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Jüdische Rundschau · 1911-02-03 · Heft 5 (3.2.1911) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 5. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 57. wnndcrungslan d", so da» 400 500 Personen erschienen. Am dritten Abend endlich liundcltc cs sieb um eine gut besuchte Versammlung der Ortsgruppe, zu welcher eine Anzahl Damen und Herren, die noch nicht zu ihr gehörten, cingeladcn waren. Hs kann nicht im Rahmen dieses kurzen Berichtos liegen, die Vortrüge unseres Redners ihrem reichen Inhalte nach zu würdigen. Ihren Zweck haben sie in hohem Maße erreicht: D a s T11 c in a ״Z i o n i smus" ist im Wuppertal aktuell kcw0rden. und die Zionistische Ortsgruppe ist von 37 Mitgliedern auf 75 angewachsen. Jahrelang hat die Ortsgruppe Ivria, rein tiulicrlich betrachtet, ein bescheidenes Dasein gefristet. Vor einigen Jahren!cur,»sentierte unser verdienter Ehrenvorsitzender Herr R--A. Dr. Bernstein mit einem einzigen!reuen Mitglied« eine Zeit lang den ganzen Bestand. An uns ist cs mm, durch intensive Kleinarbeit Wissen und Begeisterung bei uuseru Ocsiimungsgeiiossen zu vertiefen, denn noch immer gilt der Satz: Der Zio• iiisuins ist eine Sache des Gemütes, des Mutes und besonders des Verstandes. Immer wieder konnte inan ''ich in den Diskussionen davon überzeugen, wie relativ wenig dazu gehört, die Gegner mit ihren meist!echt oherflüchlielicn Hinwünden zu widerlegen Sehr oft ist zu beobachten, wie ganz episodenlia'W Nebensächlichkeiten Iicrnusgegriffcn und /um Gegenstand langatmiger Tiraden gemacht werden. Den Gegenstand ganz primiir an der Wurzel an/.ufassen, dem fühlte sieh eigentlich nie jemand ge- יי■■aeliscn. Den eingeschriebenen Mitgliedern der Ortsgruppen tun» neben dem allgemeinen zionistischen Wissen >11 gedrängter Kürze das Material zu eigen gemacht werden, vermöge dessen sie in den Stand gesetzt werden, dem Occncr Rede und Antwort zu stehen. Das ist die beste Verteidigung und der wirksamMe Angriff zugleich. Hs ist Sache der leitenden Persönlichkeiten innerhalb der Ortsgrupp1/11 dafür zu sorgen, da» diesem Ziel Verwirklichung wird. Hin• schr.iiikting aller formalen Vcrcinsungclcgcnhcitcn auf ein mögliches Minimum, dafür Kultivierung suchlieh zionistischer Fragen in jeder einzelnen Ver- Sammlung. Nach diesen Richtlinien verfahren wir jetzt und vir werden wachsen und weiterkonunen. * Dortmund. Am 21. Januar er. veranstaltete die hiesige aus dein Theodor Ilerzl-Klub hervorgegangenc Zionistische Vereinigung ihre erste »iffentliehe Versammlung. Der über 300 Personen fassende Festsaal des Hotel Roiclishof war dicht gefüllt, '׳or einem aus allen Schichten der jüdischen Gesellschaft zusammengesetzten Publikum sprach Herr Parteisekret,ir Blnmenfcld und entwickelte in mcistcrh.nfter Form und mit starker Wirkung das jüdische Volksproblcm. Hs ist unmöglich, den F.rfolg dieses Vortrags rein zahlenmiitiig zu würdigen. Das Puhliktim fühlte sich durch die machtvollen Darlegungen vics Referenten tief augeregt. Wie sehr cs enmliinglieh ist für den im Zionismus wirkenden Gedanken der Regeneration des jüdischen Volkes, hat die große allgemeine Beifallskundgebung gezeigt. Bei diesen Svmoatliieui ist es vorläufig im wesentlichen geblieben. Doch aus dieser im jüdischen Volksgcfühl wurzelnden Stimmung der Gemüter um» der Wille zuin Zionismus, der Hntschlu» zur tatkräftigen Mitarbeit an den Aufgaben der Volksorganisation erwachsen. Da» hier eine Umschafiung des inneren jüdischen Menschen erforderlich ist, die meist erst in langsamer Entwicklung vor sich geht, ist natürlich. Diese Hntw ick lang in vielen wertvollen Elementen angeregt und gefördert zu haben, kann als das siehtbare Ergebnis der Versammlung angesehen werden. Duisburg. Am 24. Januar sprach in der Zlunlstlsehen Vereinigung vor überfülltem Saale der Parteisekreliir Herr Gurt B l u nt e u f c I d über ״PalUstina, das Land unserer Zukunft". Herr Blumcnfeld legte dar. da» die wirtschaftliche Hntwicklung unserer Zeit die Position der Juden in der ganzen Welt immer mehr bhv.vbdrücke, und da» alle Mittel gegen die Judennot gescheitert seien und scheitern mußten mit Ausnahme der planvollen Besiedelung Pallistinas. Die Diskussion gab dem Redner Gelegenheit, die Ausstreuungen iibcr eine angebliche Stellungnahme der türkischen Regierungskreisc gegen den Zionismus, ferner die Beziehungen zwischen Zionismus, und Religion, die Stellung der deutschen Zionisten zu der Jugcndvcrcinsbewcgiing und die Frage der industriellen Hrschlicßung Palästinas eingehend zu erörtern. Blumenfclds in ihrer vornehmen Objektiv»- tät begeisternde Darstellung hintcrlic» eine außerordentlich tiefgehende Wirkung, weit mehr, als der äußere Erfolg, der sich in einer Reihe von Neuanmeldungcn zur Ortsgruppe kund tut, erkennen laßt. Die Bedeutung des großen Erfolges, den Blumcnfeld hier errungen hat, kann nur derjenige ganz ermessen, der weiß, wie stark die hiesigen Juden allem JiiJ«* sehen entfremdet sind, welche unc"?l|chc MNhe daz gehört, sie aus ihrer bleiernen Gleichgültigkeit zu jüdischen» Leben zu erwecken. Wir wissen aber׳ an diesem Abend Leute, die jeden Zusammenha g inlt. dem Judentum verloren hatten, angefang haben, mit vollen» Ernst iibcr ihre Stellung zu Judentum und Judenheft naclizudenkcu. Ihnen gab Blumenfeld die Erkenntnis, »ms den Mut zu weiterer Arbeit. Düsseldorf, Am Dienstag, dein 17. Januar, sprach Herr Kurt Ü I u nt c n f c I d - Berlin in der hiesigen hingen Zionistischen Ortsgruppe über ״Zeit- und Streitfragen im modernen J ude ntum." Die geistreichen Ausführungen des Redners fandet» den Beifall der Erscheinend« und gaben die Grundläge einer anregenden Diskussion. Schätzt man den positiven F.rfolg weniger nach der Zahl der erfolgten Beitrittserklärungen als nach dem regen Interesse, das weitere Kreise nunmehr nach langen Jahren wieder an unserer Arbeit nehmen, so ist das Resultat des Abends als zufriedenstellend zu betrachten. AUS D€N Ö6M6IMDEN Frankfurt n, M. Montag Nacht starb hier 1111 fast vollendeten 74. Lebensjahr Herr Lasser Maier, der z.u den ungesehensten Mitgliedern der jüdischen Genicinde gehörte. Herr Maier war einer der ersten orthodoxen Juden in Deutschland, die sich dem Zionismus schon lange vor der Gründung der Misracliipartei ansehloxsen. Herr Lasser Maier gehörte der zionistischen Organisation seit dem Jahre »898 als treues Mitglied an. Um die Hntwicklung der Frankfurter Jüdischen Gemeinde hat er sich die größten Verdienste erworben, indem er, der Strengorthodoxe, mit ebensoviel Energie wie Erfolg den Separationsstandpunkt Samson Raphael Hirschs bekämpfte. Das jüdische Reicltswaisenhaus zu Diez au der Lahn, wie das Waisenhaus der Frankfurter Gemeinde verdanken ihm ihre Entstehung und langiührige Förderung, desgleichen eine große Reihe anderer jüdischer Institutionen und Vereine. Ehre seinem Andenken 1 Lnmlsbcrg a. W. Am 28. Januar starb hier an den Folgen einer Bliuddarmoperntion unser tätiger Ge- Nimiiiiigsgciiosso Herr Dr. Georg Ne 11 mann. In langem eifrigem Bemühen war Dr. Neumann bestrebt, das indische l.eben seiner Heimatstadt zu bähen und noch ganz kurz vor seinem tragischen Heimgang, traf er die Vorbereitungen zu einer ersten zionistischen Versammlung in Landsberg. Sein Name wird in der Reihe derer, die in Treue an unserem großen Werke gewirkt haben, unvergessen bleiben. AUS HAMBURG-ALT0I1A Miltcilungen der /Jonlst. Ortsgruppe Homburg-Altona. Hamburg-Altona. Dienstag, den 7, Februar 1911, abends S'A Uhr im Logcnlieim Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Jampc l- Schwedt: ״Israel in Aegypten, nach zeitgenössischen Denkmalern, mit zahlreichen Bildern." VeReiNS-RUNDSCHAÜ Berlin. Am Montag, fi. Februar, abends 9 Uhr, findet im Tlergartenliofo eine große üffcntllcfio Volks- Versammlung statt, Ober das Thema ״Der söge- 1m11׳!te jüdische religiöse Liberalismus — eine Gefahr für unsere Jugend“ wird Herr Rechtsanwalt Dr. Klco sprechen. An den Vortrag wird sich eine freie Aussprache ansclilicßcn. Dabei der vorigen Versammlung der Saal vor Beginn der Referate wegen Ubcrfüllur.g geschlossen werden mußte, so empfiehlt Sich rechtzeitiges Ersclioincn. Berlin. Mittwoch abend fand eine öffentliche Ver- Sammlung des Jüdischen Jugendbundes statt, in der Dr, Apfel über die Alliance lsra£- lite Universelle referierte. Herr Dr. Apfel wandte sich in den sein Referat einleitenden Worten au die indische Jugend, die nach des Referenten Meinung noch nicht den genügenden Anteil an den Bestrebungen die Alliance nimmt. Sodann ging Referent auf die Geschichte und die Tätigkeit der Alliance ein. Er wies auf das Schulwerk und die diplomatischen Erfolge der Alliance hin. Etwas seltsam berührte der Ausspruch: Stolypin hätte Klausner das Versprechen gegeben, daß keine Pogrome mehr In Rußland stattfinden •sollten und seitdem hätten in der Tat keine Pogrome mehr stattgefunden. Sodann ging Redner auf die Kritik, die die Bestrebungen der Alliance gefunden hätten, näher ein. Interessant war es. daß Redner sich teilweise auf Sfiitcn der Kritiker stellt, die eine stärkere Bevorzugung der hebräischen Sprache auf den Allianceschulen verlangen. Dann kam der Redner auf die neuesten Ercignisso in der Alliance zu sprechen. Er wies nach, daß von Seiten der Pariser Zentrale, wie y.on Seiten der D. C. O. wohl Hehler begangen worden wären, die aber durch die Rückkehr zu dem früheren alljüdischcn. demokratischen Prinzip wieder gut gemacht werden könnten. Es war uns besonders sympathisch, wie Redner die Stcllung der Vertreter der Alliance zum Zionismus geißelte .die man in Paris In einer Unterredung mit dem türkischen Abgeordneten Rita-Tclik-Bcy cingcnommen'hatte. Im Anschluß hieran sprach Redner die Hoffnung aus. daß sieh alle Kreise des Judentums, besonders aber die Jugend, welche politischen Anschaumigen sie auch haben möchten, sich rege an dem Werk der Alliance beteiligen werden, jetzt, wo der liergestellte Hrioih! erfolgreiche Arbeit verspräche. Sodann wurde die Diskussion eröffnet. Justizrat Fuchs, der I. Vorsitzende der D.G.G. sprach als Erster. Er schloß sich »len Ausführungen des Redners an. betonte, daß die Zwisdgkeiten nur vorübergehend gewesen wären. Auch er befürwartete die stärkere Einführung der hebräischen Sprache in den Schulen der Alliance. Sodann sprach Herr Licht hei 111. Er sprach seine Genugtuung darüber aus. daß Referent ebenfalls die Denunziation des Zionismus von Seiten der Alliance mißbilligte• beleuchtete diese Denunziationen schärfer und riehtiger. Zugleich betonte er. daß die hebräische Sprache noch lange nicht in genügendem Malle in den Schulen cingefiihrt sei. selbst »h'rt nicht, wo man sic als wirtschaftlich vorteilhaft arischen kann: in Palästina, Dann aber betonte Herr Lichtheini noch die zionistische Auffassung, daß nicht nur aus wirtschaftsnolitisclien. sondern auch aus nationalpolitischen Gründen die Einführung der hebräivlicn Si-rache in allen Alliancescluilcn erforderlich wäre. Zum Schluß sprach er die Hoffnung aus. daß wirklich eine neue Ära In der Alliance beginne, mit der wir Zionisten uns einverstanden erklären körnttcn. Als dritter und letzter Diskussionsredner sprach ein türkischer lüde, ein ehemaliger Alliance- Schüler. Er erzählt aus eigenen Erfahrungen, wie wenig zweckmäßig die Leitung der Alliancescluilcn vorginge. Auch er betonte, daß die hebräische smrachc zu wenig, die französische zu viel, und die türkische auch zu wenig gelehrt wurde. Man hätte sic förmilch zur Auswanderung aus der Türkei erzogen. Dann ergriff Herr Apfel das Schlußwort, in dem er noch einmal das Fazit zog. Die Versammlung war gut besucht, verlief ruhig, man war sehr sachlich und wir konnten beubachteii, wie sich auch die Alliance mit Worten und Ideen aus zionistischer Rüst* Kammer versehen hat. Allerdings die französischdeutschen Streitigkeiten sind für uns. von svmptomatischer Bedeutung. Die Alliance nüllltc sich eben erst zu einem wirklich alliiidiselicn Programm durcltriiigen . Daß der jüdische Jugeudbund gerade Jetzt diese Versammlung veranstaltete, war günstig, zeigte er doch, daß er allen Interessen int Judentum dient und sich eine Absonderung liberaler jüdischer Kreise als unzweckmäßig erübrigt. Berlin. Am 13. Februar 1911. abends H׳/j Uhr, findet im Hotel ,.Zu den vier Jahreszeiten", Prinz Albrcclitstralic, der von der Gesellschaft fiir Palästina- Forschung «!»gekündigte Vortrag des aus dem Babel- Bibeistieite bekannten Orientforseliers Dr. Je re- 11» i a s - Leipzig mit Lichtbildern über das Thema: ״K a na a 11 in vorisraclitischvr Zeit" statt. Gäste haben Zutritt. Karten sind zu haben bei Herrn Dr. Ginsberg. Am Karlsbad 7. Berlin. Die Jiidlseli-iiatiomiale Fraiieiiverciiilgung wird am Dienstag, dem 21. Februar im großen Saale des Tiergartenhofes eine ebenso seltene als auch originelle Feier begehen, nämlich den Tag des ״C h a- :11 i s c h ah us s a r". Die Feier ist als cm Früh- I i n g s f e s t i>1 Palästina gedacht. Es werden jetzt schon grolle Vorbereitungen getroffen. Näheres wird noch bekannt gegeben. Das Bureau der Vereinignng befindet sich jetzt Ornuienburgerstr. 9/101. Anmeldungen für die hebräischen Kurse werdendort entgegen genommen. Cliarlotteiiburg. Herr Lazarus Barth zeigte in seinem Vortrage m der Zionistischen Ortsgruppe Cliarlotteiiburg am letzten Sonnabend über ״N a - II 0 n a I c Momente im religiösen Judent u m". wie stark die Durchdringung unserer Religion mit den Äußerungen des Volkslebens von jeher war, wie sich von der biblischen über die prophetische und talmudischc bis zur heutigen Zeit die Idee des Nationalen im Judentum erhalten hat. Joclianaan ben Sakkais Verdienst sei es. die Fiktion des eigenen Territoriums für das cxilisclic Judentum aufgcstellt zu haben. So gab er die Grundlage zur Erhaltung des Nationalen in der Religion. Die Diskussion, an der sich die Herren Dörnberg, stud. thcol. Phil. Ferda, Dr. Locwcnlicim, J. H. Wagner, Lewkonja und Frl. Treu beteiligten, beleuchtete weitere Einzelheiten und auch die falsche Stellung, die der heutige jüdische Lil)eralisn»!1$ Jüdischnationalcn Fragen gegenüber einnimmt. ~ Am So n n a b c n d, dem 4 Februar, 8Y\ Uhr prüz.. spricht in unserem Vercinslokal Cufö Kutschern (Secession, Kurfürstendamm 208), das Vorstandsmitglied des ״Bczalel" Herr B e r t r a n d, Hamburg, Uber ״Die Einführung der Hausindustrie und des Kunsfgewerbcs In Palästina". Der Vortrag wird durch Demonstrationen von Bezalclarbelten und Photographlcn ergänzt werden. Auch hat die Ortsgruppe neben ihrem Bücherverkauf einen ständigen Verkauf von Bezalclarbcitcn eingerichtet. Wir bitten recht viele Gesinnungsgenossen, auch aus anderen Organisationen. in Anbetracht des interessanten Vortrngs und des hervorragenden Redners, um ihr Erscheinen. Schwedt a. O. Im hiesigen Literaturvcreln sprach am Sonnabend, den» 29. v. Mts., Herr Dr. Baer aus Stettin über ״Die Qegenwartsarbeit

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