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Jüdische Rundschau · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 J U E 1נ I S C H E U UN DS CII A U Seite 241 zu begegnen i>f!c«(. Es wird dem Königs־ liciger freisinnigen I lauptorgan und insbesondere seinem (.hclredakteur Dr. I lerzberg niclit tiitlickaiiitl sein, daß mil den hier gezeichneten ״nissiseheii Studenten" immer die Kusse״ jüdischen (ilanbens qcineinl sind, denen die famose Prozentnorm im Reiche Väterchens den Zutritt zu den russischen t lochschulen unmöglich macht und die deshalb in ihrem |!1ldtmgsdr״ng genötigt sind, Zuflucht an ausländischen Universitäten zu suchen, Es war bisher nicht üblich, 11,Hl liberale jüdische Organe über diese russisch• jüdischen Akademiker herfallen und für ihre Ausscldiellung von den deulschen Bildungsstätten eine Lanze brechen. Hier geschieht es von einem offiziellen freisinnigen Organe, dazu in einer Stadt, deren Handel, Industrie und Oewerbetiitigkeit gerade die russisch•• jüdischen Elemente zu schätzen wissen, in einer Stadt, deren Universität von einer recht stattlichen Anzahl russisch-jüdischer Studenten besucht wird. Diese i a-mente wie jeder wahrhaft Liberale wird nicht wenig erstaunt sein, in der ״Künigsbcrger Harti.ugschen Zeitung" das hier zitierte Gefasel eines o.(mbar durch die Schule des ״Vereins deutscher Mtidenlcn" gegangenen Autors zu lesen.... Der Israelit, Frankfurt a. AI, I ׳eher die geplante ״E 111 r e c h t u 11 g d e r U e i n e r e n G e m e i n d e 11 d u r c h d e u 11 c u t s c h ■ i s 1 a e I. Ge m e i 11 d e h 11 n d" schreibt das Organ des deutschen orthodoxen Judentums: 1' r e m 111» e r rs c h a f t, nicht natürliche Organi• säumt, bedeutet darum die vom Gemeindebiind mit sanier Satzungsänderung erstrebte Oligarchie der Groll• m'incindc-Vurstände, die ihrerseits nicht einmal das mm .•lischt* Recht haben, als Kepräseutanleii der an• gchlich hinter ihnen stehenden großstädtischen Massen aiiizulretcn. Es ist ein V n r g e s c h m a c k k ii 11 f t i g e r S 0 lig k eit, den die neueste Gemei11dehund>Akli11n dar• bietet, ein Vorgeschmack der Machlansprüehe, die von unseren selbstlosen Grollgemeiiiden au jede gesel/liche Organisation der nreullischen Judenheit ge• laiiipit werden, ein Vorgeschmack auch für das ganze Ausmaß der Nichtachtung, die man in jenen Kreisen dem Selbstbestimmungsrecht und der Würde der klci• neu Gemeinden entgegenbringt. Von gewaltiger symptomatischer Hedeutung wird es sein, ob diese kleinen Gemeinden den Nacken• streich, den man ihnen z.ugedacht, ruhig hinuehnicn, oder ob sie wie e i 11 Manu für die Erhaltung ihrer Wechte eiritreten und das Attentat abwelircn werden. Hei vernünftigem und furchtlosem Vorgehen, das sich weder durch leere Drohungen mit einem ״Groltgcmcinden-Btmd“ oder einem Austritt lierlius mit seinen ]2 ()00 Mk. Beitrag, noch auch durch die Zusage ״entgegenkommender" Handhabung der Macht beirren läßt, in ult und wird es möglich sein, die geplante Satzungsänderung zu Eall zu bringen. V- AUS.AU.eft WUT ־־ / Deutschland Herr Dr. Jonas Simon, Heidelberg, schreibt uns: Auf Anfrage aus Lclircrkreisen Seite ich mich ceraidnlll, folgendes zu erklären: Die vor kurzem in Karlsruhe tagende 6. badische l.aiuiessynode hat außer den 1111 Voranschlag vorge• scheuen 33000 Mark für Lehrer und Klcingcmcmdcn weitere 12 000 Mark für denselben Zweck beantragt und durchgcsct/1. Die Einstellung dieser 12 000 Mark wurde durch einen viel weiter gehenden Antrag veranlaßt, den ich mit zwei anderen Abgeordneten schon vor der Synode eingebracht hatte, und der für die Lehrer allein 12000 Mark verlangte. Der Großherzogl. Oberrat war unserem Antrag keineswegs geneigt, wie nach der von ihm contra Lcluvrpctitiou «och iu letzter Stunde vor der Synode herausgegebenen Denkschrift auch gar nicht anders zu erwarten war. Es wurde nicht einmal gerne ge• scheu, daß Herr Dr. Pfälzer das von ihm gesammelte statistische Material auch nur in der Kommission zum Vortrag brachte. Schließlich imilttc der ()her• rat aber sich dem Votum der Synode fügen und irat der Forderung, weitere 12 000 Mark für Lehrer und Kleingemeinden in den Voranschlag cinz.11• stellen, unter der Bedingung bei, daß hiermit die I hrerpetition als erledigt gelte. Dadurch kam cs dahin, daß in der Kommission der wichtige Punkt d«r Schaffung einer Oehaltsskala nicht mehr mit der nötigen Ausführlichkeit hchandclt werden konnte. Der Großherzogl. Oberrat hat nunmehr im Ver• ״rdnungsblatt Nr. •I dieses Jahres eine Verfügung v״m Jahre 1003, wonach es zur Erlassung von Ge• haltsaufbesscrung der Einreichung von Gesuchen nicht bedürfe, für das laufende Jahr außer Kraft gesetzt, er hat vielmehr den Ucligionslehrern und Kantoren, falls sic Beisteuern aus der Zcntralkasse wünschten, cs zur Pflicht gemacht, in einer solchen Weise über ihre Verhältnisse Aufschluß zu geben und obendrein iiocli die Nichtigkeit ihrer tatsächlichen Angaben he• *tätigen zu lassen, daß cs von den Betreffenden als Kränkung empfunden wurde. Der Verein der Keligionslclircr hat deshalb den Grolther/ogl. Obcrral iu einer Eingabe ersucht, die Lehrer von den ihnen neuerdings vorgeschriebenen Bedingungen zu befreien. Der Großherzogl. Ober• rat hat dieses Gesuch jedoch abschlägig beschiedcu, und die Lehrer mußten ihre persönlichen Gefühle mul die Interessen der Achtung mul Wertschätzung ihres Standes I1iutausctz.cn, wenn sie nicht auf die seit Jahrzehnten gewohnten Zuschüsse aus der Zentral• kasse Verzicht leisten konnten oder wollten. Ich habe nun zu erklären, dal) diese hei der Verwendung der neu eingestellten 12 000 Mark zutage getretenen Modalitäten nicht auf eine Anregung der Synode oder einzelner Synodalen zurückzuführen sind, sondern vollkommen der Initiative des Groß• herzogl. Oberrats entspringen. Welche Stellung eine künftige Synode zu diesen Maßregeln einnehmen wird, wird von ihrer Zusammen• setzmig abhüngen,' Heidelberg, den 18. Mai 1011. Dr. J o n n 8 S i in o 11. Galizien Das zionistische Zentralkomitee in Lemberg hat die Aufstellung folgender Kandidaturen für den Reichsrut beschlossen: In Brody und Tarnopol Adolf Stand: in Drohohycz. und Kolonien Dr. Ocrson Zipper; iu Stryj Dr. Leon Reich; iu Zloczow Dr. Ahraham S a 1 z; in Buczacz Dr. Michael Ring c I. Auch in den Bezirken Podhajcc (bisher Dr. Gabel) und Cz.ortkow (bisher Dr. Mahler) werden zionistische Kandidaten nominiert werden, wie denn ühcrhüu|)t in allen Wahlkreisen die Zionisten durch eigene Kandidaten in den Kampf cingreifeu werden. Die Itckaimtgahc dieser Kandidaturen wird 1111 Laufe der nächsten Tage erfolgen. Dukowina Als die drltlstärkste Partei ziehen die Jüdisch• nationalen in den neuen Landtag ein. Von den öl Mandaten, die der Landtag zählt, gehören 22 den Rumänen, 17 den Kuthcucn, 10 den Jüdischnalio• nalcn, ö den Deutschen und b den Polen. Es steht zu erwarten, daß sieh die zwei Abgeordneten der Volksratspartei Dr. Kellner und Dr. Eokschaner den acht Mitgliedern der Nationalpartei anschließeu werden, so daß im Landtag ein starker jüdischer Klub die Interessen der Bukowinaer Judenschaft wahrnehmen wird. Die Wahlkampagne schloß am II. Mai mit den Wahlen in der Handelskammer und im Großgrundbesitz ab. In der Handelskammer fielen der Jüdischen Nationalpartei zwei Mandate zu, in• dem die dieser Partei ungehörigen Herren Salomou Rudich und Jakob Hecht gewählt wurden. Im Groß• grimdbesitz wurden die Jiulisclmationalcn Janku Fischer und Joseph Blum gewählt. Interessant ist, daß dieser Wahlkörpcr vom Gesetz, als der Wald• körper ״Jüdischer Großgrundbesitz" bezeichnet wird. Diese (Jrupjic zählt 02 Wahlberechtigte. ElOillSTISCHe ßeWßGUMG Bekanntmachung Am Sonnabend, den 17. Juni l‘)ll, um 81/;• Uhr abends, findet iu den Räumen unseres Bureaus: Bleihtrettsir. 3-1/35 eine Gesellscha f tcr• Ver- Sammlung statt mit folgender Tagesordnung: Verlegung des Sitzes der Gesellschaft von Berlin nach Charlottcuburg. Tibcrla Land- und Plantagengesellschaft m. b. H. Der Geschäftsführer A. A w a d i 0 w i t z. Bekanntmachung Am Sonnabend, den 17. Juni 1011, uni 0 Uhr abends, findet iu den Räumen unseres Bureaus, Dleibtreustr. 3-1/35, eine ordentlich e G e s e 11 s chu f ter* V e r sa nt m 1 u ng statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Vorlegung des Geschäftsberichtes, der Bilanz, und des Verlust• und Gewinnkontos für die Zelt von! 27, Oktober 1010 bis 31. Dezember 1010. 2. Antrag auf Entlastung der Geschäftsführer und des Verwalümgsrnts. 3. Antrag auf Erhöhung des Stammkapitals der Gesellschaft. 4. Geschäftliche Mittcilungccn. Immobiliengesellschaft ״Palästina" m. b. H. Der Geschäftsführer. A. A w a d I o w i t z. Bekanntmachung Am Sonnabend, den 17. Juni 1011, tun 0* 1/:■ Uiir abends, findet iu den Räumen unseres Bureaus, Bleibtreustraße 3-1/33, eine ordentliche Gesell* s c I» a f t e r V e r s a m in I u 11 g statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Vorlegung des Geschäftsberichts, der Bilanz und des Verlust• mul Gewinn-Kontos für das Ge* seliältsjalir 1910. 2. Antrag auf Entlastung des Geschäftsführers und des Aufsichtsrats. 3. Neuwahl des Aufsichtsrats laut g 11 des üe• scllschaftsvcrlragcs. I. Bestellung eines neuen Geschäftsführers, 5. Geschäftliche Mitteilungen. Palästina-Industrie-Syndlkat m. b. H. ln Vertretung des abwesenden Geschäftsführers: O. War b 11 r g. ppa. A. A w a d i o w i t z.. AUS; D£N ß SM £1 Königsberg i. Pr. Wie den Lesern der J. R. vielleicht noch in Erinnerung sein wird, waren die jüdischen Schüler der hiesigen höheren Lehranstalten bis vor einem Jahre gezwungen, an der einen spezifisch christlichen Charakter tragenden Morgenandacht teilzunclunen und das für die Andacht vor* geschriebene christliche Gesangbuch anziischaflcii ׳ und zur Andacht mitzuhrmgen. Nachdem wiederholte Bemühungen einzelner Gcnieindemitgliedcr beim Syna• gogenvorstamle, durch Vorstellungen hei der Schul• hcliördc diesen unwürdigen 11ml in Deutschland einzig• artigen Zustand zu beseitigen, ohne Frlolg gewesen . waren, hatte endlich eine von zionistischer Seite ver* faßte und von zahlreichen üemcimlcmitgiii'dcrn unter• schriebene Eingabe an den Synagogenvorstamt die gewünschte Wirkung: Aul cm Gesuch des Vorstandes erwiderte das Pinviu/ialschulknllcgimii, daß kein jiidi• selies Kind zur Teilnahme an der Morgcnamlaclit gezwungen werden solle, daß es aber zur Befreiung von dieser eines besonderen Gesuches seitens der Eltern bedürfe. Der durch diesen Bescheid herbei• geführte Zustand war natürlich ein durchaus uiibe* friedigender. Die jüdischen Eltern waren mich wie vor gezwungen, um die Gewährung eines ihnen ver* fassiingsgenialt ziistehemleu Rechtes noch besonders bitten zu müssen, wahrend in allen anderen üeutscheu Städten die generelle Betreumg der jüdi• scheu Schüler von solchen christlichen Andachten seit langer Zeit dureligeführt ist. An eine Beseitigung dieses Zustandes durch eine Aktion seitens der Gemeindevertretung war jedoch vorderhand nicht zu denken. Als vor einem Jahre unser (ig. Dr. Stein in der Repräscntaiitenvcrsanmdiiiig!orderte, man müsse wie überall so auch hier eine generelle Befrcitiug der Schulkinder von der Behörde verlangen, wurde diese ״radikale" Forderung besonders von den Mitgliedern des Vorstandes last mit Fntriislimg zuriickgewicseii, lind seihst konservativer gerichtete Gcmciiulcvcrtrck-r meinten, daß man ״mehr nicht verlangen könne". /Aber selbst das, was mau erreicht hatte, war fast wieder illusorisch gemacht durch die Scheu gerade der gebildeteren und wohlhabenden Königshcrger Juden, sich mit jüdischen Dingen vor den Christen lieraiisznstellen. Ls war voraiisziisehen, daß die meisten sich einfach genieren würden, die I)is|1ensati011 hei den Direktoren iiacliztisticltcn. Dazu kam, daß durch den Mangel einer von der Gemeinde• Vertretung gegebenen Direktive und somit eines ein• heitlicheu Vorgehens seitens der Fitem nach außen hin der Eindruck einer großen Zerlahrcnlicit in der Gemeinde entstehen mußte. In dieser Erkenntnis nahm sich die Kultuskoinniission der Angelegenheit an und beantragte beim Vorstande, in die von der Gemeinde ausgcgcbeiien Dispcnsutkmstorimilare für die jüdischen Feiertage, die sämtlichen jüdischen Schülern zu Beginn jedes Schuljahres von den Religionslehrcru eingchämligt werden, das Ersuchen um Befreiung von der Morgenaiidaclit in den Vordruck aulziuielmieii. Doch auch dieser Vorschlag, durch den eine gewisse Einheitlichkeit gcschaflcu und den ängstlichen Gemütern unter den Eltern das Nachsuchen der Dispensation erleichtert worden wäre, wurde vom VorsUmde abgelehnt. Obgleich Rabbiner Dr. Vogel st ein im Jahresbericht über das Schul• jaltr 1010/11 sich entschieden gegen den Besuch der Morgcnamlaclit seitens der jüdischen Schüler ausgc• sprachen hatte, war denn auch der Erfolg wie voraus• zuseheu war: Die Mehrzahl der Eltern heilen ihre Kinder weiter mit dem christlichen Gesangbuch in der Hand zur Morgcnamlaclit antreten. Nunmehr nahm Dr. Stein denselben Antrag aut und brachte ihn in der Sitzung vom JO. April vor die Repräsentanten• Versammlung. Nach kurzer Begründung seitens des Antragstellers wurde er ohne Diskussion — auch vom Vorstände ergrift niemand das, Wort -- mit 15 gegen 2 Stimmen angenommen. Nunmehr müssen diejenigen Eltern, die auch jetzt noch die Teilnahme ihrer Kinder au der Andacht wünschen sollten, jenen vorgedruckten Passus iu dem Formular durclistrciclicii, mul da das kaum jemand tun dürfte, so werden wir jetzt endlich auch in Königsberg den allein verständigen und würdigen Zustand haben, daß eben alle jüdischen Kinder von der christlichen Morgenaiidaclit fernbleiben. Königsberg. Die Regicrtings-Synagogeiigemcinde steht vor der Notwendigkeit, den unbebauten, jetzt als Ackerland verpachteten zweiten Teil ihres Fried•

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