Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 359 L3j___ I .cj״ Arhci t erinne n heim c zu bauen, um I ,,!״;CH Eimvicklungsratim für die Baucmwlrt• uml llaushnUungsschuIc zu schaffen. Es gilt Llüdineiisiscltc»!*'rauen und Mädchen für den L'['1hat1 zu gewinnen und sic zu tüchtige» Haus- Ln zu erziehen. Bis jetzt haben die Kolonisten I, linier*nii/ung von seiten des weiblichen Eie• L;s crfahi en, und was die Hilfe der Frau in Haus, lyiul < buten bedeutet, kann man leicht ermessen, 1״, ״.ui hieb die Tätigkeit einer Dorfbewohnerin I/tilaiide altsieht. lieh könnte noch viel erzählen, wenn ich auf alle Lund Ibdfiiungen des Verbandes jüdischer Frauen Lid wollte, es würde aber zu weit führen. Palä• I ist ein weites Feld, und noch liegt alles brach. I, für die Arbeit dort nötig ist, ist ein ordcutlicltl Lbclitei Plan und eine systematische Entwicklung schaffenden Institutionen. Der Wille unserer Llischcii I r.iuenvereine ist groß, cs fehlen uns nur |;r die yrollen Mittel. Wir können keine Institu• l(n aus den» Boden stampfen, 80 versuchen wir Ij^lciis langsam und sicher vorwärts zu gehen. I Pic praktische Arbeitsleistung in Palästina muß L Zentralstelle haben, wohin alle Pläne ן solche /.wcckc zusammenkon»1ncn und von wo I das Notige angeordne» wird. Der Verband jüdi- I(r Frauen, der auf diesem Gebiete die meisten Klärungen gesammelt, rollte zu dieser Zentralstelle Iden. Das Bestreben der Zionist innen sollte stets 1in gehen, die Leitung dieses Verbandes in Händen behalten und für seine materielle Stärkung zu jen, damit er ein tüchtiges Werkzeug für unsere lc wird. i In wenigen Tagen beginnt der Kongreß und mit 1 die Konferenz zionistischer Frauen, die einen sjmmciischluß sämtlicher Frauenverciue herbei• irensoll. Ich möchte den Teilnehmerinnen dieser Kon• cnz ans Herz legen, die Weiterentwicklung des Landes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Paläim zu Ioniern. Die neue Zentralstelle für rauenarbeit soll für Ausbreitung unserer Ideen, ז die nationale Erziehung der Jugend, für lokale lätigung der einzelnen Vereine sorgen. Der Ver* ä jüdischer Frauen soll die Arbeit in Palästina den und die kulturelle Entwicklung des Landes und ,׳,er Bewohner fördern. Nur ein It a 1׳ m 0 n 1 s c It e s Z u 9 a m in c ״ irken beider kann zum großen Segen tr unsere Bewegung werden. ״AUS ALLER WELT ״ pptdsf/iland Per bekannte Schöpfer des Hamburger Bisarck-Dcnkmals, Professor Hugo Lederer! wird 1e nunmehr bestimmt worden ist, auch das Denk- '31 Heinrich Heines für Hamburg schaffen. Der imbtirger Senat hatte bekanntlich auf die an ihn;«richtete Eingabe, die im Namen des Berliner Haupt•!«Schusses von Alfred Kerr uusging, die Hcwiili• unk' eines Platzes in Aussicht gestellt. In der nuvort des Hamburger Senatssekretürs heißt es, btt der Senat für dieses Denkmal einen Platz 1^vijligui wird, wenn von den vereinigten Berliner טח Hamburger Komitees ein hervorragendes und gc• Jgnctcs Kunstwerk angeboten wird und seine Auf* tellung gesichert erscheint“. Diese Bedingung wird Jraussiehtlich erfüllt werden können. Professor u״° Lederer hat mehrere Entwürfe geschaffen. Im tfbst wird der Künstler an die Ausführung gehen, W m der ersieu Hälfte des kommenden Jahres fuu wahrscheinlich das Standbild fertiggcstellt sein, י« erde öffentliche Hcinedenkmal in Deutschland. No׳-h eine Entschuldigung für ״Gießen“ bringen lf ״Nationailibcralcn Blätter“: ״Dort stand den ^iaidemokraten ein Antisemit von der *3urigsten Gestalt gegenüber; ein Mann, {SH׳n Bildungsniveau ihm geradezu jungen• 3' t a I b e r 11 c B c s c h i m p f u n g 0 n der national• wralcu f>artci gestattete, und der sich (nach •den cituiigshcrichten zu schließen) bei seinen beiden Ver• 1״c'lc,| jm Reichstage, die Aufmerksamkeit auf seine ,Padi.it zu lenken, so unbeschreiblich 3 eher lieh auf führte, daß die Gicßener Anti•;^»1i1(.u j!)״ jas |].jchstc Mal wohl zu Hause lassen «iltm, damit sich sein Talent erst in der Stille *ue. Trotz allcdcn» gehörte ihm und nicht Sozialdemokraten die nationalliberalc Stichwahl• ' c> die ihm auch zun» Mandat vcrhalf.“ Dieses ״trotz alledem“ zeigt, daß das alte üble °rt von der national •miserablen Partei noch mcr einen berechtigten Kern hat!• Auf ein Schreiben des Stuttgarter Stadtrabbinats ^"י hat das Generalkommando des württem• . 1r ß' * c h c n Armeekorps an die Württemberg»• d*״ Truppenteile die Weisung ergehen lassen, daß . '*roclitiscbcn Mannschaften, soweit ז, ,,ן Dienst gestattet, über die hohen Feiertage U״»ubt werden sollen. Ferner soll den Wünschen der israelitisch Einjahrig-Freiwilligen, die wegen des Versöhnungsfestes erst am 3. Oktober eingestellt werden wollen, entsprochen werden. Oesterreich Droliobycz im oster eichischen Parlament Die Verhandlung über die sechs Dringlichkeits* auträge im Parlament vollzog sieh unter der allgc• meinen Teilnahmslosigkeit diw I lauses. Es beteiligten sich außer l)r. Strauch er fast mir Mitglieder der galizischen Parteien an der Debatte. Für die Regierung gaben der Minister des Innern und der Lamlcsvcrtcidigimgsministcr Erklärungen ab, in denen mit vielen Worten herzlich wenig gesagt wird. Aber selbst aus diesen dürftigen Antworten geht hervor, wie unberechtigt der Wnffengcbrnuch war, der durch angebliche Revolvcrschiisse eines Unbekannten provo/iert worden ist. Aber auch die Walilschvvindeleicn der Garde Löwensteins erfahren hierdurch ihre Be• stütigimg. Interessant ist, daß der Minister des Innern die Versetzung des Bezirkshauptmamis P i a t k c w i t /. ankündigte und ihn durch einen Beamten abzulösen versprach, der sich nicht scheuen werde, in den dunkeln Winkel von Droliobycz hincinzulcuchten. * Der Emigrationskongreß, der Ende August in Wien tagen sollte, ist, nunmehr zum zweitenmal, auf das Frühjahr 1912 verschoben worden. In gut unterrichteten Kreisen führt man die Ver- Schiebung des Wiener Emigrationskongresscs auf den Einspruch Mr. Jacob Schiffs zurück, der erklärte, die Abhaltung eines Emigrationskongresses im gegen• wärtigen Zeitpunkte würde eine schwere Gefahr für die amerikanisch-jüdische Emigration bedeuten. Die vor kurzem in Petersburg abgehaltenc Emigration»־ Konferenz hatte eine Abordnung an die großen jüdi• selten. Organisationen in Westeuropa entsandt, um sie für den Plan des Emigrationskongresscs günstig zu stimmen und zur Beschickung der Wiener Ver• Sammlung zu veranlassen. Diese Abordnung besuchte auch Mr. Schiff in Frankfurt a. M. Ilcrr Schiff erklärte den Herren jedoch, daß nach seiner Kenntnis der Sachlage ein internationaler Euügrationskoiigreß wie der jetzt geplante die Verschärfung der Ein• waudcrungsbcstiniinimgeit in den Vereinigten Staaten zur Folge hatte, also gerade das Gegenteil von dem erreichen würde, was seine Veranstalter beabsichtigten. Diese Erklärung des Herrn Schiff hat auf das Wiener Organisatiouskomitec einen solchen Eindruck gemacht, daß es die Verschiebung des Kongresses beschloß. Es wird auch versichert, daß die Idee des Emigration»• kongresses überhaupt fallen gelassen worden sei, und daß anstelle des Kongresses im nächsten Jahre eine geschlossene Konferenz in kleinerem Maßstabc ab• gehalten werden soll, an der sich dann auch die lea und der Hilfsverein der Deutschen Juden be-!eiligen dürften. England Die Beerdigung des Rabbi Adler fand am Donnerstag, den 20. d, M. statt. Der Leichcnzug gestaltete sieh zu einer eindrucksvollen Kundgebung der englischen Judcnheit, die durch ihre besten Männer vertreten war. Unter den vielen hohen Per• sönliehkciteu, die dem Zuge in Wagen und zu Fuß folgten, befinden sich auch Lord Rothschild, Lord Swaythling, der neue Vorsitzende der Fiskusverwal• tung, Sir Matthew Nathan, Zangwill, Rcv, Oaster, der Bruder des Verstorbenen, Elkan Adler, Sir Francis Monlcfiorc und der Postmeister Herbert Samuel. Auch die Heilsarmee war vertreten. Baron Alexander Ginsbürg vertrat die jüdische Gemeinde von Petersburg. Ferner waren Delegationen der meisten jüdischen Gemeinden von England und New York und jler Gemeinden Montreal, Sidney, Frankfurt a. M״ Lcm• berg u. a. m, erschienen. Hunderte von Wagen begleiteten den Verblichenen zu seiner letzten Ruhe• stätte. Der Verkehr wurde überall, wo der Lcichcnzug passierte, eingestellt. Alle jüdischen Institutionen und Organisationen des In• mul Auslandes waren durch Deputationen vertreten. Der König, der am Montag Blumen geschickt hatte, hatte sich durch einen Ad• jutaiiten vertreten lassen, der der Familie des Ver* storliencn im Namen Sr, Majestät das Beileid ausdrückte. Beileidskundgcbtmgcn kamen auch von den höchsten Würdenträgern der anglikanischen Kirche. Die gesamte englische Presse widmete dem Verstorbenen spnhcnlangc Artikel und rühmte ihn als Juden und Patrioten. Ein Beileidstelegramm traf mich von Herrn David Wolffsolm im Namen der ־zionistischen Organisation cüi, * Sir M a 1111 e w Nathan, Sekretär der Post• Verwaltung, wurde zum Vorsitzenden der Fiskus• Verwaltung ernannt. Sir M, Nathan ist der einzige Jude, der zu verschiedenen Malen das Amt -eines Governors in einigen britischen Kolonien bekleidete. Sir Matthew Nathan, kam auch als Nachfolger ,des jüngst verstorbenen englischen Generalkonsuls In 'Aegypten, Sir Eldon Qorst, In Betracht, Türkei Rasche Hilfe tut notl Im Inseratenteil dieser Nummer finden unsere Leser einen Aufruf des H i 1 f s vcrc ins zu (j un s t e n der A b g c b ra unten i u Kons t a n t i n o p e 1 B a I a t. Tausende von Juden sind von diesem furchtbaren Brande aufs schwerste betroffen worden, haben all ihr Hab und Gut cingebiiBt und stellen — zum Teil schon alt und hilflos — namenlose m Elen d gegenüber, wenn nicht rascheste Hilfe erfolgt. Wir halten es fiir selbstverständlich, daß auch alle unsere Gesinnungsgenossen, jeder nach seinen besten Kräften, ihre Gabe zur Linderung dieser jüdischen Not in Konslantinopel beisteuern werden I Als vor zwei Jahren die Umgestaltung des ottomanisclien Reichs in einen Verfassungsstaat sich vollzog, entstand unter den Juden Hessarabiens eine Bewegung, die dahin ab/icltc, nach der benachbarten Türkei aus/.uwandern uml dort jüdische landwirtscliaftlichc Kolonien zu begründen. In den Städten N o w o s 8 c I i t z i uml B r y c / a ח y schlossen sich zu diesem Zwecke etwa 100 jüdische Familien zu• säumten, die einen Vertreter nach Konstmtmopcl entsandten, um für die Gruppe ein geeignetes Grund• stück ausfindig zu machen. Der Abgesandte fand in der Nähe Konstantiuopcls ein Grundstück von 1200 Acre, das er denn auch für Rechnung der bctreffenden Familien erwarb. Die lea hat sich, einer Meldung des ״Rasswjel“ zufolge, an dem Kaufe mit der H;ilft,c des Kaufbetrages beteiligt. Die neuen Kolonisten beabsichtigen bereits itn Herbst d, J, auszuwandern und ihren Besitz in Bewirtschaftung zu nehmen. Russland Aus Petersburg meldet man der ״N. J. K": Ende der vorigen Woche fand ein Ministerrat unter dem Vorsitze Stoiypins statt, in dem die Reform des Polizeiwesens behandelt wurde, Die Beratungen werden dieser Tage fortgesetzt werden. U. a. wird der Ministerrat über neue Beschränkungen der Juden im Bankwesen und im Ausfuhrhandel Beschlüsse fassen. Diese Beschränkungen werden insbesondere von Stolypin gefordert. In jüdischen Handelskrciscn sieht man den Ergebnissen des Ministerrats mit großer Besorgnis entgegen. Falls die geplanten Bcschrän* klingen tatsächlich zur Durchführung gelangen sollten, würde dies den Ruin tausender jüdischer Existenzen zur Folge haben. Amerika ln Washington fand Ende Juni eine Konferenz von Delegierten aus allen in Washington bestehenden, nichtjüdischen Konfessionen und Sekten statt, in welcher beschlossen wurde, dem Präsidenten Taft ein Memorandum zu unterbreiten, das die Forderung enthält, daß der Präsident der Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz e'mbertifc, deren einziger Bcratungsgcgenstand die Lage der rumäni־ selten Juden zu bilden habe. Es sei die moralische Pflicht aller jener Regierungen, die noch irgendwas auf die Moral des gegebenen Wortes und der ein* gegangenen Vcttragsverpflichumgen geben, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß Rumänien seine auf dem Berliner Kongresse übernommene Verpflichtung bezüglich der Gleichberechtigung der Juden endlich einmal erfülle. In New York gab cs bis vor kurzem eine so• genannte französische jüdische Gemeinde, die von clsässischcn und lothringischen Juden gegründet worden war. Diese Gemeinde ist nunmehr aufgelöst worden. Oie Synagoge wurde verkauft und soll in eine Kirche umg'cwandclt werden. Protest gegen dieAIliancewalilen Wie wir erfahren, hat die Deutsche Konferenzgcmcinschaft der Alliance lsraelitc Universelle gegen das in Paris festgestcllte angebliche Wahlergebnis Protest eingelegt. Da ßdiescr Protest nur allzu berechtigt ist, ergibt sich schon aus dem bloßen Umstande, daß nach Pariser ״Zählung“ über 21000 Stimmen abgegeben worden sind, während die AI• liancc zweifellos nicht mehr als 22—2'JOOO Mitglieder hat. Hoffentlich wird die Konfcrenzgcmcinschaft die• sen Protest mit derjenigen Energie verfolgen, welche das wirklich an Naivität grenzende Vorgehen des Herrn Bißart verdient. Es wäre geradezu kläglich, wenn man cs dulden wollte, daß durch derartige ״galizische Wahlen“ der klare Wille d!w Wählet' entstellt wird.