Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 288 JUEP1SCHE RUNDSCHAU Nr. 25 sondern nur noch eine technische Frage. Und auch diese ist bis auf verschwindende Reste gelöst. Professor Piloty befürwortet daran) das Verhältnis♦ Wahlsystem im besonderen für die großen Israeli• tischen Kultusgcmcinden. Pie Gründe, die bei den katholischen und bei den protestantischen Kultusgemeinden dagegen etwa geltend gemacht worden sind, treffen in diesem Palte nicht zu. 1:8 kommen hier nur Orollgcmcindcn in Betracht, zum Teil deshalb, weil die Verhältniswahl nur da in Präge kommen kann, wo cs sich um Vertretungen von wenigstens mehr als 3 Personen handelt, zum Teil auch wohl deshalb, weil die Israeliten in weit überwiegender Zahl Städter sind. Unter den Israeliten der Grollgemeinden nun bestehen schroffe Gegensätze in religiösen Ormidanschamnigen, die sich Im Verhalten zu den religiösen Gebräuchen und Hinrichtungen /ortsetzen unu deshalb auch in den Kultiisvcrvvaltimgen und besonders in den Vcrwaltungswalden hervortreten. Mit diesen Gegensätzen ist zu rechnen. Sind die Gegensätze zwischen orthodoxen und neologisch gesinnten Israeliten vielleicht auch nicht so tiel ausgeprägt, wie?.wischen Katholiken und Protestanten innerhalb der christlichen Religionsgemeinschaft, so haben sic sich doch an manchen Orten so sehr vertieft, daß im wesentlichsten Teil der Rcligions- Übung, im Ootlesdicnstc, die Spaltung noch außerlieh besieht. Wo aber einmal getrennter Gottesdienst besteht, da ist in den gesamten Anhängern der getrennten Richtungen des Glaubens auch ein Hinfluß aut die gemeinsame Kulturvcrwnltung nicht mehr zu versagen. Es ist nicht nur als unbillig, sondern geradezu als unbegreiflich aiizuschen, daß ein Mehrheitswaldrecht, mag cs auf Listenskrutinium beruhen oder in einer anderen Form des absoluten Prinzips bestehen, die Anhänger einer beträchtlichen Minderheit von jedem Einfluß auf die Gestaltung der gemcinsamen Angelegenheiten nusschlicßt. Die Unbilligkcit zeigt sieh vor allem darin, daß den durch die Gestaltung des Wahlrechts tatsächlich Ausgc« schlosserten doch obliegt, nicht nur zu den wirklich gemeinsamen Angelegenheiten, sondern auch zu den nur von der Mehrheit benützten Hinrichtungen durch Beiträge beizusteuern. Mit dem Angebote, auch diese Einrichtungen zu benützen, oder gar noch mit dem noch unfreundlicheren Ansinnen, aus der Glaubensgemeinschaft auszuscheiden, ist den also tatsächlich Bedrückten nicht geholfen, und zwar um so weniger, als das bestehende staatliche Reell♦, in Bayern wenigstens, eine Bildung mehrerer israelitischer Kultusgemeinden im gleichen politischen Gemciiulcbezirke nicht zuläßt. Die Verhältniswahl ist nun geeignet, in diesen Verhältnissen den Mimlcrhcitsgruppcn den gebührenden Einfluß zu verschaffen. Ihre Einfiih* rung entspricht einer Milderung der bestehenden Ucbelstände, indem sic das Partcilebe» im Schoße der Gemeinde nicht schwächt, aber reinigt und klärt. AUS HAMBURG-ALTOtlfi Kongreßivahl Die Wahl der Delegierten der Zion. Ortsgruppe Hamburg-Altona zum X. Kongreß findet Mantag, den 3. Juli, abends 0 Uhr, im Logenheim, Hartungstraßc, statt. Orlsgruppcnmitgliedcr und Schekel• zahlcr werden dringend ersucht, recht vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. \ZSR6INSrRUNDSCHAU Berlin. Am Dienstag, 27. Juni, findet in den Sophien-Sälen (Sophicustr.) eine Mitglicderver• Sammlung der Berliner Zionistischen Verein!• flung statt, in der Herr Dr. Leo M o 11 k i n über ״P r o b 1 c m c im Z i o n i s m u s“ referieren wird. Anschließend Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Besondere Einladungen ergehen nicht. Berlin. Die Kadimah (Gruppe der B. Z. V,) ver• anstaltct am Sonnabend, den 24. Juni, abends 0 Uhr, in den Sophien-Sälen eine Versammlung, in der Herr Leo Motzkin über ״Das zionistische Ge• genwartsprogramm und der zehnte KongreO“ sprechen wird, Freie Diskussion. Gäste willkommen. Berlin. Verein jüdischer Mildchen. Am Sonnlag, den 25, Juni, findet ein Ausflug nach Buch statt. Treffpunkt 21/4 Uhr Stettiner Vorortbahnhof. Berlin. Die Jüdisch nationale Fraucnvcrclni• gung veranstalte» am Sonntag, den 2. Juli, einen Ausflug nach Lehnitz, verbunden mit einer Besichtigung des Genesungsheims. Abfahrt 2 Uhr vom Stettiner Bahnhof. <1 Uhr gemeinsame Kaffeetafel in Restaurant See lü wen in Lehnitz; 5 Uhr Be• sichtigung des Genesungsheims j 6 Uhr Bootfahrt nach Oranienburg. Berlin. Der Jüdische Frauenbund für Turnen mul Sport veranstaltet am Sonntag, den 25. Juni, nachm. 5 Uhr, im Garten der Viktoria Brauerei, Liitzowstr. 112, einen S 0 m in c r r u tn m e I mit Bai Champetre. Aus dein reichhaltigen Programm sei hervorgehoben: Im Freilichttheater ״Faust III, Teil“ mit Spezialitäten — Einlage: Klasslsdic Johannis• nadit. Ferner: Somalidorf, Rummelplatz, mit Buden, Karusscls usw, Billetts Im Vorverkauf bis 2t. Juni ä 2 Mk. inkl. Kaffee (an der Kasse 2,50 Mk.) bei Frau E1 w i 11 a L a d h in a n n , Regensburger Str. 13, lind auf den Turnsälen zu haben. Glclwltz. Von den Ortsgruppen Öleiwitz, R a t i b o r, Z a l> r z. c* mul R >׳ b 11 i k wird am Sonntag, den 25. Juni, ein gemeinsamer Somtnerausflug nach Randen veranstaltet. Die Abfahrt erfolgt mit der Kleinbahn in Glciwitz ah 2.22 (vor dem Staatsbahn• hof), in Ratihor ah 2,20. Die obcrschlcsischcn Ge• siiimiiigsgenossen aus den übrigen Ortsgruppen werden gebeten, sicli möglichst zahlreich an dem Ausfluge zu beteiligen. Berlin. Die junge Sportnbtcllunj* des Jüdischen Turnvereins Bar-Kochba tritt am nächsten Sonntag ziiiii erstenmal in die breitere sportliche Oeffeutlichkeit. Sic beteiligt sich mit einer Mannschaft an dem S t a f e 11 c n I a u t P o t s d a in R c r i i n, der größten der alljährlich in Berlin stattfindenden leichtathletischen Veranstaltungen. Die Aufgabe ist hier, eine Urkunde durch Weitergabe unter 5t) mit der 25 km langen Strecke von der Olienicker Brücke in Potsdam bis zur Siegessäule in Berlin beliebig verteilten Läufern bis ziiiii Ziele zu ()ringen. Bei den fleißigen organis,־dorischeil Vorarbeiten und «lern gewissenhaften Training, dein sich die Läufer des Bnr-Kochba in der kurzen Zeit des Bestehens der Sportahteilung unter• zogen haben, ist zu erwarten, daß sie in der scharfen Konkurrenz, von 35 Mannschaften in Ehren bestehen werden. Berlin. Am 22, Mai fand die Gcncralvcr* s a m m 1 ti 11 g der Jüdisch-nationalen Fraucnvcrclni• gung statt, Das Jahr 1010 brachte eine Fülle von Arbeit und Anregung auf allen Gebieten zionistischer Tätigkeit. Gemeinsam mit der Zionistischen Vereinigung hatte die . Frnucnvcrcinigiing die 11 c r z 1 g e d e n k f c i e r veranstaltet und das Gartenfest bei Keller 11. Reiner, das anläßlich der Jahreskonferenz. veranstaltet wurde mul das wohl bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterlicß. In den öffentlichen Versammlungen sprachen die Herren Dr. Klee, Dr. Biram, Oberlehrer Je II in aus Jerusalem und Frau Lina Wagner-Tauber über: ״Was ist uns die hebräische Sprache?“ Herr Dr. Zlozisti sprach über ״Die jüdische F r a u i n P a 1 ä s t i 11 a“. Frau Thekla S k o r r a las eigene Dichtungen jüdisch-nationalen Inhalts vor, Frau Lina W n g 11 0 r - T a 111) 0 r sprach über ״J ti d i s c h c Volkskunde“ mul Erl. Helene Hanna Cohn über ״Da s jüdische Ki 11 U“. Auf dein Gebiete der Kimlereizielmiig ist viel geleistet worden. Das C11 a n a k k a k i n d e r f c s t versammelte 300 Kinder, Die Festrede hielt Herr Lazarus Bart h. Auf dem Kimlcrpurimball hielt Herr Dr. Heinrich Loewc einen Lichtbildervortrag über Palästina. Auf diesem Feste waren nicht wenig Kinder, die ziiiii ersten Male etwas jüdisches sahen und hörten. Die Feriennus• fliige halten den ideellen Erfolg, daß die Kleinen selbst baten, für sic einen liebrii isehen Zirkel zu errichten. Ein Wunsch, den die Jud.-nntion. Frauen- Vereinigung gern erfüllte. Frl. Brande, eine palästiiiensiselic Kindergärtnerin, leitete zavcI Kurse. Wir sagen an dieser Stelle der Dame unsern besten Dank, Die hebräischen Kurse für Erwachsene standen unter Leitung der Organisation für licbr. Sprache und Kultur. Sämtliche Kurse fanden im eigenen Vercinslokale statt. Die Besichtigungen von Ateliers jüdischer Künstler fanden wieder dank den Bemühungen van Frau Berki Engel mul Frau Dr, Wolf sonn statt. Folgende Künstler stellten ihre Ateliers frcundlichst zur Ver• fügung. Die I lenen Albert Rcimann, Joseph Oppen• Ueimer, Emil Bahner, Hermann Slriiek, Alfred Qräizcr. Prof. Hugo Kaufmann, Michael Adam und Josef Pleßuer. Die Führung durch die Ateliers hatten die Herren Dr. E. Kutua, Georg Herrmann und Carl Schwarz, giitigst übernommen. Im Anschluß an diese Besichtigungen fand im Hause des Herrn Bertrand« Hamburg eine 11 c r. a I e J a u s s t c 11 u n g statt, sowie eine Führung durch den neuen jüdischen Kinderhort. Auf dem Dclegicrtcntagc des Jiid. Frauenbundes in München vertrat Frau Dr. Rahel Straus unsere zionistischen Interessen. Auf dem Dclegicrtcntagc der Zionistischen Vereinigung Uir Deutschland in Frank, furt a. M. wurde Frau Dr. L e c z y n s k y delegier! die in einer Mitgliederversammlung Bericht erst,niete’. Im Wahlkampfe sprach in einer großen Volksvcrsamm• Imig Frl. Nora (.osman. Bei all dieser Tätigkeit arbeitete noch die Krarikenliirsorgc mul vor allein die Propagaiidakoinmission unermüdlich. Ein l est, da! wohl zum ersten Male im üolcs öffentlich gefeiert wurde, brachte uns noch viele Freunde und einen guten materiellen Erfolg. — Das Chamisclia assar I est: der Kassenabschluß ergab nach einer Einnahme von 2200,71 Mk. und einer Ausgabe von 210$ Mk. einen Kassenhestaud von 10GJI Mk. Die Waiden ergaben: Frau Lina W a g » e r - T a u b c r 1. Vorsitzende, Frau Erna Fürst 2. Vorsitzende, Frl. Marta Spiro 1. Schriftführerin, Frau Berta Schor2. Schriftführerin, Frl. Else Ungcr Kassiererin. Im Anschluß an die Generalversammlung sprach Frau Dr. Leczynsky über ihre Kciscciudrücke in Palästina. Dieser Vortiag hatte zur Folge, daß erstens die Fraiicnvcreinigung sich dem Verbände Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina anschloß ־-־ und zweitens, daß die Frage der P a I ä s 11 n a c i n w a n d c r u n g innerhalb der Fraiicnvcreinigung jetzt ernstlich diskutiert wird. — Unsere Schwestern in Palästina genießen leider noch nicht den Ruf, arbeitsam zu sein. Die Jiidiscli-natio* nale Fraiicnvcreinigung aber, die vorläufig noch im Golcs für das zionistische Ideal arbeitet, hat die Hoffnung, auch in Palästina als Pioniere kulturfördcriul wirken zu können. Cbarlottcnlnirg. ln der Zionistischen Ortsgruppe Charlottcnburg sprach am 17. d. M. Herr Rabb. Dr. W. Lewy über ״Die Kullurfragc mul der Misraclii.“ Er protestierte im Interesse des Friedens in der Bewegung gegen ein Hineinlragen der Kulturfragen in die zionistische Diskussion. Die Auseinandersetzung hierüber, au der sicli außer den Herren Barth, Eliasberg, Dr. Sehnt nr ja Le sv in noch eine große Anzahl anderer Herren beteiligte, hielt die Versammlung bis 2 Uhr nachts beisammen. Heidelberg. Kurz vor Beginn der akademischen Pfingstferien fand hier ein von den jüdischen Studenten recht gut besuchter Diskusslonsabcnd statt, in dem Herr Julius Simon über ״Jüdische Ge gen warts- Probleme“ referierte. Den mit lebhaftem Beifall attfgenommenen Ausführungen folgte eine äußerst rege Diskussion, die dem Referenten Gelegenheit gab, in inhaltlich wie formell gleich glanzvoller Weise die Ansichten einiger liberaler Redner zu widerlegen und die national-jüdische Auffassung näher zu begründen. Das allgemeine Interesse, das dieser Abend Bei den anwesenden Studenten für die jüdischen Probleme wachrief, läßt cs wünschenswert erscheinen, daß noch einige ähnliche Veranstaltungen im Laufe des Semesters folgen mögen. Lnndsberg a-AV. Vor einigen Wochen hielt Herr Alfred S a I i n g c r aus Fitclme im Jüdischen Jugendbund einen Vortrag über das Thema ״A s s i ni i I ה t i 0 n und Z i o n i s in u s“. Referent versuchte nachzuweisen, daß die Assimilation der größte Feind des Judentums ist und folgerte die Notwendigkeit des Zionismus. An den Vortrag schloß sicli eine sehr rege Debatte an, an welcher sich besonders Herr Rabbiner Dr. Elsaß u. a. mehr beteiligten. Es wurde aut Antrag des Herrn Dr. Frank heschlossen, im Winter mehrere zionistische Vorträge halten zu lassen. Miloslaw. Am 18. d. Mts. hielt Herr Georg Knreski aus Posen in der hiesigen Synagoge vor der ganzen versammelten Gemeinde einen sehr instruktiven Vortrag, in dem er die Frage, was uns Juden not tut, zu beantworten suchte. Mit begeisternden Worten schilderte er hierbei das Wesen und die Ziele des politischen Zionismus. Die hiesig» a Gcmeimieinitglicder, welche wohl zum ersten Male eine eingehende Würdigung des Zionismus vernahmen, folgten mit sichtbarem Interesse den spannenden Ausführungen des Redners, den am Schlüsse reicher Beifall lohnte. In der sich anschließenden Diskussion bekannte sich Herr Lehrer ßr/.czinski aus Posen, der bis vor Jahresfrist hier viele Jahre amtiert hat, als Freund und Anhänger der z.ionistischcn Idee, für die er den Schekel entrichte, was er auch seinen Freunden zu Um empfahl. Allem er müsse cs verurteilen, daß die Zionisten jetzt vorwiegend Gem c i n d c po I i 11 k ♦reihen, wodurch eine große Spannung zwischen den religiösen Parteien, nnmcnl• lieh in den Groflgcnielndeii, hervorgerufen worden sei, Dieser Umstand hindere wie viele andere mich Bin, Mitglied einer zionistischen Ortsgruppe zu werden. Durch die ״Kehillerudereicn“ vernachlässigen die Zionisten die eigentlichen und edlen Aufgaben des Soeben erschien eine hochaktuelle jüdische Broschüre: Die Krisis der jiidisckeEä von Hans Goslar ׳ *=== Einzelpreis M. 0,50. — Bel Sammelbczug durch die Vereine und Ortsgruppen M. 0,3ü Zu beziehen durch den Verlag ״Jüdische Rundschau“, Berliii-Gliarlottaab&irg, B&cibtreuQtrmse 49* '/!Y •k.