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Jüdische Rundschau · 1910-12-16 · Heft 50 (16.12.1910) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IUE DISCHE RUNDSCHAU 0. rati. Sy. UM 2. ich* jü. tke״. den. I tigkeil t also b das dieser n wir IUSJJ*. נ«־1»ו!נ er A. jeut jetzt en in n, als And da• ׳oren, essen nders der veil ieber• Hin• ,blich ijXenz la siv• muß. * AInitee* iimi 1 hat :m cs imen• Schiit. :110111• alltcn. ■ntrul• nitt■:!• rganiie im Kaufnach erlorr des 1 Kol• ändiu. jkunft : Hott c die weilt. Ton 11 die uUtcn. St be• lieh« \ju4e Hans spiele rivat• schal• umteii Jiedc• unan* dem ähnen liance r Pa־ .buch• I in Df• nmel• •ti•'•״ יי«■■ baM lamt Hage.) t aus• I.- I; l־< No. 50 Seite 571• Der erste und der dritte Präsident der D. C. 0., Geheimrat Timendorfer und Herr Luden Picard-Frankfurt a. M., haben danach ihre Acmtcr niederjrelegt. Herr Justizrat Max Fuchs* Berlin, der stellvertretende Vorsitzende hat die provisorische Leitung der Geschäfte über* nonimen. Auf den 20. Dezember ist nach Berlin eine a u IU* r o r d e 1111 i c 11 c T a g u 11 g der D. C. G. ein berufen worden, die in voller Oeffcntlichkeit Stellung zu den einschneidenden Pariser Beschlüssen nehmen soll. — Wir lassen nunmehr den Bericht der d 0111 s c h e n Teilnehmer an der Sitzung lies Zentralkomitees der A. I. N. folgen, die am 30, November in Paris stattfaud und zu der angeführten schwerwiegenden Entscheidung führte: ln .lein Bericht lieillt cs zunächst, ilail das von vier יה i eb c n e r k o nt tu iss i 0n nusgcarbcitctc Statut den Frankfurter Mitglicdcnt 11er D. C. O. als in den der D. C.Q. cingerätitnten Rechten e t w a s / n \v c i t g c 11 e u d erschienen war. dieser infolgedessen einige Abänderungen seitens der Frankfurter Herren, vorgesclilagcti wurden und zur lesistsellune eines so abgeänderten Entwurfs 1 lei r Uelieintrnt Tiincndorfer zweimal in Frankfurt .1 niesend war. ln diesen beiden zwischen den fünf . i.uikttirter Mitgliedern der I). C. 0. und Herrn Oe• hennrat Tiincndorfer stattgcliubtcn Koulerenzen w erde dann ein vollständiges Einverständnis bezüg- '1 eines neuen Stntutcneiitwiirfft erzielt, von dem wir glaubten nnnclimcn zu sollen, da■! er. ohne der Würde der D. C. 0. etwas zu vergehen, den Ansprüchen des Pariser '/. e n t r a I K o m i t c c s soweit entgegeng e k o tu m en sei. um dessen Annahme seitens des C.C. zu sichern. Nachdem dieser letzte Entwurf die Billigung fast sämtlicher D .C. ().•Mitglieder er- Italien hatte, ging er 7.ur Beratung auf dic Konferenz vom du. November a. e. nach Paris. Zu dieser Konferenz waren die Pariser Herren des C. C. last vollständig erschienen, im ganzen ungelähr 25 Herren und ferner die Unterzeichneten fünf deutschen Herren. Die Sitzung begann um 754־ Uhr abends und nährte bis kurz nach Mitternacht. Der Vizepräsident des Zentral-Komitees, Herr Salomon ,R u i 11 a c I!, bcgriilltc die Erschienenen, und namentlich die deutschen Herren, in sehr liubenswindiger Weise. Darauf dankte Herr Geheimrat Tiincndorfer Ihr den freundlichen Empfang und drückte den Wunsch aus, dalt die Beratung zu einer Verständigung über die seitherigen Differenzinmkic führen möge. Er führte namentlich aus, dalt der neueste Satzungsentwurf der D. C. 0. das 111! c r s t c Entgegenkommen gegenüber dem C C. bedeut׳: und ließ insbesondere durclihlickcu, dalt abgesehen von allenfalls zu wünschenden formellen Abänderungen der materielle Sinn der Vorlage nach Ansicht der D.C.Q. nicht weiter abgeändert werden dürfe. Die lloilouiig auf ein befriedigendes Resultat stützte sieh aber, die Herr Gchcimrut Tiincndorfer ferner aiisliihrte. nicht nur auf das weite Entgegenkommen bezüglich des Statutenentwurfs, sondern auch ferner darauf, daß die Deutsche Konfercnz-Ücineinscliaft seihst die Berechtigung einer Anzahl Bcsehwerden bei aller Anerkennung der Verdienste der bisherigen Verwaltung anerkannt habe. Die Leitung der D. C. G. habe die feste Absicht, nach Möglichkeit sparsam die Verwaltung auszuüben, und sic stehe auch aul dem Standpunkt, daß für das Hauptwerk der Alliance, fiir die Schulen, ein erheblicher Teil der Einnahmen zur Verfügung stehen müsse. Deshalb habe man sich auch entschlossen, bei dem Entwurf des Etats für 1911 nur diejenigen Forder vjt ׳«v ׳4 i ס«־-י:ילי L. Dr. Hirsch Hildesheimer ז־צ׳ל niiigen aufrecht zu erhalten, welche auch die Frankinner Herren als berechtigt anerkannt hatten. Das Jahr l׳J| 1 sei ein Übcrgangslahr. und in späterer Zeit konnten selbst Positionen, die für das Jahr 1911 verlangt worden waren, noch Wegfällen. Der Präsident der D. C. 0. führte weiter aus. daß er mit vollster Gewißheit das Versprechen ahzugehen in der Lage sei, daß schon im Jahr 1911 vielleicht 15 50 000 Mk. für das Schulwcrk der Alliance aus den Einnahmen in Deutschland frei sein würden. Hierbei sei noch nicht einmal der Aufschwung berücksichtigt, der sicherlich im Jahr 1911 eiiitretcn würde, wenn cs zu einer Einigung käme und chic Propugniidn entwickelt würde, welche im Jahr 1910 vollständig gcruht habe. Er bäte deshalb, den Statutencntwurf in den einzelnen Bestimmungen zu beraten. Würde es zu einer Einigung über die Statuten kommen, dann könne auch die Einigung über den Etat nicht ansbleiben, da cs bei diesen Punkten sich lediglich um Zweckinälligkcitsfragcn handele, Von Seiten der Pariser Herren wurde auf diese Ausführungen erwidert, daß das Zcntral-Kotnitec bereits am 20. April Beschlüsse gefaßt habe, die den Mitgliedern der D. C. CI. durch Brief vom 2. Mai übermittelt worden seien, und die folgenden Wortlaut batten: Wir haben die Ehre. Sic zu benachrichtigen, daß nach langer und aufmerksamer Prüfung der in Ihrem Schreiben vom 12. April aufgeworfenen Fragen das Xcntral-Komitcc folgende Beschlüsse gelaßt hat: Die uns auicrlegtc Pflicht, die unbedingte und lückenlose Einheit der Alliance nach dem Geist ihrer Statuten und ihrem Zweck gemäß aufrecht zu erhalten, gestattet uns nicht, die Deutsche Koiilcrciiz-Ücmemscliuft als eine selbs t ä n\d i g c gesonderte Organisation zu betrachten. Unsere Beziehungen zu dem Präsidium -Mg■— .. m Ist das alles? Eine Antwort an die Kritiker und Nichtkritiker meines Buches: Das Judentum am | Scheidewege. Von Dr. Max Joseph. Rabbiner in 1 Stolp i. I*. 191(1, Verlag ״J ü d. R u 11 d s e 11 a u". Berlin SW. (»8. 95 S. Der Inhalt der unter obigem Titel erschienenen Biüscliiire ist den Lesern dieser Zeitung bereits bckannt. Das Büchlein vereinigt Jic dort in einer längeren Serie erschienenen Artikel, in denen J. sich j mit den Kritikern seines Buches ..Das Judentum am! Scheidewege" auseinandersetzte. Weggeblieben ist die Erwiderung auf einen von Goldsclimidt-Olleiihach im Moniteur der ״Liberalen Vereinigung" veröffentlichten Artikel, wie wir hören, mit Rücksicht auf die von diesem Kritiker später in einer Versammlung zu Olfenbach dem Zionismus gegenüber eingenommene j anerkennende Haltung. Wir heben dies hervor, weil J.'s Spezialkritiker Qnldntann in seiner Besprechung (Allg. Ztg. d. Juden(, Nr. 39) diese Auslassung gerügt und als ״merkwürdig" bezeichnet hat. Ucbrigcns bedauern wir sic mit ihm: denn gerade in dieser Polemik gegen Q.’s rubulisliselic Ausführungen war J. sehr glücklich und brachte inhaltlich Vorzügliches und Wertvolles bei. Was die Broschüre seihst aulangt, so hat sie ihren Wert nicht nur als historisches Dokument des Kampfes des Zionismus mit seinen theologischen Gegnern von links und rechts und in der scharfsinnigen Widerlegung der von diesen vorgebrachten Einwändc. sondern sic bedeutet auch für uns eine positive Leistung. Sie wiederholt nicht nur, was nahe genug läge, bereits Gesagtes, sondern, den Qegncr kritisch beleuchtend, setzt sie den eigenen Standpunkt auseinander und arbeitet ihn deutlicher mul vertiefter heraus. So findet auch der mit der ־zionistischen Literatur und besonders mit J.'s größerem Buch bereits Vertraute liier vielfach Neues, Anregung und Förderung. Die Kritik des bei uns Juden noch immer landläufigen abstrakten Kosiuopolitismus, der herrschenden liberalen Gcscbiclitsaiilfassung, des Missionsideals der antinationalen Rabbiner, wird vielfach weiter-, bis in wertvolle Einzelheiten hüieingcUihrt und zugleich der zionislisclie Standpunkt in diesen Fragen mit treffen• den, positiven Darlegungen begründet. Was am 1 Schlüsse über die Aussichtslosigkeit der Bestrebungen 1 der ״Liberalen Vereinigung für Deutschland" und die Notwendigkeit einer nationalen Basis für die Arbeit der jüdischen Hilfsorganisationen gesagt wird, das ist bereits bedeutsame und wirkungsvolle Offensive. — Im ganzen wird man von der Broschüre sagen müssen, daß sic hoch über den Elaboraten steht, die sic aul den Plan gerufen haben. Sie ist, auch wenn sie cs nicht selbst׳ aussprächc, eine Anklage der Führer des offiziellen Judentums, die cs nicht zu fühlen scheinen, daß sie auf eine so gediegen (1111• dierte, von solch leidenschaftlicher Liebe zum Judentum geschaffene und getragene, grundstürzende Kritik ihrer gesamten Position — das war J.’s erstes Buch — nicht schweigen, die Verteidigung ihrer Sache nicht minder berufenen Federn überlassen durften. Werden sie weiter schweigen? Wird Joscph's tiefgründige Gedankenarbeit ihr ebenbürtiges Gegenstück finden? Oder war das wirklich alles? Mordechai. der D.C. ü. und zu dem Bureau in Berlin müssen von diesem Gedanken notwendiger Linheit durchdrungen sein. Das Berliner Bureau muH gleichsam eine Filiale des Pariser Bureaus sein und sich in seiner Tätigkeit den Ansichten und der Leitung von Paris unbequemen. Diese Beschlüsse des Zentral-Komitees könnten mit unserer früheren Haltung während der drei vergangenen Jahre in Widerspruch zu stehen scheinen, die wir als eine Versuclisfrist angesehen haben. Aber neuerliche Zwischenfälle und In V 0 r b c r e j. t u n g befindliche Projekte, die ihrer Natur nach angetan sind, den universellen Charakter der Alliance und die Stellung des C. C. als einzige leitende Organisation aufzuheben, legen uns die sofertige Verpflichtung auf. im Interesse des Werks die zentralisierte Organisation v. icdcrlierzustellen. ...e seit einem halben Jahrhundert seine gute Leitung gesichert hat. Das C.C. hat beschlossen, um diese Anschauung auf die Fiiianzgebahrung des Berliner Bureaus an* ztiwciiden, hinsichtlich der Ausgaben dieses Berliner Bureaus von jetzt ab und iur die nächste Zeit wesentliche Modifikationen cinzuiubrcn. Wie wir es in unserem Brief vom Ih. März gcsagt haben, verlangen wir die Unterdrückung des Amtes eines Geschäftsführers und außerdem eine sehr wesentliche Verringerung der Bureaukosten auf ein Maximum von bildß Mark. Wir werden natürlich die notwendigen Kredite aufrecht erhalten, um unseren Kontrakt mit Ost mul West ans/.uf:ihren. In derselben Gcdankenrichttmg halten wir unsere Mitwirkung lür notwendig bei jeder Forderung zur Unterstützung der russischen Israeliten oder von deutschen Gemeinden und Organisationen. Wenn eine Gemeinde oder eine Organisation ausnahmsweise unsere Unterstützung nötig hat. werden wir immer geneigt sein• eine Prüfung mit dein lebhaften Wunsch cintreten zu lassen, der Forderung zu genügen. Genehmigen Sic, geehrter Herr, die Versiehe- 1 rung unserer Ergebenheit. i lief PfäsNeiil. j N. L e v c n" Es müßte der Leitung der D. C. G. der Vorw urf gemacht werden, daß sic andauernd diese Bc- Schlüsse unberücksichtigt gelassen habe, während das Zentral-Kornitee erwarten mußte, daß die Leitung der D. C.G. cs als ihre erste Aufgabe betrachten würde, vom Jahre 1911 den Zustand herbeizuführen, der in dem Brief vom 2. Mai verlangt worden sei. Deutscherseits wurde erwidert, daß der Inhalt der Forderungen in dem Brie( vom 2. Mai 1910 mir als Wünsche fiir eine spätere Gestaltung aufgefaltt worden sei, und daß, weil diese Wünsche gleichbedeutend mit de* Auflösung der D. C. G. seien, das Präsidium derselben es für richtig gehalten habe, über diese Wünsche die D.C.G. selbst in einer außerordentlichen Tagung zu huren. In dieser Tagung sei folgender Beschluß geiaßt und mitgetcilt worden: ..Die zu einer außerordentlichen Tagung zahl- I reich versammelten Mitglieder der D.C.G. und des I okal-Kontitees verschiedener deutscher Städte entbieten Ihnen, verehrter Herr Präsident, ihre achtungsvollen Grüße und aufrichtigen Wunsche für Ihre baldige völlige Wiederherstellung. Seien Sic versichert, daß die Mitglieder de! D.C.G. und die! deutschen Mitglieder der Alliance aut eine harmonisches. einmütiges Zusammenwirken mit der Zentralleitung in Paris den allergrößten Wert legen. Wir haben deshalb die Einsetzung einer Kommission be- ' schlossen, welche die uns übermittelten Wünsche und ן Gedankensplitter! aus Moses Hess’ ״Kom und Jerusalem‘‘ I Das nationale Wesen des Judentums schließt die j Humanität und Zivilisation nicht nur nicht aus. son- ן dern hat sic zur notwendigen Konsequenz: in unserer Zc•* ׳st man aber nur zu geneigt die schönen Blumen י de! KuUwtmchidrtc zu sammeln, um sich damit auszuschmückcn, statt sic in dem Boden, auf dem sic wachsen, zu pflegen. Die antinationalen Humanitätsbestrebungen sind ebenso unfruchtbar, wie die antihuniancn nationalen Tendenzen der mittelalterlichen Reaktion. * Welche europäische Macht würde heute noch dagegen opponieren, daß die Juden, in einem Kongrell vereinigt, die Loskauiung ihres Vaterlandes berieten und beschlössen? (Ernst Laharanne). + Als die Frist der mittclaltcrliclicn Welt abgelaufen war, ließ sich wieder die das jüngste Gericht verkündende Stimme vernehmen. Keine Wasserflut, wie nach Adam, keine Völkcrflut. wie nach Christus, sondern eine Idccnflut stieg, nach Spinoza, verhängnisvoll aus dem Zcitcnschoße entpor. alles vernichtend, was ihr hemmend in den Weg trat. Mit der französischen Revolution begann die dritte und letzte Entpuppung der Menschheit, wcleher Prozeß noch nicht vorüber ist.

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