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Jüdische Rundschau · 1911-08-04 · Heft 31 (4.8.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ch. 9581. “ prrcbilundrn Dirnal «sr und UimnenUr 5 6 Uli׳ na.lmiilleg*. mJ ני.""׳/ ח Cj cn c 513( /״״> n, ר"/ ס ח P• ”» I , ■! I \ I ׳ I j L.P u vju ר־׳•/ ר׳ ר~י כ—c ח 0/ u L3 L 7׳Ul f־\n u Berlin, den 4. August 191! —!0. Ab 5671 XVI. Jahrgang ^Der Z»onl«mu• erstrebt für da■ jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gcaichcrtcn HeimntUtte in Pa1r1«tlna.“ Baseler Programm. ymü&Mm§K©1n1??res | Eine müßige Frage ist in einigen zionisti- »dien!Müttern in letzter Zeit diskutiert worden: >b wir den X. Zionistenkongreß, der vom 0. bis 5. August in Basel stattfinden wird, zu einem jjubilüuinskongreß“ gestalten sollen oder nicht. Ait Worten stritt man für und wider das Wort ubilämn, und man ereiferte sieb darüber, ob wir ifjn Recht hätten, ein Jubiläum zu feiern. [Die Frage war falsch gestellt. Unter der lerrschaft des dekadischen Zahlensystems ist in zehnter Kongreß in gewissem Sinne immer in Jiibiläumskongrcß — eine aridere Frage ist cs, oh wir nachher ein Recht haben werden, ihn als solchen anzusehen. Das aber kann nie* tnand Vorhersagen, weil cs vom Kongreß selbst abhängt. Wird der X. Kongreß, zu dem wir uns;eben rüsten, die schwerwiegenden Fragen, die seiner harren, ihrer Lösung näher bringen oder sie lösen können, so wird ihn die Geschichte einst als den Jubiläumskongreß verzeichnen ~ wo aber nicht, wird er in der Reihe der Kon* Igrcsse wie der neunte als neunter eben als zehnter geführt werden. Wir sollen aber mit aller Kraft suchen, .ihn zu einem J u b i I ä u m s k o n g r e ß zu m a c h e 111 j Dazu gehört vor allem, daß die Delegierten sich ihrer schweren Verantwortung bei Jeder Sitzung, bei jeder einzigen Abstimmung ־unbedingt und gewissenhaft bewußt bleiben.!Gewiß hoffen wir, daß cs bei den wichtigsten *Fragen dieses Kongresses nicht nötig sein wird, |nlt Majoritätsbeschlüssen zu operieren, daß friedliche Verständigung diese Dinge ruhig im jpnuc des Fortschritts unserer Bewegung regeln pird. Aber aus den Erfahrungen früherer Kon*?resse müssen wir gelernt haben, daß in unserer demokratisch' aufgebauten Organisation unter ■Umständen der gordische Knoten der Differenzen a'1eh mir mit dem scharfen Schwert eines inuti* |?cn Entschlusses gelöst werden kann. Diesen Wut, Partei zu ergreifen, fordern wir, wenn die Not des Augenblicks cs gebieten sollte — der griechische Weise Solon ließ jeden als Verräter richten, der im Kampf« der Bürger nicht Partei ergtiß — •und es wäre doch eine schale Illusion, S'volitcn wir uns und anderen einzureden versuchen, wir seien alle einig. Werden wollen w'r es. Aber dazu half niemals ein faules Korn- Proinifi, sondern noch stets nur eine Tat! Wie wenig der IX. Kongreß uns alle be*; friedigt hat, wie wenig er geleistet hat, das ,5׳chen wir ja am besten daran, daß wir jetzt trotz jps äußeren Fortschritts unserer Bewegung im Innern vor genau denselben Problemen stehen J׳ic .vor zweiundeinhalb Jahren in Hamburg, bas darf sich' nicht wiederholen, Wc״n wir nicht unser ganzes Prestige aufs Spiel wollen. Der X. Kongreß muß vor allen anderen U|ngcn die organisatorischen Fragen derart *ßcln, daß wir auf längere Zeit hinaus diese **batten nicht mehr brauchen, die ja eben des- 80 ך viele ganz zu Unrecht als weniger wichtig anschen, weil sie erst indirekt eine fruchtbare Wirkung haben können. Die Partei und die Parteileitung muß. erst einmal wirklich aktionsfähig gemacht werden -״ sonst nützen alle Aktions-Comites nichts. Dazu gehört eine praktisch brauchbare Organisationsforin, dazu ge* hört eine gesunde finanzpolitische Basicrung der Partei — die nach Lage der Dinge auf gar nichts anderem als auf der sinngemäßen Besteuerung sämtlicher Institutionen beruhen kann und darf, die vom Schckclcingnng und .anderen Spenden durchaus unabhängig gehalten werden muß! — Dazu gehört vor allem die richtige Zusammen* Setzung der Leitung, die in Ressorts gegliedert, aber streng zentralisiert sein muß, weil gerade eine so durchaus demokratische und föde* rativ organisierte Bewegung nach aller politischen Logik und Erfahrung des Gegengewichts einer absolut einheitlichen, zentralen Leitung bedarf. ln diese Leitung müssen Männer gewählt werden, die für Politik, für Organisation und Propaganda, für Palästinaarbeit und für die anderen zu versorgenden Gebiete die tüchtigsten sind, die uns zur Verfügung stehen. Ehrenämter haben wir nicht zu vergeben, sondern nur Arbcitsümtcr. Setzen wir dann diese Leitung in ein Milieu, in dem eine großzügige jüdische Arbeit im zionistischen Sinne geleistet werden kann — und es ist zurzeit ganz und gar sinnlos, dabei an einen anderen Ort als Berlin zu denken I — so haben wir unsere Partei, um ein Bismarckischcs Wort zu gebrauchen, in den Sattel gesetzt. Damt muH es sich erweisen, ob sie wird reiten können. Wir unsererseits sind dessen sicher - ain X. Kongreß ist es, endlich die Vorbedingungen dafür zu schaffen,- Wir vermeiden es absichtlich, in diesem Mahnruf, den wir in letzter Stunde an die dent* sehen Zionisten, an alle Delegierten des X. Kon* gresses richten, die übrigen Dinge, mit denen sich dieser Baseler Kongreß zu befassen haben wird, irgendwie zu erwähnen und Stellung ׳zu ihnen zu nehmen. Denn wir sind im tiefsten Ernst davon durchdrungen, daß dieser X. Kongreß vor allen anderen die eine Aufgabe hat: Unserer Organisation eine Leitung, unserer Leitung eine Organisation — und beiden die Mittel zur Arbeit zu geben! Wir hätten es für richtig gehalten, alle diese organisatorischen Fragen in den ersten drei Tagen des Kongresses vollkommen zu erledigen. Das Bewußtsein, eine wahrhaftige Tat getan zu haben, und die Klarheit über die Situation in den nächsten Jahren hätte nach der Sabbathruhe den Kongreß mit viel größerer Sicherheit und Freudig* keit au die weitere Arbeit gehen lassen. So könnten allzu leicht andere Fragen, die — und wenn es gleichfalls Lebensfragen der Bewegung wären! — doch gegenüber diesen fundamentalen organisatorischen, uns seit sechs Jahren bcschäftigenden Problemen unbedingt zurilcktretcn müssen, die Gemüter zur Unzeit erhitzen und ver* wirren. Wo doch zur Lösung dieser unserer Da* scinsfrage kühles Blut, überlegte und überlegene Ruhe so unbedingt erforderlich sind. Hat der X. Kongreß diese Aufgabe erfüllt, so wird er in der Geschichte den Platz neben dem I. Kongreß verdienen und erhalten. Versagt er hier, so wird auch der Wert aller übrigen Arbeit, die er leisten mag, herabgemindert, wenn nicht illusorisch, weil daun der nächste Kongreß wieder bei dieser Hauptaufgabe beginnen müßte. ״Die Zeit ist zu ernst, als daß wir einander mit geheuchelten Empfindungen und falschen Worten begegnen sollten. Und da wir alle des* selben Willens sind, so werden wir auch wieder einen gemeinsamen Weg finden. Aber Mut und rücksichtsloses Bekennen des für wahr und gut Erkannten sind die ersten Vorbedingungen. Mit Komplimenten können wir uns nicht aufhalten, und das Mundspitzen allein tut es •ganz gewiß nicht mehr — cs muß gepfiffen werden, klar und scharf. ״Wer ehrlich und ohne jede Nebenabsicht nur das Wohl der Sache fördern will, der wird uns zustimmen. Die kleinliche Acngstlichkcit müssen wir bannen. Selbst ein großer, wenn nur großzügiger Irrtum wird uns weiter bringen als ein kleines und doch so nichts wirkendes Wahrheitchcn. ״M u t z u m Handeln — den fordern wir vom IX. Kongreß. Unser Programm, unser Baseler Programm weist uns Ziel und Richtlinie. Aber unsere Taktik muß neu fundiert werden. Unsere Leitung muß so organisiert werden, daß sie tatsächlich die ganze Bewegung beherrschen kann, und sie muß materiell «(),gestellt werden, daß ihre Aktlonskraft nach allen Seiten absolut frei ist. Wir können (las, und wir haben die Ver* pflichtung, es zu tun. Dann haben wir ebenso das R c c 111, wie wir die P f i i c h t haben, unsere Leitung einzig u 11 d allein na c 11 s a c 11 * liehen Gesichtspunkte n zu organisieren und von ihr alles zu verlangen, was zu leisten nur im Bereich des Möglichen liegt. Wir müssen endlich uns nicht von irgendwelchen Ursachen fatalistisch beeinflussen lassen, sondern unser Wirken ganz unabhängig auf scharf geschaute Zwecke cinstcllcn — denn d a s n 11 c i n h e i ß t Politikl“ So schrieben wir unmittelbar vor dem IX. Kongreß, der im Dezember l()0Q in Ham* bürg stattfand. Es ist nicht gerade ein gutes Zeichen, daß das alles heute ohne jede Aendc* rung vor dem X. Kongreß, dem wir nun entgegengehen, wiederholt werden kann und muß. Doch wir haben zu den Delegierten dieses Kou* gresses das Vertrauen, daß sie sich' der schweren, aber zu lösenden Aufgabe gewachsen zeigen werden. Dann wird der X. Kongreß, was wir vom vorigen erhofften, eine ״neue fruchtbare Epoche der zionistischen Bewegung einleiten *— reich an Opfern und Arbeit, aber auch ein Teil der Erfüllung eines Mcnschlicitszielcs, das seinesgleichen nicht hat in der Geschichte aller Zeiten.“ Dann wird er — ob wir ihn so nennen oder nicht — ein Jubilüums-Kongreß sein! - J. B. (Titrmrtfaanr <1*• Koa*re1»e» ale. alaba 811t« 8641)

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