Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651711-2651723--07623-2664803- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f" Abonnements *1 au( die wöchentlich am TreU tnt erscheinend«) ״Jüdische Rundschau" kosten hol der Hxpedltlon und bei allen Post• Bmiern vlerlcll.'llirllch 1,25 M., onBcflialb Deutschlands und Oesterrcleh-Unsarn« 2,— M,1 für Mitglieder lUdlschcr Ver• eine Im Sammclhczug durch den Verein 1,-- M. Verlag Jüdische Rundschau ü. 0. m. b. II. Ilcrllo SW. (8, Zlnmcratr. 77, Ocscbaitsstunden: 10—12 und 4-7 Uhr. ,ן— \ \':־ ■'* ' ' j / , -: f y—1 I \ I \ LnMMMuiSa^ Sonntag, J j w U u \Zy Anzeigen kosten dir •Ile fnnlßcspaltcne l’ctltrelle oder deren Raum 25 1*1.; Sicllcn-Amtcbole und Ocsiiclic sowie Vcrelnsmit• tellungcn u. ,.Kleine Anzeigen nur 15 PI. H ts U ״ »» Manuskripte werden. wenn Porto bclllcgi. stets zurückgesandt. — Rcdaktlonsschluß Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdlscho Rundschau Ilcrlln-Charlottenburg. niclbtrcustr. 49. Tel. CU. 9881, Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 5—0 nachmittags. I I I I I I I I StDGßOSGKl.G 2 GOT OHM <3 Nummer 11 Berlin, den 17. Mürz 1911 — 17. ftdar 5671 XVI. Jahrgang Das erste Quartal unseres 16. Jahrganges m-igt sich seinem Ende zu. Wer Wert darauf legt, seine ״Jüdische Rundschau“ fortlaufend pünktlich ins Haus zu «■halten, der wird schon jetzt auf Krneuerung seines Abonnements ln dacht sein müssen. Unserer nächsten Nummer werden f0 י s t s c h e c k f o a־ m u 1 a r e bei• liegen, mittels derer die Ueberweisung des f״lligtn Betrages in bequemer und billiger Weise erfolgen kann. Wer uns bei dieser Gelegenheit dm Betrag für einen neu gewonnenen Leser gleich mit überweisen kann, dessen Sendung soll besonders willkommen sein. Auf jeden Fall hat ein jeder ein Interesse, unnötige und ver• liältnismäßigc teuere Nachnahmen zu vermeiden. Die Vorteile unseres crmüssiglen Vereinsabonnements zun! Preise von Mk. 1,— pro Quartal könnten gewiß an vielen Orten intensiver ausgenutzt werden, als es bisher geschehen. Ortsgruppen tnnl Vereine, die das Inkasso dieses Betrages in monatlichen Raten gleichzeitig mit ihren Mit• gliedcrbeiträgcn übernehmen, sichern sich durch unsere Vereinsrubrik einen dauernden Einfluß auf jedes einzelne ihrer Mitglieder und haben eine Gewähr dafür, daß das jüdische Interesse bei ihnen ständig rege gehalten wird. Wie bisher werden wir bei der Einräumung dieses Vorteils auch an kleine Vereine größtes Entgegenkommen beweisen. Verlag der Jüdischen Rundschau. Sombarts Judenbuch Von einem Juden, einem Zionisten sogar ist einmal gesagt worden, jüdische Zeitungen m ii ß t e n langweilig sein. Man kann das euergisch bestreiten und dabei zugeben, daß sie es leider meist sind. Aber in weit höherem Maße schien das von den jüdischen Büchern, d. h. den Büchern, die sich mit Wesen und Geschichte der Juden befassen, zu gelten, und gar erst von dui wissenschaftlichen, denen bei aller erstrebten Wissenschaftlichkeit stets ein so unangenehm gehässiger oder — einem empfindlichen Leser noch viel unangenehmerer! — apologetischer, rcüitfertigender Ton anhing. Das neuste Judenbuch — Professor Wer• nי-*r$ombartsWerk״DieJuden und das Wirtschaftsleben“ (Verlag von Duneker und Humblot, Leipzig) — hält sich von Haß und Liebe gleich entfernt, tadelt nicht und lobt nicht, stellt Resultate Wissenschaftliehen Forschens zusammen und ist dabei׳ so packend geschrieben, daß sich dieses ökonomisch-politische Werk wie ein ״spannender“ Roman liest. Im Vorwort zu dem nahezu 500 Seiten starken Bande erklärt Sombart, wie er daurauf gekommen sei, ״dieses sonderbare Buch zu schreiben“. Er habe bei der Neubearbeitung seines ״Modernen Kapitalismus“ das Bedürfnis empfunden, die Gedankengänge, die zu dem Ur- Sprunge des kapitalistischen Geistes führten, zu ״Der Zionismus» erstrebt fUr das jüdische Volk die Schaltung einer tHIcmllch-rccliillch gesicherten Heimstätte ln Palllstlnt." Uaseler Programm. üms stein Inkolt Sombarts JiiUcnbucli. — Das Endo der Pariainwiiskrlso in der Türkei. — Jeu und die russische RcKleriinu, — Zum ullgemclucii RusBenkoiiiircß. Von l)r. Elias A u c r b 11 c 11 Haifa. - Praktische Politik. Von Davis T riet sc In-Berlin. — Vom Zlcgcnbock und von den Schufen. — Aus aller Welt. — Literarische Rundschuu. — Feuilleton: Himmlische Konversation. verliefen, und sei durch Max Webers Untersuchungcn über Puritanismus und Kapitalismus dazu gelangt, dem Einfluß der Religion auf das Wirtschaftsleben mehr nachzuspüren. Und dabei hätte er gefunden, daß alle diejenigen Bestandteile des puritanischen Dogtuas, die für die Heranbildung des kapitalistisehen Geistes von Bedeutung waren, Fntlelmungen aus dem Ideenkreise der j ü d i s c n e n Religion seien, lu dem Bestreben, die Wandlungen zu erklären, die sich im europäischen Wirtschaftsleben seit dem Ende des 15. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts vollziehen, die Verschiebung des wirtschaftlichen Schwergewichts aus dem südcuropäischen in die nordwestcuropäischen Länder, ״offenbarte sich mir plötzlich die zunächst rein äußerliche Parallelität zwischen dem wirtschaftlichen Schicksal der Staaten und Städte und den Wanderungen der Juden, die damals, wie bekannt, eine fast völlige Umschichtung ihrer räumlichen Lagerung wieder einmal erlebten. Und bei näherem. Zusehen ergab sich mir mit unzweifelhafter Sicherheit die Erkennt- 11is, daß in der Tat die Juden es waren, die an entscheidenden Punkten den wirtschaftlichen Aufschwung dort förderten, wo sie erschienen, den Niedergang dort herbeiführten, von wo sie sich wegwandten“. Für diese großen Veränderungen schienen Sombart die bisher allein angegebenen Gründe: Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und Verschiebung der staatlichen Machtverhältnisse nicht zureichend. Und auf Grund einer jedenfalls mit stupender Gründlichkeit angestelltcn Untersuchung kam er dann zu dem Resultat, daß jene Parallelität, wie gesagt, ursächliehe Zusammenhänge hat, deren Wesen er darin erblickt, daß ״ein ganz besonders geartetes Volk — ein W ü s t e n v o 1 k und ein Wandervolk, ein heißes Volk — unter wescnsvcrschiedcne Völker - naßkalte, schwerblütige, bodenständige Völker — verschlagen worden ist und hier unter aberntals ganz einzigartigen äußeren Bedingungen gelebt und gearbeitet hat. Wären sie alle im Orient geblieben oder in andere heiße Länder verschlagen worden, so hätte natürlich ihre Eigcndrt auch Eigenartiges gewirkt, aber die Wirkung wäre keine so dynamische geworden. Kein moderner Kapitalismus, ke i n e m o - der ne Kultur ohne die Vers prengung der Juden über die nördliehen Länder des Erdballs!“ Das könnte klingen, wie eine Verherrlichung der Juden, und die Antisemiten haben ja auch schon anläßlich der Vorträge Sombarts im November und Dezember '1909, über die wir damals eingehend berichtet haben, Herrn Professor Sombart deshalb nicht wenig gescholten, so sehr gern sie andere seiner Thesen für sich ausnützten. Diese geteilte Aufnahme im Lager unserer Feinde, der eine ebenso zwiespältige Beurteilung vonsciten der Juden in wunderbarer Harmonie entsprach, ist zweifellos ein gutes Anzeichen für den wissenschaftlichen Charakter des Sombartschcn Werkes — ohne daß über diesen an dieser Stelle irgendwie geurteilt werden soll. Sombart geht denn auch, ohne sich bei Einwändcn dieser Art, von denen er nur im Vorwort spricht, im Werke selbst aufhalten zu lassen, in seiner Untersuchung weiter. Wodurch konnten die Juden einen so ungeheuren richtunggebenden Einfluß auf die Ausbildung des Wirtschaftslebens gewinnen? Da־, rauf antwortet Sombart, nachdem er in ersten Abschnitt seines Werkes rein tatsächlich den Anteil der Juden atu Aufbau der modernen Volkswirtschaft dargestellt hat, im zweiten Abschnitt, der die spezielle Befähigung der Juden zum Kapitalismus erweisen soll. Das grundsät/.lch Neue in der jüdischen Auffassung sieht er im wesentlichen darin, daß die Juden in der Herrschaftszeit des ״standesgemäßen Auskommens“, der ziinftlcrischen Idee der Nahrung die entgegengesetzte Idee der freien Konkurrenz kraft ihrer Veranlagung und kraft ihrer eigenartigen Wirtschaftsstellung als Fremde, als Neu. Siedler, als quasi Kolonisten betätigen und sie auch zur Geltung zu bringen wußten. ״Was der Jude,“ schreibt Sombart, ״durch all die Jahrhunderte gegenüber den herrschenden Anschauungen vertritt, ist die grundsätzlich individualistische Auffassung von der Wirtschaft: daß die Wirkenssphäre des einzelnen Wirtschaftssubjekts nach oben und nach unten hin durch keine objektive Satzung irgend• wie begrenzt sei, weder was die Größe des Ab• satzes, noch was die Gliederung von Berufen betrifft; daß jedes Wirtschaftssubjekt jederzeit sich seine Stellung neu erobern und jederzeit sie gegen Angriffe verteidigen müsse; daß es aber auch das Recht habe, sich auf Kosten anderer einen so breiten Spielraum zu erkämpfen, als es in seiner Macht steht . . . Was sich hiermit siegreich durchgesetzt hat, sind, wie man sieht, nichts anderes als die Ideen des ״Freihandels“, der ״freien Konkurrenz“, ist der ökonomische Rationalismus, ist der reine kapitalistische Geist, ist eben die moderne Wirtschaftsgcsinnung.“ Eine besondere Bedeutung für die Entwick• lung dieses eigenartigen Geistes bei den Juden schreibt Sombart der jüdischen R e 1 i - g i 0 n zu, speziell der Rolle, die sie bei den nach der Zerstörung Jerusalems über die Erde verstreuten Juden spielte. ״Daß der jüdische Staat zerstört wurde, hat es bewirkt, daß die Pharisäer und Schriftgelehrten, d. h. diejenigen Elemente, die die Tra•