Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1910-12-09 · Heft 49 (9.12.1910) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 49 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2651273-2651657-2651707--07436-2664602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 562 J UP. Dl SClil•: RUNDSCHAU. No. 46 liicrmii wmi.schgciiiall die F.rkläimig, dall ich keilt A 111 i s e in i I hin. Hochachtungsvoll R ich. I i r a tul t, Beamter der Deutschen KoutiueiilabGus-Ucs. So hat man allseitig gewetteifert, nin jeden Schein von Antisemitismus zu vermeiden. Pas Mitrehen also. Ascher habe sieh von Antisemiten als Kamlid.it autstelleu lassen, lieillt die Tatsachen auf den Koi'f stellen. Zum Sehlull sei noch bemerkt, dalt die beulen Herren Pr. Ascher und Pr. Colin nach Beendigung des Wahlkampfes sieh verständigt haben, was unserer jüdischen Uemeiiule, die doch wegen ihrer Stiftungen von Bedeutung ist, zum Vorteil gereicht, da die beiden geachteten und ungesehenen Männer mit au der Spitze der Leitung der Uemeinde stehen und im Kuratorium der Baronin von Cohn-Oppenlieim-Stiftung gemeinsam arbeiten. H. Blitz. Wahlkampf in der Berliner Studentenschaft Ami *Mittwoch, di). November, fand in Neiunaims l 'estsalcn eine von der 1' r e i e 11 W i s s e 11 s c h a f t liehen Vereinigung au der Berliner Universität aiilältlieh der in diesen erfolutm P i r e k t o 1׳ i 11 in s w a h 1 f ii r d i c A k a d e m i s e 11 <• Lesehalle eiuheriifenc Stiideiiten-Versammhing statt, deren Thema lautete: ״S t tt d e 111 e u a u ssc 1111II und Lesehalle. Hierüber wurde alleidings wenig verhandelt, das liatmttheina des Abends bildete vielmehr der alle Streit zwischen der ״iiationalen Partei", die den Verein Deutscher Studenten, viele Coiilcurvci!mulmigen und eine Anzahl ..national" gesinnter ITcisludciitcu iiiufallt, und den andern au der Wahl beteiligten (inipnen, die von der ״nationalen Partei" als ״deiitselmatioiial" unzuverlässige Vereiiiigungeii bezeichnet weiden, (legen diese Ouali־ iikation machte einer der ersten Diskussionsredner der I•'. W. V. (Rechtsanwalt Dr. Apfel) energisch Front. loste dadurch aber nur eine Rede eines allen L'iilirers der ״Nationalen Partei" (Rechtsanwalt B r c d e 1־ e c k) aus, die den K'assen-AiitiseiuiliMiius in schärfster lfonn proklamierte. Und seine Worte fanden bei dem gröberen Teil der ca. JfM) erschienenen Studenten einen Widerhall, dall er an dieser Stelle bcachtel /11 werden verdient. Keiner der vielen 1111 Laufe tles Alands gefallenen Kraftuusdrucke löste einen solchen geradezu frenetischen Beifall ans wie die folgenden beiden: Der nationale Redner rief: Ebenso wie wir unser deutsches Volk rein und 1111vc, mischt mit indischem Blut erhallen wollen, mui wie wir vor allem ein Lmdringcti von .luden in das Offizier Korps unseres Heeres nicht zulassen, ebenso soll auch das einzige Offizierkorps der Berliner Studenten, das Leselialleiulirektoiiimi. möglichst rein von .luden bleiben! Den gleichen .lubel loste ein anderer Redner aus. als er es für ganz überflüssig erklärte, dall von einer anderen Partei eine Dame als Kandidatin auigcstcllt worden sei. Obwohl, wie mir scheint, die Mehrzahl der anwesenden Studenten sieh durchaus nicht zu einer ausgesprochen antisemitischen P.utei bekennt, so ist ihr doch die Vorstellung eines jüdischen Ofii/icrs von Jugend auf so fremdartig wie die der studierenden!•'rau, an die er sich /.war im Laufe der /.eit wohl oder übel gewöhnen iiuilS, 41er er aber seine Abneigung zu bekunden bei keiner (ielegenheit nutetlälll. Dies ist der Standmulla eines grollen Teils der Leute, die in einem .lalirzehnt die politisch mul wirtschaftlich führenden Stellungen einnehmen werden. Und was sagten die anwesenden Juden dazu? Ls stand ein dem Kartell jüdischer Korporationen ungehöriger Herr auf und erklärte in kurzen, vielleicht mir zu schlichten Worten, dall die indischen Verbindungen sieh nicht durch indische Mitglieder der religiös indifferenten Mittelparleieii, 41er L. W. V. und der Freien Verwalumgspai lei vertreten lassen konnte״, und dall für die jüdischen Verbimlmigeii gegenüber einer derartigen Haltung der Deiitsehiiatiotialcu selbstverständlich nichts anderes iilnig bleibe als eigene judiselinatiouale Kandidaten anfz.ustcllen. Nicht zum Ausdruck kam die Schmach und die Schande fiir uns Juden, dall der gröbere Teil der jüdischen l.cschallcmuUgHcdcr trotz, der Be* drängnis, in die das jüdische l'.leinent von den 1 )eiitslinalioiialeii gebracht ist, nicht für die Liste der jüdischen Korporationen stimm(, sondern für die färblosen l־\ W. V. und Fr. Vp., deren Mitglieder mul vor allein deren führende Redner nichts anderes als Julien sind. Wohl weisen diese Herren mit vor Lutrüstimg bellender Stimme die Wortangriffe der Nationalen auf die Juden und ihren Kosmopolitisnius zurück•, aber auf den Tatangriff der Nationalen im Wahllokal hei der Stimmabgabe fiir den Antisemiten oder für den Juden, da stimmen sie fiir die indifferenten Mittclparteicu, wo es eintreten heillt für sein Volk, seine Rasse, seinen Olmiben oder wie sonst der Standpunkt des einzelnen sein mag, da spielen sie die Aufgeklärten, über den ״niedrigen und erniedrigenden" Rassenkampf F.rhabenen. und ins Fäustchen hielten sich unsere Feinde. Ob cs besser war. diese Schande nicht vor allem Volk aufzudocken, oder oh ihre Betonung vielleicht einen Teil der Anwesenden zu einer Acndcrung in seinem Verhalten .•bewogen hatte, tpag dahingestellt bleiben.< י Fcstgcslcllt seien nur wieder einmal die zwei Dinge: die ־zukünftigen geistigen I (Ihrer des deutschen Volkes sind unentwogt Antisemiten; sic gellen sogar so weit, zu erklären, wir brauchen den Antisemitismus gar nicht mehr in unser Programm aufzuneliineii. denn darin stehen mir unsere Ziele, aber den Judenboykott, den hahen w׳ir ja schon erreicht. (In diesem Sinn ist also die Statutenänderung des V. D. St., die unlängst durch die Presse ging, auf/.tifasseiif), und trotzdem hallen Ule Juden, wo es gemeinsame Abwehr gibt. Immer noch nicht zusammenI Ob wohl eher nach Zimt der Erlöser kommen wird? * Wie wir noch kurz vor Redaktionssehlull er- J lahreu, ist der eifrigen Arbeit unserer Freunde der Frfolg nicht versagt geblieben, Die liew'iifttjüdische Partei (der sieh: der ״K.C." diesmal nicht angeschlossen halte), gelang cs ein zweites Mandat zu erringen, w e 1 e h e die ״Fr e i c Verw a 1111 n g s pa r« e i eiubiiiien iiiulSic. Im Übrigen lilieb das Stimmenverhältnis das alte.! Rumänischer Brief AiiiheDnnjj des Eides 1110 re juduico Der aufopfernden, zielbewuliten Arbeit unseres ehrwürdigen (lesimiungsgenossen Oberrabbiner D r. Nie in iro wer ist es gelungen, einen grölten F.rfolg in der Sache des sogenannten Judeneides ״m o re judaico" für die gesamte rumänische Jiidenheit zu erwirken. Der ve r c i n i g t c K u ssa - tionshof, die höchste Instanz, hat sich im Prozes.se N i c in i r o w c r. nach glänzenden Reden der gewesenen Minister Disscscu und Arion als Advokaten mul des mit ihnen hhcrcinstimmciHicn (icniialstaalsaiiu alts Pop esc 11, gegen ״ninre j a d a i e n" ausgesprochen. Sollte es noch nötig sein, so werden die Notabeln und Rabbiner des Landes jetzt eine ministerielle oder leg islalo rische Verordnung gegen den .sogenannten Judetickl hoffentlich erreichen können, nachdem der •töjährige Kampf durch einen gerechten Sieg heim gesamten obersten Gerichtshof gekrönt wurde. Was tapferen Männern in Foesani, Braila usw. lokal gelang, ist jetzt fiirs ganze Land diircligeset/.t worden. Dr. Niemirowcr und die ihn unterstützende Biiei-Brith, welche die durch den (irolipräsidenten Dr. A. Stern gesammelten (iutaclitcn herausgegeben, werden allgemein gefeiert. Man hofft allgemein, 41aI! die Formen, 4lie m1gesctzlichcrwei.se ilurcli eine Verordnung 1M0 zur i e 11 0 ג re ja geworden sind, jetzt gewisserm llcn durch die lex N i e in i r o \v e r des hohen Gerichtshofes endgültig aiiigehoben wurden. ,Israelowll/, Repräsentanteuwahlen und Jugend Die tiefgehende F.rrcgung, die die diesmaligen Repräsentanteuwahlen in einem grollen Teil der jüdisehen Bevölkerung Berlins ausgelost hahen. übertrug sich ganz selbstverständlich auch auf die Jugend und darunter auch auf den Teil der jüdischen Jugend, der von jeher gcwolmt ist, sich mit jüdischen Angelegen* hcitcii intensiv zu belassen, auf die jungen Zionisten. An gewissen Stellen sah mau cs nicht gern, wenn die jungen zionistischen Akademiker und Kaufleute in die Wahlversammlungen gingen, agitierten oder sonst die Sache 41er jüdischen Wahlvereinigung unterstiit/ien. Und man hielt auch mit der Kritik nicht zurück. Nein, man genierte sich wirklich ganz mul gar nicht und üifnete in Presse, Versammlungen und Flugblättern alle Schleusen des Stromes liberalen Milhmites derart intensiv, 41:111 der .stürmisch dahinbrausende Flutl sowohl die freundlichen Uiergclände 41er Vernunft als auch die lieblichen Wiesen des An- Stands stark überschwemmte, In dem so syinpatliisclien grünen Blättchen, das eine Woche vor den Wahlen in einer einzigen Nummer ein halbes Dutzend Wahlartikel liinausscliickte, deren einer immer unfairer im Ton und In der Polemik war als 41er andere, die aber auch so angstvoll, so ״alinuiigsgrauend, todesmutig" waren, dall cs kaum noch hoffntmgsgrün, .sondern fahl aschgrau amnutete. klagte ein uns nicht gmiz unhekannter liberaler Kämpe über ״die Scharen halbreifer zionistischer Knaben und Mädchen, die sich in die Versammlungen drängten", über die ״zionistische Claiiuc, die die Versammlungen auf ein Niveau herabdriiekte. w׳ie es die Gemeinde• Zur Beachtung Fiir eine pünktliche ununterbrochene Zustellung unseres Blattes beim Quartals- Wechsel können wir mir Gewähr leisten, wenn das Abonnement seitens der Vereine und der einzelnen Bezieher rechtzeitig erneuert wird. Jene lictrüge, welche bis zum 12, Dezember nicht in unseren Händen sind, werden wir durch Nachnahme erheben, bitten jedoch unsere Leser, durch rechtzeitige Rin• sendung unnötige Spesen ,zu ־'sparen. 1 ׳ “ Wähler bis dahin nicht gekannt hätten". Und m uv״ Versammlungen bedienten sich selbst ״hcrnfciK-־' Lehrer und Erzielter der Jugend vielfach Ans. drücke gegenüber den zum Teil schon wahlfähigen jungen Zionisten, die sic ihren Schülern zweifellos mit einem ״Betragen niangclhafb zum Teil geringer im Zeugnis angekreidet hätten. Im allgemeinen zeigte sich leider iu fast allen Versammlungen wiederum zur Lvitlenz, dall Bildung und gute Kinderstube iik•!,; immer identisch mit Anstand, Sachlichkeit und guten Sitten zu sein brauchen. Auf der anderen Seite, d. h. bei der v.a. gelästerten Jugend bat man sich einer anderen Takt , befleiltigl. Man zog es vor, auf <141 gleichen Augur, wie cs die oben skizzierten waren, nicht in der We ... zu antworten, wie cs hei ״liberalen" Leuten so ,.,.r Brauch ist. Man ging den Provokateuren nicht 1<! Tischen und Stühlen zu Leihe, wie gewisse Leute - den Residcnzfeslsälen einem gewissen ״Zionist, fiiltrer", um durch dergleichen beweis- und sch!,., kräftige Argumente die Vorträge des liberalen P;• gramuis zu erhärten, sondern schwieg, we i!!: wulile, dalt Leute, <lie .solcherart sich ennedn.u . weit besser, als wir es hui1!1)cn, allen nlijtk Denkenden selbst zeigen, dall sie zur LiUriistu!..׳ ■ Pose keine Rechte und zu Erziehern und Lrmaln. der Jugend keinerlei Qualifikation besitzen. Die zionistische Jugend wird auch wetterlu «, sich eifrig angelegen sein lassen, die Berliner Gemeindcpolitik zu verfolgen, weil sie 41er Ans : ist, dall es Pflicht jedes denkenden .luden ist. wo so grolle und schwere Aufgaben zu losen s , mitziiaibeiten ein jeder an .seinem Platze. V sie feiner der Ansicht ist. dall jeder Wähle( ׳׳ mindesten wissen muH, um was es sich bei den ׳!, nieiiKlewahleii hamlelt und weil sie es als < S c 11 a 1141 e betrachten w urde, s<• 1111111 i «! 1 m! ■ lüld zur Wahlurne zu schreiten• wie es 70 l'n; der liberalen Wälder 1 ‘>10 getan haben, die sich zwei Annoncen im Tageblatt 41׳ic blau-w eitle <14: au die Wand malen lielleu und entsetz: /.um V., lokal lieien, um ihre Kinder Vor den Schrecken Glieder und sich selbst vor 41er Entsperrung m .!s Ghetto zu bewahren. Wir werden es auch m Zukunft iteuj.g . grillten, wenn die ״Liberalen" si4־h über eleu fr,*.״ ״Zug" beklagen, den die Jugend in ihre Verbau hingen bringt denn es ist uns cm Bcwe.s ,!.,־ dall dort noch ordentlich gelüftet werden!! . . bis man sich an hiop.cn Zugwind gewohnt hat! Hans Goslar. S. P. Kabinowitz י•,•: Line Trauerbotschaft kommt •ms Frankfurt a Saul Pincltas Rahuiowil/, 41er bekannte hvbia.'•• Schriftsteller und Grätz-Ubcrsetzer. ist am 5. Dezember in! Alter von <>5 Jahren nach schwerem! . ־ den verschieden. Der Verblichene war einer der bc• deutemlsteii jüdischen Historiker der Gegenwart « ein eitriger Vorkämpfer iur die Renaissance Judentums. F.r gehörte zu den Schöpfern der (׳.:׳ wewe-Zion-Hcu egmig. fiir die er nicht 1)101! seiner glanzenden Feder erfolgreich wirkte. S. Ileiinguiig bedeutet einen unersetzlichen Verlust : die jüdische Geschichtsforschung und die!;.!:.״!•• . Wiedergeburt unseres Volkes. Russland nww# nuuvit vv w u * Die jüdische Wohrireclitsfragc durfte demnach in der Duma zur Verhandlung kommen. Die M glieder des m der Kownaer jüdischen Konteren/ 4 gesetzten Komitees hatten vor hm/ein m IRuisbi darüber beraten, ob es ubciliuiipt zweckmulkg s< jetzt die erwähnte Frage zur Erörterung zu stelle Mau gelangte zur Ansicht. 41,n־, bei 4kr gegcnuai; in der Duma herrschenden Stimmung nicht die 110 deste Aussicht für eine Annahme des hvhaiuiö Gesetzentwurfes wegen Aufhebung des Ansiedlung rayons vorhanden ist. Nichtsdestoweniger kan! »k Komitee nach eingehenden Lroitcniitgcu zum I'• sclilulk 4he von 1(1(» AUgeorvlnewn unterzeichne Vorlage nicht zuruehzuzielien und auch nicli:! einen späteren Zeitpunkt zuriickzustellcn. da dies a Anzeichen der Schwäche gedeutet wurde. Ls ist Aussicht genommen, die Vorlage in einer der nächst« Duniasitzungen auf die Tagesordnung zu steilen, w bei zwei Abgeordnete - Karaniow und Friedmai oder Nissclowitsch für. und zwei Punsc kewitsch mul Markow - gegen die Vorlage spreclu sollen; worauf dieselbe an eine Kommission ve wiesen werden dürfte. Liner sofortigen gau/hchi Ablehnung der Vorlage werden auch die Oktobrist« nicht zustimmen, um dadurch nicht ihr wahres G sicht in bezug auf ihre Stellung zur Jiidenfragc : zeigen. Kein Mensch ־zweifelt aber nunmehr data dall den Gesetzentwurf ein ״Rltrcnbcgräbnis" in d Kommission erwartet, aus der er wohl nie wied ans Tageslicht bervorkonunen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.