Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1911-07-21 · Heft 29 (21.7.1911) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651711-2651740--07850-2665047
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ך־״* 1 II״•יי׳״-יי• ״•י•—ייי r— י Abonnements ן w » 1 1*. •m rmilacr I ' I jj* wodienllim *m rro»Uff er. ־! JUdl«eh# llundicliau"״ »Vj.rnil i dar K.politiun und btl״l ״"l״k I •Um |*0«tBmlrrn »i»rUljiÜ1flkh 1,75 M , lfr• fl»־>0 und ׳!!■atihulb D*ul«d1)«nda 41.1*1« I< ׳״«.,.M ־.? .״״1»d'.U״׳ I J..auL .1•• \j י! גצ£ o 1 ja•■ — . * •*•**•»׳ * j *- י י•'*י•( durch ihn Varl•! JOdlath. K1Uhl|d1M K. O. m. b. H." ' '■ נד/ ח חיי/ ס, ׳׳ ע־! ־.!; /" 1 י r ' v ' -s! 1 v U v״ J v. ל ' r! I difiblrrvitfi 49. Tel. Ch. dSÄI,* I (^״^,,•(iMtuwIen, 10 12 un«l 4 —1 Uhr, | ,,itU5 «־M»nf1§HeeH urnl ׳*״«י־׳חייא: J>1 nerUa*CH«rloltenbU^ \ %־y, ח nn י׳י׳־/ס \Hחחח ךן־~ U □ע \ \ * i i *! * ' ' \ ־׳ \ ׳ * L. .״-L v..Li._j LJi I Anzeigen h<»*1en für di« •־׳rJ»#gop*lt«nt PelU• יי•!!• oder K««1m 40 l'f.ן Sfelten• An^rhote und •(»r«u< I!« sowie Verein«• Mittnltingm und «Klrint Amrigen* מי י״י •«י nur!kl Vi. »ä Manuii1fi|1tn wrrtfrr», wenn!,oita bei* חיי liegt, %\*\% »ufmigf«uindt. ke.UW!(>nM*},luÜ MiIIwikJ* ll«1l«l4tlon JQdlach# Hufidaebüt• Uerlin-CharioUenburg, IUf Ibtrcuslr. <% Tel. Ch. 9A8I, Spftchitunijf»! Dienstag und DonnenUg S 6 Uhr »««bmittafs. I_ 1 ח cJ ijj p <־”׳׳« יn r '־:׳ 1 LJ U O J כ u ע n u y?n Cd v.j u j v נ ij m Nummer 29 Berlin, den 21. Juli 1911 — 25. Thammus 5671 XVI. Jalirgang Der X. Zionisten-Kongreß Von l’rui. Dr. C h. W c i /.!11 n 1111 Manchester, Der zehnte Zionistoii-Koiigrcß ist vor dem Tor. Der IX. Kongreß in Hamburg lieh die Or* gaiiisatm» in tiefer Unordnung, und die Folgen dieser Erschütterung konnte man in der langen Zwischenzeit auf jedem Schritte fühlen. Die Zentralleitung der Partei hat an Autorität und Ansehen eingebülit. Es fehlte die leitende Hand und gar zu oft die leitende Idee. Die zionistischen Probleme aber entwickelten sich immer weiter, gewannen an Tiefe und Aus• dehniing. Viele politische Fragen von aller• erster Wichtigkeit wurden gerade in letzter Zeit aufgcrollt. Dem zehnten Kongreß stellt deshalb in politischer, sowie auch organisatorischer Be• Ziehung keine kleine Aufgabe bevor. Wollen wir aber /.unächst, bevor wir auf diese Fragen eingelien, einen, wenn auch nur sehr raschen Ueberblick überden Stand der Be w e g 11 n g gewinnen. Dem Aullensteheiulcn, der immer unter einem bestimmten, manchmal nicht eben grollen Gesichtswinkel die Bewegung betrachtet, kann der jetzige Stand des Zionismus als nicht erfreu• lieh erscheinen. Wir sind natürlich auch unserer• scils weit davon entfernt, die jetzige Lage als befriedigend an/.usehen; dennoch aber möchten wir nicht den Pessimismus unserer zionistischen und azionistischen Freunde, viel weniger noch die Weissagungen unserer antizionistischen Ratgelier teilen. An Weite und Breite, an klangvollen Manifcst.uioncn hat die Organisation viel verloren - und das ist es, was dein oberflächlichen Beobachter meistens in die Augen fällt. — Die titopistischcn Träumereien der heroischen Perinde des Z i o n i s 111 u s sind vorbei, an ihre Sülle ist die kalte Wirklichkeit getreten mit ihren schonungslosen Forderungen. Der Wunderglaube ist gegangen und mit ihm auch mancher naive Glaubende. Der Kern der Partei ist aber gefestigt, gesinnungstreuer geworden, und aus dein üewühle der Fragen beginnt sich langsam eine klare Ueberz.cugung iieraus/ukristalüsiercn. Numerisch hat die Partei hauptsächlich durch die immer schlimmer weidende Lage unseres Volkes in Ru Bland verloren. Die Verfolgungen der Zionisten in RuBlantl haben in letzter Zeit schweres Unheil angerichtet und die Möglichkeit irgendeiner planmäBigcn Arbeit erscheint dort vorläufig aussichtslos. Dagegen aber kann man ein stetes, wenn auch langsames Anwachsen der Bewegung in Deutschland, Oesterreich sowie Amerika verzeich* neu. Dem Zionismus auf die Rechnung muB man auch die sogenannte Nationalisierung der weiteren jüdischen Kreise stellen, sowie das Interesse für Palästina und Palästina-Unter• nelimuugen, welches jetzt schon in solchen Kreisen existiert, die mit den! Zionismus direkt in gar keinem Zusammenhänge stehen. Zu dieser Kategorie der Erscheinungen gelwirt auch das Aufrollen der Kultur• und Erziehungspro* blctne und das Bestreben, dauernde Kulturwcrte in Palästina zu schaffen. Es wäre kurzsichtig, die jugendliche Begeisterung der ersten Kongresse mit wirklicher intensiver Arbeit zu verwechseln. Wenn jetzt die Kongresse an schwungvollen Reden ärmer ״Der Zlontnmua erstrebt für daa jüdiüchc Volk die Schaffung einer üffent* llcli-rcckilick gciricZtcrtcn Hclmntütfo in PnlÜHtinn. Baseler Programm. sind, so ist das wirklich kein Uebel. Wir sind älter geworden und haben in den vielen Jahren Erfahrungen gesammelt, manches mngelernt, um• gewertet und waren mit grobem Schmerz, vieles atifzugcben gezwungen, was sich als utopistisch und uiidiirchfuhi bar erwies. Au Stelle der Charteridee trat die ruhige, lang• same Arbeit in Palästina, und dadurch ist unser Programm — hoffen wir ein für alle Male — von unzioiiistisclien, antinationalen, abenteuer* liehen Projekten wie cs das Uganda-Projekt war * gesäubert worden. Noch kränkeln manche von uns an den Folgen der Ernüchterung, aber wir sind auf dem besten Weg e zur völligen Genesung. Mit dein Aufgeben der Charteridee in ihrer ursprünglichen Form und mit der grundlegenden Aenderung der politischen Lage in der Türkei muBte man auch die sogenannte ״politische“ Arbeit des Zionismus, besser die diplomatische Arbeit modifizieren. Die sogenannten ״politischen“ Zionisten der ersten Kongießjahre würden sicherlich sehr un• politisch werden, wenn sie auf diesem Kongresse die früher manchmal sehr wertvolle politische Taktik der Partei und ihrer Führer noch weiter vertreten wollten. Zwar ist zu erwarten, daü sie ihre Position nicht ohne Kampf aufgeben werden, aber sie werden endlich dem Drange neuer Ideen folgen. Und cs wird die emi- 11 ente Aufgabe des X. Kongresses werden, die Leitlinien der neuen zionistischen Politik fcstzulcgen. Der Zionismus ist in letzter Zeit vielfach Gegenstand eifriger öffentlicher Diskussion im türkischen Parlamente und in türkischer Gesellschaft geworden. Die niaUgebeuden jüdischen Kreise in der Türkei begannen Stellung zum Zionismus zu nehmen — eine Erscheinung von allergröBter Wichtigkeit. Wie immer bei der Beurteilung jüdischer Fragen zeigten auch die Türken — ähnlich den christlichen Politikern ־־ die Tendenz, rasch Verallgemeinerungen zu machen, rasch abfällige Urteile abzugeben und ihnen unliebsame Handhingen oder AeuBerungcn einzelner Juden auf die Rechnung des ganzen Volkes oder der Zio• nisten zu setzen. Man kann schließlich von Niehtjuden nicht erwarten, daß sie sich der Mühe unter׳ziehen, eine so komplizierte Bewegung wie die uusrige, genau zu studieren. Der moderne Parlamentarier oder Politiker hat weder die Zeit noch die Geduld, sich aus erster Quelle zu in• formieren. Wir müssen deshalb mit der Tat• sachc rechnen, daß es noch lange dauern wird, bis die Machthaber in der Türkei uns wirklich kennen werden. Man soll deshalb die vcrscliie• demütigen Meinungen über den Zionismus, die in der Türkei so verbreitet sind, nicht als genau abgewogene, auf Kenntnis der Tatsache bc* ruhende Urteile auffassen. Wir Zionisten können sie nur als Symptome, manchmal als Warnungen empfinden. Ein Teil der türkischen Politiker, der uns wohlwollend gesonnen, behauptet, — sic sähen gerne eine Ansiedlung von Juden in der Türkei, aber ohne Bevorzugung Palästinas, ohne separatistiscli nationale Tendenz. Der andere Teil von antisemitisclM'liristlicher, zum Teil auch von assimilatorisch-jüdischer Seite beeinflußt — verdächtigt uns, daß wir unter dem Mäntelchen von türkcnfreundlicher Gesinnung in Wirklich* keit tiirkenfeiudliehe, den Staat gefährdende Tendenzeii hegen. Wir wären iin Bunde mit all den Mächten, die eine Aufteilung der Türkei erstreben. Unsere Pflicht ist es deshalb, der Türkei in Tat und Wort zu beweisen, daß sie auf die 1111 e r s c 11 ü 11 e r ] i c 11 e 1' r e u 11 d s c 11 a f t der Zionisten und N a t i ״ n a I j u d c 11 rechnen kann, daß wir und nur wir allein imstände sind, ihr diejenigen i 111 e I - I e k t ue 11e 11 Kräfte zu liefern, die für c i ue neue Türkei drin g end not w e n- II ig sind. Unsere Ansiedlung in der Türkei und hauptsächlich in Palästina kann in politischer Beziehung der Türkei nur nützen. Wir bringen in ein halbverfallenes Land Menschen, Geld und europäische Kultur und - was für die Türkei von allergrößter Wichtigkeit ist — wir bringen eine friedliche Bevölkerung, die sich auf dem historischen Boden ihrer Väter national ausleben will! Die allerletzten Vorkommnisse in Arabien haben 11er Türkei zur Genüge gezeigt, wie sehr sie ein ihr freundliches Element gerade in Palästina braucht, ein Element, welches kulturtrügerisch wirken kann, ohne Kreuzer, ohne Panzerschiffe der europäisch-christlichen Großmachte. Die Türkei kann kaum auf die ernste Unterstützung Europas rechnen, das gegenüber dem Zustandekommen eines blühenden türkischen Reiches zum mindesten indifferent ist. Wir können deshalb der Türkei die Ueberzeu* gung beibriiigen von der geschichtlichen Fügung, daß die national-jüdischen Interessen in Palästina sich mit den allgcmeintürkischeu Interessen wunderbar decken. Der von tiltrn-inipcrialistisclicii Träumereien noch geblendete Teil der Türken wird der nackten Wirklichkeit sehr bald ins Gesicht schauen müssen und zur Einsicht kommen, dali ein so heterogener Staat, wie der türkische, in dem die Divergenzen noch viel tiefer wurzeln als im modernen Oesterreich, sich nur daun frei und ungehindert entwickeln kann, wenn jeder Nationalitat eine autonome kulturelle Entwicklung gcsichert ist. Man kann sich in Zukunft nur einen türkischen Nationalitätenstaat denken, mit politischen! Schwerpunkt in einem mächtigen zivi- Jisierteu Konstantinopel, zu dessen Macht alle beteiligten Nationalitäten freudig beitragen werden. Es ist für uns unumgänglich notwendig, eine würdevolle zionistische Presse in der Türkei zu besitzen und für ihre Leitung unsere besten Kräfte zu benutzen. Es wird auch notwendig sein, daß unsere Vertrauensmänner in Konstantinopcl in enger Fühlung mit der Zcntralicitung der Bewegung stehen. Es ergibt sich aber daraus noch eine weitere Notwendigkeit, ein verantwortliches politisches Komitee zu schaffen, welches imstande ist, sich in der politischen Situation der Türkei zu orientieren und unsere Interessen dort klar zu vertrete». Eine solche Institution existiert bei uns nicht. Vielmehr lag die politische Leitung in den Händen des Führers der Bewegung. Das ging, solange Hcrzl lebte und solange man unter Politik nur Diplomatic ver« stand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.