Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Rodaktlon JUdltdia Rundtclinu Üerlln-Cliorlotlenburg, Dlelbtrcu.tr, 49. Tel. Ch. 9881, S|1rech.tunden Dienet.g und Duimer.t.f S- <> Uhr imlirnill.Ji. _\ Berlin, den 15. September 19 11 — 22. Elul 5671 Nummer 37 XVI. Jahrgang Das dritte Quartal des XVI. Jahrganges gehl mit der übernächsten Nummer zu linde. Wer Wert darauf legt, seine ״Jüdische Rundschau“ fortlaufend püiikiich ins Haus zu erhalten, der wird schon jetzt auf Erneuerung seines Abonnements bedacht sein müssen. Unserer vorigen Nummer lagen Po s t sch e ck f orin u 1 ar e bei, mittels derer die Ucberweisungen des fälligen Betrages in bequemer und billiger Weise erfolgen bann. Wer uns bei dieser Gelegenheit den Hotrag für einen neu gewo 11 ne 1tc 11 Leser gleich mit überweisen kann, dessen Sendung soll besonders willkommen sein. Auf jeden Fall hat wohl jetler ein Interesse, unnötige und verhältnisinällig teure Nachnahmen zu vermeiden. Die Vorteile unseres ermäßigten Vereinsabonnements zum Preise von 1 Mk. pro Quartal konnten gewill a n v i e 1 e n Orten weit intensiver atisgenutzt werden, als es bisher geschehe». Orts־ gruppen und Vereine, die das Inkasso dieses Heträges in monatlichen Raten gleichzeitig mit ihren Mitgliederbeiträgen übernehmen, sichern sich durcli unsere Vereinsrubrik einen dauernden Linfluß auf jedes einzelne ihrer Mitglieder und haben eine Gewähr dafür, daß das jüdische Interesse bei ihnen ständig rege gehalten wird. Wie bisher werden wir bei der Einräumung dieses Vorteils auch an kleine Vereine größtes Entgegenkommen beweisen. Verlaß ״Jüdische Rundschau“. ״Der Zionismus ist tot“ Liebenswürdigkeiten unserer Gegner. Wir haben das noch nach jede 111 Kungrcß er• lebt, daß unsere Gegner den Zionismus lür tot er• klären. Nach dem V. Kongreß war es die Kulturfrage, nach dem VJ. die Ugaiulafrage, nach dem Vit. das Fehlen unseres großen Führers I lcrzls, was angeblich den Zionismus der Auflösung naliegebraeht hotte. Nach dem VIII. bzw. IX. Kongreß kamen dann die Schwierigkeiten der Organisation, die Umwälzung in der Türkei, die willkommenen Anlaß boten, den Zionismus damals für tot zu erklären. Aber der Zionismus — wir dürfen das mit freudigem Stolz sagen! — erlebt das legendäre Schicksal aller Totgesagten: er lebt mit doppelter Zähigkeit. Diesmal ist cs ein ganz besonders guter Freund des Zionismus, der ilun einen liebevollen Nekro•. log im Kölner ״Israelitischen GemeimleblaU" wid• met. Dort schreibt nämlich kein anderer als Herr Pabius Schach, unser Gesinnungsgenosse von einst, indem er ״das Fazit des 10. Zionisteii-Koii־ gresses“ zieht: ״Einer der wichtigsten und bedeutendsten Kon• Presse ist zu Ende und es tut not, das Fazit dieser Verhandlungen zu ziehen und ihnen eine Betrachtung zu widmen, .Die letzten Kongresse waren alle viel Wichtiger als Stimmungsbilder, als Thermometer für den Stand der Bewegung, wie als Stätten positiver Berichterstattung, Positives konnte darin nicht viel geboten werden, und wenn der d ü nne W ei 1!*) auch verzuckert, mit Alkohol versetzt und *) Wir haben uns erlaubt, einige Liebenswürdig• keiten den Herrn Schach besonders hervorzuheben. ״Der Zloidnmmi oratrebt für da» juriluchc Volk dlo Schaffu»!? einer offent- 12ch«rcc!1t2!ch gesicherten UeJmatMto in Palitalinu.“ Banelcr Programm. Zionistische Vereinigung für Deutschland Am 25. September verlegen wir unsere Bureaus nach BeA W: 15, Sacliciccke Straße 8 Da unser Bureau in Zukunft räumlich mit dem Zcntralbureau der Zionistischen Gcsamtorgmu.sntion verbunden sein wird, bitten wir alle unsere Freunde und Korrespondenten im Interesse einer raschen und korrekten Erledigung der für uns bcstimmten Zuschriften dringend darum, bei Briefen an uns nicht mehr die Adresse ״Zionistisches Zentralbureau“ oder ״Zentralhurcau der Z. V. f. D.“ zu verwenden, sondern sich im Verkehr mit uns ausschließlich folgender Adresse zu bcdienen: Zionistische Vereinigung :: für Deutschland, :: Berlin W. 15, Sächsische Straße 8 Das Wort ״Zcntralbureau“ ist also jedenfalls in Zuschriften an uns unbedingt zu vermeiden, um Verwechslungen mit dem Zcntralbureau der Zionistischen Ge- Samtorganisation auszu!>chlicßcn. Gleichzeitig werden auch die Bureaus der Expedition und Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ sowie das deutsche Bureau des Jüdischen Nationalfonds verlegt, deren Adresse vom 25. September ab ebenfalls lautet: 7ך»וד, . ... ttT\ y״ 1411 W 9 AlJ'f;eine ßiraSe 8 Die Nummern für telephonischen Anruf :: werden noch bekannt gemacht. :: Zloiiistlcclie Vereinigung für Dcü£sc!1land fein etikettiert präsentiert wurde, so kannte man doch den Inhalt. Wichtiger als das ״Was" dieser Kongresse, war für den Psychologen das ״Wie“. Erfreuliches boten sie nicht viel, aber man konnte viel lernen von dem, was dort gesagt, und noch viel mehr von dem, was dort verschwiegen wurde. Groß im wahren Sinne des Wortes war nur der erste K o 11 g r e fl, weil er der Ausfluß einer wahren Begeisterung war, weil sich da die jüdische Volksseele in ihrer ganzen Wahrheit manifestierte. Fast alles darin war echter Schwung und bot wahre jüdische Poesie. Da war noch ein echter (Haube, erlösend und groß. Vielleicht war dieser Glaube sehr naiv, mehr von Sehnsucht getragen als von der Vernunft geleitet, aber es war ein echter Glaube und der beseligt immer. Nicht nur ideell, sondern auch faktisch bot der erste Kongreß dem jüdischen Volke am meisten. Er gal» ihm das große, gewattige Wollen wieder, und das bedeutet m e h r a I s j e d e ״ ü c h t e r n e T a t. Vom zweiten Kongreß ah fing die unselige Politik an. Es wurde von da ab die ganze Arbeit auf die Dekoration, auf ■das Scheinen verwendet und die eigentliche Idee trat oft in den Hintergrund. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, daß der Schmerzensschrei des ge* quältesteii Volkes durch alle möglichen KimstmittelS in ״Politik“ verwandelt und unwirksam wurde. Das Elend wurde mit Blumen drapiert und mußte zu einer diplomatischen Dekoration werden. Gewiß mögen die Männer, die au der Spitze standen, es gut gemeint haben, aber der Weg war und blieb unselig, und die wenigen ernsten Denker haben es schon damals laut und vernehmlich verkündet, daß er nie zum Ziele führen wird. Am ersten Kongreß spielten die gewaltigen Gefühlt׳ mit uns. Sie er• hohen uns über den Alllag hinaus und machten uns zu gewaltigen, großen Gefühlsmenschen, zu echten und wahren Juden, Die Juden des ersten Kongresses waren stark im Wollen, groß im .Hoffen und Glauben. Vom zweiten Kongreß ah fing das Spielen mit den Gefühlen an. Die Musikanten waren die Leiter und das Volk das Instrument. Streng genommen, waren die Kongreßmitglieder vom zweiten Kongresse ab mir Statisten. Die Regisseure saßen oben auf der Tribüne, und ihr Wille geschah. Das mag kttiislkrisch sehr wirksam gewesen sein, aber wer hinter die Kulissen geschaut hat, den erfaßte ein ücluhl voller Wehmut. Vom Gesichtspunkte des Studiums aus, ist auch der X. Kongreß zu betrachten. Was hier au positiven Leistungen geboten wurde, ist nicht gar zu viel. Man täusche sich nicht: trotz aller Hurrastim- 111 u n g otler vielleicht gerade deswegen war der eigentliche Glaube am Zionismus nicht zu stark. Zufriedene gab es aut diesem Kongreß nur wenige. Es ist immer ein tragisches Bild, warn ein starker Glaube zu einer leeren Formel wird. Der politische Zionismus, d, h. die Richtung, die sich von diplomatischen Verhandlungen die kirnst• liehe Schaffung eines jüdischen Stnatswescns verspricht, ist tot schon seit dem II. Kongreß. Nun schleppt in a 11 <1 i e s e Leiche seit z w ö 1 f J a 11 r e n mit sic h 11 n d f i 11 d e t nie h t den ehrlichen Mut, sie zu begraben, lind das hcmntl jede ernste Arbeit auf Schritt und Tritt. Es war im Grunde kein politischer, sondern ein unpolitischer Zionismus, eine leere diplomatische De• koration. Nirgends konnte diese ״Politik“ ernstlich in Aktion treten und wo sie beginnen sollte, bei der Umwälzung der Türkei, da zeigte sie sich als schädlich. Es soll und muß die Wahrheit ausgc• sprechen werden. Hätte m a n c i n c 1t A r b c i t s• Zionismus ohne jede diplomatische Torheit, dann könnte man in tler Türkei gar viel erreichen. Nie• maiid wirtl es verteidigen wollen, daß man da von verschiedenen Seiten mit unlauteren Mitteln gegen den Zionismus gekämpft hat. Die 1 Inuptsclniltl aber an den Mißerfolgen trug die diplomatisch-politische Form ries Zionismus. Eine großzügige jüdische Kolonisatioiisoigaiiisation ohne je de andere Ambition als die, ein neues Heim für jüdische Arbeiter zu schaffen, hätte zweifellos bei der Türkei Großes erreichen können, . . . Es will scheinen, daß inan auch heute trota aller Einsicht die Felder noch nicht ganz überwunden hat. Es ist auf wenigen Kongressen so viel in Per• soiienkulltis und I lurrnstlmnning gemacht worden, wie auf dem letzten. Aber man merkte cs schon von ferne an, daß alles unecht war. Eine nüchterne, schlichte Arbeit im engeren Rahmen wäre nicht nur würdiger, sondern auch nützlicher. Für ehrliche