Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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w Abonnements auf die wöchentlich am KrriUj• tt. »*einende ״JUdlache Runtlachau" ko»teo bei der Ktpeilition und bei eilen t’aMKmUrn vieeteljiihillih I.2GM., •uOerhelb Dcutieblende und Oeiter• reich-Unjeene 2,— M.| |Dr Mitglieder jBdiicher Vereine im Simmelbeiug durch den Verein 1,— M. V«rlag JUdleclt• Kunilachau E. G. m. b. H. Bcrlln-Cherlottcnburg, Dlelblreuetr. 49, Geechl(t»1tundrr1: 10-12 und 4—7 Uhr, suOer Sonnibend und Sonnt»!;. Luc«cna11s1u111<1rr1 auöcr SonniVi __» n n r~ lj ע ר./ ח חי: כי\! נ..-'■ u U נ. ר־־) p ץ-";;׳: י ׳' r\,n Ln j \ ..-f ׳מ * (*'**/ ^*־־־p ך־ן Qn n p j />::V,y / r\ ׳ n 5־ ׳ 1 9 Anzeigen 1־־־־־־ | koiten für die •rchigeinaltene. Petit* | »eile oder deren Reu!» 46 Pf.ן Stellen• 5 Angebot• und •Geiuehe •owle Verein»• I Mitteilungen und »Kleine Anieigeo* 1 nur 30 Pf. I Memuhripte werden, wenn Porto bei• 5 liegt, •tet* xurüchgeieadb ■ | RedaklionMebluO Mittwoch vormittag». 1 ■ RodaliUan Jüdlicha Bandidi«■ | S Ile rlln>Cb arlo tte nburg, | i Dlclbtreuitr. 49. Tel• Cb• W81. 3! Spred>atundrnDien»t»gundDoone>atag 9 5—6 Uhr nadimlttaga. J l J UcjLoL ük י c~y q q epp u Nummer 14 Berlin, den 7. April 1911 — 9. Nissan 5671 L-J.ej XVI. Jahrgang Ausweis Schekel < Königsberg 7 Mk., Porst i. L. I Mk,, Miigücburg 1 Mk. Organisationsfonds: Rechtsanwalt l)r. Jato• wie/ 10 Mk., Siegfried Sc hol ent (Somlerhcitrag) 50 Mk., M. Preissntann, Leipzig, 5 Mk., Eva |י inner, Berlin, 3 Mk., Posen (Spc/if. siehe ״Ver• schied. Spenden“ 2,50 Mk., Freimirg i. II. (Spezi!, siche ״Verseil. Spenden“ 2,50 Mk., Julius Kalif• mann, Bscltwciler, 3 Mk., Frau lusli/rat Zucker• mann, Porst i. L., 5 Mk., I<ef.!•rieh Iler/• borg, Berlin (V. J. St.), 5 Mk., Moritz liileski, Berlin, 5 Mk., Frau Alma Fgcr, Magdeburg, 5 Mk. Eingang der Woche vom 31. Mürz bis 4. April 1911: Schekel: 9 Mk., Organisationsfomls: 9(» Mk. Gesamteingang bis zum 4. April 1911: Schekel 1033 Mk., Landcshcitragc: 1995,50 Mk., Organisations• fonds: 0195,59 Mk. Adresse für Geldsendungen: Zionistisches Zcntralburcau, Cbarlottcnbnrg 2, ßleiblreustr. 19׳. Postscheckkonto 8091. Bankkonto: A. II. Hey mann & Co., Berlin NW., Unter den Linden 59. r Innere Agitation I Der Zionismus befindet sich in einer arheit• sjjmen Periode. Die theoretischen Gegensätze An unseren Reihen sind längst begraben und fallc sonstigen Meimingsvcrschicdenheiten können unsere Arbeit nicht beeinflussen. Den Organen des E. A. C. sind, in Palästina großzügige Auf• gaben gestellt, und die Landsmannschaften haben alle Hände zu tun, die nötigen Mittel zu ihrer Durchführung zu beschaffen. 111 Deutschland brachte uns der Winter ztmt ersten Male die offene, tätige Gegnerschaft der organisierten Assimilationsjuden und damit gute Gelegenheit zur Ausdehnung unserer Organisation nach außen und Kräftigung nach innen. Das sind alles erfrculicho Zeichen, und wer sich der allzu lang• wierigen ~ deshalb doch niemals ganz fruchtlosen — Debatten früherer Jahre erinnert, der wird dem jetzigen Zustand den Vorzug geben und sich der reifen Sachlichkeit freuen, zu der der Zionismus gerade um seine Barmizwnhzeit herum gedielten ist. Von dieser Sachlichkeit hat denn auch unsere Organisation profitiert, die nach einem HerzUvort ״der Beweis des Vor• nünftigen in der Bewegung“ ist. Wie nun aber im Leben immer die ideellen Ansprüche mit dem allgemeinen Wohlergehen steigen, so sollten auch wir Zionisten die An• Sprüche, die wir an unseren Zionismus stellen, höher schrauben. Wir wollen uns einiger Sätze erinnern, die Marlin Bube r auf dem Hl. Kongreß als Referent des Agitationsausschusses gesprochen hat: ״Der Zionismus ist keine Partei• Sache, sondern eine W e i t a ns e ha u ־ ung. Die Ausbauung dieser Weltanschauung ist die Pilicht der inneren Agitation. Sie soll dafür sorgen, daß dieser großartige Komplex von Ideen aller Art sich zur vollen Größe auswachse und in subtilster Feinheit herausdifferenziere. Die durch die äußere Agitation Gewonnenen sollen nicht Zionisten sein, wie man konservativ oder liberal ist, sondern wie man Mensch oder wie man Künstler ist.“ Was im ersten dieser Sätze gefordert wird ist viel, vielleicht mehr, als mancher von uns deutschen Zionisten zu leisten vermag; und die Forderung wäre beinahe unbillig, wenn uns ״Der Zionlr.mua erstrebt für daa jüdischo Volk dio Schaffung einer üffent« lich-rcchtlich gesicherten Hclmstütte In Palüütina.“ Baseler Programm. nicht weiterhin der Weg gewiesen würde, ihr nachzukommeu. Wir sollen uns nicht nur dem Gebäude zionistischer Weltanschauung anver־ trauen, das heute erst im Rohbau vorhanden ist, sondern wir sollen Hand aulegen beim weiteren Aushau, bis es uns zur wohnlichen Behausimg wird, die wir späteren Geschlechtern als wertvolles Erbteil vermachen. Kann es wttndemehmen, daß dieses Werk in der kurzen Spanne Zeit von 14 Jahren noch nicht fertig• gestellt wurde? Das Beispiel anderer Ideen, etwa der revisionistischen in der Soziakleniokratie, könnte uns Geduld lehren. Hätte lierzl die ersten Sturinjahre der Bewegimg überlebt, von ihm wäre uns gewiß mancher wertvolle Stein zum Baue gekommen. In einigen wenigen seiner Kernworte wurden uns schon Grundsteine gegeben. Aber: ״Gut Ding will Weile haben“, gefährlich wäre nur der Glaube, der Bau sei schon vollendet, wo noch durch alle Fugen der Wind pfeift. Wir wollen uns hüten, als Gcsinnungsparvenüs Kulturkonflikte, die auch bei dem vermeiutlich sattelfesten Zionisten bestehen, zu über• selten und uns bemühen, in ernstem Streben einen Ausgleich zu finden. Im deutschen Zionismus scheint, wenn einige Anzeichen nicht trügen, die Zeit für diese theore־. tische und — philosophische Arbeit günstig. Die äußere Schlagkraft unserer Bewegung würde sie gewiß nicht lähmen. Aber es wäre eine Versäumnis, die kaum wieder gut zu machen wäre, wenn er sich hier durch freiwilligen Verzieht ausschalten würde. , Zwei Blätter der jüdischen Geschichte 1492 _ 1911 5252 5671 Klio, die unsterbliche Göttin der (icschiehtc, sit/t in Gedanken versunken. Vor ihr liegt das ehrwürdige Buch, in dem die Geschichte des jüdischen Volkes verzeichnet ist. Ein weißes, unbeschriebenes Blatt wartet darauf, daß die Göttin mit ihrem Griffel die Gegenwart tler langen Kette der Vergangenheit an• reihe. Aber ihre sonst so sichere Plaiul scheint /u zittern, und der klare und heilere Blick ist er• loschen. Eine Träne perlt in ihrem Auge. Mit einer zornigen Bewegung wirft sie den Griffel von sieh, denn Ekel und Bitterkeit überkommt sie über das, was sie schreiben soll. Mit unsicherer Hand dureliblättcrt sie den uralten Baud. Da findet sie Blätter, die erzählen von Israels Schmerz und Schrecken, von Tränen und Demütigungen. Aber auch solche Seiten fehlen nicht, auf denen die mann• hatten Heldentaten verzeichnet stehen, die das Mär* tyrcrvolk den Verfolgungen entgegensetzte: die singen und sagen von seinem ruhmvollen Wirken für Kunst und Wissenschaft, für das Fortschreiten tler Menschheit zu höherer Gesittung. Und während die Göttin diese Seiten durchlicst, die in Dunkel gehüllt waren durch das Unglück oder hell beleuchtet vom Ruhme, wurde der Abscheu» immer größer in ihrer Seele, denn nur mit tiefer An tu. d. Red. Wir entnehmen diese Skizze der in Konstantinopel in französischer Sprache erscheinen• den ״Aurore“. Wegen der Feiertage erscheint Nr. 15 der ״Jüdischen Rundschau״ bereits am Mittwoch, den 12. April, Nr. 16117 erscheint alsdann als Doppelnummer am Freitag, den 28. April. Die Zustellung unserer Zeitschrift hat während der letzten Woche durch technische Schwierigkeiten Verzögerungen erlitten. Durch einen Wechsel in der Druckerei ist nunmehr für pünktliche Fertig־ Stellung und Lieferung Vorsorge getroffen. Trauer dachte sie au die neue Seite, die sie zu bcschreiben hatte, und die, o weh, die tragische Schönheit des Bandes, den sie so sehr lichte, bedecken sollte. Da plötzlich hüll die Göttin an; ihre Blicke ruhen auf einer der wunderbarsten Erzählungen des ehr• würdigen Buches, auf einer Seite, die vergilbt ist von der Zeit, t 192. Sie liest: 1492. Das Leben der Juden in Spanien war un* erträglich geworden; die Impiisition zehrte sie auf. Die krankhafte Phantasie tler Verfolger erfand lüg• lieh neue Qualen. Keine Rettung! Taufe, Tod oder Verbannung. Von 215 00() spanischen Juden lassen sieh (15 000 taufen, 175 000 verlassen das Land, 20 001) Sterben auf dem Wege in die Verbannung. 75 000 gehen aufs Geratewohl in die verschiedenen / europäischen Staaten, 90 ()(Hl kommen nach der Türkei. Ihre türkischen Brüder ermutigen sic, in dieses Land zu kommen, dessen Toleranz damals allen Verfolgten eine Zuflucht gewährte. In Konstautiuopcl lebte damals ein Großrabbincr, der An• teil nahm an seinen unglücklichen Brüdern und ihre Sache verteidigte. Mose Capsali war der Name dieses alten, sehr frommen Rabbiners, eines Mannes von großer Tugend, großer Klugheit und festem Willen. Er hatte sieh mit Leuten umgehen, die einen hellen und aufrichtigen Patriotismus mit einer glühenden Liebe zu ihrem Volke zu verbinden wußten, und denen diese beiden Gefühle, die ihre Weihe ge• funden hatten, in der ganzen jüdischen Ueberlieferimg, teuer waren wie die heiligsten Gebote ihrer Religion. Dieser Mose Capsali, der Großrabbiner, leitete das Werk tler Rettung seiner Brüder, die in die Türkei cinwamlcrlcii. Er verstand es, diesem Werke die Sympathie der Großen des Reiches zu gewinnen, und von Konslantinopel aus schickte man an die Statthalter aller Provinzen den Befehl, die Verbannten mit Wohlwollen atifzimehmen und ihnen die Ansiedlung zu erleichtern. Umt die Juden der Hauptstadt folgten mit Begeisterung dem Beispiele und den Ratschlägen ihres geistigen Oberhauptes; der Großrabbincr legte seinen Beamten, die darin freudig eiuwilligten, eine bcsondere Steuer auf, deren Erlös au die Stammes- ' genossen verteilt wurde, die entkommen waren aus den Ländern der Qualen nach dem Laude der Freiheit und des Friedens. Treu ihrer ererbten Liebe zum heiligen Lande, ließen sich viele von den Einwandern• den in Palästina nieder: 1500 Familien in Jerusalem, 1700 in Safcd. So nahm Palästina ungefähr 20000 Juden auf, etwa ein Viertel der Einwanderer. Die übrigen ließen sich in Konstantinopel und anderen Städten der Türkei nieder, und der Hauptteil von ihnen bildete die große Gemeinde von Saloniki. Die Türkei hatte niemals ihren ritterlichen Edelmut zu bereuen, und das Andenken des Großrabbiners Mose Capsalis wird im Laufe der Jahrhunderte gesegnet als das eines tüchtigen Patrioten und eines treuen Sohnes seines Volkes.“ Damit endet das Blatt. Mit einem tiefen Seufzer der Resignation schickt sich die Muse an, eine sehr