Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I I I I ו 1 1 1 I I I I I_ Abonnements •uf die wüdtcnllich ■m Krrit«? rrftdieinend• ״JUdiirlie Rundedteu" koultn bei der K«|>f,)ition und bei •llf« P0*l3mt«rn vierltijglirlid, 1,25 M., •uBrrlmlb Dcutudilendi und OrMcr• reifh-Ung•,2 .״,- M.! für Milglicder jüdiuher N «reine im Semmelbeiug durch den Verein 1,— M. Variag Jüdiecha Rumladi•« E. G. m. b. H. Uerlln*Charlottcnburg, tlltlblrcuitr. 49. Tel. Cb. 98dl, ('..•dmftMtunilrni 10-12 uml 4 -7 Uhr, 11d**r S״nn»t1rnd und Snnninir I I I I I I I I I ...J c:n ח r J LJ L n ח n י Uv: U Lj lJ Lj Lj r I Anzeigen kneten für die »rrln^rc|1»ltrne Petit• /eile oder deren Kaum 40 l’f.l Stellen• Angebote und ■Gcnuilir •ovrie Vereine• Mitteilungen und .Kleine Anirlgen* ייי **י י״י nur 30 Pf. Menuelcripte werden, wenn Porto bei• י*י liegt, *lei* lurückgrmndt■ Keilnktioniuhlutl Mittwoch vormittag•. Redaktion JUdlailie Ruudacliau Ilrrlln-Cha rlnt tenlnirg, Olelblreuatr. 49, Tel. Ch. 9881. 1•'prrehetunden Dienctag und Donneratag 3-6 Uhr nachmittag!, 3-6 Uhr nachmittag■, _A IL!L(§ d A (30 Kl G SOJGDCGGCGG EG "חחח?ך־ח bi U v»J/ U U גד^ 3^ Nummer 19 j Berlin, den 12. Mai 1911 — 14. Ijar 5671 XVI. ]ahrgang Ausweis Sclickcl s Aschaffenburg 1 Mk., Schw.-Oimind 1 Mk., Obcrsitzko 15 Mk., Ostrowo 9 Mk., Straßbürg i. E. 3*1 Mk., Schönsee 1 Mk., Halle a. S. 3 Mk., Jaucr 1 Mk., Posen 193 Mk., Danzig 1 Mk., Stolp i. P. 12 Mk.. Blumciithal i. Hannover 1 Mk., Üt.-Eylau 20 Mk., Berlin 4 Mk., Königsberg 25 Alk. Landesbeiträge: Berlin 2 Mk., Briesen 29 Mk., Slolp i. P. 33 Mk., Posen 50 Mk., Ostrowo 23 Alk., SiralUmrg i. E. 39 Mk., Halle 15 Alk. Organisationsfonds: Hechtsanwalt Jean Lach• mann, Berlin 10 Alk., A. Nachbar, Berlin 3 Alk., Rosa E11 r e n b e r g, Schönste 5 Alk., Leo B a r 111, Berlin 3 Alk., M. Sehr euer, Berlin 6 Alk., l)r. Hans Mühsa in, Berlin 5 Mk., Rudolf mul jettka Pick, Josef Fried mann, Ostrowo je 1,50 (2. Rate), Redakteur Anton Lew in, Berlin 100 Alk., Alfred M c t h, Schw.-Gmünd 4 Alk., Moses M a y c r, Aseltaffenburg 4 Alk., Dr. Al. Joseph, Berlin 3 Alk., Dr. Witkowski, Berlin 10 Alk., Aus Hamburg (siehe ״Verschiedene Spenden") 2 Alk., Bernhard Sch rag c n h c i 111, Messingwcrk 5 Mk., Dr. Emil Lcvv, Berlin, 5 Alk., Dr. Orüiibnum, Danzig 10 Mk., Referendar Hugo Ascher, Nnugard i. 1׳. 5 Mk., Hermann Salomon, Löcknitz. 5 Mk., Aus Glciwilz: H. A r o n h e i m, S.' G r ü n b e r g e r, Dipl.• Ing. Hecker je 10 Alk., Leo F o c r d e r, 11־. F c c haer je 5 Mt'f., A. Wolff 3 Mk., A. Schindler 2 Mk., Aus Elberfeld: Referendar Aaron, Ing. Leo Kios b e r g, Dr. G r ü n e b e r g 20 Mk., Al. K a y s e r 7un., Blumenthal in Hannover 4 Mk,, Nathan, Regina und Hugo Klein, Berlin je 1) 50,—־. Rate), Jae. F rä n k c I, München 5 Mk. (2. Rate), Dr. Wa g• ichal, Mainz 5 Mk., Dr. G. Wermut 11, Berlin 5 Mk., Frau Anna Qunipcrz und Frl. Else Oumperz, Hildeslieim je 5 Mk., R. I. Enoch, München 10 Alk., Verkauf einer Aktie 20,45 Mk. Eingang vom 4. bis 10. Mai 19111 Schekel: 321 Mk., Landesbeiträge: 191 Mk., Organisations• fonds: 315,45 Mk. Gesamteingang bis zum 10. Mail Schekel 1S95 Mark, Landesbeiträge: 2055,50 Mk., Organisations• fonds 7143,70 Mk. Berichtigung: Die in Nr. 18 ausgewiesenen 9 Mk. Schekel und 1 Mk. Landesbeitrag aus Hannover sind in Treysa gesammelt worden. Adresse für Geldsendungen! Zionistisches Zcntratbureau, Chariottenburg 2, Blcibtrcu- Straße 49. ,! ־MÄ Postscheckkonto 8091« Bankkonto! A. H. Hey• mann & Co.« Berlin NW., Unter den Linden 59. Finanzpolitik Ein Epilog zur A.-C.״Sitzung Der selige Montccuculi wird jetzt bei uns gar oft zitiert Und so wenig eine Wahrheit darum falsch ist, weil sie banal geworden ist, so sehr bleibt cs richtig, daß ein Kampf von vornherein halb verloren ist, wenn er nicht mit «!reichenden materiellen Mitteln geführt wird. Man mag sich darüber in den höchsten Tönen entrüsten, unsere Qcgner mögen das ausbeuten, wie sie wollen, daß bei uns immerfort von Ocld geredet wird — das ändert alles nichts an der — meinetwegen brutalen — Tatsache, daß unsere Aussichten auf Erfolge in der Politik, in der praktischen Arbeit, in der Agitation, von Zufällig• keiten abgesehen, fast genau proportional sind den Geldmitteln, über die wir verfügen. Das ist auch eine von jenen Tatsachen, über die man nach Spinoza nicht lachen und nicht weinen soll, sondern die man verstehen muß und — danach handeln! Wenn man gewisse unserer Gegner reden hört, sollte man meinen, wir seien eine der reichsten jüdischen Organisationen; wenn man unsere Debatten auf dem Kongreß oder in den A.-C.-Sitzungen hört, könnte man meinen, wir ständen vor dem Bankrott. Wir. meinen, daß ״Der Ziontumua crctrcbt für da■ jüdischo Volk cllo Schaffung einer üffent- Uch-rcckllich gesicherten Elcim&Ultto in Palästina• Baseler Programm* beides gleich falsch ist. Aber eher noch sind wir reich zu nennen, weil wir eben wirklich eine Organisation sind. Deshalb aber, weil wir ein Staatsorganismus im kleinen sind, können und d i'1 r f e 11 wir auch nicht eine Finanzpolitik nach Art der philanthropischen Vereine treiben, die von minimalen Beiträgen der Mitglieder und hauptsächlich von großen Spenden reicher Leute leben. Weil wir aber andererseits doch keine direkten Machtmittel haben, um Steuern חוב• zutreiben, aus denen wi: unsere Kriegsschiffe bauen und unsere Kolonien gründen und erhalten könnten, so müssen wir unsere Finanzpolitik auf die mehr oder minder freiwillige Selbsthesteueruiig der einzelnen gründen, die unsere ßestrebungen unterstützen. Nun ist cs allen bekannt, daß alle nicht gern Beiträge — wie sic meinen •- h fonds!»erdu zahlen. Deshalb laufen, bei allen politischen Organisationen, die Verbandsbeiträge spärlich ein. Nur die ein festes, wohlverstandenes Gefühl haben für die tausend kleinen und kleinliehen Notwendigkeiten politischer Arbeit, •zahlen sie gern und regelmäßig. Die anderen, die große Masse, muß man durch andere Mittel heranziehen. Die englische Frcihandelspartei veranstaltete einst Basare und Tanz-Tees, die Millionen erbrachten — für Vergnügungen gegeben und verwendet zur Herbeiführung einer politischen Umwälzung, die in ihren Wirkungen an die große französische Revolution heranreicht. Wir haben solche Mittel nur in beschränktem Maße nötig. Auch sind sic ja nicht überall anwendbar. Aber uns stellen auch' ganz andere Möglichkeiten zu Gebote. Die zionistische Organisation hat in zehn Jahren einen Nationalfonds von drei Millionen Francs zustande gebracht, hat Banken, verschiedene Kolonisationsfonds, Ge- Seilschaften und Nebenorganisationen geschaffen, deren Gesamtmittcl mehrere weitere Millionen betragen, ungerechnet die Schekel und reinen Parteibeiträge. Und da sollten uns, der zionistisehen Bewegung, plötzlich nicht mehr genug •Gelder zur Verfügung stehen, um unsere Arbeit zu erweitern? Man fühlt, daß das eine Tollheit istl Der Grund zu dieser Misere kann nur in einer verkehrten Finanzpolitik liegen. Und so ist cs auch. Jeder nicht von eigenen oder fremden Phrasen Verblendete muß es begreifen. Deshalb muß cs auch’ unverständlich bleiben, warum das Aktionskomitee in seiner letzten Sitzung wiederum dem vom Präsidenten Wolffsohn neuerdings vorgebrachten und begründeten Vorschläge, beim Kongreß die Bcsteuerung der Institutionen zu beantragen, aus dem Wege gegangen ist. Das sollte nur ein Hilfsmittel in Verlegenheiten sein, — das ist, wie der Schreiber dieser Zeilen schon vor Jahren und immer wieder hervorgehöben hat, nichts mehr als eine gerechte und moralische Forderung, die realisiert werden müßte, auch wenn wir cs gar nicht nötig hätten. Dann müßten aus diesen Geldern Reservefonds der Organisation geschaffen werden. Denn es ist Geld, das die Organisation sozusagen ehrlich und in schwerer Arbeit verdient hat! Wenn für dcii Nationalfonds, für den Bezalel, für Oppenheimers Projekt jemand eine Mark gibt — w e r hat es denn zuwege gebracht, daß Herr Jemand von diesen Dingen überhaupt etwas weiß? Wenn nur über diese Sache nicht so unendlich viel hin und her geredet worden wäre von Bedenken dieser, jener und noch anderer Art, dann wäre ein solcher Antrag schon vor Jahren als eine einfache, pure Selbstverständlichkeit angenommen worden. Aber da hat sich nun bei uns ein Partikularismus der einzelnen Institute entwickelt, den wir bedauerlicherweise haben groß werden lassen, und plötzlich spreizen sich' die eben ausgebrüteten Küken und lachen die alte dumme Henne aus .... Aber das darf kein Stoff für einen KarikaturenzeieJmcr bleiben. ‘Die Sache geht uns, je mehr besondere Institutionen wir schaffen — und wir müssen sie ja schaffen! - desto mehr ans eigene Leben. Die Einführung der Jahresbeitrage für die Organisation nach den Anträgen Dr. Hantkcs und Dr. Bodenhcimers '.st sicherlich durchaus zu begrüßen. Denn der Schekel soll absolut im Einklang mit dem Grundgedanken unserer Bewegung die niedrigst bcmessene Z ii 111 g e b ii 11 r bleiben, die er ist. Und niemand soll mehr als einen Schekel zahlen dürfen — das ist die breite demokratische Grundlage der zionistischen Organisation. Daneben sollen die verschieden sich abstufenden Jahresbeiträge gezahlt werden, die statutarisch mehr freiwillig und nur durch moralischen Zwang bedingt sein sollen. Ihre Reserven und außerordentlichen Mittel aber muß die Organisation aus einer mäßigen Abgabe von allen durch sie und ihre Organe geschaffenen und unterhaltenen Institutionen und veranstalteten Sammlungen entnehmen. Diese Umlage kann ihrer Höhe nach von Kongreß zu Kongreß variabel sein, braucht nicht auf einen bestimmten Satz, nur auf ein Minimum und ein Maximum festgclegt zu werden — aber erhoben werden muß sie unter allen Umständen, und die deutsche Landesorganisation sollte keinem Statut ihre Zustimmung gehen, in dem sic fehlt. Das könnte man dann Finanzpolitik nennen — alles andere ist Schhorrpolitik, — Herr Reinach und die Alliance Von Ben Aron. ״Denn jede Schuld rächt sicli auf Erden." Unwillkürlich denkt inan der Worte, wenn man den soeben versandten Bericht der Deutschen Confcrcnz« gcmcinschaft der Alliance (vgl. vorige Nummer der ״J. R.") liest und sich darüber klar wird, was er bedeutet. Die Conferenzgcmeinschaft ist am 25. April in Berlin zusammengetreten und hat nach ausführliehen Referaten der beiden Vorsitzenden, des Geheimrats Landau (Berlin) und des Rabbiners Dr. Werner (München) einhellig den Wunsch ausgesprochen, ״das Pariser Zentralkomitee möge an Stelle des Herrn Reinach einen anderen in Pari» domizilierenden Kandidaten aufstellcn." Sie hat weiter eine eigene Wahlliste anzufertigen beschlossen, es den Vorsitzenden der Lokalkomitees zur Pflicht gemacht, sich für diese Liste zu interessieren, und einen besonderen Appell an die französischen Rabbiner im Zentralkomitee gerichtet, als geistige Führer der französischen Judenheit Anschauungen, wie sie Herr Reinach mit seiner ganzen Persönlichkeit vertritt, energisch zu bekämpfen. . Dieses scharfe Vorgehen gegen Herrn Reinach entspringt keinerlei persönlichen Verstimmungen. E»