Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 16-17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i 1 » 1; 1 1 ן: ■ ii 1 j 1'i < I i || M Abonnements auf di« wöchentlich am Freitag er• «heinenda ״JUdUcha Runcliöiau" koctrn bei der hipedition und bai ״ilen!,oitömtern »lerteljährliih I.J1M, anOerhalb Deutachlanda und Oclrr• ff.d1-Un|i׳n» 2,“ M.| für Milglirder jn.l'thcr yereln» im Sammelbaiug durch den Verein I,— M. Varlag JUdladia Rundachau E. G. m. b. H. Bertln-Charlottenburg, ••rlhlrtu.tr. 49. Tel. Cb. 9MI. 1 1;•iMtundeni 10״ |J!!.,,ן ,J - ל Uh ־ um S nn 1t> ml und S»n>r.>.> \ ג ח חס i r־>. ' J v..l ■־/ כ־ י;) % \! f n ע v0^4.'\ V \ , ,Anzeigen ... J *,S koclen 'fiir ilü rrlt<1׳r.|»tlrnr l’rtit• *~ * v»*»la oder deren Kmnn 41• Pf. 1 Stellen• Aiutelmte und •Geuurlie •owir Vcreirn• Mittediingen und «Kleine Aniritffn’ י«י מי מי nur 30 l'f 1» <ä 1» Manuakrlpln Werden, wenn l’orta twU מי liegl, »Ir!» runirk]{ranndt. מי Kr.InklinntacIduU Mittwoch vormittag». Redaktion JUdladia Rundachau Herllit.Clinrlotlrnburgi!HclMrcu1.tr. 49. Tel. Ch. 9881. '•(iredialiimlen Dienatag und Donnrralag S 6 tllir nart mittag«. t_מ.! 3MGDGSG tuG 2G0TÜJJKK3 Nummer 16/17 Berlin, den 28. April 1911 — 30. Nissan 5671 XVI. Jahrgang םםםםשפםשםםםםשששזוש Ausweis *clickch Königsberg I. Pr. 9 Mk.( ülogau 21׳ Mark. TreuenbricUeii 2 Mk., Berlin 5 Mk., Köln .3111 Rhein )0 Mk. (II. Kate), Hamburg 106 Mk., Eibor• leid 23 Mk., Gollantscli 2 Mk. Lundesbcitrligc! Treuenbrietzen 3 Mk., Berlin 5 Mk., Qlogau 20 Mk., Elberfeld 25 Mk. Organlsatlonsfonds: B. Sulmann, Berlin 10 Mark, Hertha Pcisach, Olognu 5 Mk., ür. Waller Frankel 30 Mk., Leopold Jakoby 30 Mk., Dr. M. Sichel 20 Mk., A. Grünbcrg 2 Mk., S. (irüneherg 2 Mk., Herrn, Brod 2 Mk., Max |)cut* eh 10 Mk., Erl, M. Kaatz 6 Mk., M. Ooltlmann 5 Mk,, Elise Mecklenburg 3 Mk., Miutüi'h in Chemnitz, O. Klebe 1,25 Mk., I. Pfeiler ,50 Mk״ K. Geller ,50 Mk., t). (iolilliaber 2,50 Mk., M. Aspis --,50 Mk., Frau M. Gotz 1,25 Mk., sämtlich in Chemnitz (Tcilznlihmgen für das I. Quartal), Professor Dr. Dreyfuss, Slrallhurg 20 Mk״ Hamburg (Spczif. siebe ״Verschied. Spenden'30,66 (׳ Mk., Felix E r ä 11 k c I, Berlin 5 Mk., Stettin (Spczif. siehe ״Verschied. Spenden“) 3 Mk,, frau Leo Kuhn, Straßburg 10 Mk. Eingang vom II. bis 26. April 19111 Schekel: 223 Mk., Landesbeiträge: 59 Mk., Organisationsfomls: 200,16 Alk., Gesamteingang bis zum 26. April 1911:!ichckcl: 1460 Mk., Landesbeiträge: 2122,50 Mk., Organisationsfonds: 6715,75 Mk. Berichtigung! Im Ausweise in Nr. 15 sind \׳er• *cltcnilich zwei Spenden von je --,50 Mk. für den Organisationsfunds aus Dt.-Eylau mul Ereiburg fort• gefallen. Die Gesamtsumme betrug daher 6515,59 Mk. Adresse fUr Geldsendungen! Zionistisches Zcntralburcau, Charlottunburg 2, Bleibtreu• Straße 49. Postscheckkonto 8091, Bankkonto: A. H. Hey• mann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. 00000000000000000 Die Prozentnorm Echtrussisches von deutschen Universitäten. Man ist sielt liier zu Lande vielfach, auch in jüdischen Kreisen, nicht recht klar darüber, welche ungeheuere Bedeutung dem in russischen Korrespottdenzen über die Juden so häufig vorkom• inenden Worte ״Prozentnorm“ iimewohnt. In Wahrheit ist cs das gleich fürchterliche Korre- Ist zu dem allgemeiner bekannten ״Ansiedlungsrayon“. Liegt in diesen! Begriff das politische und wirtschaftliche Elend der russischen Juden eingcschlossen, weil die Beschränkung des Wohnrechts der Juden auf die wenigen Gottwrnanents sie zu einer in jeder Beziehung Unheilvollen Zusammcnpfcrchung verdammt, so enthält der cclitrussische Begriff der ״Prozentnorm“ das dem modernen Europäer im Grunde unverstäitd- 1׳ehe kulturelle und Bildungs-Elend unserer russi* schen Stammesgenossen. Dazu kommt, daß beide Dinge, die Prozent-!1°rnt und der Ansiedlungsrayon, einen so falaleti inneren Zusammenhang aufweisen,' daß sie 3Hein den entsetzlichen Circulus vitiosus des russisclt-jüdischcn Lebens austnachen. Diejenigen Russischen Juden, die einen akademischen Grad ln Bußland erworben haben, dürfen auch ־*ußerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen, aber eben diesen Grad zu erreichen, Arzt oder 111• jpnieur oder Advokat zu werden, das erschwert jhnen die russische Regierung auf jede nur mög- ״che Weise. Eins ihrer vorzüglichsten Mittel ״azu ist eben die Prozcntnorm. Ihr Wesen be- $teht darin, daß. Juden zunächst schon an den ״Der Zionismua erstrebt für da■ JUdloclie Volle dio Schaffung einer üffont« llch-recUtlich gooichortcn Holmotütto In Palästina. Baseler Programm» Gymnasien mir in einem bestimmten geringen Prozentsatz zur Zaltl der christlichen Schüler atifgenomnten werden. Da nun aber verhältnismäßig mehr jüdische Schüler als nichtjüdischc Schüler das Gymnasium absolvieren, so müßte schon deshalb der Prozentsatz. der zur Universität /.!!gelassenen Juden größer sein, wenn alle jüdischen Abiturienten sollten studieren können. Das ist aber nicht der Fall. im Gegenteil, dieser Prozentsatz ist auch absolut noch kleiner bemessen. Nun verringert sich aber die Zahl der christlichen Universitätsaspiranten noch sehr bedeutend, da ja den christlichen Gyinnasialnbiturientcn auch eine ganze Reihe anderer Berufe, z. B. alle Beamtcnkarriereit, offen stehen, die für die Juden nicht in Betracht kommen. Praktisch also liegt die Sache sehr häufig so, daß von 20 oder 30 jüdischen Abiturienten die ihrerseits ja schon eine kleine Auslese Glücklicher darstellen, weil sie ״zufällig“ ins Gymnasium aufgenommen worden waren - nur zwei oder drei an einer Universität angenommen werden. Das Aushilfsmittei der eigenen jüdischen Schulen, die von Juden gegründet und mit jiidischein (ielde unterhalten werden, hat die Regicrung* kurzerhand dadurch illusorisch gemacht daß sie auch für alle privaten Schulen die berüchtigte Prozentiiorni zur Anwendung bringen ließ. Zu welchen Auswüchsen das bisweilen geführt hat, ist bekannt. Es kam daltin, daß jüdische Eltern für eine ganze Anzahl cltristliehet• Schüler die Aufnahme erwirkten und das Schulgeld bezahlten, nur um ihrem eigenen Sohne die Aufnahme zu ermöglichen. Was tun nun aber die unglücklichen Abiturienten, die nach der unter so vielen außergewöhnlichen Mühen erfolgten Absolvierung des Gymnasiums au allen Universitäten Rußlands ver* sehlossette Pforten finden? Soweit sic nur eine noch so geringe, feste monatliche Unterstützung von Eltern oder Verwandten erhalten können, gelten sie in das freie, moderne Westeuropa, um an dessen Hochschulen sich vorzubcrcitcn für die Ablegung der Examina, die ihnen dann in Rußland einen Beruf und eine etwas größere Be* wegimgsfrcilteit sichern. Da Rußland mir wenige Universitäten besitzt im Verhältnis zu seiner Größe und Einwohnerzalil, so begreift man, warum die ״russiselten Studenten“, die ins Ausland kommen, in gar so großer Zahl aus Litauen und Polen stammen, es sind eben russische Juden, die im freieren Westen die Bildung erhaschen möchten, die ihnen ihr ״Vaterland“ liebevoll versagt. Durch Jahrzehnte ging das ganz gut. Matt liebte die ״Russen“ die von anderen! Wesen und anderer Lebensart waren, nicht sonderlich, aber man schätzte sie ob ihrer Fleißes und ihres Bildungseifers, der ga'r manchen mit 25 Rubeln monatlich alle seine Unterhalts- und Studienkosten bestreiten ließ — um von denen gar nicht zu sprechen, die als quasi Hungerkünstler es mit weit weniger fertig brachten. So machte Westeuropa im Kleinen etwas gut von dem, was Rußland im Großen verbrocheit, und woran die westlichen Länder durchaus nicht so unschuldig sind, wie cs selbst ein liberaler Be/irksverclnspolitiktts glauben mag. Napoleon 1. hat einmal gesagt, Europa werde nach fünfzig Jahren republikanisch sein oder kosakisclt. Hat sich der kühne Korse, der vor hundert Jahren schon der kühne Korse, der vor hundert Jahren schon besser wußte, wo d e r Feind Europas steht als alle unsere Zeitgenossen, die sielt Staatsmänner schimpfen lassen, nun auch in der Zeit geirrt, so scheint er in der Sache recht behalten zu zu sollen freilich gerade anders als er, der Kaiser aus eigener Kraft, es geglaubt. Europa wird kosakisclt. Politisch geht das nicht so rasch. Das Volk, der liebe Lümmel, ist gegenwärtig gar zu munter. Also beginnt itian’s bei der sogenannten geistigen Kultur. Da sind wir weniger empfindlich. Und fängt matt's noch ein bißchen hinten herum au, so merkt es überhaupt kein Mensch. So wird bei uns die Pro/cntnorin, echten kosakiscltcn Ursprungs, ihren Einzug halten, ohne daß sie auch mir von einem liberalen Leitartikel geahnt worden wäre. Das schöne Bayeriand, wo es bekanntlich mit der ״Biildung“ besonders hoch hergeht, fängt an mit der Einführung der Pro/cntiiorm. Natürlieh nicht gegen Juden, sondern gegen ״Auslünder“. Denn sie nahmen den wißbegierigen deutschen Studenten die Plätze weg. (Deshalb ist auch für neue Universitäten in Deutschland, wie sic Frankfurt am Main aus eigenen Mitteln gründen will, absolut kein Bedürfnis, und Kiel, Marburg, Gießen, Rostock, Erlangen, Tübingen, Greifswald sollen bekanntlich seit langem die Masse der Studenten kaum fassen könnten!!) Binnen kurzem werden aber die ״russischen“ Studenten an Deutschlands Holten Schulen die ihnen aus der russischen I Icimat so vertraute Prozcntnorm wiederfinden, und sie werden noch weiter westlich ziehen müssen, bis auch dort die Einheimischen gegen den Andrang der ״Ausländer“ werden geschützt werden müssen. Daß in München, wo der edle Beschluß zuerst gefaßt wurde, oder .׳tu den anderen Universitäten, an denen mau iltn bald n.aciiahmen wird, etwa Antisemitismus, Rischtis communis, dabei im Spiele sei, ist natürlich unwahr. Der Antiseinitisintis ist bekanntlich eine vorübergehende Erscheinung und tritt überhaupt nur in ungebildeten Kreisen auf, ist aber gänzlich unmöglich bei der geistigen Elite Deutschlands, den akadcmischcn Lehrern. (Daher atteft die frappierend große Anzahl jüdischer ordentlicher Professoren an den deutschen Universitäten!) Mit der Prozcntnorm gegen die ״Ausländer“ fiingt’s also an. Wie lange noch, bis in Bayern Pro/entnormen gegen die Preußen, in Baden gegen die Bayern usw. cingeführt werden? Da ließen sich dann allerliebste Schiebungen inszcnicrcn, und schließlich hätten wir sie, die echte Prozentiiorni, die Prozentnorm gegen die Juden — und nicht der geringste Antisemitismus wäre dabei: nur der Schutz der Heidelberger gegen die Breslauer, die den echten Heidelbergern alle Plätze wegnehmen. Das ist am Ende nur die Konsequenz. Und konsequent sind wir in Preußen Deutschland. Wissenschaftlich begründen können wir auch alles - also brauchen wir nicht einmal zu sagen, daß cs nur gegen die Juden geht! . ל to׳•׳. *