Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«.29 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 333 per Fall Porges—AntSbi IX-r Oeffcntlichkcit ist die Debatte bekannt, die den Itl/ten Wochen in den Spalten dieser niit Herrn Dr. Porges aus Leipzig, dem ,unten Vertrauensmann der Pariser Alliance. ״״״ geführt haben. Unter anderem erwähnten;u’ch einen Brief, in dem Herr Dr. Porges in ’er Verluignung des von ihm erstatteten offi- " Beiiihlcs über die Allianceschulen gegen Antel׳i in Jerusalem sehr schwere Vorwürfe Man wird wohl von den beiden zur Ausstehenden Berichten den letzteren für wahr f״ dürfen, nachdem Herr B1 g a r t sich in Amster- " 1ils sehr abfällig über den Vertreter der 1aliistina geäubert und ihn als ״einen sehr in 1 r z. 11• (je• in ff!״! Blot im lob■ K unitccs cbenfijncc in > .!echten Charakter41 bezeichnet hat. Schlielllich muh Allianevleitiing ja ihre Beamten kennen l Wir (f״ bei dieser Gelegenheit erfreut zu hören, daii rollen Einfluß auf die Handlungen des Pariser •esitzen und unsere angebliche Vorliebe Herrn A111 e b i mit dazu beitrage, ihn im Amte erhalle!;. Wir dürfen deshalb wohl der Alliance Liren, dall sic sich in einem kaum erklärlichen um befindet und wundern uns, dall der Tat• Und in Paris noch immer nicht bekannt ist. Wir )C״ nickt das geringste Interesse daran, Herrn lühi zu halten, glauben vielmehr, dall seine Wirk• ״Keil eine überaus schädliche ist und entbinden nnit das Pariser Komitee in diesem Falle feier• 1 ihrer so überaus zarten, doch sonst nur sehr ten geübten Rücksichtnahme. Wir finden es sogar, cktiv wie wir sind, nicht schön, duli man einen nu von schlechtem Charakter im Amte als Jugend• ner hält, angeblich weit dritte das wünschen, rr Bigart tue nur ruhig seine Pflicht, entlasse un• ignete und rohe Lehrer, unbekümmert um der ricien Haß und Gunst, Will er auf uns Rück• hlcit nehmen und den Zionisten somit eine ganz uc und schöne Seite seines Wesens offenbaren, findet sich schon noch ein anderer geeigneter jjjcnbliek. Vorläufig bestand sein Wirken uns gegen• 1er in hczug auf Courtoisie aus einer langen Reihe rsäumtcr Gelegenheiten. — Soweit halten wir geschrieben und wollten eigen(• ch unsere Betrachtungen über die Vielseitigkeit des Ir. Porges und das an Schwäche grenzende Ent qenkommen des Herrn Bigart gegen den Zionis tun mit einer kurzen Betrachtung schließen. Wir öiincn aber doch nicht umhin, der Oeffcntlichkeit «h ein Schreiben zu unterbreiten. Von Dr. Porges Antcbi. Es hat uns viel Kopfzerbrechen heeilet, und der Schreiber dieser Zeilen findet noch iimer nicht des Rätsels Lösung l Herr Dr. Poges jit Antcbi doch für rauh, roh, fast pathologisch? ümlich am 1. April 1909. ־ Und kurz darauf am August desselben Jahres schreibt er ihm: Ich bestätige den Empfang Ihrer Brief end u ng vom 21'. Juli wie auch der hebr. Zeitungen, e Hetz- und Schmähartikcl in Hazcwi mit ihren enden/iösen Unwahrheiten und Entstellungen müßten - so sollte man meinen — jeden Redlicbgesinntcn mpören. Aber in Palästina scheinen auch die ksseivn eine dicke Haut zu haben, lind sittliche Entrüstung, wie Sie oftmals empfinden, 51 bei Ihnen zu Lande eine sc 11 s a inc; t u s n a h in c. Ich gestehe offen, daß mich die Haltung des C. Ihnen gegenüber befremdet und vor 'f ח eilt. Ich bin nicht diplomatisch genug, um Jort schweigen zu können, wo geredet werden müßte und dort nichts zu tun, "0 cncrg i sc 11 c8 Eingreifen moralische!,flieht s c h c i n e. 1׳h verstehe die Taktik nicht, dall man einerseits zu schützen und zu halten ent schlossen ist und andererseits zu keiner energischen Maßnahme sich entschließen kann. Ihre Briefe beleuchten die dunV.11• Situation so klar, daß nur der nicht sehen Wn, der nicht sehen will. UotfeuUkh wird Ihr kt/kr Brief an unseren Herrn Präsidenten nicht ohne Eindruck bleiben. Ich fühle mit Ihnen, das Un• befriedigende, Unleidliche ja fast Unerträgliche Ihrer *ngcnblicklichen Stellung. Ohne Zweifel haben Sie auch in Paris Feinde, aber weder M. Bigart noch ,'h Israel Lev! gehört zu Ihren Gegnern . . . ." ״Die drei beiliegenden Blätter sind lateinisch, aber nur für Spezialforscbcr leserlich. Derartige aus alten Einbanddeckeln stammende Einzelbauer sind fast immer völlig wertlos. Mit vielem Vergnügen sdie ich der Sendung der Gagnisehen ׳'* a n u 8 k r i p t e c n t g e g e n. Wärmsten Dank 'ür alle Ihre Bemühungen! ln Ihrem 'vcrt cn Schreiben vom 21. Juli bc in e rke n ״!c in bezug, auf das Manuskript und ״*c englischen Statuten, daß ich Sie als 11״schenk von Ihnen annchmeu soll. Aber darf ich denn von Ihrer Güte so ^dtgehenden Gebrauch machen? Wo de so viele Mühe durch mich haben, w°llen Sie mir wirklich noch ein Ge• s c n c 11 k in a c 11 e 11. Das erscheint viel d e r F r e u 11 d l i c h k e i t. Ihren Söhnen wünsche ich baldige völlige nesuug, Ihrer hochgeschätzten Frau beste Erholung, Ihrer Gesundheit mul Kraft Geduld und Ausdauer, u in schließlich ü b e r I I a 11 u n d Verl c u m d »1 11 g d eil S i e g U a v o u z. u t r a g e 11." Wie hängt das alles zusammen? Was ist geschehen, um die Ansichten des Dr. Porges plütz• lieh so von Grund auf zu ändern? War am Lude doch sein offizieller Bericht in Ost und West der richtige? Ist er gar kein Gegner des Herrn Antcbi? Hat dieser einen guten Charakter? Irrte siel» Porges das erste, zweite oder dritte Mal? Irrte sich vielleicht Bigart in Amsterdam? Oder irrte sieh Antcbi in Porges, Porges in Bigart, Antcbi in Bigart, Bigart in Porges? Wir wissen »ms nicht z»1 helfen. Vielleicht hilft »ms eine neue Berichtigung des Leipziger Herrn Rah• hiners und Sehulinspcktors der Alliance isr. Uni• verseile. Ben Aron. Trinklieder werden also nicht in Vergessenheit geraten, und die P ii ekler, B r u I» 11, S c h a c k lind A1» l Wardt Werden weiterhin von den akademisch Ungc• bildeten den wissenschaftlichen Aufputz für ihre frischfrölilielte Judeiiliatz beziehen können. Aber: ״Der Antisemitismus ist lediglich eine vorübergehende Er• schcinung und wird mit dem Fortschreiten von Bi!• düng »uni Gesittung von seihst verschwinden. Auf• gehalten kam» diese Entwicklung nur werden durch die törichten Absonderungsgelüste der Zionisten. Nicht in den Schmollwinkel sollen wir uns verziehen, sondgrn tätig mitwirken am Bau der deutschen Kultur. Dann wird auch uns deutschen Juden bald das Morgenrot der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung leuchten.•• Eine kleine Teilhoffnung ist wieder zuschanden geworden. Aber: ״Hoffen und Harren . . Das genannte Blatt, das für seinen Umschlag die Farbe der Hoffnung gewählt hat, nennt siel» in seinen Ankündigungen noch immer ״Das reprii• sentative Organ des gebildeten deutschen Judentums." Grünes Allgemeines — Freud und Leid Wir sind stets bemüht gewesen, auch den Stand• punkt derer zu verstehen und zu windigen, die wir mit mehr oder weniger Befriedigung zu unseren Gegnern zählen. Man kann dabei aber auch zu weit gehen. Die jüdische ״Objektivität", die etwa den» Standpunkt der ״Staatsbürger-Zeitung" mildes ״Verstehen‘4 entgegenhringt, ist uns fremd, und den Standpunkt des Herrn Professor Geiger, der einer• seits für die Gleichberechtigung'der Juden eintritt, andererseits aber für staatliche Ausnahmegesetze gegen die bösen Zionisten plädiert, können wir nicht als ״Standpunkt" anerkennen. Immerhin hat cs für uns einiges psychologisches und — für die Betrach• tung des jüdischen Volkskörpcrs -• psychopathisches Interesse, bisweilen einen Einblick zu gewinnen in das Seelenleben des aussterbenden Typus unseres Christbamn- und Reforinatioiisfestjudcntmns. Dazu gibt die Wochenschau der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums", die sich noch immer der Redaktion des Herrn Geheimen Rcgierimgsrats Prof. Dr. Ludwig Geiger erfreut, jedesmal unerfreuliche Gelegenheit. Zwei Nachrichten waren es diesmal, die ihre besondere und sehr verschiedenartige Wirkung auf die liberale Judeuseele auszuüben vermochten. Die eine holt eine vom ücigerscheit Standpunkt fast unverzeihliche Versäumnis nach: ״ln unseren» Blatte sind bisher die Worte nicht mitgeteilt worden, mit denen der Kaiser bei einen» Feste, das Ende Juni in Hamburg stattfand, des Herrn Generaldirektor Ballin gedacht hat. Sie haben den großen Zorn der Antisemiten erregt, werden aber unseren Lesern erfreulich sein. Sie lauten so: Ich glaube aber, daß ich nicht schließen darf, ohne auch Ihnen, mein lieber Ballin, nachträglich sowohl in meinem wie im Namen der Herren nochmals unseren herzlichen Dank nuszusprcchcn für die nimmer fehlende Gastfreundschaft und für Ihre glänzende Arbeit in der Vertretung unseres Vaterlandes und für die geschickte Weise, in der mancher drohende Kampf umgangen und in Frieden gewandelt wurde. Möge es Ihnen auch ferner ge Ijngen, die grollen Interessen unseres Vaterlandes auf Ihre Weise zu wahren, und verderbliche Kumpfe durch Einigung in Güte bcizulegen; Die andere ist eine Katercrscheinung, wie sic der Assimilationsrausei» so häufig zeitigt: ״Man wiegt sieh manchmal in der Meinung, daß der Antisemitismus, namentlich in den studentischen Kreisen, verschwindet, und so glaubte mau auch, der ״Verein deutscher $ 11» d e 11 ׳ t e n" fange allmählich an, seinen» Namen ent sprechend wirklich bloß deutsch zu sein »md keine antisemitische Agitation zu betreiben, Diese Ansicht wird jedoch durch den Verein selbst zerstört. Denn Ui einer Polemik, deren übriger Inhalt uns nichts angelit, erklärt der Verein ausdrücklich, daß er nach wie vor geschlossen auf dem Boden einer rassemnüßigen Auffassung des nationalen Gedau• kens steht und in der Abwehr des Judentums eine unerläßliche Forderung deutsehvölkischer Oe• sinming erblickt.'• Kaiser Wilhelm II. hat seine llofjuden. Und es sind nicht die Schlechtesten, die er sich dazu erwählt hat. Ihre Häufung trotz ihres Judentums dürfte dafür sprechen, daß sie geistig die .Mehrzahl der Hofgesell• sehaft um Haupteslänge überragen. Das Judentum hat aus dieser kaiserlichen Passion bisher keinen Vorteil gezogen. Und wenn Bailins geniales Werk anerkannt wird, t rot /.dein er Jude ist, so kann das eben mir in der Redaktionsstube und im Leser• kreise der ״Allgemeinen Zeitung des J u d e n t u in s" besonders freudige Empfindungen auslöse!!. Fast ist es ein Oltick, daß die jungen Herren vom V. D. St. so schnell dafür gesorgt haben, daß das seelische Gleichgewicht in diesen Kreisen wiederher• gestellt worden ist. Die gemütvollen antisemitischen Zionistische Frauenarbeit Nur noch wenige Wochen trennen uns von unserem Jubiläumskongreß. Zum zehnten Male kommen unsere Vertreter aus allen Teilen der Welt zusammen, um das Wohl und die Zukunft unseres Volkes zu beraten, die Organisation zu festigen und nus/.ubaiien und den zionistischen Gedanken weiter in die jüdischen Volksmassen zu pflanzen. Aber auch etwas Neues soll »md muß uns der X. Kongreß bringen. Eine fest gefügte Organisation für zionistische Frauenarbeit innerhalb der Partei, ich sage ausdrücklich innerhalb der Partei, denn es gibt im Zionismus Arbeiten von eminenter Bedeututig, die nur von Frauen ausgeführt werden können und trotzdem Hand in Hand mit der Gesamt• Organisation gelten. Unser unvergeßlicher Meister Theodor Herz l wußte wohl, was er unserer Bewogung tat, als er den Frauen volle Oleichberechti• gung gab. Wo man aber gleiches Recht gibt, hat man auch gleiche IM I i c!11 e r f ü 1 i u n g zu erwarten. ■•• — — Wohl haben zionistische Frauen fiir unsere Bcwegung, so lange diese besteht, gearbeitet; aber diese Arbeit war nur Stückwerk, weil sie Nebenarbeit war, die dem Ganzen, Großen nicht eingefügt war. Dieser Kongreß soll daher Beschlüsse fassen, die es jeder Ortsgruppe zur IM licht macht, Frauengruppen zu bilden, wie überhaupt die Frauen mehr zur zionistischer» Arbeit heranzu/iehen. Während der Mann der praktische, soziale, poli• tische Zionis» ist, soll die Frau bestrebt sein, den kulturellen und geistigen Zionismus zu pflegen und in schöner harmonischer Weise beide zu vereinen und ergänzen. Niemand ist geeigneter als die Frau, den zionistischen Gedanken ins Volk zu tragen, weit die Frau die Erziehung der Jugend und sotnit die Erziehung, des ganzen Volkes in der Hand hat. Die geistige und die körperliche. Die geistige, indem sie Kurse für jüdische Geschichte, für jungjüdische Literatur gründet, indem sie sieh mit der Schönheit der jüdischen Poesie vertraut macht, die hebräische Sprache nicht als eine tote Wissenschaft, sondern als eine moderne, n o t sv e 1t ü i g c Sprache bc• trachtet. in Kindergärten, Kinderhorten, Volksküchen, Mädchenkhihs, Toynbelhallen soll die zionistische Frau den wahrhaft nationalen Geist hineintragen. An allen geistigen Fragen innerhalb des Judentums soll die zionistische Frau teihiehmen, in Drskussionsübenden den Zionismus studieren, damit sic sich daran gewöhne, ihre Gedanken in beredte Worte zu kleiden und - wenn es sein muß — öffentlich für ihre Meinung cinzustehen. Zun» Erziehen sind zwei Faktorei» notwendig. Erstens, daß man sich seihst zu einen» nützlichen Glied der Gesamtheit erzieht und zweitens, dall man mit .,utem Beispiel vorangellt. Lernen und lehre!» ist ein Grundprinzip unseres Volkes. Wir zionistisehen Frauen haben doppelt und dreifach die Pflicht, uns jüdisches Wissen wieder anziieigncn, damit wir bei der Erziehung unserer Kinder nicht erröten brauchen! ~ Die körperliche Erziehung sollen wir unterstützen, indem wir auch für »Mädchen Turn• und Sportvereine gründen, wo der Körper zur frischen, fröhlichen Tat gestählt werden kann, und wo sie lernen, die alte üolus• und Ghettoschwäche abzuschütteln. Die zionistische Frau hat ein großes und schönes Gebiet, wo sic zum Heil und zum Wolde ihres Volkes schaffen kann. Dieses Arbcits• gebiet muß aber feste Formen gewinnen uml darf sich nicht nur in — Kleinarbeit verlieren. Schulter an Schulter mit den» Manne soll eine Arbeitsleistung geschaffen werden. Wenn der X. Kongreß den Wünschen ernster, treuer Vorkäuipfcrinnen entsprechend eine Organ»•