Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1911)
- Date
- 1911-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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׳ \! I I ו 1 1 1 1 Abonnements ••I die v6che»11lck am Freit*I cnchelneide ״JOdltche Randwliau" koXca bet der (UpedlUon und bei •Den Poitlinier» vlerielllhrllch 1,25 M״ außerhalb Deuticbland» und Oesterrelch’Uniftrni 2,— M.1 fOr Mltitleder tödlicher Vereise Im Sammelbexus durch den Verein I,— M. Vertu JUdliche Rnadicbi» _ E. 0. m. b. II, Sertla SW. VI, Zleraeralr. Tt, Oescblltattunden: 3 bla 7 Ubr außer Sonnabend und Soanlaf, ÜCLAjJ'ü‘ די״ץ ף־״יי **r r ו 1 1 I I I I I I I I I Anzeigen ר¬! knilen fßr die lantfeapiHcae I Petlucllo oder deren R»»tn I 25 *. Stellen• Anaebole aad! Gesuche »owie Verelnimll- I tellunsea u. ״Kleine Anteilen*' | nur IS PI. M II II II 11 I Manuskripte werde», wenn! Porto belllegt, stets *arßck- I gesandt. — Redakllonsscblul | Mittwoch vormlttaes. j Redaktion JSdlscbe Rnndtehn■ i rserlln-Charlottenburl. I Dlelhtreuslr. 4*. Tel. Ch. tttl. | Sprechstunden Dienst»( und ן Donnerstag 3-6 nachmllluf»• , 1! i,i I > i i ' A׳y־cs(1A(30K]c1 sya©oseco.s EQ0Tync3 Nummer 9 Berlin, den 3. März 1911 — 3. Rdar 5671 XVI. Jahrgang 1 : ן | t, '1! I t I I jt < H! © © /» ln kaum einem halben Jahre werden wir uns zum Zehnten Kongreß versammeln. Die Organisation wird wieder vor dem jüdischen Volle Z* ugnis abzulegeu haben für die Energie ihrer Arbeit, für die Kraft ihres Willens, für die unnntnstbare Einheitlichkeit ihrer nationalen Ideale, itir die Festigkeit ihrer Grundsätze und für ihre politische Reife. Zum zehnten Male, seit das jüdische Volk sich seine Tribüne in Basel gcschaf* tVn hat, schreitet Ihr an dre Wahlurne, um Euer höchstes Recht, Euer jüdisches allgemeines Wahlrecht auszuiiben, Eure Delegierten nach Basel zu entsenden, damit sic dort Eure Wünsche vertreten und zusammen an großem, heiligem Werke ,arbeiten. Diese zehnte Legislaturperiode des Parlaments, das wir uns errichtet haben, findet sehr ernste Fragen vor, die sie wird lösen müssen. Sie soll die notwendig gewordene Revision unserer Verfassung, unserer Organisationsbestimmungen durchführen. Die Erkenntnis von der Wichtigkeit der Organisation, der Zusammenfassung aller Kräfte zur Erreichung eines einzigen Zieles, ist uns allen gemeinsam. Die Organisation ist das Kraft erzeugende und Kraft aufspeicherndc Schwungrad, das niemals rasten darf, soll nicht die Bewegungsenergie zum Halt kommen. Hierzu müssen aber die nötigen Mittel bcreitgestcllt werden. Dies ist bisher nicht geschehen. Der Schekel, der die Grundlage unserer nationalen Musterung bildet, ist nicht voll eingegangen. Wäre dies geschehen, so hätte man nicht den Gedanken der Besteuerung, der so viel. 11 nicht sympathisch ist, zur Diskussion stellen müssen. ' Der Schekel ist der sichtbare Maßstab Eures Interesses an der Organisation. In Zwcihundertschaften wählen wir Zionisten, und die Schekelquittung ist zuglci’ch der Stimmzettel und eine wesentliche Voraussetzung für die Beurteilung der Stärke unserer Reihen, weil er sie äußerlich erkennbar macht und der Leitung die Möglichkeit gibt, ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Neugestaltung unserer Leitung gehört gleichfalls zu den wichtigsten Fragen des bevorstehenden Kongresses. Der Fortschritt unserer Bewegung wird durch die Arbeit der neu zu schalfenden Leitung bedingt werden. Die Wichtigkeit dieser Angelegenheit macht eine starke Beteiligung der Delegierten an dem Kongreß notwendig. Jeder Zionist wird deshalb sein Wahlrecht ausüben, das ihm als Schekclzahler zusteht:, wenn er durch seinen Delegierten den Rechenschaftsb: rtclit der Leitung entgegcnnchmen und die vor uns liegenden Aufgaben vorbereiten will. .. Wir werden unser!» Ziele nur dann näher kommen, wenn wir unerschütterlich unsere Arbeit fortsetzen, wenn unsere Arbeitsfreudigkeit und treue Pflichterfüllung mit den wachsenden Anforderungen stets gleichen Schritt hält. Der demokratische Grundzug unserer Bewegung fordert gleiche Pflichten bei gleichen Rechten. Der X. Kongreß, der eine machtvolle eindringliche Manifestation des zionistischen Wollens werden soll, wird am 9. August zusammentreten. Es wird also, um die Wahlen ordnungsgemäß durchzuführen, der Schluß des Schekeljahres schon in wenigen Monaten erfolgen müssen. Darum verliert keine Zeit und sammelt den Schekel ein! ״ . . ״ Das Engere Actions-Coxnit6 David Wo 1 f f soh n. Ausweis Schekel: Ostrowo 8 Mk..H;1ll>crsuult 15 Mk., (III. Rate) Gcv 1). Düren 2 Mk.. Köln 1 Mk.. Königsberg i. Pr. 33 Mk. Landcsbclträge: Ostrowo 9 Mk.. Königsberg i. Pr. 3 Mk. OrgaiilsatJousfonds: Walter Lcwin-Bcrlin 6 Mk.. Rudolf Pick-Ostrowo 1,50 Ml;. VA Jahr). Jettka Piek- Ostrowo 1.50 Mk.. (!;• Jahr) I. P.-Ostrowo 1.50 Mk., (!1■ Jahr). Dr. Julius Rosenfeld (V. J. St.) Königsberg i. Pr. 5 Mk., cand. nied. Ivar Weillbrem (V. J. St.) Königsberg 5 Mk., Moses Marx-Königsberg 25 Mk., Max Markreich-Bremen 5 Mk.. Erilz. Markreich• Bremen 5 Mk.. Dr. Örüncberg-Elberfeld 10 Mk., Moritz Walzer-Harburg 5 Mk., I)r. Ranhael Straus (V. J. St.) Berlin 50 Mk., (II. Rate). Karl Seherk- Berlin 5 Mk., Geschwister Rosa und Jettehen Mcvei׳• Gey b. Diiren 5 Mk.. Bcrthold Ziilzcr-Lcipzig 4 Mk., S. Choskin-Liebesbron 5 Mk., Gottfr. Löwenstein• Cöln 5 Mk., t. Tschevnoii-Stcghu 5 Mk., Br. Pt io. Kassel-Wittenau 5 Mk., Referendar Wolff-Auriclt (V. J. St.) 2 Mk., (I. Rate). Rvbnick (It. Spezifikation im N.-P.-Ausweis) 2 Mk.. Kirchenrat l)r. Krouer- Stuttgart 5 Mk.. Posen (l. Rate. Spezifikation folgt) 260 Mk., Apotheker Boschwitz-Berlin 5 Mk.. Breslau dt. Spezifikation im N.-P.-Ausweis) 3 Mk.. Dr. Alfred Schwa/z-Beriin (V. J. St.) 5 Mk., Hamburg (It. Spezi« fikation Int N.-P.-Ausweis) I Mk., Referendar Dr. Sally Hirsch (V. J, St.) Berlin 5 Mk., Königsberg i. Pr. (It. Spezifikation im N.-P.-Ausweis) 200 Mk., Berlin (lt. Spezifikation im N.-P.) 0.50 Mk. GcHainielnguiig der Woche vom 23.—28. Pebrnur 1911: Schekel 59 Mk״ Laiidesbcltriigu 12 Mk.. OrguiilsiilloiislniKlH 613 Mk. (icBuiiiicinguiig bis /.um 28. Pebruur 1911: Schekel: 919 Mk., Lamleshcltrüge 1472,05 Mk״ OrguuL satloiislouds 5460,30 Mk. Adresse für Geldsendungen: Zionistisches Zcntralhiireau, ChurloUcnburg, Bleibtrcustr. 49. Postscheckkonto 8091. Bankkonto: A. H. Hcvniann u. Co.. Berlin NW., Unter den Linden 59. Theodor Herzl’s Mutter Von H. York-Stcincr. Die Mutter Theodor Herzl's ist arm gestorben; nicht etwa, dali cs iitr an den gewohnten üutieren Lcbcnsbcdiugungcn gefehlt hätte, der übliche biirgerliehe Komfort war ihr geblieben, sic starb viel ärmer, als die amtlich Leitenden, sic litt in ihren letzten Lebensjahren Mangel an Liebe. Die Ucberlebenden der Patnilie hatten ihr alles gegeben, was sie an Liebe besaiten — aber cs war wenig, was dieser Fürstin der Mutterliebe geblieben war. Denn fürstlich war der Reichtum an Liebe dieser Pratt zugemessen gewesen, die einen Theodor llcrzl geboren und erzogen hatte. Und das nicht etwa, weil cs Theodor Herzl war, sondern weil er seine Mutter von ]eher schwärmerisch geliebt hatte, weil er sie noch mehr glaubte lieben zu müssen, als ihr eine blühende, geistig hochstehende, in körperlicher Schönheit leuchteiidc Tochter int 18. Lebensjahre iah entrissen wurde und weil er seine Mutter mit Liebcsbezcugungcu überschüttete, sie In Liebe und Zärtlichkeit ein hüllte, als der Vater gestorben war und die Einsamkeit drohte, das ihm so teuere Leben in ihre Schatten zu bannen. Die Liebe dieses Sohnes zu seiner Mutter muH geschrieben werden, so sehr wir Juden au Kindes־ liebe gewöhnt sind. Vom Todestage seines Vaters angefangen, teilte Theodor llcrzl sein Lehen In zwiefache llausvilterseliaft. Nach erledigter Varmiltagsarbeit ging er zur Mutter, nahm mit ihr ein einfaches Essen, worauf er in die Redaktion der Neuen Freien Presse fuhr. Und es war gut, dal! die Pflicht Ihn rief, denn sonst würe er nicht leidst losgckommcn. Begleitete ihn die Mutter in das Vorzimmer, blieb er dort in langem, zärtlichem Abschiede, führte sic ihn endlich zur Treppe, dann wendete er sich immer wieder zurück, um der alten Pruu liebe Worte oder doch innige Blicke zu widmen. Wie oft rief sie ihm nach: ״Gib acht, mein Kind, du füllst noch einmal die Stiege hinunter!" P.r liebkoste die Mutter mit den Blicken, solange sic ihm sichtbar blieb, llcrzl, dcr__die Sentimcntalitüt nicht liebte, obwohl er von diesem Gcfühle doch bis in die letzte Nervcnverzwcigung erfüllt war, suchte seine Liebe zur Mutter zu erklären. ״Wissen Sic, warum ich meine Mutter so sehr liebe?‘‘ fragte er mich einmal. ״Mein Vater hatte bekanntlich sein ganzes Vermögen verloren, er mulStc ein zweites erwerben, mul dabei hat meine Mutter so viel geleistet, sic war meinem Vater eine soidi wackere Gefährtin, (lall ich das nie vergessen kann." Die Tatsuche ist nicht abzustreiten, aber sic sollte nur dazu dienen, rationell zu erklären, was ihm in kritischen Augenblicken vielleicht übertrieben erschienen war. Prau Jeanette hatte mir oft genug gesagt, wenn des Sohnes Liehkosiingcn kein Ende nehmen wollten: ״Mein Sohn verwöhnt mich; es ist zu viel, was er mit mir treibt." Dabei leuchteten ihre ausdrueksvollen Augen in heilem Stolze. Und cs war zu viel gewesen. Das sah man am Tage, da die Mutter Theodor llerzls klagend am Sarge dieses einzigartigen Sohnes stand, mit dem sic ihr letztes Kind begrub. Dieser stolzen, schönen Matrone hatte ein grausames Schicksal das Rückgrat gebrochen. Mcrzls Prau war Gott gnädiger gewesen als der Mutter; von schwächerer Konstitution, ging ihr Wille, zu sterben, rasch in Erfüllung. Die Mutter lebte lauge Jahre als AInmscnempfängcrin weiter; sic nahm den Bettel- Pfennig der Liehe von uns, den alten Prcundcu llerzls, demütig und dankbar entgegen, sic, die einst von einem Theodor Herzl bis an die Grenze der Ucbertreibimg verhätschelt worden war. Jeden Brief, den die Enkel schrieben, muhten wir lesen und — bcwundern, die Kinder llerzls, von denen der prächtig gedeihende Sohn, des Vaters letztem Willen gchorchend, in England erzogen wird, lebten wenig in Wien. Und wenn ich mich auch vor jeder Reise wie ein treuer Verwandter verabschiedete und ihr;1 I Ä