Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 216___ und Gebräuchen bekannt. Von den Kolonien selten wir solche in der Nähe von llehroii, S.iled nid herrlichen Olivenhainen, Risehoiilczion mit seinen Weinbergen. Den Kii'.tiirlortscliritt /eigen uns Bilder mehrerer Kolonien, wo durch herrliche Palmenhaine, Zypresseiiwaliltnigcn, Weinberge und Oraiigenpflan• /tingen erspriellliche Arbeit geleistet wird usw. Mit dem Bilde des unvcrgellliclicn Iler/l'S schloß Herr Dr. Mciuratli seinen sachlichen, hochinteressanten, mit stürmischem Beifall aufgenomnienen, fast zwei• ständigen Vortrag. Der Vorsitzende dankte dem Rete• reuten lür sein anziehendes, geistreiches Referat, lud die Anwesenden ein, mit/uarbeiten au dem Ziele der /ionistischen Bewegung und hatte auch unsere Ortsgruppe mehrere Neuaufnahmen von Mitgliedern zu verzeichnen. Nikolai O.-S. Am 2b. Mär/ fand hier eine vom Zionistischen Gruppen-Verbande Oherschlcs. ab• gehaltene 1י r o p a g a n d nvcrsa m m I u n g statt, welche zahlreich besucht war. Der Vorsteher der Gemeinde Herr Ziegcivihesit/cr J a co b o w i t z begrüßte die Erschienenen, die Delegierten des Gruppen* Verbandes und die bei der Veranstaltung initwirkenden, Herren. Alsdann hielt Herr Rechtsanwalt Lach• mann, Königshülte, eine stimmungsvolle׳ und Volks• tümlich gehaltene Agitationsrede, welche mit starkem Beifall uufgeiioinnteii wurde, daran schloll sich eine Rezitation jungjtidischer Dichtungen, welche von Herrn Referendar Ehrlich-Kattowitz wirkungsvoll darge* bracht mul sclilielilich der Vartrag einer Anzahl von argonlicdent seiletts tmseres bewährten Liedcrmeistcrs ierrtt Dr. mal. Pinczower-Kattowitz, Immer ernettler Beifall des wunderbar angeregten Publikums rief die beiden Vortragskünstler immer erneut ans Podium, bis die vorgeschrittene Stunde und der baldige Abgang des Naciitzugcs nach Kattowilz einen Sehluii dringend gebot. Die Veranstaltung wurde mit einem wirkungsvollen zionistischen Weckruf aus dem Munde des Herrn Rechtsanwalt Lnehma1m*Künigsluilte beendet, worauf Herr Gemeindevorsteher Jaeobowitz den tiefgefühlten Dank aller Anwesenden für die ganze auf hohem Niveau gehaltene Veranstaltung zum Aus• druck hracltte. Unser Vertrauensmann Herr Amts• richter t)r. P 01. n a n s k i widmete sich in den daraut• folgenden Tagen der Sehekelpropaganda, welche mit 27 Schekeln und b Mk. Landesbeiträgen gegenüber den Vorjahren einen guten Fortschritt aut wies. Rawitsch• In unserer Stadt fand am 3U. April er. am Nachmittag eine von der Zionistischen Orßanlsation einberufene Versammlung statt, die trotz des schonen Frühlingswetters gut besucht war. Herr Main lock aus Posen eroffnete die Versammlung im Namen des Distriktsbureaus und erteilte Herrn Bankprokurislen Georg K a r e s k i aus Posen das Wort zu einem Vortrage über das Thema ״W a s uns Juden ji o t t u t". In seinen Ausführungen entwickelte der Redner in äulierst interessanter und fesselnder Weise die Tendenz und Bedeutung des « Zionismus. An der kurzen Diskussion, die darauf folgte, beteiligte sich u. a. Herr Bankier Loewy aus Rawitsch, der im Zionismus die Betonung des religiösen Moments vermillt. in seinem Schlußwort wiederlegte der Referent die Einwiiude und beneidete auch über den Stand der bisherigen Arbeiten in der Türkei. Herr Kareski erntete grollen Beifall und verschaffte durch seinen Vortrag unserer Bewegung viele begeisterte Freunde, so dall die Neugründung einer Ortsgruppe zustande gekommen ist. An dieser Stelle sei Herrn Kareski für seine Ausführungen unser Dank ausgesprochen. Praß, in diesen Tagen, 27. April, ist eine Vor• tragssaison zu Ende geführt worden, wie sie mit einer solchen Fülle• von ausgezeichneten Vorträgen, einer solchen reichen Repräsentation modcrn.jüdischcr Ströimmgen durch führende Männer als Vortragende und wie sie mit einer solchen intensiven Anteilnahme des grollen Publikums vielleicht kein jüdisches Zentrum Europas gesehen hat. Diesmal sprach, im Festsaal des jüdischen Rathauses als Gast des Vereins jüdi• scher HochschUlcr Bar Kochba in Prag, der Berliner Schriftsteller Julius Bab, den mau als Shaw• Biographen, als Dramatiker, vor allem aber als einen der gründlichsten und feinsinnigsten Betrachter der zeitgenössischen deutschen Dichtung kennt, über den Antcildcrjudcnan d e r d e u t s c 11 e ח Dich• tung der Gegenwart. — Bab, ein lebhafter, geistsprühender Sprecher, der frei redet, begann mit einer Abgrenzung der Begriffe ״Dichtung״ und ,,Lite• ratur“, wobei er eine sympathische Selbstbcscheiduug zeigte, wehrte mit ein paar glänzenden Hieben den aui literarisches Gebiet ninübcrgrcifctulcn Antisemitis• iiuis ab und kam dann rasch zu dem Kern seines Vortrags: daß nämlich an dem, was er unter Dichtung versteht, die Juden trotz dem Anschein des Gegenteils einen überraschend geringen Anteil haben. Ihnen geht die naive Hingabe an die Dinge ah und ihre deutsche Kultur ist noch nicht so stark, daß sie aus JUEDISCITE RUNDSCHAU 1 ihr heraus ein Kunstwerk schaffen konnten. Der | Begründer der neueren deutschen Dichtung, Detlev : v. l.iliciicron, ist der Typus des Junkerlichen, Un• j jüdischen, mul unter den 1 iauptvertretern der mnilcr• neu deutschen Dichtung, Delimel, I Iniiptuinmi, George, | Scholz, findet man keinen luden. Drei Typen aller• > dings gibt es, als deren Repräsentanten Juden au! der deutschen Dichtung teilliabcn können: der eine | ist llofinamistiial. In einer wundervollen und er-; schöpfenden Charakteristik des deutschen Dichters wies | Bub dessen jüdische Klanimcselemente nach: wie er im 1 Gegensatz, zu dem .׳iiistokratiseli.hidividiialistischcii 1 Stefan George ein sozialer Aristokrat ist, in Epigonen• Stimmungen getaucht, ein Epigone auch in seiner 1 Form, in der Reminiszenzen an die verschiedensten , Vorbilder nachklingen, dennoch aber ein Dichter durch die Eigenheit seines Rhythmus. Der /.weite Typus ist Alfred Mmuhcri, der religiöse Lyriker, der in seinem durch den dichterischen Charakter bedingten Verzicht auf äußere Eindrücke den Flug über den Abgrund zwischen der tiiinnivcn jüdischen Art, soweit sic der moderne Galuthjude wenigstens zeigt, zum kirnstlcriselien Erleben der Wdlsecle wagt und vollendet. Der dritte ist Moritz. Heimaun, der die Kluft zwischen seinem jüdischen Rationalismus und der ersehnten iiistiiiktmäiligen Inspiration bewußt .׳iiiszufülleii be• strebt ist und so ״fast ein Dichter" wird, wie Hot• 111an11sth.il ״gerade auch ein Dichter" ist. Bab schloß seinen Vortrag mit dein Hinweis darauf, daß die Juden, wenn sie auch aktiv an der Dichtung geringen Anteil haben, sich um sie durch ihre treuen Vermittler• dienste doch wesentliche Verdienste erworben haben. Das ״Prager Tagblatt“ schließt sein langes Vortrags• referat mit der Bemerkung: ״Der von einem be• wtimleniswürdigeii sittlichen Ernst getragene, au Ge• danken überreiche und in der Form anregende Vortrag, einer der besten, die man in diesem Jahr überhaupt von einem Prager Vortragspodium herab gehört hat, fand stürmischen Beifall." Diese Anerkennung der Wirkung und Bedeutung der von einem zionistischen Studeiiteuvcrein, dem Verein Bar K o c 111) a , aus• gehenden Veranstaltung durch die unserer Bewegung sicherlich nicht allzu günstig gesinnte Presse beweist, daß der Zionismus in Prag manches erreicht hat. Und er ist nicht am Ende seiner Erfolge. Praß. Das Kartell Praßcr jüd.-nat. Verbindüngen veranstaltete gemeinsam mit der Freien zio• nistiselien Vereinigung am 2. Mai I. j. einen Diskussionsabend über die Fragen des X. Zionistenkongresses. Der erste Referent Prot. Dr. Engel (A. II. Barissiae) gab zuerst einen ausführlichen Berieht über die Lage des Zionismus uiul betonte die Wichtigkeit des nächsten Kongresses für den Aushau der Organisation, endgültige Regelung der Finanz- und Leitungsfrage. Den Mittelpunkt der Kongreßarbeit soll nach seiner Meinung die Debatte über das nächste Palüstinaproßraimii und die national• kulturelle Frage bilden. Insbesondere fordert er eine Unterstützung der |\ L. D. C. seitens des Kongresses mul eine energische Vertretung der zionistischen Interessen in der Türkei. -- Der zweite Referent caiui. phil. Josef S c h I e s i n g e r (X X F X Jordaniae) besprach die national-kulturelle Frage und wies die Notwendigkeit der nationalen Erziehung in der Diaspora und Palästina nach. Beide Referenten ernteten allgemeinen Beifall der Versammlung. In der anschließenden Debatte zeigte sich erfreulicherweise eine Uebereinstimiming in den wichtigsten Fragen, die gegenwärtig die zionistische Weltorganisation bewegen. «־SPR6CHSAAL«־־ Wir erhielten folgenden Brief: Lieber Herr Redakteur! In der vorigen Nummer Ihrer Zeitung zitierten Sie einige Sätze aus einem Pan-Arlikel Alfred Kerrs. In demselben Artikel finde ich noch ein paar Abschnitte, die mir auch nicht uninteressant dünken. So schreibt! Alfred Kerr: ״Die Geistigen von links müssen sich in Zukunft sozusagen projizieren; alles mehr für die Augen der Masse berechnen; entschlossener einsehen: daß es nicht gilt, für Erkenner an gewisse Diiiße nur eben zu tippen — sondern Käftern mit• zureißen, Ich hielt auf Eberswalde. Mit dem Entschluß, auch Etliches von dem Meinen zu versäumen; Zettel bei Waiden zu verteilen und dieserlei. Ich dachte: Nicht angenehm ist cs, Dinge zu tun, die unter einem sind. Immerhin . . . Eine Zwickmühle. Indem man Euch bekämpft, zwingt Nr. 19 Mir Maischen banal zu sein. Und Ihr seid zu he. kämpfen, weil Ihr Maischen zwingt banal zu sein." Lieber Herr Ralaklair, merken Sic etwas? |)jv Dinge sind überall dieselben, mir dall wir Zionisten keinen Alfred Kerr halten, der uiisern ״Geistigen" rät sieb zu projizieren. Man könnte die Sätze mndrelieii und also von der Gegnerschaft der Geistigen m Deutschland gegen die deutsche Regierung sagen: Sic sind alle sehr unzufrieden. Erstens mit der Regie, rmig. Weil sic reaktionär, biireaiikratisch-knüclKrii mul kulturpassiv ist. Zweitens mit der Opposition, 1 Weil sie schwankend, ohne entschlossene Kraft nmi zu sehr Masse ist; nicht Erkenner genug, Aber sic projizieren sich nicht. Sie schimpfen. Oder sie klagen. Oder sie vergehen. Aber Walilzcttcl ver. j teilen sic nicht. Wollen nichts von dem Ihren ver• säumen mul nicht Dinge tim, die unter ihnen sind. Und Kaffcrii wollen sie nicht milreißen. Die Regie• rung aber ist sehr zufrieden. Lieber Herr Redakteur, icli schreibe natürlich vor! Deutschland und von der deutschen Regierung und von den Geistigen von links in imserm deutschen Vatcrlandc. Julius Berger. Wir veröffentlichen dieses Schreiben, weil es 1ms einen wichtigen und leider sehr wunden!,unkt ru berühren scheint. Zu gelegener Zeit wird darüber vielleicht noch mehr zu sagen sein. Denn was Herr Berger da schreibt, ist wohl nicht deutlich genug, um - wenn wir lins der drastischen Ausdruckswciit Kerrs bedienen wollen - ״Kaffem initzureillcn" Rai. d. ״J. R" Erholungsorte bezw. Hotels und Pensionen, die antisemitischen Charakter haben. (Dort, wo hinter den Ortsnamen einzelne Lokale ange• geben sind, gilt die Nennung naturgemäß nur für diese.) Bansin. Villen: Gertrud, Seewarte, Büchner, Strand• klausc, Pension Runge, Pensionat Cutieordia mul Haus Kehrwieder. Binz. Villen: Glückspilz, Haus Uacbel, Quisisan.1; Hot. Potenbcrg; Rest. Imperial; Besitz Staub*), Borkum. Brauiilaße (O.-Harz). Die frühere antis. Notiz in dem Prospekt erscheint jetzt in der etwas milderen Fassung: ״B. wird fast ausschließlich von Kurgästen christlichen Glaubens besucht." Nur dem Besitzer der ״Villa Germania" sind jüdische Gäste will• kommen. Clausthal. I Intel und Pens. Voigtslust. Cuxhaven. Hot. Kaiserhof, Seepavilloii, lies.: Pillcr. Einöd b. Friesen in Ohersteiermark. Finsterberßcn b. Friedrichroda. Villa Waldbau*, (Kurhaus ״Felsenstein“. Verwaltung versendet I'!״• spukte: ״nur für christl. Familien"). Flinsberß. Pensionate Borussia u. Hasse. Frankfurt a. M. Bahnhofs-Hotel Köln. Hof: Besitzer Laall. Freudenstndt i. Schwzw. Paiiuenwald. Gelilberßcr Mühle b. Oberhof. Groß-Tabarz i, Thür. Hnhncnklcc i. Harz. Pens. Burgfriede, Villa Bocks* borg. Harzburß. Drcikaiserliaus, Villa Winterberg, Nord* liäuser Str. Hasserode b. Wernigerode. Kurhaus Dr. Kurbel. Hcilißcnhafcn. Hcrzberß a. Harz. Juist. Karlsbad. Elisnhcthh.; Hotels: Morgenstern, National, Residenz, Römischer Feldherr, llalia, Florenz. Stadt Warschau, Insel Malta, Rosenstock, Kuiscrsinllc, Brandenburger Th., Preußische Krone, Egeria,!»in• mant, Engl. Krone, Haus Abbazia (Otto Löw), יל!•• י• liof Alb-Hcidclbcrg, BucI1l1a11(ll1mg Herrn. Jacob KltzbUhcl. (Frcnulenverkehrvcrein versendet Reklame• hiiclier m. Stempel: Beschluß d. Gen.-Vcrs. Anfragen von Juden bleib, unberücksichtigt.) Könißstcid, Schwzw. (Prospekt: ״Der christl. Gl!•■׳׳׳k* ler des Orts bedingt christliche Hausordnung in d‘,״ meisten Häusern, weshalb Israeliten ihn nichi .mf• suchen,") Kufstein. Gasthof zu den 3 Königen, *) Die diesjährige Püchlcrin der Villa Sechlick in Binz nimmt Juden gern auf. Ende Mai erscheint eine hochaktuelle jüdische Broschüre: 1# 1 Die Krisis der jii ה*!!. von Msns Goslar. E nzclpreis M. -,50. Bei Sammelbczug durch die Vereine und Ortsgruppen M. - 30. Um die Aufträge sofort nach Erscheinen effektuieren 7u können, bitten wir schon jetzt um Aufgabe von Bestellungen an den Verlag ״Jüdische Rundschau“« 3ז!!831מ0*£1©1*5פ2£2>-מ22’0£ם« Bleibtreusftr. 49