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Jüdische Rundschau · 1911-01-20 · Heft 3 (20.1.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVI (1911)
Issue
Heft 3 (20.1.1911)
Date
1911-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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״0 1/j׳*׳׳ 11 m ן Abonnement■ I «01 die wöchentlich am Frei• tag erscheinende ״JUdlicho Rumhrhau" kosten bei der Expedition und bei allen Po«N' •intern vierteljährlich 1,25 M״ außerhalb Deutschland» und Ocslerrclch-Unstrnt 2,_ M.t fllr Mltttlledcr indischer Vereine Im Snmmclbczug durch den Verein 1,— M. Verlag Jllillscho Rundichau E. 0. m. b. 11. Berlin SW. M, Zlmmentr. 77. Ocscbüttsslunden: 3 bis 7 Uhr außer Sonnabend und Sonnlog, tuuer bonnaocml und 00ן10חןו»^^ י■*^ ■יייי ■■■*■■י■ Mttk ■Bl ■■ Ml 1/0111*116 oder deren Kaum׳״' 4 fl—. '4h,J « jjl1 * *• hnl» uait **&\z Slcllen-Anccbole u»d I ’ ^rAClie *owlo Verclnimlt- \» .. U <jt11((«ugcn u. ״Kleine Anzeigen 15 PI. t! u 1:!« «» %1•»-^־״-^Maniiskrlpte werden, weaa Porio bdllegt. stet! zurQckgesandt. — Redakilonsschluß Mittwoch vormittags. Redaktion Jlidlscho Rundicha« Ilcrlln-Charloticnburg. Dlclblreuitr. 49. Tel. Ch. »881. Sprechstunden Dlensiag und Donnerstag 5-d nachmlllagl. 1 I I I I SnJGB08(St״)G 2GDT(U)KI<3 Sclichd 1910/11: Crossen 1 Mk., Koscl J5 Mk., Erfurt 2 Mk. Orttatilsatlonsfonds 1011: |)r. A, Juda-Berlin 10 Mk.. A. I.ewinsohnFrankfurt a. M. 5 Mk.. Jakob S. Strauß-Frankfurt a. M. 5 Mk., Hermann Jakob- Stettin 5 Mk., Carl Sobcrsky-Bcrlin 10 Mk., H. Schweriner-Berlin 10 Mk., Aloys Natzler-RcKcnsbur« 5 Mk., Max Jakoby-Nürnber« 5 Mk.. Lehrer Mayer- Wclnlieiin 5 Mk., Rechtsanwalt E. Weil!-Düsseldorf 20 Mk., L. Pcldinann-Bonn 5 Mk., Dr. Iloppc- Köniusbcre 5 Mk., S. Oitllcr-Stuttsrart 3 Mk״ Isaac van Clcef-Köln a, Rh. 15 Mk., Konrad Kaiser 1. Rate 5 Mk.. Ortsgruppe Wrcschcn Bulle aus einer Be- Icidigungsangclcgcnhcit 15 Mk., Willy Meyer- Schwelm 5 Mk.. I. Qarfunkcl-Selimallcningken 5 Mk., Dr. Jukobsohn-Hamburg 10 Mk, (lustav Domkcr- Berlin 5 Mk.. Dr .1. Wolf-Olicrtshausen 20 Mk., Julius Busse-Bcrlin 100 Mk., Dr. Stein-Königsberg i. Pr. 20 Mk.. Dr. Jakobsolm-Erfurt 9 Mk.. Rcf. Oreifenhagcn-Stettin 3 Mk., Uppmann Bloch-Breslau 50 Mk., Isidor Michalowskv-Dilsscldorf 15 Mk., Dr. jur. Max Rudnicki-Erfurt 4 Mk., Ferdinand Bloch- Floß 5 Mk., Dr. H. Q. Hevmann-Berlin (Sonderbeitrag) 29 Mk.. L. Roscnbcr«-Esscn 20 Mk.. Daniel Treu-Essen 10 Mk., H. Auerbacli-Esscn 5 Mk., Julius Strauß-Bumber« 10 Mk., Leo nincsmann-Künigsberg 20 Mk., Königshiittc II. Rate 0,50 Mk. (für 1910). GcBaiuteingnng bis Iß. •funuar 1911: Schekel 1910/11: 507 Mk., OrganlsatlnnslomlR 1911: 3313.50 Mk. Bcrlchtlgim« aus Nr. 2 der ״J. R.M. Beim Ausweis der Schekel aus Halle muH cs 34» Mk. statt 20 Mk. heißen, an der Addition lindert sich jedoch nichts. Palästina und Argentinien Wenn von jüdischer Kolouisalion die Rede ist, so denken wir in erster Linie an diese beiden Iiinder, lind nichts läge näher, als von /eil zu /cif die liier und dort *eichlen Resultate mit einander zu vergleichen. Aber Vergleiche zu ziehen ist schwer, wenn die Objekte ungleichmäßig bekannt sind. Dies aber trifft für den vorliegenden Lall im höchsten Maße zu. Unser Interesse an Palästina bringt es allmäh• lieh dazu, daß wir eben allmählich b c g i n n e n, die Grundlagen, Tatsachen und Möglichkeiten des Palästina-Werkes zu begreifen. An Argen־ tinien aber haben wir von vornherein gar kein oder ein gegnerisches Interesse gehabt. Kamen dann böse Nachrichten von dort, so haben wir uns entrüstet — kamen gute (z. B. in manchen Berichten der dort kolonisierenden Gesellschaft), so geschah meist ein zweifelndes Schütteln des Kopfes. Genauere Kenntnis lag meist weder der Entrüstung noch den Zweifeln zugrunde. Es war auch schwer , über die dortigen Verhältnisse und Vorgänge etwas zu erfahren. Palästina liegt uns immerhin doch noch näher — auch geographisch — als Argentinien. Durch die Einwanderung aus Osteuropa ist cs für uns sozusagen ein Stück in den Orient projiziertes Osteuropa, und was speziell die zionistischen Verhältnisse betrifft, so hatte ich wohl nicht so Unrecht mit der gelegentlichen Definition: ״Palästina ist eine Provinz der russischen Landsmannschaft". — Zwischen Palästina und der übrigen jüdischen Welt bestehen mannig* fache Beziehungen .... von Argentinien spinnen sich nur die privaten Familienbcziehun־ gen und der Verwaltungsdraht der lea ) nach Es geht sogar noch weiter. Während Argen tinien die Außenwelt fast nur als Produzent •) Der ״Jewish Colonlzation Association" (JCA). den anderen jüdischen Zentren. Uns Inhal! Ausweis, — Palästina und Argentinien. Von D a v i s T r I c t s c 11. — Polulsclio Lütten. — Breslauer Goineludcsorgen, — Liberales Wecken. — Aus aller Welt, — Rundschau der Presse. — Vom lllllsvereln, — Vom Uezalel, — Aus den Gemeinden, — Vcrcliis-Rmidsclinu. — Literarische Kuiidiuhuu: Vom jüdischen Buch, Heines Sclirllteil, —• Feuilleton. Sämtliche Anfragen und Zuschriften, welche die Expedition und den Verla« unserer Zeitschrift betreffen, sind nur an den Verla« ״Jüdische Rundschau*4• Berlin S.W. 68, zu richten. Tclephonruf Amt I 4209 (Nebenanschluß). Burcaustunden: 10—12 Uhr Vormittags und 4 — 7 Uhr Nachmittags. von Gctieide und Vieh interessiert und keinerlei Fremdenverkehr aufweist, ist Palästina einseifigstes Interesse und Jahr für Jahr das Ziel einer wachsenden Zahl von Pilgern und Touristen ־־־ neuerdings auch jüdisch-lntcrcs* sierten — die allem, was in Palästina vorgeht, doch eine gewisse Öffentlichkeit verleihen. Unsere Informationen sind also zumeist nicht hinreichend, um Vergleiche zwischen den beiden hauptsächlichsten jüdischen KolouiVationsgebictcn ziehen zu können. Um so willkoinmener muß uns ein Büchlein sein, das I. e o 11 C b a s a 11 o w i t s c 11 soeben (im Verläge ״Bildung", Stanislati) hat erscheinen lassen.־ ״Die Krise der i ü d i s c 1t c n Kolon i s a t i! o n in Ar g c 111 •i 11 i c 11 u 11 d d e r Bankrott der I c a A d 111 i 11 i s t r n t i o 11" betitelt sich das Buch, das gleichzeitig in jiitli* scher und In deutscher Sprache erschienen ist. Der Verfasser hat sich acht Monate in Argcntinien aufgcliallen, hat die Ica-Kolonien besucht, und das, was er dort fand, hat ihn veranlaßt, Versammlungen der Kolonisten zu berufen und mit ihnen über ihre Lage zu sprechen und über Mittel und Wege zu einer Besserung ihres Zu- Standes. Dies war zur Zeit der argentinischen Jahrhundertausstellung, zu der die ersten größeren antisemitischen Ausschreitungen des argentinisehen Pöbels zur Kenntnis Europas gelangten, und mit dem Freiheitsfeste fiel zeitlich auch der von der Regierung verhängte Belagerungszustand zusammen, der es ihr ermöglichen sollte, unliebsame Zeit- und Festgcnossn auf die eine oder die andere Art loszuwerden. Dieser Belagerungszustand ermöglichte es der lea, den unbequemen jungen Mann durch die Regierung abschieben zu lassen. Man brauchte ihn dazu nur als ״russischen Anarchisten" zu denun* zieren, und also geschah es. Chasanowitsch erzählt selbst, wie dieses letzte seiner argentinisehen Erlebnisse ihm Gelegenheit gegeben hat, seine Studien der argentinisch-jüdischen Verliältnissc zu komplettieren, die alle —. mehr oder weniger direkt und ausschließlich — auf das Konto der Ica kommen. — Wohltuend wirkt an dem, Buche der sach* liehe Ton. Seine persönlichen Schwierigkeiten erwähnt der Verfasser nur sehr nebenbei, und es scheint fast, daß er sich im Hinblick auf diese Dinge einer um so größeren Zurückhaltung in der Verurteilung des Systems befleißigt hat, das der Gegenstand seiner sehr ernsthaften und dankenswerten Studien gewesen ist. Nr.tür* lieh zieht der Autor auch seine Schlüsse. Diese sind vernichtend für die Ica. Aber Chasanowitsch verlangt vom Leser nicht, daß er ihm bedingungslos folge: er fordert vielmehr von der jüdischen Öffentlichkeit, daß sic sich um die argentinisch-jüdischen Verhältnisse kümmern und sich nicht dabei beruhigen solle, das sei eine Angelegenheit der Ica und allenfalls noch ihrer Kolonisten. Der Autor ist kein Freund Argentiniens, aber sehr vernünftigerweise argu* montiert er, daß die Tatsache einer ziemlich großen Einwanderung jedes Land zu einem lande jüdischen Interesses machen muß. Es hat keinen Zweck, die ״Liquidation** * der argentinisclien Affäre zu verfechten, denn Einwandcrungen lassen sich nicht liquidieren: Das Pro־ blem ist vielmehr, wie man der argentinischen Judcnheit helfen könne. ״Dies setzt aber eine feste Organisation der Kolonisten, andererseits eine energische Einwirkung der öffentlichen Meinung voraus." Zu diesem Zwecke verlangt Chasanowitsch die Entsendung einer Anzahl bekannter und vertrauenswürdiger Männer, die ohne Voreingenommenheit auf Grund der Tatsachen feststellen sollen, was aus dem großgedachten Werke des Baron Hirsch geworden sei. Da* mit greift der Autor eigentlich auf, was Baron Hirsch selbst sich vorgenommen hatte. Seine Absicht war ״wenn die Kolonie ge* d e i 111, ein schönes englisches Schiff zu mieten, hundert Z e i * tungskorrespnnclenten e i n z u 1 a. d c 11 11 n d mit i 11 neu hinüber z u f a h r e n nach A r g c 111 i 11 i c 11", — ״Nach einigen guten Jahren könnte ich der Welt zeigen, daß die Juden also doch zu Acker* bauern taugen . . ." sagt Baron Hirsch*) Warum folgt die Ica nicht dem Plane ihres Schöpfers? Ist die Zeit noch nicht reif? . . . Das kann doch der Grund nicht sein, denn — nach den Berichten der Ica ist der von Baron Hirsch genannte Zeitpunkt — ״wenn die K o 10 n i e g e d c i h t “ — ja schon einge* treten. Die Ica kolonisiert in Palästina auch. Hier — im Gegensatz zu Argentinien ist ihre Arbeit durchaus gut zu nennen. Ihre Kolonien gehören zu den besten, ihre Methoden sind in vielen Beziehungen vorbildlich. Woher kommt ein so großer Unterschied, da doch die Pariser Leitung die gleiche und das angesicdclte Eiement ein ganz ähnliches ist? Es ist sehr schwer, die Frage erschöpfend zu beantworten. Dazu wird eine wohl* *) Hcrzl's zionistische Schriften. Band 1, S. 30. Einstweilen läßt man unbequeme Güstc ausweisen. Viele Journalisten und Schriftsteller besuchen die Kolonien ja niciit. Aber Hanns Heinz Ewers berichtete kürzlich über ein kostbares Stück ״JCA* Kolonisation". — ln einem südamerikanischen Urwald stößt er auf eine menschliche Behausung und Ist entzückt, dort die heimatlichen Laute des Judendeutsch zu vernehmen, das er in den Berliner Kaffeehüuscrn «eiernt haben will. Er befindet sich In dem ״Betrieb" der Familie Tartakowcr, die hier mit Hilfe eingeborener Arbeitskräfte indianische Altertümer fabriziert. Mit denn Ackerbau in A«entinicn war es nichts gewesen. — Man braucht bloß zu denken, daß dieses heitere Stückchen dem Werke der JCA die Krone aufsetzt, um von selbst auf die Tiara des Saltaphernes und andere nahe* bettende Gedanken zu kommen. Nummer 3 Berlin, den 20. Januar 1911 — 20. Tebeth 5671 XVI. Jahrgang Ausweis ״t)cr Zionismus erstrebt lür uns Jüdische Volk die Scltallumt einer Ollcnillch-rcchulch gesicherten IlelmsilUtc ■n l'nlüstlno." Uaitlar Programm.

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