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Jüdische Rundschau · 1911-05-05 · Heft 18 (5.5.1911) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 198 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr. 18 . 1 Ansehens <lcr Deutschen Coiifereiiz-Gemcinscliaft beitragen kann. Außerdem liegt in dem von den Parisern für gut gehaltenen Verkehrsnmdus mit den Mitgliedern der D. C.G. *eine offen wiederholt geübte Verletzung der I). C. G. seihst, was schon,von meinen Vorgängern hervorgehoben worden ist. Sic werden gewiß ferner zugeben, daß Unstimmigkeiten und Mißverstandnissc kaum z.u vermeiden sind, wenn sich die Ccntralleitung in Paris mit Umgehung unseres Präsidiums in Fragen von so eminenter Wichtigkeit mit Mitgliedern der D. C. G. einzeln in Verbindung setzt, und dazu noch in der Absicht die vom Präsidium unternommene Schritte zu kontrckarricrcn. Auch werden Sie zugeben, daß cs andererseits für die Leitung der D. C. G. nur nachteilig sein kann, wenn einzelne Mitglieder 1 unserer Organisation sich ihrerseits in solchen Fragen unter Umgehung unseres Präsidiums mit der Leitung in Paris zu verständigen suchen. Das Präsidium der D. C. G. hat unbedingten Anspruch darauf, daß ihm sowohl von seiten des C. C. in Paris als auch von den Mitgliedern der D. C. G. die Loyalität und das Vertrauen cntgegcngcbracht werden, auf das jedes zu Recht bestehende Präsidium Anspruch erheben muß. Gewiß sind die I). C. G.-Mitgliedcr zugleich Mitglieder des C. C. und die Pariser könnten den Standpunkt einnehmen, daß sic sich wohl mit den einzelnen Mitgliedern der D. C. (1. direkt in Verbindung setzen können, in gleicher Weise wie mit den C. C.-Mitglicdcrn in anderen Ländern. Allein dieser Standpunkt ist nicht mehr haltbar, nachdem das Ccntral-Comite die I). C.G. von neuem anerkannt und die Mitglieder der D. C. G. in dem ihnen gewählten Präsidium ihre allein berufene Vertretung sehen müssen. Unter keinen Umständen aber durfte die Ccntralleitung das Präsidium umgehen, selbst wenn es sich auch an die einzelnen deutschen C. C.-Mitgliedcr gewandt hat. Und in unserem Fall hat die Ccntralleitung die Pflicht gegen mich, nicht bloß in meiner Eigenschaft als jetziger Präsident der D. C. ü. verletzt, sondern auch in meiner Eigenschaft als Mitglied des C. C. Denn jenes Schreiben über die Sitzung vom 15. April hättcauclimircx officio ohne weiteres gleich allen übrigen Mitgliedern der D. C. G. zugeschickt werden müssen! Die Angelegenheit wegen der D e m i s s i o n der drei Frankfurter Herren muß ich hier übergehen, weil die Details uns zu weit führen würden. Mit allem Nachdruck heben wir aber hervor, daß gerade wir das Verbleiben dieser Herren In unserer Organisation gewünscht und von ihnen erbeten haben, und daß wir ihr Verbleiben im C. C. noch jetzt mit Freuden begrüßen würden. Aus dem Vorhergehenden ersehen Sic, daß das Ccntral-Comite in Paris trotz des Friedens- Schlußes und trotz des größten Entgcgcnkommens unsererseits fortgesetzt mit allen Mitteln bemüht ist, die D. C. G., und damit die von ihr Ein neues Werk von Schalom Asch ״Die Familie GroßgiUck“, Komödie in drei Akten ,(erschienen bei S. Fischer, Verlag, Berlin). Seinem Drama ״Der Oott der Rache“, das rohe . Effekte neben lyrischen Zartheiten, plump konstruierte neben echt dichterisch geschauten Szenen enthielt, verdankt Schalom Asch das Bekanntwerden seines Namens in Deutschland. Freilich ist der Erfolg dieses Dramas eigentlich nicht auf künstlerische Eigenschaften Zurückzufuhren. Ein weiterer dramatischer Versuch (״Sabbatai Zcwi“) wurde ins Deutsche übertragen; , ®bef auch dieses Werk vermochte für eine starke dramatischc Begabung seines Autors nicht Zeugnis abzulegen. Soeben ist Schalom Asch zum dritten Male mit einer dramatischen Arbeit auf dem Plan erschienen und — soweit die Lektüre ein Urteil zuläßt — ist seine Hand dicscsmal viel glücklicher gewesen als bei den früheren Werken. Jene reichen Juden in Rußland, die das Elend ihrer Stammesbrüder nicht kennen und wohlgeborpcn in ihren Palästen sitzen, wenn sic nicht die curopäi• sehen Luxusbiidcr bevölkern, hat Asch in seiner Komodle aufs Korn genommen. Diese Juden haben mr Judentum langst an den Nagel gehängt. Die Arbeit ftÄVi* n1C lt: 1ic lcbc״ nur dcr Pflege ihrer Person, “rieht 0«er sic einmal unvermutet das Unglück her- «m, so sind sic nicht in der Lage sich zu helfen, und " ״ p^cncr,crunBsprozcß nimmt doppelt beschleunigvertretene gesamte deutsche Mitgliedschaft der Alliance, aus der ordentlichen Leitung unserer großzügig gedachten internationalen jüdischeu Vereinigung auszuschallcn. Dieser Standpunkt aber ist ein Anachronismus und ist weder mit den demokratischen Grundsätzen der Verfassung der A. I. U. noch mit den fortgeschritten neu Verhältnissen der Juden in Deutschland vereinbar. Freilich war es eine große Tat für uns Juden die größte Tat des 19. Jahrhunderts als vor fünfzig Jahren unsere internationale jüdische Vereinigung gerade in Paris gegründet wurde. Wenn mau die damaligen politischen und bürger* liehen Verhältnisse bedenkt, so war dieOrün• düng einer solchen Institution auch 11 tir in Frankreich möglich. Bei der Zerrissenheit in Deutschland und d e m zaghaften Wesen d c r d e u t s c 11 c n Juden w ä r c s i c b e i u n s i n Deutschland nicht möglich g e w c s c n. Und die gesamte zivilisierte Welt und erst recht wir Juden dürfen nicht vergessen, wieviel wir Frankreich, seinen freiheitlichen Bewegungen im 18. und 19. Jahrhundert zu verdanken haben. Vergessen aber haben diejenigen unse re r f ran• zösischen Kollegen im C. C., die der jet'zigen Leitung ihren Stempel aufdrücken, die Tendenz ihrer internat i o n n I c n jüdischen Gründung, und allmählich sind sie im Begriff, den Prinzipien und den Statuten der Alliance Israelite Universelle entgegen, unter dem Vorwand, als ob sich gegen das Hineintragen deutscher Aspirationen zu wehren hätten, aus der internationalen jüdischen Vereiiiigung eine fast rein französische Institution zu machen. So sehr französische Juden verpflichtet sind, gute französische Patrioten zu sein, so wenig darf cs von der Judcnheit anderer Länder zugelassen werden, daß in der Alliance, die 1 c d i g ii c 11 jüdischen, außerhalb Frankreichs liegenden Interessen zu dienen hat, ein rein französischer Geist vorherrsche, und daß alles vom rein französischen Standpunkt aus beurteilt und ausgeführt werde. Wir wollen — und hier komme ich auf den Schwerpunkt der ganzen Frage — in unserem großen Erziehungs* und auch humanitären Werk unter A 11 s s c 111 u ß j e g I i c h r p a r t i k u I a * r i s t i s c 11 e r Aspirationen gemäß den Statuten Artikel 1 überall für die Gleichstellung und den moralisehen Fortschritt der Juden wirken, und Artikel 2 denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksame Hilfe angedeihen lassen. Wir wehren uns daher gegen jegliche se* paratistisch-nalionalc Bcstielnmgen in unserer Vereinigung. Unsere Vereinigung darf weder ausschließlich französisch noch ausschließlich deutsch oder englisch, mul ich möchte auch sagen Die Familie Großglück, eine der ältesten angescheusten und reichsten der Stadt, hat bis vor kurzem bessere Tage gesellen. Nun ist die Mutter gestorben, die einzige, die noch dann und wann in der Fabrik nach dem Rechten gesehen hatte. Bald nach ihrem Tode muß die Fabrik den Betrieb einstellen. Der alte Großglück ist ärgerlich, daß das elektrische Licht nicht brennt, daß keine Dienerschaft im Hause ist; aber wie es möglich ist, daß die Fabrik still steht, ist ihm unbegreiflich. Man hat sich doch stets auf die Leute verlassen, und es ist doch bisher gut gegangen I -Die Töchter verkriechen sieh in ihre Zimmer, der Sohn irrt in der Stadt umher und macht Schulden; einzig die Tante, die im Mause wohnt, überschaut die Situation: Es muß Geld geschafft werden. Dem Qroßgiückschcn Palast gegenüber befindet sich eine Gastwirtschaft. Die Besitzerin Rose Bornstein ist eine Witwe in jungen Jahren, eine tüchtige Frauensperson, die Groschen für Groschen beiseite gelegt hat, nie das Ziel aus den Augen verlierend, durch ihr Vermögen einmal in eine ״bessere“ Familie zu kommen. Diese Gelegenheit bietet sich ihr, als die Tante ihr das Anerbieten macht, den jungen Sohn Oroßglücks zu heiraten und ihr Geld in die Fabrik zu stecken. Man ist bald handelseinig und auch Leon, der anfangs gar nicht recht weiß, wie ihm geschiebt, willigt ein. Den Vater lahmt fast der Schreck, als er hört, daß sein Sohn die Schenkerstochter unter die Chuppoh geführt hat, aber er lernt den Schreck überwinden, cs wird ja nun bald alles so sein wie es früher warl ~ —• — noch ausschließlich zionistisch sein. Di eti reifte u n d d i e gan z c B c d c 111 u 11 g unserer 0 r• ganisatiou besteht darin, daß all« J u d c ti, g a 11z gleich, w eichen n a t i o n a len Standpunkt sie cin 11 c 11111 en, in ihr P lat/, find e 11 k ö 1111 e 11, in ihr P I a t / gef u n d c 11 h a b e n! Wer würde es mm zu behaupten wagen, daß unseren Wahlforderungcn etwa separati-tisehe Motive zugrunde lägen? Wir sind nach unseren Statuten eine auf allgemeinem, direktem Stimmrecht beruhende demokratische Veieinigütig. Und es kann nicht scharf ge 11 ug getadelt werden, daß die W a bleu seit 1 905 trotz wiederholter A u f f o r d c - rung seitens der i). (I. G. unterlassen t-i worden sind, und daß jetzt, da es zu den Wahlen kommen soll, in einer so rücksichtslosen Weise vorgegangeii wird, daß es fast unmöglich sein wird, sieh mit den ■Wählern auseinanderzusetzen. Dieses Vorgehen kann seine Erklärung nur darin finden, daß eine solche Auseinandersetztmg mit den Wählern den Pariser I lerren nicht erforderlich, jedenfalls nicht wünschenswert scheint. In automatischer Weise wird gerade wie unter dem Regime absoluter Herrscher, gegen den Wunsch einer großen Anzahl von Mitgliedern, einfach eine Kandidatenliste aiifgestellt mul bloß um der Form zu genügen, den Wählern zugcstellt, Paris darf diktieren, die anderen sollen gehöre h e 11! Gewiß ist cs richtig, daß es noch immer allen Wählern freisteht, zu wählen, wen sie wollen. Aber man lasse die tatsächlichen Verhältnissc, wie sic mm einmal liegen, nicht außer Acht. Die Mitglieder der verschiedenen Lander körnten sich in der Tat nicht miteinander direkt verständigen, und darum ist eine Verständigung der Zeiitralleitung mit den verschiedenen Lokal- Comites und auch der D. C. G. notwendig. Nun hat mau es aber in Paris für billig erachtet, gerade die Wünsche der D. C. G. abzuJelmcn, ungeachtet des Umstandes, daß Deutschland ml seinen 13 000 Mitgliedern jedem anderen Lande, selbst Frankreich mit seinen 2000 zahlenden Mitgliedern gegenüber, bei weitem die größte Zahl der Mitgliedschaft der Alliance aufweist. Und wir sind so wenig unterrichtet über alles das, was in Paris beschlossen und abgelelmt wird! Wer weiß überhaupt, wieviel Mitglieder des C. C. in allen den letzten wichtigen Sitzungen teilgenommen haben, ob alle unsere Iranzösisclieu Kollegen über die wirklichen Vorgänge richtig aufgeklärt sind? Denn die Art und Weise, wie die Zcntralleitung die C. C.-Mitglieder in Deutschland behandelt, die Art und Weise, wie die französischen Kollegen über die wirklichen Forderungen der D. C. G. im Herbst irregeiuhrt worden sind, läßt nicht gerade darauf schließen, daß die Zcntralleitung in Paris bestreb! ist, unsere französischen Kollegen über die wirklichen Motive unserer Forderungen aufzuklären. Die gute Tante hatte geglaubt, die junge Frau werde sich dem alten angesehenen Herrn Grollglück nur in tiefster Demut zu nähern wagen. Da halte sie allerdings die Rechnung ohne Rose Hornstein gemacht. Denn diese will von einem ״Versteckchcn-Spicl" ihchti wissen. Die ganze Welt soll erfahren, daß Ros.■ Horn• stein den jungen Großglück heiratet; und da das Haus Großglück der Rose Hornstein, nicht aber diese des Hauses GroßgUick bedarf, so soll tkn Groligtück in höchsteigener Person sich in das Haus David des Schenkers, der einst bei den Gastmählem!יחי Hause Großglück Kellnerdicnstc leistete, herüber• bemühen. Als die jammernde Tante händeringend fragt, wie sic das nur bewerkstelligen solle, bekommt sie zur Antwort: ״Das ist schon deine Sache, dafür bekommst du ja auch Geht, Wer verdienen will, der muß auch arbeiten . . . Geld ist teuer, sehr teuer... So leicht fällt cs einem nicht . . . Man muß etwas dafür tun.“ Und der alte Herr Oroßgliick besucht die Familie David des Schenkers. Bald danach ziehen Bornsteins in den Palast der Großgliieks ein. Und wieder hatte die T1׳־te die Rech* mmg ohne Rose gemacht, wenn sie geglaubt hatte, di« Bornsteins würden in den Sälen der üroßßliickschen Wohnung auf Zehenspitzen hcrumsehleichen. Ros« veranstaltet sofort ein großes Reinemachen und die Zimmer werden nach dem Geschmack der Bornstcini liergerichlct. Leon wird In die Fabrik geschickt und miidc und mißmutig kommt er abends beim. Der alte Oroßgliick sicht alles schweigend mit an. Das Licht brennt ja, die elektrischen Glocken funktionieren 4׳il 1• י««*י*״י*<רי

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