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Jüdische Rundschau · 1911-08-18 · Heft 33 (18.8.1911) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I ו• 1 \ Seite 388 gehorsam, Disziplin »1110 natürlich verlangt werden, aber sic darf nicht zu einem Aufgeben cler persönlieben Rechte auf Ideen herabsinken, zu einer kiiltu• reellen Assimilation, deren Unwert wir Zionisten doch am ehesten erkannt haben. Doch tliJ kleine tcriuiuologische Verirrung, die man sich auf der andern Seite geleistet hat, darf auch nicht wie eine tau• dicke Zündschnur mit lausend Aengstcn angestaunt werden. Da ist denn wieder die sogenannte disziplinarmc Partei zum verständnisvollen Entgegen• Kommen verpflichtet, wie sich’s eben unter Brüdern, Volksgenossen oder ganz gewöhnlichen simpetn Menschen geziemt. Man vermint gar oft den Willen, ich meine nnlürllch nicht den Wunsch, sondern den eisernen Willen zum gegenseitigen Vcr* sichen. Mit militärischem Schneid werden Persönlich• keilen untereinander nicht fertig. Da will jeder Gene• . ral sein, und wenn auch nicht einmal ein Orden arbter oder neunter Klasse seinen keuschen Rusen schmückt. Daß ein jeder der von uns‘ Berufenen den c i se rn c n Willen, die Einheit unserer grollen, von 1ms allen geliebten zionistischen Bewegung zu wahren, zum Kongreß mithringc. daß ein jeder verstehende Liebe als das vornchmlichc Merkmal einer reifen, sittlichen Persönlichkeit erkenne, daß ein jeder bestrebt sei. die Berufung unseres Volkes als eines mam- Icchcth kobanim heilig zu halten, das ist Vorb c d i n g u n g f ii r jede Kulturarbeit. Nur aus dem liebenden Versieben, dem hilfreichen Zu• sammenarbeiten. nur aus der Einheit des reinen ' Wollcns erwachen Kulturwerte! Sicgbcrt Wolfrnm-Hamburg. J UEDI SCHE RUNDSCHAU Altona erstattet, Der Referent wies darauf hin, daß die Leitung zu einer fruchtbringenden Arbeit einer Presse und geordneter Finanzen bedürfe. Hinsicht• lieh der Presse seien Unterhandlungen im Hange über die im jetzigen Stadium noch nicht gesprochen werden könne. Oie Propaganda müsse durch Agi• tatiniisreiscn sowie Verbreitung von Broschüren ge• schellen. Zur Ordnung der Finanzen bedürfe es einer größeren Anzahl jährlicher Beiträge zu dem auf dem neunten Kongreß gegründeten Misrachifond. In kurzer Zeit waren über 1000 M. für diesen Fond gezeichnet. Vor Eintritt in die Debatte wurden die Wahlen zum Perm a n en za ussch 11 fl vorgeiioiiimcn, die die Wahl der Herren S t r 11 c k Berlin und B ra 1111 Frankfurt zu Delegierten, M ö 11 c r-Altona zum Ersat/delegierten ergab. Zum Vorsitzenden der Föderation wurde Herr St r u c k Berlin gewählt. In der sehr lebhaften und durchaus erschöpfen• den Debatte stellte sich heraus, daß fiber sämtliche schwebenden Fragen volle . Uebercinstimmung herrschte. Es wurden folgende Resolutionen äuge• nomincn: 1, Die Jahreskonferenz der Zionistischen Föde• rntion Misrachi spricht ihre volle Zn• Stimmung aus z u dem Vcr h a i <e n der Gesinnungsgenossen i n N ü r nborg und Frankfurt und zu den dies• bezüglichen Resolutionen ihres Central• ComiKs. 2, Der Misrachi spricht seinen Protest aus gegen die R e d a k t i o n des ״H a o I a m“ wegen ihrer bewußten und mir aus taktischen Gründen erhobenen Verleumdungen gegen das Fran• fiirlcr Zeniralbureau In Sachen der Protest• Versammlung in Jaffa. 3, Die Berliner Gruppe hatte folgende Anträge gestellt, die einstimmige Annahme fanden: a) Die Misrachikonfcrcnz wolle beschließen, der zukünftigen Födcrationsleitung ~ 1. die Schaffung einer regelmäßig er• scheinenden Misrachikorresnondcnz, 2. die Herausgabe einer Propaganda• hrnschürc, die insbesondere die Stellung des Misrachi zur Kulturarbeit feststetic, als dringliche Aufgaben ans Herz zu legen. Dem Zcntralhurenu wurde hierauf Dechnrgc er• teilt. Zu den Wahlen erklärten die Frankfurter Herren, daß sic von ihrem in langer Korrespondenz mit der Ortsgruppe Hamburg eingenommenen Standpunkt, daß sie infolge von Ucherlastuitg nicht mehr in der Lage seien, die Leitung zu führen, nicht abgehen könnten. Es wurde darauf beschlossen, das Ze n t r a I hure au nach Hamburg zu verlegen. In das Zeniralbureau wurden hierauf gewählt die Herren Dr, med, L. Fr« tick, Julius Holländer und Referendar facoh Möller, sämtlich in Altona. Die Wahlen in das Ccntral־Comit<J wurden hierauf gleich• falls vorgenommeu. Der Vorsitzende hatte hcreits zu Beginn der Tagung •der verstorbenen Mitglieder der Föderation gedacht, von denen wir die Mitglieder des Central• Comites Dr. Adler• Nordrach und F a d c n h c c h t Kolnmea sowie insbesondere das verdienstvolle Mit• glied des Zcntralhureaus Herrn Jos, W. Hacken• hru cli• Frankfurt erwähnen, der mitten in der Vollkraft seiner ialtre durch eine schwere Krankheit dahin• gerafft wurde und dessen große Verdienste um die Föderation in stetem Andenken bleiben werden, Um 10 Uhr abends wurde die Versammlung ge• schlossen. Judentum und Wissenschaft Anknüpfend au die• Nachricht von der Stiftung des deutsch-amerikanischen Philanthropen Jakob Schiff für die neu zu errichtende Frankfurter Universität, , falls gewisse Vorbedingungen erfüllt würden“, sucht Dr. Hans Landsberg'in der National •Zeitung das Gespräch wiederzugeben, das zwischen dem Kaiser und dem Milliardär vielleicht stattgefunden haben könnte; unter anderem würde wohl auch die Tatsaclie zur Sprache gekommen sein, daß noch kein Israelit das Ordinariat an einer preußischen Universität erhalten habe und daß den jüdischen Kandidaten immer wieder die Taufe nnhegclcgt werde. Dr. Lands• berg läßt Schiff hierüber folgendermaßen sprechen: ״In der Tat gibt es keine entwürdigendere Zu• inutiing ato eine Taufe aus Gründen des Karrieremaehens. Schon Gabriel Riesser hat dies im höchsten Maße unmoralische und ungesetzliche Verfahren in der preußischen Rcaktlonsepochc mit den Worten gchrandmnrkl: ״Das ist nicht ein Kampf mehr zwischen Glauben und Glauben, sondern zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Redlichkeit und Trug, um den cs sich handelt. Es ist die Trage, oh der Staat länger auf die Lüge einen Preis setzen soll, die entweder mit der Maske der Heuchelei erscheinen oder sich nicht die Mühe der Heuchelei geben und ihre Häßlichkeit offen zur Schau tragen könnte?“ Man vergegenwärtige sich nur das Ungeheuerliche Nr. 33 dieser Art Zwaiigstaufe, die erst jüngst wieder da! Ucbcr/eiigungsopfcr eines bedeutenden Gelehrten pc. fordert hat. Vergegenwärtige man sich, daß dieser Zwang gerade von einer Stelle ausgeüht wird, djc hem feil ist, der vorurteilslosen freien Forschung zu dienen. Der Student, der nicht bei einem jüdischen Gelehrten hört, würde sich in der Zeit eines merk, lieh ahfiaueudeii Antisemitismus lächerlich machen. Aber derselbe Gelehrte wird, falls er sich nicht zur Taufe entschließt, für eine ordentliche Professur alt unwürdig empfunden. Was würde wohl Herr C1c. heimrat Kollier sagen, wenn mau mutatjs nudandi! an ilm die Zumutung stellte, Mohammedaner oder Feueranbeter zu werden, weil dies die offiziöse Staats, raison verlangt? Der wahre Feind des Judentum! ist ja längst nicht mehr der Antisemitismus, sondern eine Art Toleranz, die /ur Charakterlosigkeit au(, fordert. Weiß man wirklich nicht, daß gerade die frei.* gesinnten Israeliten an ihrer allen Stammcsrcligion hängen und keinen Grund halten, ihr vererbtes Juden• tum gegen ein markiertes Christentum zu vcr tauschen? Das elementare Gesetz der Selbstachtung befiehlt uns diese Haltung, und wir wissen uns darin eins mit der Mehrzahl der ehrlich denkenden Christen.“ So etwa mag Jakob Schiff vor dem Kaiser gesprochen haben, und seine Schlußworte lauten: ״Für eine preußische Universität, die an der durch nichts gerecht• fertigten Zurücksetzung jüdischer Gelehrter fcsthält, gehe ich keinen Heller. Aus meiner Laicnanschauuug heraus halte ich solche Zustände für kulturwidrig. Es wäre an der Zeit, eine Hochschule zu schaffen, an der der Glaube nebensächlich, die Wissenschaft, liehe Leistung und die Befähigung zum Lehren alles ist.“ Wir wissen nicht, was der Kaiser dem Deutsch. Amerikaner auf seine freie Rede geantwortet hat. Er dürfte ihn aber nicht ungnädig bcschicdcn haben. Wenn er in seiner Prinzenzeit noch der Watdersce• gruppe nahcstnnd, hat er als Regent seine Hochachtung vor Andersgläubigen ausreichend bewiesen. Es ist ein merkwürdiges Land und eine seltsame Zeit, in der wir leben. Der Kaiser fragt nicht ob Jude oder Christ, aber die offiziöse Wissenschaft macht die höchstgeistigen Acmtcr davon abhängig, und man scheut sich gar nicht, immer aufs neue Opfer des Intellekts umi der Ueber/eugung geflissentlich von Männern zu fordern, die zur Erziehung der Jugend berufen sind.“ Bericht des Aktions-Komitees (Schluß.) Zionistisches Zentralbureau Auch in dieser Bcrichtspcriodc stand dem E. A. (.. bei seinen organisatorischen und sonstigen Arbeiten das Zionistische Zeniralbureau zu Köln zur Verfü• gung. Die im Jahre 1000 vorgciiommcnc Ausgestal. tung desselben hat sieb durchaus bewährt. Das Zcntralhurenu hat nicht nur die formalen Agenden des A. C. und des E. A. C. durchzuführen, die Sitzungen vorzubereiten und die Ausführung der Beschlüsse in die Wege zu leiten, es hat auch vor allen Dingen die Beziehungen zwischen der Leitung und den l.audcsorganisalioiien aufrecht zu erhalten, das Schekelinkasso zu besorgen und den Verkehr mit den auswärtigen Vertretern des E. A. C. mul mit den Orga• nisationen und Körperschaften, mit denen unsere Orga• nisntiou freundschaftlich zusammenarbeitet, zu pflegen und auszugestalten. Das Zentralbureau hat es ferner in der nhgelaufeneu Berichtsperiode als seine Aufgabe betrachtet! die gesamte jüdische Presse und den wich• tigslc» in Betracht kommenden Teil der allgemeinen [*resse zu überwachen und derselben reichlich und regelmäßig aufklärende Artikel und Notizen zürn• führen. Schon lange hatte es sieh als einen sehr fühlbaren Mangel heransgcstellt, daß (abgesehen von der Korre• snomlcnz mit hebräisch schreibenden Personen und Korporationen) die Briefe, Zirkulare und Verölte»!• liclumgeu des E. A.C. und des Zentralbureaus aus• schließlich in deutscher Sprache abgehdU, waten. Fs darf nicht vergessen werden, daß ein außerordentlich wichtiger und miincrisch starker Teil der gesamten Judeniieit und der Zionisten nicht nur in englisch• sprechenden I..ändern wohnt, sondern sich auch die englische Sprache gänzlich angeeignet hat. Pmch deutsche Korrespondenz sind unsere Freunde in den englisch-sprechenden Ländern auf die Datier nicht zu erreichen. In Würdigung dieses Umstandes erüft• neten wir im Frühling 19t0 gemeinschaftlich mit dein Huiipthurcau des Jüdischen Nationalfouds eine eug• 1 i s c 11 e A b t e i I u 11 g des Zcntralhurenu1,1 Seitdem diese Abteilung funktioniert, ist eine ganz erfreuliche Festigung unserer Beziehungen zu den englisch-sprechenden Landesorganisationen zu k<»״• staticrcn. Die Korrespondenz des Zcntralbureaus wird jetzt in hebräischer, jüdischer, deutscher! englischer, Iran• zösisclicr, russischer und holländischer Sprache geführt. m Wohl schon solange die Organisation bestellt, sind immer wieder Klagen darüber laut geworden, daß die jüdische Frau, die einen so wertvollen Faktor i»1 Leben unseres Volkes Uarstellt, sicii in so geringem Umfang an der zionistischen Arbeit beteiligt. Immer wieder aber begegnete man dieser Klage mit der nicht unberechtigten Frage, was denn getan worden Misrachi-Konferenz* ־יייי׳ ln Frankfurt a. M ™ Am Montag, den 7. August, fand in Frankfurt am Main die Jahreskonferenz der zionisfischen Föde• ration Misrachi statt, die von etwa dreißig Deie■ gierten besucht war. Um 0 Uhr morgens eröffnete der Vorsitzende des Zcntralhureaus, Herr Dr. Feil ch t wa n ger, die Sitzung, begrüßte die Delegierten und sprach zunächst sein Bedauern darüber aus, daß der Ehren- Vorsitzende der Föderation, Herr Rabbiner Reines aus Lida, der Sitzung nicht beiwohnen konnte. Er verlas sodann ein in herzlichen Worten gehaltenes Begriißiingssclirclhen des Präsidenten des engeren Ak• tions-Komitecs, Herrn Wolffsohn, das von der Vcr- Sammlung mit großem Beifall aufgenonimen wurde. Die Versammlung beauftragte das Bureau, Herrn Wolffsohn den Dank der Versammlung telegraphisch zu über• miftein. Es wurde beschlossen, während der auf der Tagesordnung sichenden Referate die Sitzung öffentlich ahziihalicn, während die Debatte in geheimer Sitzung, zu der nur Misracliisten /!!gelassen seien, staltfindci^ sollte. Alsdann erstattete der Vorsitzende den General• bericht, in welchem er die Fortschritte der Misrachi- Föderation in den einzelnen Ländern und Erdteilen darstelltc. Der Generaibericlit wird auf Antrag des Delegierten der Hamburger Ortsgruppe, Herrn Hol•!ander, im Druck erscheinen und versagen wir uns daher heute auf denselben cinztigehcn. Wir heben mir hervor, daß die Organisation in Deutschland außerordentliche Fortschritte gemacht hat, da'ß. dagegen in den östlichen Ländern infolge der verworrenen politischen Verhältnisse eine Ausbreitung der Orga• nisation nicht möglich war, insbesondere in Rußland, wo jede Agitation unmöglich war und wo eine druck• fertige, in hebräischer Sprache ahgefaßte Propaganda* hruschiirc der Konfiskation anheim fiel. Von den Spczinlzweckcn der Föderation erfreute sich die Tncli• kcmnnischulc steigender Beliebtheit. Die Schekel• Sammlung ergab für das Jahr 5671 3620 M. Von den Referaten erwähnen wir zunächst das Referat über die Kultur und Palästinaarbeit, das Herr Dr. B a m h c r g c r-Ntirnberg hielt. Der Referent vcr• trat unter dem Beifall der Versammlung den Stand• punkl, daß die allgemeine Zionistische Organisation sich mit Kulturarbeit in Palästina nicht befassen dürfe, sondern daß sie sich in Kulturfragen neutral zu verhalten habe. Das Referat des Herrn Stern über das Orga• nisationsstatut stellte sich auf den Standpunkt, daß die von der Organisationskommission in ihrer letzten Sitzung fcstgcsiellte Fassung des Entwurfs für die Föderation annehmbar sei und daß eventuell die zwangsweise Einführung lokaler und teritorialcr Ar• beitsgcmeinschaftcn mit streng umgrenzten Zielen zu erstreben sei. Die in der Welt veröffentlichten Vorschlüge des Herrn Ben Jakob seien für die Föde• ration unannehmbar. Herr Sekretär Braun erstattete sodann den Finanzbericht sowie ein Referat über spezielle Patastmaarbeit, indem er hervorhob, daß der Misrachi eine jüdische Kulturgcscllschaft ins Leben rufen müsse. um,*??״ lcWc?cfcr‘?* ,0״יי Propaganda, Finanzen und I «.»»c wurde von Herrn Referendar Möller* A ״ISP .’I 1;1 י I i j \ Hr-■—

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