Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Seile 554 J 0 l > I SC HI: R U NP SCH AU helmat, iiiscbsomlcre die Natur des Landes, das Leben seiner Bewohner und vor allein das der Jüdischen Kolonisten dem Herzen der Leser nahe zu bringen. Zu diesem /,.weck ist ein Preisausschreiben für die besten Arbeiten dieser Art besclilossen worden. i Die Wahl des Stoffes steht dem Autor durchaus rci. Zur Anregung, die aber keine Vorschrift sein soll, erwähnen wir, dal! im Mittelpunkt der Erzählung etwa ein junger .lade stehen könnte, der seine Heimat verlassen muli und sich nach mancherlei!,ahrlieh* keilen und Beschwerden in Palästina eine Existenz als Kolonist oder!,armer schafft. Religiös anstößige Stellen sind selbstverstiindlich zu vermeiden. Der Umfang der Schrift darf nicht unter!0 Druckbogen betragen. Die Einreichung der Arbeiten muH bis /.um 31. Mürz 1911 vor* schlossen mit der Aufschrift ״Preisausschreiben" und eingeschrieben au die ״Zionistische Vereinigung für Deutschland", Chariotteuhurg, Bleibtrcustralie *19, erfolgen. Außerdem 1111111 der Umschlag ein Motto auf* weisen, das auch auf ein' verschlossenes Couvert /.u setzen ist, in dem sich Namen und Adresse des Vorfassers befinden. 1% die besten eingereichten Ar* beiten, die den obigen Bedingungen entsprechen, setzen wir hierdurch zwei Preise von (100 Mark mul 300 Mark In bar aus. Die preisgekrönten Arbeiten gehen mit allen Rechten ins l'.igcntum der Zionistischen Vercini* gimg für Deutschland über, die sich Vorbehalt, auch andere geeignete Einsendungen zu angemessenen Hn110rar.siitz.cn zu erwerben. Dem Preisrichterkollegium gehören an Dr. Martin Huber, Georg 11 c r m;11111. I >r. Richard H 111 d s c!1 i 11 e r , sowie folgende Herren vom Zentralkomitee: Rechtsanwalt Uro u c m a 1111, Dr. .11111 g m a 11» und Hermann Struck. Zionislisdtc Vcrelniflunjj für Deutschland PALAe5TINA־RUI1DSCHAU Eine Gruppe von indischen Kapitalisten steht seit einiger Zeit in Kauiverliaiullungeu wegen eines grüderen Bodenkomplcxcs im ägyptischen Orcnz.distriktc in der Umgebung der ägyptisch-syrischen Grenz- Station Rap ha. Dieser Kauf ist von einem eitgltsehen Beamten seit einigen Jahren empfohlen w״rden D.is Land ist von Gaza mittels Wagens in etwa 4 Stunden zu erreichen. Das nächste größere Dorf auf türkischem Gebiete, auf dem Wege von Rapha ״ idi (iaza. ist Chan Junis, etwa l'l- Stunden von Raplia entfernt, wo ein gröllerer Militiirposten stationiert ist und ein Modir seinen Sitz, hat. Das nngcboienc Land gehört verschiedenen Beduinen- Stämmen, welche primitiven Ackerbau betreiben. Administrativ untersteht dieses Gebiet dem ügypti* .sehen Gouveiiiciir. welcher in der etwa 8 Stunden entfernten Stadt P.l Arisch seinen Sitz hat. Der llauptvor/ug des Landes bestellt darin, daß cs unter englisch-ägyptischer Herrschaft steht, welche die kulturell-wirtschaftliche hohe Bedeutung einer jüdischen Ansiedhmg in dieser jetzt fast wüsten Gegend voll eiitzuschätz.en verstellt und sie daher energisch zu fördern bereit sein wird. Dagegen ist der Boden ein sandiger und von ganz minderwer• tiger Oualität. Von allen Körnerfrüchten kann wahrsclieinlich nur die Gerste dürftig gedeihen. Von trockenen Pflanzungen kann allenfalls wahrscheinlich die Maiidelkultur in!•'rage kommen, wohl auch Weintranben, die jedoch der schlechten Kommuiiikntions• Verhältnisse wegen für lange Zeit hinaus kaum reutabel sein können . Zwar liegt Rapha nur etwa 5 km vom Meere entfernt, der Weg zum Strande führt aber durch hohe Dünen, welche nur für Kamele passierbar sind. Die See soll an dieser Stelle selbst im Sommer sein׳ bewegt sein, so daft ein SegeWctkehr für den Transport nach Aegypten für Weintranben mul andere l'rüchte, die einem schnellet) Verderben ausgesetzt sind, kaum in!,rage kommt. Die NU'derselilagsverbältiiisse sind ziemlich ungii»• stig. infolgedessen Mißernten recht häufig vorkmiimen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände könnte das Gebiet um Raplia. insbesondere wenn einmal die projektierte Halm von Gaza nach Port- Said gebaut und auch die sonstigen VcrkchrsvcrlüUt* nissc sich gebessert haben, als ein zur Anlage von Pflanzungen geeignetes Terrain sich erweisen. Pur Kapitalisten, welchen cs die VermögcnsvcrhäUiiirsc gestatten, größere Beträge anz.ulcgcn, ohne auf ihre Verzinsung angewiesen zu sein, kann dieser Kauf als nicht ungünstiges, wenn auch riskantes Spekulatlonsobjckt gelten. Aber unter keinen Umstünden dürfen Leute, welche in absehbarer Zeit sich ansledein oder von ihren Anlagen Nutzen ziehen wollen, ihr Geld Im Kaufe dieses Bodens investieren. Vielmehr müssen solche Leute auf Gegenden absclicn, wo zwar der Boden viel teurer Ist. dessen Bcsiedlungsfählgkclt aber sicher und nicht wie bei Rapha ein unerprobtes Experiment mehr Ist. Die Verlegung des Jcnisalemcr dciitscli-liidlscficn Waisenhauses mich Pedselic. Der ״Verein zur I:'rzlehm1g Jüdischer Walsen ht Palästina“ hat beschlossen, das von ihm seit nuiimeh•׳ drei Jahrzehnten in Jerusalem unterhaltene Walsenhaus, das in der Regel dreißig Zöglinge beherbergt mul cbcnsovlclcn Tagcssehülern die Mitagskost gewiihrt nach Pcdschc nächst Pctach-Tikwah zu verlegen. Das Terrain für das neue Heim der Anstalt, das etwa 840 Dunarn Boden umfaßt, wurde vor fünf Jahren von dem bekannten Pallistinafrcund Herrn Rabbiner Dr. Salvcndi, zurzeit in Karlsruhe, erworben um dort eine jüdische Siedlung zu gründen, vornehmlich aus entlassenen '/.ügllngcn des genannten Waisenhauses. Das Internat, dessen Erbauung demnächst in Angriff genommen wird, ist für 80 Zöglinge berechnet. Bis zu ihrem 13. Lebensjahre sollen sie eine gute jüdische Schulbildung erhalten; hierauf sollen sie sieh in der Landwirtschaft J'C1 Jahre lang praktisch üben. Nach Ablauf dieser Prist wird den Befähigten gegen einen geringen Pachtzins ein Stück Land überwiesen werden, um cs für eigene Rechnung zu bearbeiten. Zehn Dunarn dieses guten Ackerbodens können jährlich einen Reingewinn von etwa 40 Napoleon abwerfen. Auf diese Weise kann sich der Zögling in wenigen Jahren ein Kapital er• sparen, das ihn in den Stand setzt, sich als selbständiger Kolonist niederzulassen. Das Komitee des Waisenhauses hofft durch diese Maßnahme eine größere Anzahl tüchtiger jüdischer Bauern in Pa• lUstlna heranzubitden. * Durch die Initiative uml unter Leitung der Pr.m I »r. R 11 p p 111 wird in Jaffa am I. November eine!Musikschule eröffnet werden, die den Zweck hat. Klassische, moderne und jüdische Musik zu pflegen. Ihiterrielusgegenstümle sind: Klavier. Violine, Gesang. Harmonium. Chor. Orchester. Ensemble-Spiel Priiua-vista-Singcn. Plütc. Klarinett. Kontrabaß. Musiktheorie und Musikgeschichte. Außer Frau Dr. Ruppiu. die den Gesangimterricht erteilt, sind noch vier I ehrkriiftc für die Schule gewonnen worden, nämlich Herr Hammrschlag (Klavier). Herr II open ko, Schüler von Prof. Marteau. (Vjoliuc), Prl. Weitzmann (Klavier) und Her! K a 1 c z. e w s k i (Chor. Musiktheorie). Die Schule findet liier viel Interesse, da sie nicht nur eine Vcr• iiielinmg der Biklimgsniittel bedeutet, sondern durch die Veranstaltung von Konzerten seitens der Lehrer in Jana. Jerusalem und den Kolonien auch zur Hereicherimg des gesellschaftlichen Lebens beitragen wird. Dem Verein ״Esra" ist es in diesem Sommer ge• hingen, unter Mitwirkung der Auglo-Palestinc Comp, in Jalta, sowie der Eigentümer von Kafr-Saba, vier Stunden nördlich von Jaffa, mit einem Kostenaufwand von nur .,Juni» l'rcs. zwölf iiidlsclm Landarbeiter an• zuslcdchi und so das ehemalige arabische Dorf Kafr- Saba in eine jüdische Kolonie zu verwandeln. Jeder dieser zwölf Arbeiter erhält Haus mul Stall, nebst zehn Morgen Land, sowie die Garantie für dauernde auskömmliche Beschäftigung als Landarbeiter. Da* für haben sic so lange für Haus und Land Miete resn. Pacht zu zahlen, bis das ihnen vom Verein ״P.sra" gewährte Darlelm von 21)001) Pres. (183ר Pres, uro Familie) in 25 Jahren z.uriickgezahlt ist. Die pünktliehe Leistung dieser Ratenzahlungen ist von der Anglo-Palcstine Comp, garantiert worden. Somit ist seitens des ״l'sra" endlich der richtige Weg zur Lösung der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina gefunden worden,!)er Verein wird auf der nunmehr eiiigesehlageuen Halm so lange fortseli'reiten, bis .sämtliche jüdische Kolonien Palästinas mit jüdischen Arbeitern verseilen sein und nicht mehr nötig haben worden, jahraus jahrein Tausende von Arabern zu beschäftigen, während in Osteuropa unzählige Juden brot• und obdachlos sind und nicht wissen, wohin sic den müden Wnudcrscliritt lenken sollen. Der PI :111. zahlreichen fleißigen jüdischen Arbeitern in den 30 blühenden Kolonien Palästinas Unterkunft und uuerude Existenz, z.11 verschaffen, ist um so leichter zu verwirklichen, als diese Ansiedelung von jüdischen Landarbeitern auf Grund langfristiger Darleben erfolgen soll. Indem der angcsicdcltc Arbeiter für ll.ms und zehn Morgen Land 25 Jahre lang etwa 80 Pres Miete zahlt, stattet er die zu seiner Installierung gemachten Ausgaben leicht z.urück und gewährt so dem Verein ״P.sra" die Möglichkeit, mittels dieser Eingänge eine von Jahr zu Jahr wachsende Zahl von neuen Landarbeitern anznsiedeln. So werden die zwölf jungen Ansiedler von Kafr-Saba schon Im Jahre 1911 dem Verein ״Esra" zusammen 8900 Pres, zuriickzahlcn und 25 Jahre lang seine Einnahmen um den gleichen Betrag erhöhen. Denn nicht Almosen, sondern Darlehen will der Verein ״Rsra" den Jüdischen Landarbeitern in I aläslina gewähren - zlnsloso langfristige Dar- Ichcn, welche die Empfänger bequem zurückerstatten können und auch sehr gern zurückerstatten RUNDSCHAU OCR PRG5S0 liertiner Tageblatt ln der literarischen Mmitagsbcilagc ״Der Zeitgeist" schreibt (ieheimrat Prof. Ed. König (Bonn) in einem Aufsatz über ״Die Astrologie hei den Babylonier» und den Hebräern" u. a. folgendes: ״Von wirklicher Astrologie, von Ste r ndeutcrei, ist in der älteren Literatur der Hebräer nicht einmal bei Erwähnung der Arten von Maulik die Rede, welche von den führenden Geistern Israels ihren Zeitgenossen als unter ihr e ui N i v e au st e h e n d bezeichnet wurden. Erst spater, als die assvrisGa• und noch mehr die babylonische Weltmonarclne iiinuer mehr eine direkte Herrschaft über Palästina begründete und die Kultur des Euphrat-Tigris-Lande*. in breiten Kanälen auch nach dem Lande Isr;״; strömte, da wurde der l’rotest gegen die Astrol׳. ׳ anderer Völker im hebräischen Schrifttum l.m: ״Kennst du die Satzungen des Himmels?" lautet in, von den beschämenden Prägen, durch die in de:;! grandiosen Hiobgcdichlc (38. 33) dem leicht seine Schranken vergessenden Menschen die Enge seine* Horizontes zum Bewußtsein gebracht wird. L!,, direkter Einspruch dagegen aber, daß die Anhang, der prophetischen Religion Israels nach der Methode der anderen Nationen ״Unter- Stichlingen betreffs der Zeichen des Himmels anstelle und vor diesen erschrecken", ertön! erst in di Huche Jeremias (H). 2), der ja ein Zeitgenosse . s übcriiüichtigen Hcranflutcns der babylonischen \V!; macht war. Erst bei einem Redner aus dem ba ׳ Ionischen Exil (Jcs. 47, 13) sind die habvlonisc:,׳ Autoritäten verspottet, die - zu astrologisdn Zwecken den Himmel in bestimmte Peidcr /״• teilten uml so ..nach den Sternen schauten". \ui! sie aus dein Eintreten der Sterne in diese lie/ir).■• etwas erschließen zu können meinten. Die althebräischc Kulturstufe befindet sich in . sichtlich ihrer Würdigung in einer tragivj!■ Situation, (ierade weil sie ihrer rcligionsgescltiv! ׳• liehen Bedeutung nach ein Element unserer meinen Bildung von Jugend auf sein darf, lauft י■ .• dann später Gefahr, nicht mehr ernstlicher ms \ . gefaßt zu werden. Aber diese Stimmung der UcKr• Sättigung, die in Bezug auf das Studium der hebräischen Kultur weithin herrscht, möge au dem jetzt ins Auge gefaßten Punkte dadurch über••׳, ar. len werden, daß dieser noch einige .Momente laue den Brennspiegel der vergleichend!•״ Aller ta ■־,׳.. forsclnmg unserer Tage geruckt werde .... Wenn wir nun so selten, daß auch die großen Kiilturnationen des Altertums voll Neigung /in '׳ ׳!. dcuterei und zum (iestirnkultus waren. 11!!*.h*» wir uns da nicht über die Zurückhaltung um. ׳•■-n. die gegenüber solcher Neigung sich in der klassb. Literatur der Hebräer ausspriclit? Hei ilmc, aller hören wir sogar im Gedicht von Hiob, v < ז doch viele äußerst kühne Satze über religiöse Pr!•■ bleine laut werden, den Haiiptiielden seiner Lrhnbci heil über jede Art von Gestirnkuhns mit N.u'idt:״ betonen. Denn der Dichter läßt ihn ja folgern״• Prägen aussprechen (31. 2b ü: ״Sah ich etwa d,>s Licht (das heißt die Sonne) in andächtiger U. wmndcrting an. wenn es hell leuchtete, und dr! Mond, wenn er prächtig daher wailete. und In;! r e sich etwa heimlich mein Herz, und legte sich meine Hand zum Kusse — an meinen Mund?'־ Als,.;! : Stolz, weiß er sich frei von der Sitte mancher Leim•, den Gestirnen eine bewundernde Anfiuiihs.i'okv.; /! widmen oder durch z.iigcworfene Kußhätidclton cm Huldigung (larzlihringen. Ja, dieselbe Sterncnw eit leuchtete über Bahvlonien und über I’alastina. Aber in dem einen Lande schaute man bis a n das Firmament, um durch dc*>v, Veränderungen die Hcschliiscs der Götter zu er• forschen, und in dem anderen Lande war das Auge der Bannerträger des Volkes über das Pinnann■..: hinaus dahin gelenkt, wo der Weltgcist ist ..der ruhende 1*01 in der Erscheinungen!,lucht“. Diese eigenartige Stellung der Hebräer zur Astrologie ist aber nicht etwa deshalb in P’ragc 70 stellen, weil man amtclunen könnte, ein Volk do Altertums könne doch uicUt von anderen isoliert sei• Nein, die Kulturvcrwamlscltaft der Nationen ist nie! : eine absolute. Die Aehnlicbkeit zweier Kiilnirki« darf nicht, obgleich dies in neuer Zeit dann m l wann geschehet! ist, zur Gleichheit gevhnunlt den. (1,1er läßt sich das nicht gerade bei de•a Hebräern durch eine ganze Reihe einfacher Tatsacluu zeigen? Hier seien einige Beweise! Schon ׳.!׳.* Schrift der Hebräer (und Phönizier) ist von d: ״ Keilschrift der Habvlonicr und Assvrer gänzlich vn schieden und im Unterschied von ihr eine Buch• stabenschrift. deren Erlindung nach Ed. Mever bk schichte des Altertums 1. 2. $ 203) die große kühn:• geschichtliche Errungenschaft der Acgvntcr war. bndann die Schreib rieh t un g der Hebräer ge! von rechts nach links, während die Bahvl.mier w ־ Assyrer umgedreht von links nach rechts, wie wir. schreiben. Auch die hebräischen Ster 11 nanu a kommen nicht bei den Babyloniern vor! Auch hatten die Hebräer zuerst gleiche Monatsname:! niit den Phöniziern, aber die babylonischen Monatsnanien tauchen im hebräischen Schrifttum erst nach dem babylonischen Exil auf. Die Hebräer hatte weiterhin die Woche von sichen Tagen, während n'aa in Babylonien ״eine Einheit von fünf Tagen an Stelle der siebentägigen Woche“ hatte. Folglich ist cs gar nicht einmal auffallend, ü die nehräer auch In Bezug nuf dir Astrologie eine selbständige Stellung elnnahnicn.