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Jüdische Rundschau · 1910-11-25 · Heft 47 (25.11.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Ausweis Sclickcl 1909/10: Hannover 5 Mk.; Schekel 1910/11: 111 s t c r b 11 r g 19 Mk. Landcsbetträge 1909/10: Hannover 1.1 Mk.: M t s r a c 11 i g r u יו ח c Her 111121 Mk. Orguiitsutlünitouds (Jahresbeiträge und gelegentliche Zuwendungen): Dr. Albert Straus- Depcnau b. Wankendorf 25 Mk.. R.-A. Dr. Pfälzer- Wcinlicini 10 Mk.. Sam. R 0 s c n t h a t - Frankfurt a. M. 3 Mk., Amtsgerichtsrat B1 u in c n f e 1 d. E. F c 11 in a n n . M.!׳ r i e d 51 c i n. 13. Oottliilf. I. Q roll mann, 1. Sommerfeld, M. Krönheim. Justizrat Jacobsohn, A. I. Silberborg, M. Kalkstein. H. Mcndclsohn. M. Prinz, D. Simon, S. Arnsdorf. J. Klimowsky. Arthur Rosenkranz, M. Wald, sämtlich Insterburg, ic 5 Mk., M. Glaser, I. Le 11in a!1 n - Insterburg je 2 Mk., Dr. Arthur Aufrecht- Jolictz (111.) Amerika 3 Mk., Hamburg 1 Mk., Varel 2 Mk. (It. Spezifikation im N.-E.-Ausweis). Gesatntcliigang bis 23. November 1910: Schekel 1909/1(1: 9729,50 Mk.; Schekel 1910/U: 95 Mk.; Landcsbciträgc 1909/10 : 3170,30 Mk. Organisationfonds (Jahresbeiträge und gelegentliche Zuwendüngen) 9260,95 Mk. Wahlbetrachtungen Hin schwerer, heißer, mühevoller Wahl- Kampf liegt hinter uns. ln den letzten Tagen fanden mehrere Versammlungen zu gleicher Zeit statt, die Veranstaltungen kleinerer Vereine und׳ Verbände waren nicht mehr zu übersehen, die Hülle der Arbeit kaum noch zu bewältigen. Wird so schwerer, hingebender Arbeit der Hriolg bescliicden sein? Das ist die Frage, die sich zunächst aufdrängt. Und doch wäre cs falsch, nach dem Ausgang der Berliner Repräsentantenwählen allein den Wert der geleisteten Arbeit zu beurteilen. Nur wer die allgemeine Situation in unserer Gemeinde aus eigener Beobachtung kennt, vermag hier ein Urteil zu fällen, Hs galt bis vor kurzem als eine unumstöß• liehe Tatsache, daß in Berlin nur liberale Wahlen gemacht werden können. Vor 9 Jahren gab es einen konservativen Wahlsieg, der aber nicht schwer zu erringen war. Denn die.Parole lautote: ״Sabbat 11 oder Sonntagsgott es dien st? Die Liberalen waren klug genug, einiulenken und schon drei Jahre später kam es zu einer eklatanten Niederlage der Konservativen; bei der vorletzten Wahl schließlich bc* gmigte man sich, sogar auf dem Wege des Konipromisses, einige konservative Kandidaten in die Repräsentanz zu schicken. Von dem Augenblick schien die liberale Herrschaft unerschütterlich, der ״Centralvcrein für die Interessen der jüdi* schon Gemeinde“ entschlummerte friedlich. Da trat der ״Neue jüdische Gemeindevereine“ auf den Plan. Hr war nicht liberal, nicht konservativ, er wollte den alten sinn- und zwecklosen Hader begraben. Jeder religiösen Riehtung, sofern sie der Erhaltung des Judentums dient, soll in der Gemeinde die Möglichkeit ge* geben werden, sich zu betätigen. Dafür proklamierte der Gemeindeverein die intensive Bclätigung auf allen Gebieten jüdischen Lebens, und damit die Judaisierung der Massen. Hin wahrhaft demokratisches Programm war die Hahne, um die sich bald Anhänger aus den verschicdcnsten Lagern scharten. In drei Jahren war die Organisation — dank der Bc• mühungenbesondersvonDr. Zwirn — so ausgebaut, daß an die Aufstellung einer selbständigen Kandidatenliste für die Repräsentantcnwahlen gedacht werden konnte. Jetzt nach ״Der Zlonltmu» erttrebt für da* indische Volk dl» SchaRuae einer OHcntllch-rccMllch «eXchertcn t!clm»dl<e ü> PaUttlna.“ Oateler Proiraatai. Aus dem Inhalt Wahthctruchümgcn. — Die nationale Bedeutung der Jiiillsclien Tnrnhcwcgtuig. Von Nathan Kam i n s k i. — Die Tragödie der ]»iüiscticn Jugend. — Ans aller Welt, — Rundschau der Presse. — Palästina-Rundschau. — Zionistische Bewegung. — Aus den Gemeinden. — Vcretns-Rundseliau, — Feuilleton: Ein Loltcrlcgcwhin ohne Lolierlelos. Humoreske von M. Pulvermann. Beendigung der Wahlkampagne darf wohl gcsagt werden, daß so heiß, so stürmisch, wohl noch niemals in unserer Gemeinde um den Sieg gerungen wurde. Sicherlich wird diesem Liier auch die Wahlbeteiligung entsprochen haben. Man vergegenwärtige sich: eine bestimmte Wahlparole lag nicht vor; ein besonderes Hrcignis, das die Gemüter in Wallung hätte bringen können, gab es nicht — Geiger war ja leider schon vorher zur Strecke gebracht. Und doch diese ungeheure Aufregung, die dazu führte, daß sich die ,,Liberalen“ in ihren Versammlungen wie Rowdics benahmen, mit Tischen, Gläsern etc. warfen und, wo die Wucht dieser Argumente versagte, sich m׳'t Schimpfworten begnügten Fassungslos sichen diese ״Liberalen“ dem Ansturm der Massen gegenüber, hilfslos jammern sie über die böse Jugend, die ihnen ihre Ver- Sammlungen stört. Und ihre Klage ist schließ* lieh verständlich, wenn man z. B. an folgenden Vorgang denkt: Liberale Versammlung im Osten, gedrängt voll, fast nur ״Gegner“. Um 11 Uhr betritt Dr. Klee den Saal. Die Ver- Sammlung erhebt sich und den liberalen Redner unterbricht eine Minuten lange spontane stiirmische Ovation für Dr. Klee. Hin gewiß schmerzliches Erlebnis für das Häuflein Liberaler, daß ihre schäumende Wut gegen die bösen Zionisten begreiflich macht. Tatsächlich wurde auf liberaler Seite nur mit dem einen Argument gearbeitet: ״Wenn ein Zionist in die Präsentanz hineinkommt, geht die Gemeinde zu Grunde“. Ja, im Berliner Tageblatt wurde in großen Annoitccn ausdrücklich vor der Wahl von Dr. Klee gewarnt. Hs kann nicht bezweifelt werden, daß diese Warnung auch von manchem ״Konservativen“ beachtet wurde und es kann schon heute mit Bestiinmthcit gesagt werden, daß Dr. Klee und die übrigen zionistischen Kandidaten im g ü n - stigsten Falle zu Ersatzrepräsentanten gewählt werden. Bei dem jammervollen System der Listenwähl genügen ja schon wenige Stimmen, um einen Kandidaten zu Fall zu bringen und es ist das Charakteristikum dieser Listenwahl, daß die Harmlosen und Unbekannten, gegen die naturgemäß niemand etwas einzuwenden hat, die meisten Stimmen auf sich vereinigen. So bedauerlich cs nun wäre, wenn Dr. K1 ec und unsere Freunde bei einem Siege unserer Liste nicht in die Repräsentanz kämen, der Erfolg unserer Sache wäre dadurch keineswegs in Frage gestellt. Mit dem Siege unserer Liste auch ohne Klee fällt die Listenwahl, an ihre Stelle tritt die Bczirkswahl, die im Bunde mit einem erwei• terten Wahlrecht erst eine volkstümliche Ge* meindepolitik möglich macht. Diese Wahl war der Beginn unserer Arbeit, ob der Sieg uns jetzt schon zufällt, ist fraglich, sicher aber ist, daß der ״Gemeindevcrein“ in den nächsten Jahren wachsen um! sich ausdehnen wird, bis die Zeit für ihn gekommen ist, die Leitung der Gemeinde zu übernehmen. Und nun noch einige Worte über die prinzipielle Bedeutung dieser Wahl für uns Zionisten. ״Darf ein Zionist Repräsentant werden?“ Das ist die Frage, vor die 22000 Wähler gestellt wurden. Jeder von ihnen mußte sich mit dem Zionismus auseinandersetzen. Ob nun Sieg oder Niederlage unser ist, die Stimmen der zionistischen. Kandidaten werden wir zu zählen haben. Diese Zahl kann selbst bei einer Niederlage ein großer Erfolg unserer Sache sein. Die nationale Bedeutung der jüdischen Turnbewegung So lange man noch an die plötzliche Erreichung des zionistischen Endziels durch eine einzelne, politische AKt'on gläubig, war man berechtigt die korpcriiclie Wiedergeburt unseres Volkes als natürliche Erscheinung des freien, ländlichen Lebens im jüdischen Lande zu erhoffen und diese Frage hinter die politisehen und organisatorischen Arbeiten zurückzustcHcn. Seitdem aber die Mehrheit der Zionisten der Ansicht ist. daß dieses Endziel erst in ferner Zukunft und auch dann nur für einen Teil der gesamten Judenheit möglich sein wird, müssen wir. ebenso wie wir eine nationale Erziehung schon jetzt im Golus erstreben auch die körperliche Hebung der Juden als einen wesentlichen Teil unserer heutigen Aufgaben betrachten. Den Weg. den wir gehen müssen, um schon heute an der physischen Erstarkung der Judenheit und zugleich an ihrer nationalen Er- Ziehung zu arbeiten, weist uns die jüdische Turnbewegung, die sich beide Ziele gesteckt hat. Nordau hat diese Bedeutung der nationaljüdischen Turnbcwcgung bereits bei der Gründung des ersten dieser Vereine, des ..Bar Kochba". Berlin, erkannt: ״Bei keinem Volke hat das Turnen eine so wichtige erzieherische Aufgabe wie bei uns Juden: cs soll uns körperlich und im Charakter aufrichten, cs soll uns SclbstbcwuOtscin geben.‘‘ Daß gesunde Leibesübungen, wie das Turnen, unsere körperlichen Fähigkeiten ausbiliLn können, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Aber auch geistige Eigenschaften, vor allem Mut. Ausdauer und Energie, werden durch Turnen erworben und gestählt. Wie weit diese Fähigkeiten dem einzclncn zum Nutzen gereichen. läßt sicli leicht ermessen. Was aber für ein Volk, bei dem seit Jahrhunderten geistige Ucbcranstrcngungcn und soziale Not immer mehr eine körperliche Entartung herbe!- zuführen droht, was für ein Volk mit enger Brust und schlaffen Muskeln gesunde Leibesübungen bedeuten können, ist heute noch unübersehbar. So ist denn der jüdische Turnverein der rechte Ort, wo wir für die Regeneration unseres Volkes arbeiten können. Jede Stunde, da wir unsere Muskeln stählen, jede Ucbung, bei der wir Mut und Ausdauer erproben, ist ein Stück Rcgcncrationsarbcit an dem Körper unseres Volkes. Inwieweit das Turnen national zu erziehen vermag, zeigt zur Genüge das Beispiel des deutschen Volkes, bei dem die Pflege des Turnens nicht wenig dazu beigetragen hat, die nationale Bc* fteiung und Einheit des deutschen Volkes herbeizuführen. Auch das jüdische Volk kann durch eine richtige Turncrorganisation In hohem Maße national erzogen

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