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Jüdische Rundschau · 1911-05-26 · Heft 21 (26.5.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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CirMhkltMtundeni 10—12 und <1—7 Uhr »uOer Snnnahenil und Srinnlns m •••י.״■■«»mi um! •r'Mirnnv י■ I-1 גי״'/ ח op־. r ׳ ~"s o 1,, y ,lJ lj p\n r 00״uu טע V | Anzeigen | Wirten für die •׳«■It.KC.jtaUene Petit* | reil« 011er deren Kaum 40 Pf.j Strllrn* J An?ehn|e und •Grauihe •owie Verein«• 1 MiUeilunyen und ״Klrlnt Anreisen* | י«י מי w nur 30 l'l. w a 1» I Manuekrlpto wtrdrn, wenn Porto bei• י״י ן liegt, »tri» »utiiikgraand!• >• Krdak(inn»a<)1lu& Mittwoch vnrmiMoge. Redaktion Jltdladin Rumladiai Ilrrlln-Ch.irlultontnirg, lllelhlreualr. 49. Tel. Ch. 9681. ־ Sfirechitundrn Dien.l#jf und Dunneratag b 6 Uhr nadimlttafa. t___1 GBOGGCüG E G D ” 05 DO (3 Nummer 21 Berlin, den 26. Mai 1911 — 23. Ijar 5671 XVI. Jahrgang Ausweis Schekel: Jauer 2 Mk., Brandenhurjr l Mk., Misch• weilcr 1 Mk., Konstanz 48 Mk., Merlin 2 Mk., Mm• lau 82 Mk., Danzig 43 Mk., Graudenz 10 Mk. Landesbeiträge: Miscltweiler 2 Mk., Konstanz 98 Mk., Merlin I Mk., Danzig 61 Mk., Granden/ 5 Mk. Organisationsfonds: Rechtsanwalt Gronanaim, Berlin, Mit) Mk., Rechtsanwalt Cohn, Brandenburg a;11. ■I Mk., aus Jauer: Frau Apotheker Karv, I rl. Liese Kalischer, Pr(. Else Leipziger je 3 Mk.,’ Orts• gruppe KaUowitz HK) Mk., Dr. Rueek, Eiehstätten, 5 Mk., M. Kohn, München, 5 Mk., Sani. Rosenthal, Frankfurt a. M., 3 Mk., Frau Helene und l'rau Marllia Davidson, Hildcslicim, je 5 Mk., Alber! Fischer, Danzig, 5 Mk., Ortsgruppe Meuthen 100 Mk., Zahn• ar/t 8chereschewsky, Heilbronn, 1ü Mk., M. Mern* stein, Schönlanke, 5 Mk., Dr. M. Kaut mann, Frei* bürg i. B., 10 Mk. (:ingang vom 18. bis 23. Mai 1911: Schekel: 185 Mk., Lnmlcsbeitriige: 170 Mk., Orgaiiisations* iontls; 306 Mk. üesaintcingang bis zum 23. Mai: Schekel: 2299 Mk., Landesbeiträge: 3051 Mk,, Orgaiiisations• fonds: 7079,70 Mk. Adresse für Geldsendungen: Zionistisches Zentralburcau, C11 a r 1011 c n b u r g 2, Bleibtreu* Uralle 49. Postscheckkonto 8091, Bankkonto: A. H. Hey• mann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. An die Ortsgruppen und Vertrauensleute! Gemäß den postalischen Bestimmungen haben wir aie Bezicherlisten für das neue Quartal bis spätestens /um 10. Juni eiu/.urcichcn. Wir ersuchen daher höflichst, uns die Liste der Abonnenten für das neue Vierteljahr so autV.u* geben, daß wir bis spätestens zum 5. Juni in deren Besitz sind. Nur dann bleibt uns geniigend Zeit, die rechtzeitige Bestellung zu ver• anlassen und nur in diesem Falle können wir für die pünktliche. und regelmäßige Weiter• liefcrung der Zeitung Garantie übernehmen. Wir ersuchen die verchrliclien Ortsgruppen und Vertrauensmänner des weiteren, uns für dieses Vierteljahr eine genaue Liste sämtlicher Abonnenten einzureichen und sich nicht damit zu begnügen, uns nur die eingetreteueu Aeiitlcrungen initzulcilen. Im Zusammenhang mit der von uns vorgenommenen Reorganisation unseres Verlages hegt uns daran, eine ganz neue Liste der Abonnenten herzustcllen, die dann später 31s zuverlässige Grundlage aller weiteren Listen dienen kann. Ferner bitten wir diejenigen Abonnenten, die ihre Sendungen bei der Post selbst abholen, in der l.istc besonders zu bezeichnen, ln diesem Fall entfällt• nämlich das von uns zu zahlende Beslcligcld und entsteht uns eine nicht unbeträcht• liehe Ersparnis. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß wir nur die Abonnements derjenigen Orts• gruppen weiter aufgeben können, für die der Abonnementsbetrag bis zum Ende des 2. Quarfals vollständig cingcgangcn ist. Die Ortsgruppen müssen unter allen Umständen darauf achten, daß Ihre Konten am Ende des Quarfals glatt beglichen sind. Wir sind gezwungen, rücksichtslos und ohne Ausnahme alle Bcstel• fungen außer acht zu lassen, wenn die betreffen• den Konten nicht vorher reguliert sind. Verlag ״Jüdische Rundschau“ Die jüngste Zionistesidebatte in der türkischen Kammer Der Zionismus müßte, wenn es nach dem bekannten Worte von den Totgesagten ginge, ein überaus intensives Lehen führen, denn totgesagt wird er jetzt wenigstens einmal wöclicnt• .lieh. In der vergangenen Woche sollte ilm sogar der türkische Minister des Innern höchstselbst bc* graben haben. Wir brauchten uns über derartige Meldungen, die immer von unwissenden oder voreingenommenen Berichterstattern verbreitet zu werden pflegen, nicht nufzuregen. Immer• hin tragen sie bisweilen auch in zionistische Kreise Beunruhigung. Deshalb veröffentlichen wir nachstehend einen authentischen Bericht über die Debatten der türkischen Kammer vom 10. und 17. Mai, soweit sie sich mit dem Zionismus befassen. Aus dem Bericht geht deutlich hervor, daß es in der türkischen Kammer — wie überall — Freunde und Gegner unserer Sache gibt, daß dort — wie überall — unsere Gegner absolut 11 nun tc r rieh tc t sind, und daß dort — wie überall — all diejenigen, die den Zionismus und seine Bestrebungen unbefangen betrachten, ilm mit Sympathie und Anerkennung behandeln. Es geht vor allem daraus klar und unzweideutig hervor, daß die Angriffe gegen Juden und Zionismus dort inltcinandcrgchcn und nur dazu dienen sollen, der türkischen Re• gierung Schwierigkeiten zu machen. Die türkische Regierung mag sich also bei den deutschen, z. T. liberalen Blättern für die U n t e r s t ii t z u n g bedanken, die diese Zeitungen den türkischen Reaktionären erweisen 1 Ob das ihrer sonstigen Politik entspricht, und inwieweit es klug ist, wenn deutsche Blätter sich zu Handlangerdiensten f ü r d i e R e a k ■ tion im osmanischcn Reiche hergeben — nur aus verblendeter Voreingenommenheit gegen den ihnen ganz unbekannten Zionismus heraus! —das möchten sie dahingestellt sein lassen. Geschickt und zweckdienlich war eine solche Politik ab irato noch niemals! Die Zionisten aber können jedenfalls auch allen weiteren Tataremiaclirichtcn mit Ruhe entgcgensclien: die türkische Regierung wird, so• lange sie ihr eigenes Interesse und das ihres Landes wohl versteht, nichts gegen den Zionistuus uutcraeluueu, denn dieser bringt der Türkei nicht den geringsten Schaden, wohl aber unab• schhaicn Nutzen in ökonomischer und politischer Hinsicht. — Rouhl-ul־Halidl (Jerusalem) erklärt, über den ׳Zionismus reden zu wollen: Ich bin nicht Antisemit, aber Anlizionisl. ich bin auch der Deputierte von zahl• reichen Juden, von denen eine Anzahl mir Telegramme gesandt hat, icli solle gegen den Zionismus protestieren und der Versicherung ihrer treuen Anhänglichkeit an das Vaterland Ausdruck geben. Rouhi verliest eine Erklärung der Arbeiter von Smyrna. Melidl Effcndl (Kcrbcla): Sind die Telegramme an Sic adressiert? Rouhi üey: Nein. Der Präsident: Das genügt. Unterlassen Sic die Verlesung der Telegramme und fahren Sic fort. Roultl Bcy: Die Juden zerfallen in zwei Kate* orien, die Sephardim, die durch die Inquisition aus paiiicn vertrieben wurden und die deutschsprcchenden Aschkcnasim. die aus dem östlichen Europa stammen. Unter der Regierung des Sultans Bajazct II. gründeten sic fast überall zahlreiche Gemeinden. Die Auswanderung der Juden begann mit der antisomiti• sehen Bewegung in Europa. Denn Antisemiten nennt man die, welche gegen die Nachkommenschaft Sem's sind. Zwei Stimmen: Also auch gegen die Araber! Rouhi Bcy: Das Ziel der Zionisten ist, zahlreiche Juden in Mesopotamien und Syrien zu kolonisieren, um ein jüdisches Königreich mit Jerusalem als Haupt* stadt zu gründen. Das national-jüdische Empfinden ist allen Juden durch die Lektüre der Bibel cingeprägt. So will ich Ihnen einige Verse zitieren, die > sieh auf Jerusalem beziehen. Hafiz Ibrahim: Herr Präsident, wir sprechen über :las Budget. Lassen Sie uns nicht mit Dingen aufhalten, die wir in der Bibel lesen können. Rouhi Bcy verliest die Uebcrsetzuug einer Stelle aus der Bibel unter allgemeiner Unaufmerksamkeit. Endlich fährt er fort: Moses Meudelsolm war der erste, welcher eine Theorie aufstelltc, die das uationnla Empfinden vcrletiguetc und behauptete, dal] das Juden* tum mir eine Religion sei, und dal) jeder Jude der Nation seines Geburtslandes augehöre. Was in den Juden das nationale Gefühl hervorgerufen hat, das ist die schlechte Behandlung, die ihnen in Rußland, Rumänien und anderen Ländern zuteil w'ird. Die letzten Ereignisse in Kiew bezeugen das. Ahmed Bcy (Lazistan): Wäre es nicht besser, Sie veröffentlichten Ihre Aufzeichnungen im Staats* an/cigcr, um unsere Zeit nicht zu vergeuden. Der Präsident: Nicht im Staatsanzeiger, aber vielleicht anderswo. Rouhi Bcy: Im Inlire I8S0 vertrieb Rußland 01)0 000 Juden aus den Dörfern und keilte sic in Poli n ein. In dieser Epoche ließen sich zahlreiche Juden in Palästina nieder, wo sic die Kolonie Rischon le Zion und andere gründeten. Theodor llcrzl veröffent• lichte im Jahre 18% eine Schrift unter dem Titel ״Der ludenstaat“, in der er die Grundzüge eines unabhängigen Slaates entwickelte. Ein erster Kongreß wurde in Basel .׳!!)gehalten und man begründete den Schekel, eine Steuer, welche durch die Jüdische <o|onialbank einkassiert wird. Zurzeit gibt es in crusalem 80000 Juden und mir 9000 Muselmanen. Die Colonial verwalten sich selbst, cs gibt dort keinen iegicnmgsvcrtreter. Sie sind tatsächlich unabhängig. Nali (Monastir): Herrscht dort vollkommene Sicherheit? Rouhi Bcy: Ja. Der Präsident: Dann haben Sic ja gut daran getan! Rouhi Bey: Die neueste jüdische Organisation ist der Verein ״Mnkkabi“, der überall Abteilungen unterhält und sieh mit Gymnastik befaßt, um die Jugend für den Militärdienst vorzubereiten. Said Bcy (Jerusalem) ergänzt die Rede Rnuhis. Er zitiert eine Theorie aus einem Buche U s s 1 s c h k i n s. Das Ziel der Zionisten ist danach, in Syrien eine jüdische Nationalität zu gründen. Von 10 000 Juden, die es im Jahre 1300 gab, ist die Zahl heute auf UKIIKIO gestiegen, von denen der grüßte Teil Fremde sind. Es gibt unter ihnen Ackerbauer, und der (iruml und Boden, den die Juden gegenwärtig besitzen, umfaßt etwa 100 000 Dtmam. Die ״Alliance israelitc*‘ selbst erklärt, daß Palästina nicht mehr Juden fassen könne, so daß mau sich für die Ein- Wanderung andere Teile der Türkei wählen müßte. W e 1111 alle J 11 d e 11 s i c 11 n a t u r ג I i s i e r e n ließen, so wären ,wir voll ko in men zufr iede 11. Die luden sind ein tätiges, arbeitsames, sparsames und fortschrittliches Volk. Sic haben erstklassige landwirtschaftliche und industrielle Institute geschaffen, von denen das L a 11 d g r o ß e 11 Nutzen 11 a t. Wir werden erfreut sein, zu sehen, wenn die Juden die osmauisebe Staatsangehörigkeit anuehmen und sich in anderen Vilajets unter Ausschluß von Palästina nieder• lassen. Mnzliah Effcndi: ich will mich nicht über den Zionismus äußern, weil man annehincn wird, daß ich als Jude Partei bin. Dennoch ist cs vor allem nötig, die Geister aufzuklären. Zu meinem großen Bedauern sehe ich, daß man jetzt zu weit geht. Der ״Silah“ und der ״Sungu“ sind sogar soweit gegangen, die Juden von Saloniki des Zionismus zu beschuldigen. Man gebraucht dieses Wort wie eine Beschimpfung und eine

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