Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVI (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rm זד f Abonnements *י] ■■I dl« wöchentlich >m Frei• U! «rschelneade ״Jüdisch« Rundschau" kosten bei der Expedition und bei allen Post• Imier« vlertcljnhrllch 1.2« M., außerbslb Deutschlands und Oesterrelch'Untarna 2.— M.1 fOr Mltxlleder Jüdischer Vereine Im Summelbcxu* durch den Verein I,— M. Verla* Jüdische Rundschau E. Q. m. b. H. Oerlla 8W, 68, Zlmmcratr. n, Oeschflltsslunden: 3 bis 7 Uhr auBer Sonnabend und Sonnt«*. ^y׳rw~3u lu«(* öonniocfia und 30nniuC1^^ 0 J L —/ ך"/ חץי־ ן ן *** ... \ T*׳־-k<r*:r/,.0r die IQnlmpaltei• y/. . 2 jftßii”'' <110, ״״ oder deren Raum G tt'Z'it.i Siellcn-Amreboio uad Örtliche sowie Verclnsmlt• tellunaen u. ״Kleine Anzeigen nur 15 PI. :: :1 IS :1 «I Manuskripte werden, wea* Porto belllecl. »teil *urBckiciandt. — RedakilonsschluB Mittwoch vormlttuBS. Redaktion jüdische Rundschau ncrlln-Charlottenbur*. niclbtreustr. 4«. Tel. Ch. *881. Sprechstunden Dlensta* und Donnerata* &—6 nschmlitais.^^ I I I 1 I I I I I I I I 2GO"(LOK!3 Nummer 5 mmgm ■Bf Berlin, den 3. Februar 1911 — 5. Sch’bat 5671 XVI. Jahrgang 1 I ,< I י׳ Ausweis Schekel 1911: Königsberg I. Pr. 23 Mk., Nlirn bcrg-Fürth 6 Mk. Laiidcsbelf rüge 191h Merlin 200 Mk.. Nürnberg- Fürth 20 Mk. Or!׳.:tulftallonsfo11(l8 1911: David Wolffsohn-Köln ״. Uin in 200 Mk., N. N.-Crossen 10 Mk.. Dr. E. I,i״e/ower*rc1npcll10f 5 Mk., William Arnsdorf{- liarlcnstcin SO Mk., N. N.-Frankfurt a. M. 10 Mk., f,ir 1910 und 1911, Arthur Hirsclt-ßcrlin 10 Mk., Brutto Pictrkowski-OIatz 5 M., Dr. Jungmann-Bcrlin 10 Mk., Dr. Rudolf Lcszynsky-Bcrlin 5 Mk., S.!,,osciiblülh-ücrlin 10 Mk., I. Salzmnnn-Künigsbcrg 11) Mk., Ortsgruppe Wronkc 2,50 Mk., Dr. Bruno Tanncnwald-Kicl (laut Spezifikation im N.-F.-Aus* weis) 14 Mk., Dr. de Jongc-Köln 15 Mk. Ferner spendete Herr 1. Halm-Stettin ein Share- Markenbuch mit Marken und Herr Hermann Jakob- Stettin einen Inliabcr-Sharc. GcBHintclimuii« der Woche vom 26. Januar bl» I, Februar: Schekel 29 Mk.. LandcsbcUrüge 220 Mk., Organisalionslonds: .156.50 Mk. Gcsamiclngnng bis zum I. Februar 1911: Schekel 1910/1911: 557 Mk.. I.nndesbeJtrUgc 1911: 1297.05 Mark, Orgarilsutloiisjonds 1911: 4123 Mk. *Adresse für Geldsendungen: Zionistisches Zentrulburcau ChuiloUonhurg, Blcibtrcustrallc 49. Poslschcckkonto 8091. Unnk-Konto: A. H. Hermann & Co., Berlin N.W. 7, Unter den Linden 59. ״Mauschel“ Daß es Juden gibt, die sicli taufen lassen und Antisemiten werden oder ihre Kinder zu solchen erziehen, darf uns weder Wunder nehinen noch uns in Entrüstung versetzen. Das ist allbekannte Renegatcn-Psychologie. Das ist nicht nur bei uns so und hat seine tiefen Gründe in den versteckten Winkeln der menschlichen Seele. Der Ueberläufer ist nun eben kein Charakterheld, und man darf von ihm nicht erhoffen, was man von einem aufrechten Manne zu erwarten berechtigt ist. Eduard Bernstein erzähte einmal aus seinen Schweizer Erinnerungen, daß in einer schweizerischen’ Grenzstadt ein eben in der Schweiz naturalisierter ehemals reichsdeutscher Bürger als wieder einige Ausländer ins schwei* zerische Bürgerrecht aufgenommen werden woll* ten, grob erklärte, man habe doch nun genug Fremde im Land und solle endlich mal mit den ewigen Einbürgerungen aufhören . . Wären wir Juden nicht in einer gar so prekären Lage, wir müßten — solche anmaßlichcn Leute einfach auslachcn. Leider ist unsere Situation zu ernst, und wir müssen sie an den Pranger stellen, — aus Gründen der Selbsterhaltung. Aber Entrüstung, tiefinnere Empörung muß es in uns erwecken, wenn Juden als Juden sich nicht entblöden, ihr eigenes Volk zu schmähen, wenn sie gar als echte ״Mauschels im Sinne Herzls unter dem heuchlerischen Vorwände, f ü r das Judentum zu arbeiten, gegen ihre eigenen Volksgenossen wühlen, sie als verdäditige Elemente denunzieren, obwohl sie die Unwahrheit ihrer Beschuldigungen genau kennen. Das sind Hochverräter für die keine Strafe zu entehrend, kein Wort zu häßlich ist. Denn wir Juden befinden uns in einem per* manenten Kriegszustand, der für Hochverrat keine mildernden Umstände kennt. — Wir haben in voriger Nummer unter dem Stichwort ״Niedriger hängen! unse• ren Lesern Kenntnis gegeben von einem Streich, den Henr DavidFrescoin Konstantmopei ״Der Zlonismuj emrebt für uns |lldlstho Volk die Schatlun« einer öffentlich-rechtlich gesicherten llclmfilttc •n 1'aUlstlna." UaitUr Programm. 1,c ßsra Mauselicl. — Vom Nalloimllouds. —■ Ein neuer Vorschlag zur Auflösung des Judenhims. — Die Juden uls Kolonlsntionsclcmeut. — Noch einmal das Pogrombuch. Von Theodor Z1 o c 1 s t i. — Die Juden In Rumänien. — Aus oller Welt. — Zionistische Bewegung. — Aus den Gemeinden. SUmtliclic Anfragen und Zuschriften, wclcho die Expedition und den Verlag unserer Zeitschrift betreffen, sind nur an den Verlag ״Jüdische Rundschau“. Berlin S.W. 68. zu richten. Tclephonruf Amt I 4209 (Nebenanschluß). Bureaustunden: 10—12 Uhr Vormittags und 4 — 7 Uhr Nachmittags. gegen den Zionismus zu führen im Begriff steht, und der sich als ein solcher Hochverrat charakterisiert, Herrn Fresco fehlt aber nun jeder Zug ins Große. Wäre er wenigstens ein ganzer Lump — er hätte sich einige antizionistische Acußcrungen erschlichen und wäre dann mit denen da hausieren gegangen, wo er sich mit solcher Tätigkeit beliebt zu machen geduckt. Doch zum großen Gauner fehlt es ihm an Schlauheit. Er ist nur ein ganz kleines, erbärmlicltcs Liiinpchen und muß darum seine Zuflucht zu ganz gewöhnlichen Fälscherstückc 11 e n nehmen, die er noch dazu in aller Öffentlichkeit vollführt. Daß ers so macht, daß man sie ihm nicht direkt nachwciscn kann, war das Mindestmaß an Klugheit, daß man von jemandem erwarten muß, der eine solche große Schurkerei plant; den Zionismus bei der türkischen Regierung und den türkischen Juden als staatsgefährlich für die Türkei!, die Zioniscn als Feinde des osmanischen Reiches hinzustellen! Denn nichts Geringeres ist es, was Herr Frcsco will, und wozu er sich westeuropäischjüdische Eideshclfer holen wollte mittels jenes harmlosen ״Enquöten“-Formulars, das wir in der vorigen Nummer abgedruckt haben. Herr Fresco schwindelt aber nicht etwa nur in dem Zirkular selbst, in dem׳ er so tut, als glaubte er, daß das zionistische Programm die ״Schaffung eines Juden staats in Palästina“ fordere, während der klare Wortlaut doch von der ״Schaffungeiner öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte“ spricht ־־־ nein,.die Antworten, die er bis jezt von einigen jüdischen Größen erhielt, die offenbar nicht wußten, welchem Hallunken sie da auf den Leim gingen, verfälscht er unverfroren ebenfalls. Mit welcher Intelligenz — oder soll das einen Unschuldbeweis konstruieren? — kann man daraus ersehen, daß er sie in seinem spaniolischem ״ T i e m p 0 “ in der vermutlich richtigen, für den Zionismus absolut günstigen Form veröffentlicht, weil der ohnehin nur von wenigen spaniolischcn Juden gelesen wird — daß er aber in der türkischen Zeitung ״Yeni Assir“, die in Saloniki er* scheint, einen zu Ungunsten des Zionismus ver* änderten Wortlaut erscheinen läßtl Die Lüge hatte natürlich kurze Beine, und die ״Welt“ veröffenlicht in ihrer letzten Nummer bereits eine Nebeneinanderstellung zweier Ant* Worten, wie sie in den beiden Blättern ausschen, aus der die Fälschung klar hervorgeht. Herr Claude M 0 n t e f i o r c schreibt in! ״T i c m p o ": ״Als Präsident der Anglo Jewish Association• deren Verwultungsrul unter seinen Mitgliedern «lullende Zionisten und Anti/.ionistcn ־/iililt, wlirc cs indiskret von mir, In einer jüdischen Zeitung, die in der Türkei erscheint, über diesen Gegenstand zu schreiben. Es ist bekannt, daß ich persönlieli Antizionist hin. Andrerseits muß Ich zugeben, daß Ich de facto und ohne zu entscheiden, oh dadurch ein tlinretlsclier Widerspruch ent* stellt, viele englische Juden kenne, die zugleich Zionisten und loyale britische Untertanen sind. Bis zu welchem Punkte diese Verbindung sich in der Türkei!!erstellen läßt, würde mir u n möglich sein zu sagen. Jedoch fordere ich. daß alle Juden, wie auch immer •ihre Meinung über den Zionismus sein mag. vor allem Loyalität und Ergebenheit ihrem Vnterlandc gegenüber bcweisen müssen, besonders in einem Lande wie die Türkei,wo sic dieselben Rechte genießen wie ihre Mitbürger, die sich zu andern Religionen bekennen." Im ״Yeni Assir" heißt es dagegen ver* schämt: ״Herr Claude. Montcfiorc, Präsident der Anglo Jewisli Association in London, gibt den ottomanisehen Juden die folgenden Empfehlungen: Ich fordere, daß alle Juden vor allem Loyalität und Ergebenheit ihrem Vnterlandc bezeugen; besondors in der Türkei und iihnliehcn Landern, wo sic Rechte und Gleichheit genießen, ist diese Pflicht noch großer." Die Antwort des Herrn Rabbiner Dr. Frank lautet im ״Tiempo": ״Ich bin kein Anhänger dieser Bewegung aber Ich enthalte mich Immer, Partei zu nehmen tu jeder derartigen Polemik. Auf »110 Fälle glaube Ich nicht, daß der Ztonlsinus dem Patriotismus der Juden viel Abbruch tut. Ich möchte nur meinen Glaubensgenossen in der Türkei empfehlen, sich ganz und gar ihrem Vnterlandc un dihrcr Regierung zu weihen. Die Türkei hat sich allein wohlwollend unsern Glaubensgenossen gegenüber bewiesenen früherer Zeit, als sic von allen Seiten schlecht behandelt und verfolgt wurden. Seit den Tagen des Propheten Jeremias ist es im jüdischen Volk Gesetz gewesen, immer leidenschaftlich sein neues Vaterland zu lieben, tcilzunehmen am Gedeihen des Staates und zu arbeiten am Wohlstände und am Glücke aller Mitbürger." Das wird im ״Yeni Assir“ folgendermaßen gedreht: ״Ich bin Gegner der Zionisten und bin Uber* zeugt, daß dlcso Bewegung den patriotischen Gefühlen entgegengesetzt Ist. Ich empfehle meinen Glaubensgenossen in der Türkei, mit aller Energie, mit allen ihren Kräften an dem Fortschritt und an der Entwicklung der jungen Türkei zu arbeiten. Wenn die ottomanischcn Juden gut und treu sein wollen, dann müssen sic sich diesen Forderungen unserer Religion lügen. Der Mensch muß an dem Gedeihen des Landes arbeiten, in dem er lebt und in dem er siel! ernährt, und muß diesem Land tief ergeben sein. Für den Wohl- ׳ stand und das Glück des Vaterlandes arbeiten, heißt, sein eigenes Glück sichern." Ohne auf die Antworten, deren Herr Fresco unverdienterweise gewürdigt worden ist, sonst näher einzugehen, könnten wir einfach darauf hinweisen: seht, mit solchen Mitteln bekämpft man uns! Und könnten uns damit das günstige Vorurteil aller anständigen Menschen sichern. Uns ist aber an keinerlei Vorurteil gelegen. Wir verlangen von Leuten, die ihre Meinung über den Zionismus äußern, die gran* dioseste Bewegung in der Judenhcit, welche die Welt seit zweitausend Jahren sah, einen einzigartigen Vorgang in der ganzen Weltgeschichte