzeichnen so deutlich den Grad von Vornehmheit, den reichgewordcnc, christlich strebende Juden auf der gesellschaftliehen Rangleiter meistenteils, von wenigen Ausnahmen abgesehen, erreichen, daß eigentlich* den Nachstrebenden der Appetit vergehen sollte. Aber darauf ist leider nicht zu hoffen. Denn wer wcißt ob nicht die Damen Wertheim und Pinkuß noch heute der Meinung sind, die ganz richtige Vornehmheit könne nun einmal nur bei Offizieren und Grafen sein, niemals «aber bei einem jüdischen Levy oder Colin! Diese Gesinnungsverwandtschaft hätte sic übrigens der ״Kreuzzeitung“ sympathisch machen müssen, ebenso wie die Unterstützung armer deutscher Aristokraten. .... Eine• ganze Woche lang hat ’ dieser Prozeß Berlin in Atem gehalten, in welchem ein Graf Metternich und andere Leute so seltsame unfrei* willige Enthüllungen über das Wesen deutscher Gcnticmen machten. ' Eine Woche noch wird Berlin W. darüber klatschen und tratsch'en. Dann wird der wässerige Berliner Novcmberschncc darauf fallen, und in der letzten Dezembcrwoehc werden wir wieder ein Dutzend jener hübschen Anzeigen lesen — teils in der Zeitung, teils nur

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