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Jüdische Rundschau · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Seite 200_ JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 18 cn von Paris aus erhobenen Beschwerden nicht Inverstanden sein können, bitte ich Sie, dieser nscrcr Ansicht in folgender Resolution ge• tlhrenden Ausdruck zu geben: i ״Die zu Berlin am 25. April zu einer ordent• liehen Tagung vereinigte Deutsche Conferenz• Oemcinschaft billigt nach Kenntnisnahme des gesamten, in der Wahlangelcgenheit zwischen ׳ Paris und Berlin gepflogenen Briefwechsels das; Vorgehen ihres Präsidenten und spricht ihm; ihr volles Vertrauen aus.“ ) Die Resolution wurde von allen Mitgliedern, Ausgenommen eines einzigen, das nur teilweise leine Zustimmung gab, angenommen. Es wird in eine Beratung über die Liste der :eilen Kandidaten cingetretcn. Nach längerer )iskussion werden Vorschläge angenommen und die Namen der Kandidaten, die ev. auf die defi* litive Liste gesetzt werden sollen, festgcstcllt. ’Außerdem wird einhellig der Wunsch aus• gesprochen, das Central-Comitö möchte, da die ,׳Deutsche ConferenZ'ücmeinschaft aus den inzwischen In Paris bekannt gewordenen Gründen Herrn Salomon Reinach als Kandidaten für die Wahl zum Ccntral-Comitö zu no minieren ablchnt, einen anderen in Paris doini-!zitierenden Kandidaten uns benennen. * Mit der Ucbcrmittlung dieses Wunsches nach *Paris wird der Vorsitzende beauftragt. Herr Rosen bäum, Berlin, und Herr Oschinsky, Breslau, stellen sich, ebenso wie Herr Feinstein, Königsberg, für die Wahliarbeif zur Verfügung. Herr l)r. Bram» spricht sich in dem folgenden Antrag dafür aus, seinerzeit zu der in Paris stattzufindenden Wahlprüfting eine Vertretung der Alliancemitglicder in Deutschland nach Paris zu delegieren, um in den Fällen mitzuwirken, bei denen die Gültigkeit der Wahl ev. in Zweifel gezogen würde. Der Antrag wird angenommen. Herr Louis Rose 11 bäum, Berlin, sieht sich veranlaßt, mit Rücksicht darauf, daß das Central- Comite in seiner Sitzung vom 15. April trotz des י einstimmigen Beschlusses des Berliner Lokal-! Comitös und der D. C. G. beschlossen hat, die ' Kandidatur des Herrn Salomon Reinach aufrecht-! zuerhaltcn, folgenden Antrag der D. C. G. zur Annahme zu unterbreiten: ״Die D. C. G. richtet an die auswärtigen j Mitglieder des Central-Comites der Alliance und : auch an die französischen Kollegen im Central- Comite, denen die heilige Sache der jüdischen Religion und ihrer Erhaltung sowie die Förderung aller im Judentum begründeten humanitären Be- Strebungen der Alliance am Herzen liegen, einen Appell, dahingehend, daß auch sic ihrerseits in bezug auf die Kandidatur des stellvertretenden Vorsitzenden der Alliance, Herrn S. Reinach, den von der D. C. G. unternommenen Schritt unterstützen. Die D. C. G. ist weit davon entfernt, Meinungen und Ucbcrzeugungen von Privatpersonen Ptolcmäus Lathyrus zu seinem Feldzüge gegen Alcxan• der Jannai und zur Hilfeleistung für die Städte Gaza und Ptolcmais (Akko). ln dem großen Aufstand der Juden unter Trajan spielte Cypern eine besondere Rolle. Hier sollen die Juden die griechische Bcvölkc• rung fast ausgerottet haben, und die besten römischen Generäle mußten von Germanien und Britannien her• beigerufen werden, um den Aufstand der Juden zu unterdrücken.. Dies gelang, die Juden wurden in die Verbannung geführt, und cs sollte ihnen bei Todes• strafe — ״sogar im Fall von Schiffbruch und für ewige Zeiten“ — verboten sein, die Insel zu betreten. Zur Zeit der späteren Kreuzzüge sind dann wieder die ersten kleinen jüdischen Gemeinden in Cypern entstanden, und In den folgenden Jahrhunderten wird von den verschiedenen Reisenden über das Vorhanden• sein jüdischer Gemeinden in den Hauptstädten der Insel berichtet. In neuerer Zeit sind von den früheren jüdischen Einwohnern kaum noch welche auf der Insel anzu• treffen gewesen, und erst seit der englischen Okkupation sind wieder Versuche gemacht worden, Juden, besonders solche europäischen Ursprungs, auf der Insel anzusiedeln. Bei dem ersten Versuche (18S3) handelte es sich darum, einige Hundert Juden, die vor den russischen Verfolgungen nach London ge• flüchtet waren, in der Ocgend von Latakie in Syrien anzusicdeln. Wegen der Schwierigkeiten, die dort der Niederlassung von türkischer Seite in den Weg gelegt wurden, versuchte dann die englische Gesell• schaff, die sich ihrer angenommen hatte, die Leute auf religiösem oder auf irgendeinem anderen Oebiete zu kritisieren oder gar zu verfolgen, so lange ihnen keine weitgehendere Bedeutung zu• gemessen werden kann, als anderen Acußerungen von privatem Charakter. Nachdem aber Herr Reinach cs seihst im Frankfurter Israelitischen FamilienbJatt vom 19. August 1910 als seine Pflicht hezeichnete, für das von ihm vertretene Judentum zu kämpfen, das abet in Wahrheit von keinem Juden als Judentum angesehen wer• den kann; ferner in seinem Schreiben an das' ״Echo Sionistc“ vom 20. Dezember 1903 aus• driicklich betont, daß er mit Freuden eine Kampagne gegen die jüdischen Speisegesetze und andere Archaismen im Judentum, worunter er auch den Sabbat meinte; endlich daß er sehr gerne bereit sei, diesen Kampf auch bei anderer, Gelegenheit fortzuführen und dieses Versprechen' durch die in seinem neuesten Werk ״Orpheus“, Seite 192, enthaltene Aeußcrung, die folgendermaßen lautet, auch gehalten hat. noch heute bleibt der größte Teil der elf Millioneu Juden weit gegenüber den Christen zurück, da sie mit unglaublicher' Strenge den Sabbat und die absurden Speisegebote beachteten, ist die D. C. (1. der 'Meinung, daß Herr Reinach nicht im Comite* einer 1 nsti• t u t i 011, d a s von Juden aller Länder gewählt wird, bleiben darf, einer Institution der 160 Schulen mit mehr als *10 000 jüdisehen Kindern nnvertraut ist und deren Devise Ist, daß alle Juden für einander verantwortlich seien. Ganz besonders richtet die D. C. G. diesen Appell an die französischen Rabbiner, die Mitglieder des ״Comitö Central“ sind, und als geistige Führer der französischen Judenheit verpflichtet sind, die Anschauungen, für die Herr Reinach mit seiner ganzen Persönlichkeit eintritt, energisch zu bekämpfen.“ Der Antrag wird von der Versammlung dem Präsidium als Material zur eventuellen Vcrwcndüng überwiesen. Der Wahlkampf in Oesterreich Unser Wiener Korrespondent schreibt uns: Anfang Juni beginnen die Rcichsrntswahlcn., Zum zweiten Male werden die aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Vertreter der österreichischen Völker zusanunentreten, um. über die Angelegenheiten der Monarchie, und über die brennendste innerpotitischc Frage des Nationalitiitcnproblcms zu beraten. Das erste ״Volkshntis“ hat die auf dasselbe ge• setzten Hoffnungen in dieser Hinsicht nicht erfüllt. Es vermochte den chronischen Nationalitäten• hader nicht abzuschwächen und zu verringern. Und auch der nunmehr in vollem Gange sicli befindende Wahlkampf steht im Zeichen des Nationalitiiteustreites. Die Parteien gruppieren sich um ihr nationales Banner und kämpfen gemeinsam gegen andere Nationalitäten — wenn auch unter jenen Parteien selbst tiefe politische Gegensätze herrschen. So gehen in vielen Orten die deutschen Freisinnigen mit den in Cypern uuterzuhringen, wobei sie auch von der Regierung alle mögliche Förderung erfuhr. Trotzdem war diese erste Ansiedelung (in Ktimn bei Paphos) ein völliger Mißerfolg, und erst etwa fünfzehn Jahre später versuchte eine weitere Gruppe von osteuro• päischen Juden - ebenfalls via England - auf Cypern Fuß zu fassen. Es wurde zwischen l.arnaca und Nicosia ein Stück Land erworben und später besiedelt, das trotz vieler WechscUälle sich zu einer ständigen Kolonie entwickelte. Im weiteren Verlauf wurden noch einige landstückc dazu erworben (durch die Jcwish Colonization Association), und diese Ansicdc• lung dürfte sich im Laufe der Jahre wohl entwickeln. Mit den Kolonisten kann man sich in deutscher Sprache verständigen. Außer diesen Kolonien gibt cs eine kleine jüdische Gemeinde in Larnaca, die in der Hauptsache aus arabisierten Juden besteht. Die Gesamtzahl der Juden auf der Insel dürfte zurzeit zwischen hundert und zweihundert schwanken. Aus dem ״Pan“ Alfred K e r r, dessen fröhlich־kritische Kunst die übliche Scheu nicht kennt, mit der unsere Dutzend• Literaten an ihrem und anderer Judentum vorheizu• sehen pflegen, freut sich, gelegentlich auch ,hier einmal Wahrheiten sagen zu könnbn. Im ״P’a n“ bespricht er auf einer ״Wanderung mit B e t h in a n n" verschiedene schmerzliche Lügen der deutschen Gegenwart und flicht da ein: Christlich-Sozialen, und die Jungtschechen mit den tschechischen Nationnlsozialcn Hand in Hand. Selbst in der Sozialdemokratie treten vielfach die verschiede• nen nationalen Schattierungen deutlich hervor. In diesem NaÜonnlitätenkonglomerat treten einzig mul allein die Juden nicht als geschlossene nationale Einheit im Wahlkampf hervor. Ja, häufig bckämplcn sie sich gegenseitig: ״deutsche" Juden gegen ״tscheehi• sehe“ Juden, ״polnische“ Juden gegen ,,ruthcnischc". Wobei sie ״übersehen“, daß die Parteien, denen sie sieh amchlicßen, den Juden gegenüber nicht allzu nachdrücklich ihren ״Liberalismus“ betonen zu müssen glauben und als ״praktische Politiker" mitunter auch mit den wütendsten Judenfeinden Bündnisse ab• schließen. Nur eine Partei der österreichischen Judenheit hat die nationalistische Parole ausgegeben — die ziu. nistische Partei. Ucbcrull, wo eine größere jüdische Bevölkerung vorhanden ist, stellt sie eigene Kaiuli• dateu auf. Hier in Wien und anderen westöstcrreiclnschen Orten richtet sich ihr Kampf vornehmlich gegen die Deutschnatioualcn und die jüdischen Täuflinge. Vor allem konzentrieren die Zionisten ihre Kräfte natür• lieh auf Galizien, namentlich Ostgali/ieii, wo jüdische Kandidaten selbst in Orten mit nichtjüdischer Bevol• kerungsmehrheit gewählt werden können, wenn die Juden mit den Ruthcuen Zusammengehen im Kampfe gegen ihren gemeinsamen Feind: die polnischen Natio• naldemokraten. Das ruthenisch-nationaljüdische Bund• nis, das zur Wahl der natioualjüdisclicn Kandidaten vor vier Jahren führte, wird sicherlich auch diesmal zustande kommen, da sich die Gegensätze zwischen den Polen und Ruthcuen, sowie zwischen den Polen und Jüdischnalioitalen seit den letzten Wahlen noch mehr verlieft und verschärft haben. Die Zionistische stellt bereits kampfbereit da. In Lemberg tagte eine Delegiertenkonferenz, die folgende Beschlüsse faßte: 1. 111 allen Orten mit einer größeren jüdischen Bevölkerung sollen eigene Kandidaten auf• gestellt werden, 2. Die gewählten Juden müssen sich zu einem ״Jüdischen Klub“ vereinigen. 3. Wenn nur wenige Juden gewählt werden sollten, so dürfen sie sich keinem anderen Parteigebilde ansehließcn, sondern verbleiben im Parlament als ״Wilde*‘. Das Zentralkomitee hat einen Appell publiziert, in dem die Leistungen des ״Jüdischen Klubs“ geschildert werden, und das mit der Versicherung schließt: ״Dieser Jüdische Klub wird auch im zweiten Volks• Parlament existieren“. Diese Zuversicht dürfte nicht getäuscht werden. Die letzten Wahlen haben den Zionisten 10WM) Stimmen und drei Reichsratsmitglieder gebracht. In* zwischen hat die nationaljüdische Bewegung im Lande weitere Fortschritte gemacht, und der Mißkredit der den polnischen Nationaldcmokratcn nachlaufeiulen Assimilatoren ist merklich gewachsen. Das mullte soeben ihr Führer, Herr Dr. Löwenstein, in deut• liebster Weise selbst erfahren. Als er nämlich nach Drokobyez kam, um vor ״seinen“ Wählern, die er während der vier Jahre völlig ignorierte, eine Wahl* rede zu halten - da ließ man ihn nicht zu Worte kommen und er mußte unverrichteter Sache heim• kehren. Dieselbe nicht ganz angenehme, aber nützliche Erfahrung dürfte auch noch mancher seiner üc• sinnungslosigkeitsgenosscn machen. Die selbstbewußt ten jüdischen Volksteile in Oesterreich haben ihre ״Moschkes“ bereits übersatt. ״Wir leben dank Eurer Phrasenpädagogik in einem Lande, wo ein Liebcrmnnn, war׳ er nicht als schwarzer Hebräer bekannt, sämtlichen Israeliten mit seiner schmucklos gebändigten Meisterart als In• begriff und Ausbund nlondäugigcr, innerlicher Ger• manheit vorgehalten würde. Germanischer Gipfel und blondestes Paroli wäre dann jener Schöpfer der tiefen und schlichten Mcnschcubühnc, Otto Brahm: so er nicht Abrahamsohn hieße. (Da er jedoch diesen Namen hat: so stellte man ihm gewiß gern den Kitten Reinhardt als Urbild sinnlichen Aricrtums treu und fest gegenüber; so der nicht eigentlich Goldmann hieße.) Ein Germanenschwärmer vom Schlage Wolt• manns bekennt Beethoven als unreinen Mischling, zur Hälfte nichtgermanisch; er findet einen zur Hälfte nichtgermanischen Mischling in Goethe. (Auch in Shakespeare.) Und Nietzsche stellt Wagners Chnl* däcrblut anheim. Was gibt es noch Festes? Nähret also nicht amtlich den Schwindel vom gleichen Blut, das geschwollene Stammesmärchen; auch dicserhalb sind reisige Kräfte verstimmt, verlieren die Geduld und wandern links ab - wo sic Wissenschaftlichkeit statt Gerassels erhoffen.“ Das Geburtshaus Lassallcs lassalles Geburtshaus, das bisher unbekannt war, haben die Breslauer Parteigenossen mit Hilfe der Svnagogcnverwaltung am Roßmarkt Nr. 6 ermittelt. Das Haus gehört aber jetzt zum Karlsplalz und trägt die Nr. 2. I 1 I I ז j

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