Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651749--07984-2665190- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 454 JUEDISCHH RUNDSCHAU Nr 38 Austritt aus dem *Verbände, den dieser Akt — das kann ruhig offen betont werden — »och mein intcllektnell wie nnineriscli schwächen würde, ti n t e r keinen Umständen denkcq, immer voraus• gesetzt natürlich, dal! das Prinzip strengster Neutralität in Zukunft peinlich gewahrt werden wird und die ganze Art und Weise, die Arbeit der Zionisten im Verbände zu kontrollieren und zu kritisieren, sieh in den erlaubten Grenzen der Vernunft und auch des Anstands hallen wird. Wir erwarten mit Fug und Recht von einer Organisation, der wir einen Teil unserer besten Kräfte leihen, dall das zionistische Element nicht als mehr oder minder gern geduldet, sondern als absolut und in jeder llezielumg gleichberechtigt angesehen und behandelt wird. Gleich• gültig kann es uns dabei sein, ob das neuerdings begonnene Liebeswerben den liberalen Sezessionisteii gegenüber fortgesetzt wird, oder nicht, kann es uns doch höchstens willkommen sein, wenn diese Herren wieder in einen Verein kämen, in dem sie wenigslcns ab und zu etwas Authentisches über den Zionistuus büren würden, als wenn sie nach wie vor hinter verrammelten Türen hocken, sich in ihrer weltfremden Abgeschiedenheit in unhaltbare Ideen verrennen und sich zu jüdischen Sonderlingen ausbilden. Nicht gleichgültig kann es uns dagegen sein, wenn unsere Bemühimgen und Acullenmgen von ״oben״ herab in onkelhafter Weise begutachtet und auch ironisiert werden, wenn man uns wie erzichungsbcdürfligeu Schulbuben in dem Verhaudshlatl, aus dem man mit zäher Beharrlichkeit überhaupt ziemlich das Gegenteil eines vorbildlich wirkenden jüdischen Jitgemlblnltes zu machen verstanden hat, ״auf die Finger klopft״. Auf jeden Fall besitzen aber wir Zionisten erheblich mehr Vernntwortlichkcilsgefiihl, als man uns von Vcrbandswegen ziiz.utraue» scheint; denn die jüdische Jugendbewegung jetzt Im Stiche lassen, hielte ihren innerlichen Verfall herheifüliren oder doch mhuleslcns beschleunigen — und das Schauspiel der Bankrottcrklärung der jüdischen Jugendbewegung der nichtjüdischen und jüdischen Öffentlichkeit zu bieten, dürfte kaum unseren Intentionen entsprechen. Deshalb wird aber auf der anderen Seite kein Grund zu finden sein, der dagegen spräche, die Arbeit in unseren Herzt •Clubs mit erneutem Eifer aufzunclmien. Ob Parlei-Selmlc oder Zionistische Jugendvereine - das sind sekundäre Fragen, die 1 latiptsaehe ist, dall wir für gewisse Arbeitsz.weige, für die in der neutralen Bewegung kein Platz ist, und die zur Heranbildung einer zielbewullten und auch wirklich theoretisch durchgcbitdctcu jungen zionistischen Generalion unumgänglich notwendig sind, uns eine Arbeits- Stätte — die wir in beschränktem Malle schon hesitzen — in erweiterter Form schaffen. Eine Feind- Seligkeit gegen den Verband liegt hierin nicht und wird auch von niemand lierausgetiiftelt werden können, aber auch die Rücksicht auf 11 i c m a 11d — wer es auch sei — wird uns hier hindern können, das zu tun, was wir für unumgänglich nülig hallen, nämlich den kräftigen Aushau und gegebenenfalls den zwecks besserer gemeinsamerer Arbeit erforderlichen Zusammenschluß unserer zionistischen Jugeinlgruppc»! Aufgabe eines zweiten Artikels wird es sein, die technische Ausführbarkeit und das Arbeitsprogramm im einzelnen zu behandeln. Hans Goslar. Die Juden in der russischenArmee Aus Petersburg wird uns geschrieben: Nicht mir in den russischen antisemitischen Blättern, sondern auch in denen des Auslandes — so vor einiger Zeit in der Berliner Kreuzzeitimg — kann man die Behauptung finden, dall die russischen Juden sich dem Militärdienst entzögen und also ihre wichtigste Pflicht gegenüber dem Staat, dessen Bürger sic sind, aufs ärgste vernachlässigten. Oft genug ist diese Beschuldigung durch Tatsachen zurückgewiesen worden, oft genug ist der unwiderlegliche Nachweis erbracht worden, dall die russische Judenheit als Gesa tu t h e i t gerade auf militärischem Gebiet mehr, als von ihr beansprucht werden darf, leistet. Gleichwohl haben sielt ganze Parlameiitariergriippeu in der russischen Duma nicht gescheut, dieselbe Besclmldigung wieder aufzuueitmeu und aul Grund bewußt oder unbewußt falscher Angaben den Ausschluß der Juden aus der russischen Armee zu fordern und die Staluierung einer speziellen Steuer für die Juden als Ersatz für den Militärdienst zu beantragen. Schon dieser Antrag, der bei der Wehrkommission der Duma Anklang fand, hat in diesem Sommer unter den Juden eine starke Erregung hervorgerufen, und zahlreiche Gruppen ausgedienter jüdischer Soldaten, Insonder• heit die grollen Käiupfcrsclmrcn des russisch-japanisehen Krieges schlossen sich zu scharten Protesten gegen die beleidigenden antisemitischen Vorschläge zusammen. Waren aber diese Petitionen und Kundgebung mehr subjektiver Natur, von Erinnerungen au v< gossenes Blut und unsagbar schwere Erlebnisse k tragen, so wird ein vor kurzem erschienenes, gre angelegtes Werk den über diese Materie verbreitet Legenden voraussichtlich ein Ende bereiten. C S ״ "״ I n 11 1n ^cr russischen Armee", betit 11״r 7ah1«nVt7fa|B, spricht durch die Fü der Zahlen und Tatsachen eine so beredte Spracl daß auch die Antisemiten, soweit sie ehrlich sind, verstummen müssen. Hier wird nichts beschönigt noch vertuscht, das Minus ebenso wie das!,Ins •mitgeteilt und dann die Summe gezogen. Diese Summe ist aber für den Antisemitismus geradezu zerschmetternd. Greift man nämlich aus der ungeheuren Menge der auf Grund offizieller Angaben zusauunengestelheit Zahlen nur ein paar der wichtigeren hcrAus, so ergibt sich tolgendcs Bild: T r017. der I m m citseit Aus* Wanderung der Juden a u s R u ß I a n d, einer Auswanderung, die etwa anderthalb Millionen Seelen erlaßt hat, haben die russischen Juden während der Zeit von 1880—1909 im sogenannten Aiisicdelungsgebiet statt der auf sie entfallenden Zahl von •1101)0() Soldaten insgesamt ■125 512 gestellt. Es hat aber Jahre gegeben, tu denen die von den russischen Juden gcstellie Soldatenzahl die aut sie entlallemle um 25 bis 35 ״־יי ii b e r t r o f f e n hat. Von 1886—1903 haben sic Jahr für Jahr weit größere Militärpflichten getragen, als ihnen laut ihrem Verhältnis zur ücsamtbevölkeruug zukam. Gemäß der Statistik von 1897 bildeten nämlich die Juden in der männlichen Bevölkerung des jüdischen A n s i e d e l u u g s g c b i e t c 8 11,5 0,U, wogegen die Zahlen der von innen gestellten Soldaten am diesem Gebiet folgendes Verhältnis autwiesen: ilolllo inolir, 11U 1(1 ul Im Jntiro runu im Ans10>tluug•• 1U<Utun<Ua ibromVrozonlgobiul HolUalon Juden Soldaten •et■ entfalltuiu 1891 105 536 15 823 3956 1892 101099 429 15׳ 3681 1893 10J880 15 293 3321 ISO! 106 853 14 162 2101 1895 110 504 15 154 2687!896 113709 15811 2952 1897 105436 15 913 3980 1898 116604 16 362 3162 1899 117091 16831 3697 1900 117313 16 083 2845 1901 122867 16 969 3110 1902 123 596 17 255 3246 1903 129 714 17 281 2516 Erst in den letzten Jahren haben die Juden in Rußland geringere Soldatenzahlcu zu stellen begonnen, als ihrem Verhältnis von 1897 zukommen würde. Die Ursachen liegen aut der Hand; die Re* gierung verlangt jetzt überhaupt aus den Aushebungpflichtigen einen größeren Prozentsatz Soldaten, und mit ihren etwa 18(100 jährlich neuen Soldaten können die Juden dem aul sie laut der Statistik von 1897 entfallenden Teil nicht mehr ganz, uaehkoinmen, da ihre Auswanderung infolge der Po* gr0ine und Vcr f oIg u 11 gen gan z außer* ordentliche Dimensionen angcito inm en h a t. ihr gesamter Zuwachs wird durch die Aus* Wanderung in Höhe von etwa 100—150 000 Juden pro Jahr hei weitem überschritten, so daß das durch die Statistik von 1897 geschaffene Bild längst nicht mehr maßgebend Ist. Es ist sicher, daß die kommende Statistik für die Juden einen weit geringeren Prozent* salz, ergehen wird, und daun wird das Defizit, wie in den früheren Jahren, in einen Ucbcrsclmll sich ver* wandeln. Liebermann von Sonnenberg gestorben Am Montag, den 18. September, s t a r b in Sclilach* tensee bei Berlin der früher viel genannte Antisemit Uebcrmaim von Soimcnberg. Politisch lange ein toter Mann, erhaschte er noch einen Schimmer von Popularität bei den Novemberdebatten von 1909, wo er im Reichstag in schärfster Tonart seine deutsch* chauvinistischen Angriffe gegen den Kaiser richtete. Er war einst einer der Hauptzulrciber der bcrüch* gleit ״B e r 11 n e r Bewegung" des Hofpredigers 1. I), Stöcker. Den ״Dreschflegelton״ hatte der geisteskranke Graf Pli ekler bei Licbcrmann von Somtenberg gelernt, Damit• sind Licbcrmanns histo* rische Verdienste im wesentlichen erschöpft. AUS MAf«6־ALT0NA ln einer stark besuchten Versammlung der Schekel* Zahler von Hamburg-Altona erstatteten am 14. Scp* tember die Delegierten, die Herren Dr. Halp.ern und Dr. Huld sch in er ihr Referat über den zehnten Zionistcn-Kongrcfl, Herr Landau einen Bericht über die Verhandlungen der Agrarkrcditkommission, Eine Diskussion fand nicht statt. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende ihr vom Vorstand vorgelegte Resolution einstimmig an: ״Die Zio* nislischc Ortsgruppe Hamburg-Altona begrüßt die neue Leitung und verspricht eifrige Mitarbeit, Gleich- *eilig stimmt sie mit Befriedigung der dankenden Anerkennung bei, die der Kongreß umierm hochvcr* dienten David Wolffsolm für seine hingebungsvolle und erfolgreiche Tätigkeit votiert hat.״ 9 . Das Komitee zur Verbreitung der hebräischen aprache in Hamburg veranstaltet im kommenden Scmester hebräische Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, und ladet alle Inter* essenten zu einer Vorbesprechung ein, die am Donnerstag, den 28. September, abends 9 Uhr nunkthch, im Logenheim, Hartungstr. 9, stattfindct, wir rechnen auf retre ßeteii gung unserer Mitglieder. Der Vorstand, 1. Ausweis Zur Ablösung der Rosclt Haschonoh -Glück wünsche gingen bei Unterzeichneter Kasjcuverwallumi ' Spenden iür zionistische Zwecke ein von: א Frau M. Haskel Gustav Kolm jr. Dr. rned. S. Fachs Dr. mcd. S. Weiß L. Garfunkel Dr. W. Victor 11. Frau Dr. üg. llalpern 11. Frau Dr. Richard iluUlschiner Rechtsanwalt David und Frau Frau Rosa Luharsch Franz Brück u. Frau Frl. Ella Cohen Leo M. Michael Dr. L. Allen u. Frau li. Kaplan u. Frau Dr. O. Waschitz u. Frau A. H. Israel u. Frau I )r. Max Schlössmger A, Calmann u. Frau Ing. Kautorowitseh I. Kaiser u. Familie Dr, med. Besser u. Frau Dr. Percy Zadik S. Flciselmiaim Adolf Selig u, Frau R.-A. Göttlich Colin Sydney H. Haskel Dr. Manfred llorowiU Zahnarzt All red Unna Nathan Fruchtcr Dr. med. Kalmus u. Frau Leopold Landau u. Ffau Dr. A. Chwollcs u. Frau Frau II. Huldschim׳r l)r. Ihikschnewski R.-A. Dr. Tannenwald Frau Gustav Ci. (lohen llaim Gabler Iwan Grüner u. Familie Dr. med. William Unni u. Frau I. Bjelouß u. Familie Dr. jur. Pardo Leon Tlorowitz Dr. Walter Weigert Felix Levy u. Frau Dr. Jacohsulut Dr. jur. Oscar Nathan Martin Sulinger Heinrich Mayer Dr. med. S. Marcus B.!)nenn M. Seligmnnn u. Frau Summ u 25t) Mk. Wir danken den Spendern mul erbitten geh, weitere Zuweisungen per Cassa, (ir. Bleichen 67, oder auf das Konto der Ortsgruppe hei der Dresdner Bank, resp. Postscheckkonto Hamburg Nr. 3275. Die Kasscnvcrwaltung der Z. O. H. A. . Leopold Landau. au&DfiM GCMeinm Berlin. Auf der vierten Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden (im Neuen König). Operntheater am 5. November) werden Rahb. Dr. Hacek, Düsseldorf, über ״Das Judentum unter d e 11 R e I i g i o 11 e n״ und Professor Dr. Gold stein, Darmstadt, über ״Das deutsche Geistesleben und die Jude 11״ sprechen. Einen dritten Vortrag, dessen Thema noch nicht fest* steht, wird der Lmultagsahgeordiiete Rechtsanwalt Dr. Cohn, Dessau, halten, — Zu der Hauptversammlung werden gegen 500 Delegierte der jüdischen Gemeinden und wichtigeren Vereinigungen aus allen Teilen dci Deutschen Reiches berufen, INS ד RUNDSCHAU Berlin. Die G c n c r a I v e r s a nt m I u n g der Berliner Zionistischen Vereinigung findet am Donnerstag, 28. September, abends 9 Uhr pim!.׳!ich, im Virchowsaal des I landwerkervereins, Sophien- Straße, sfatt. Alles Nähere ergehen die den Mitgliedern bereits zugegangenen Einladungen. Anträge mitssen dem Vorstande zu Händen des Vorsitzenden Lazarus Barth, Metzer Straße 1, vorher schriftlich ein• gereicht werden. Berlin. Jüdischer Diskuti er-Club (Untergruppe des Jüdischen Jugendhundes), Atu;חסי• nerstag, den 28. September, abends 9 Uhr, spricht Herr Hans Goslar im Burghotel, Burgstr. 20, übe; Df. Thciihabers Buch: Der Untergang der deim-ben Juden. Wir bitten um recht regen Besuch. Berlin. Verein Jüdischer Mädchen. Am Ihens• tag, den 26. ds. Mts., abends 9 Uhr, find׳ i im Restaurant Logenheim, FticdcicUsU. 13k (gc^ernb« dem Passagekaufhaus) ein Vortrag statt. Rcfvuidi״: Frl. Dr. Zippora Schiffer. Thema: Der FesV.onat Tischri. Gäste herzlich willkommen, Berlin. Die Berliner Misrachigruppc lüut am 14. September im Burghotel eine Versammln!!;; ab■ Pie [)elegierten erstatteten eingehend Bericht über den Verlaut der M i s r a c h i k o n I e r e n z. Daran schloß sich eine längere Debatte, die siel» haiiptsüch• lidi um die Frage des weiteren Verhaltens dis Alis* nichi gegenüber der zionistischen Organisation drehte. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, nach der sich die Versammlung mit dem Resultat der Konferenz völlig einverstanden erklärte. Köln. Am Sonntag, den 17. d. Mts., taiul eine Sitzung des Arbeitskomitees des Gruppenverbandes Rheinland-Westfalen statt, bei welchem beschlossen wurde, für Sonntag, den 21. Oktober 1911, einen allgemeinen I) i strikt st ag nach Köln cinzuberulcn. Pa dieser Distriktstag die Einleitung der Wintcrarbeit int Distrikte Rheinland-Westfalen sein soll, so legt das Arbeitskornitce großen Wert darauf, daß derselbe möglichst zahlreich besucht wird. Außer den Ofts* gruppen und Vertrauensmännern, welche dem Gruppenverbandc angehören und die noch eine direkte Verständigung erhalten, können auch sonstige •m