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Jüdische Rundschau · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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r Abonnement» "1 auf die wflchfnilich •m Frei• tat erscheinen(!* ..)ilOUche Rundschau" kowrn hei der Uxpedlllon und bei allen Pom•!intern vlerleliahillch 1.25 M., auOcrhalh ßcuischlandi und Ocsierrcleh־Un!nrn» 2.— M.j für MIlRlIedcr Jüdischer Vcr• »'•יי Im Sammelbciu* durch den Verein I.— M, Verla! JUdlicho Rundschau C. 0. m. b, H, besch#llssiundcn:’*'10—12 und 4-7 Uhr, /,V:!/׳^p juBc^Sommheiuj^ mid^Sountas. c: ׳< 01. ff*"* 11 Kj I I Anzeigen | kosten für die fßnlcespaltcne | I" ' ■ - I (!«suche sowie Verclnsmlt- I | lelhmceii 11 ,,Kleine Anzclsen" | 1 nur 15 PI. :: :! 11 1: :1 ( l Manuskripte werden. wenn ■! ■ Porto hedicßl. stets zurück• I | gesandt. — RedaktlonsschluB | ן Mittwoch vormittags, ן ־ ■ Redaktion Jüdlscho RumUchaa I! Ilcrlln-Charlnitcnhurg. ■ י niclhtrcustr. 49. Tel. CH.9W1I. י | Sprechstunden Dienstag und י JDonncr s tag— 5^ ju ch mijug^ ־\r G 3OJ)G0O8(3C=3.G SGOTOBCOG Nummer 12 Berlin, den 24. März 1911 — 24. «dar 5671 XVI. Jahrgang Ausweis Sclickcl: Ratibor 65 Mk.: Königsberg 11 Mk. l.uuUcsbcllruKC: Ratibor 65 Mk. Orgnitlsatloiisfoiids: Hamburg (laut Spezifikation i.n N.-E.-Auswcis) 18,50 Mk.; Dr. lsak Stra'ull• Manchen 20 Mk.; Dr. Ludwig Wasscrniann-Münelicn Ul Mk.; Breslau (laut Spezifikation im N.־F.־Aus\vcis) I Mk.; Posen (III. Rate) 117,50 Mk.; Richard Loewc- Kunitz 5 Mk.; Kattowitz 100 Mk. Lliigaug der Woche vom 16. bis 22. Mürz 1911: Sclickcl: 76 Mk.: Lundcsbehrügc: 65 Mk.; Organl*;;iiiüitsfonds: 272 Mk. Gcsaimcliignitg bis zum 22. Mürz 1911: Schekel 111119 Mk.; I.niulcsheilriige: 1568,50 Mk.; Organl* stllniisfomls: 6099,20 Mk. An unsere Leser! Mit der nächsten Nummer beschließt die ״Jüdische Rundschau“ das erste Quartal ihres XVI. Jahrganges. Wir richten erneut an unsere l.eser die Bitte, diesen Termin mit aller 1' n e r g i e zur Verbreitung unseres Organs zu nutzen. Die Stärkung der Pavleipresse ist und bleibt für eine jede Bcwegung eine der wichtigsten propagandistischen Angaben und sollte gerade jetzt, da die jüdische Welt wahrlich bewegten Zeiten entgegengeht, auch bei1 uns mit besonderem Nachdrucke betrie* heu werden, liier bietet sieh Gelegenheit zu einer Kleinarbeit, bei der einem jeden der Lrfolg seiner Arbeit sofort sichtbar wird. Jeder werbe einen neuen A b,on n en t en. Der Preis unseres Blattes ist ein so minimaler, daß er für niemanden ein Hindertmgsgrund sein kann, es zu abonnieren. Die wöchentlich erscheinende ״Jüdische Rundschau“ kostet vierteljährlich 1,25 Mark (außerhalb Deutschlands und Ocstcrrcich-Ungarns 2 Mk.) für Mitglieder jüdischer Vereine im Sammelbczug durch den Verein vierteljährlich 1,— Mark Diejenigen unserer Abonnenten, die unser Blatt bei der Post bestellt haben, wollen ihr Abonnement umgehend erneuern und sich dabei des Postschecks bedienen, der der heutigen Nummer unserer Zeitschrift beiliegt. Ein liberaler Trick Die Berliner Repräsenlanlenwahlcn haben anscheinend den Juden, die sich selbst mit grossein Nachdruck ״Liberale“ zu nennen pflegen, einen bösen Schrecken eingejagt. Denn seither vergeht kaum eine Woche, ohne daß wir von neuem daran erinnert werden, daß unsere pseudo-liberalen Stammesgenossen uns mit ihrer innigsten Gegnerschaft beehren. Sie sind eifrig auf der Suche nach schwachen Stellen der zionistischeu Bewegung, gegen die sie ihre Angriffe richten könnten. Bisher haben sic wenig Glück damit gehabt, denn sie entnahmen ihre Argu* mentationen meist aus einem Lager, das im all* gemeinen nicht das des Liberalismus ist, aus dem vielmehr alle wirklich liberalen Ideen stets am lebhaftesten bekämpft werden. Alle r e a k t i o - 11 ä r e n Vorwürfe gegen den Liberalismus wa* ren ihnen gerade gut genug, um sie dem Zionismus entgegenzuhalten. — : Nun versuchen sie es einmal anders. Aber es war von jeher der Fehler alles Liberalismus, Mur Die gemeinsamen Btireatix Der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau.״. Des Verla lies und der Expedition der ״Jüdischen Rundschau״ (Postscheckkonto 9619). Des Zcntralbureausd. ,,Zionistischen Vereinigung für Deutschland״ (Postscheckkonto 8091) und Des Jüdischen Nationalfonds, Zentrale für Deutschland. befinden sich von heute ab Berlin• Cffiartottenburg, Bteibtreustr, 49, Vorderhaus 2 (Treppen. Fernsprechanschluss Amt Charlottenburg 9881. Die Bureaustunden sind für alte Abteilungen Wochentags (ausser Sonnabend und Freitag abend) von 9 Uhr vorm, bis ,/נ# Uhr nachm. Im Zentralbureau ausserdem Sonntags von 9 Uhr vorm, bis I Uhr nachm. Die Adresse unseres Nationalfondskassierers Herrn TJlax VJoUst einer Sybelstr• SO• Fernsprecher Amt Chatlottenburg 9446. Postscheckkonto 3847 bleibt unverändert. Wegen etwaiger geringer Verzögerungen die während des Umzuges in der Erledigung der Eingütige elntreten mögen, bitten wir um Nachsicht. daß er in doktrinärer Verblendung geflissentlich das wirkliche Leben übersah und sich in 1 laarspallercwii erging, um das Leben nach seineu Theorien zu modeln. Nie hat er es verstauden, umgekehrt seine Theorie aus dem realen Lehen zu schöpfen, und deshalb ist er denn auch bis auf den heutigen lag allerorten, wo er sich davon nicht frei zu machen vermochte, politisch und religiös steril geblieben, wie kaum eine andere große, die Geister beherrschende Weltanscliauung, Unsere jüdischen Liberalen bemühen sich redlich, keine Ausnahme zu bilden und erleiden daher natürlich auch dasselbe Schicksal. Jeder neue Angriff, mit den! sie uns bedenken, ist eine neue Tiftelei, und, wie sichs gehört, gehen die Herren Rabbiner dabei mit gutem Beispiel voran. Unter der Führung der bei ihnen ״in Amt und Brot stehenden“ Rabbiner sind die meisten liberalen Angriffe gegen den Zionismus bisher erfolgt. Irin Rabbiner ist es auch, Herr Dr. Felix G 01 d m a n n, der sich bemühte wie unseren Lesern aus seiner in diesem Blatte mit 1 lernt Dr. J osepli geführten Polemik noch in Friiincrung sein wird, in der jüdischen R eligion endlich den archimedischen Punkt zu finden, von dem' aus man den verhaßten Zionis* inus aus den Angeln heben könnte. Unser Gesinnungsgenossc, Rabbiner Dr. Joseph, war kürzlich konziliant genug, seinem unermüdlieben Gegner jetzt endlich den Gefallen zu tun und ihm zu sagen, was er so heftig zu hören begehrte, daß nämlich in rein theoretischer Logik der ,Zionismus ebenso wie atheistische auch c 11 r i s 11 i׳ c h e J u d c 11 anerkennen müsse. Diese ganze Rabbincr-PiipuUstik, die ohne jeden realen Untergrund in den höchsten Höhen der absoluten Logik herumfragt, ist so jüdisch, daß man seine reine Freude daran haben könnte, wenn nicht die Motive zu der Provokation Dr. Goldmanns gar so primitiv und durchsichtig wären. Herr Dr. Goldmann will uns ein Bein stellen und merkt dabei nicht, daß er es so hoch gehoben hat, daß wir bequem darunter weg wei* ter marschieren können. Immerhin könnte auch dieser Bluff — mehr ist es doch wirklich nicht! — manche ernste Leute für einen Augenblick bestechen und lediglich deshalb seien ihr nur einige ernstere Worte gewidmet.- Leider hat jene spezifische Anlage des jüdi* sehen Geistes, die zweifellos andererseits unsere Stärke ausmacht, nämlich unsere logische und dialektische Begabung, uns Juden immer so entsctzlich unfähig macht, Erscheinungen des Lebens historisch — anstatt rein logisch — zu begreifen. Die jüdische Religion war der wesentliche Inhalt un* serer alten jüdischen Volkskultur. Sie stellt alles das dar, was jüdischem Denken und jüdischem Fühlen am meisten entspricht. Und wenn heute eine Bewegung wie die zionistische ihr ganzes Ziel darin erblickt, den Zusammenhang mit dem alten Judentum wieder herzustcllcn, und an der Erneuerung des alten jüdischen Geistes zu arbeiten, so wird jeder Mensch, der die Dinge nur einigermaßen unbefangen betrachtet, nur die eine Konsequenz ziehen können, daß gar kein stärkercs Moment zur Erneuerung auch jüdisch* religiöser Lebenswerte führen könne, als eben die n a t i> o n a 1 e Aufrichtung des jüdi* sehen Volkes, die das Ziel des Zionismus ist. Der Jude, der heule nicht mehr fühlt — gleichgültig, wie er sich sonst zu religiösen Dingen stellen mag daß die jüdische Religion von allen am meisten seinen Instinkten und sei* neu Empfindungen entgegenkommt, ist zweifcllos auch in seinem Stanmicsgefiihl bereits dege* neriert. Ein Jude, der an die Erhaltung seines Volkes glaubt, an ihr mitarbeiten will und erfüllt ist von der großen Aufgabe, in Palästina wieder eine Pflanzstätte alt jüdischen Geistes auf. zurichten, kann unmöglich für die substilstcn Bedürfnisse seiner Seele Befriedigung finden in einer Kirche, die i m gern d e n G e g e n s a t z zu jüdischem Geist entstanden ist und sich’ durchgesetzt hat, weil sie immer vorgab, Ueber* winder und Vollender der reinen jüdischen Gottcslchre zu sein. Gerade der Zionismus stellt ja eine neue Form des jüdischen Messianismus dar. Er hat den historischen Optimismus, den Glauben an die unendliche Entwicklung des jüdischen Vol* kes zu lebendigem Leben erweckt und stellt heute selbst in seiner rein politischen Form für jeden, der nicht nur die Oberfläche sieht und sehen will, innerlich den schärfsten Gegensatz zu einer Auffassung dar, für die der Messias schon vor bald zweitausend Jahren erschienen ist. Verwirrte Geister gibt es natürlich, wie überall, auch bei uns, aber es ist doch eine ge* wisse Genugtuung, daß Herr Dr. Goldmann, um uns etwas anhabett zu können, seinen gauzen Angriff einzig und allein auf eine solche 10gische Perversität stellt, wie cs die Konstruktion des christlichen Juden ist. Aber Gott sei Dank ist die Geschichte kein logisches Rcchenexempel, und lachend schreitet das Leben über derartige Spekulationen hinweg, die einem rabulistischcn Theologengehim viel* leicht die Freude gemacht haben mögen, die re-

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