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Jüdische Rundschau · 1910-11-04 · Heft 44 (4.11.1910) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 44 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 44. JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 507. heilen der jüdischen Gemeindeverwaltung. lusbc- 50nderc wird cs das Bestrebe» des Vereins sein, auf dem Wege freundschaftlicher Beratung von der GemciudcvcrwaUuug eine möglichst weitgehende Autonomic zu erreichen. Der Verein wird keine der jetzt für die Rcprüscntantcinvalilen in die Agitation tretenden Parteien offiziell unterstützen. Zum Vorsitzenden wurde Sadtverordneter Konsul Litten gewählt. V/6R6INS-RUNDSCHAU ■slwIiM knai'n tu hatten «mJ *lc »ttu rcchlitlile fln*u*cnd.'n. Mamukrloic nur »ul einer Seile bc»chrelben — dculllcho SchrittI Oie Sehulilultrcr der Vereine werUen gebeten, Ute Bcrlente ncrilu. Die Nafloiial-knlturello Vereinigung liidl- «eher Akndenilkcr veranstaltet für Montag. 7. Novemer, 811 Uhr. im RuhUind-Hotcl. Mittelstr. 60. einen eierlichen L c w i n s k y - A b c n d, Herr Dr. S i m 0 n Hemfeld wird ein Referat abhaltcn über die Be- ,!ciitung und Verdienste dieses durch einen jähen l'od in der Blüte seiner Jahre aus unserer Mitte entrtssenen hebräischen Schriftstellers, der einer der Hervorragendsten Kämpfer auf allen Gebieten des Sationaljudcntums war. Um zahlreiche Beteiligung seitens der Vcrcinsmitglicdcr wird gebeten. Gäste. Damen und Herren, sind herzlich willkommen. Berlin. Der Dlskutlcrklub des Jüdischen Jugend• Hundes, Berlin, veranstaltet am 6. November. 9 Uhr abends, im Burg-Hotel. Burgstr. 20. einen Vortrag des Herrn Martin Amolski über ״Die Be- Jeutung der hebräischen Sprache für die Gegenwart". * Kiste sind herzlich willkommen. Am Dienstag, den 15. November, findet in den Prachtsälen ,.Alt-Berlin", Blnmcnstr. 10. ein ,.Jungjüdischer LitcraturuhciuT mit gemütlichem Beisammenscin statt. Herr Dr. Theodor Zlocisti hält den einleitenden Vortrag über ״Jungjüdische Literatur". Billcts ä 60 Pf. sind In der Buchhandlung von Louis Lamm, Neue Fricdriclistr. 60/63 und gegen Voreinsendung des Betrages bei Herrn Ph. Lichtenstein, Schciiingstr. 14. zu haben. Abendkasse findet nicht statt. Berlin. Der Jüdische Turnverein ..Bar Kochba" gibt uns seine folgenden Turnzeiten bekannt: I. Männe rabt.: Gr. Hamburgerstr. 27 Dienstag, Donnerstag und Sonnabend 8—10 Uhr. II. Manncrabt.: Kaiserstr. 29/30 Montag 8—10 Uhr. III. MUn ncrabt.: Nlcdcrwnllstr. 7 Dienstag und Donnerstag 8—10 Uhr. I. Frauenabt.: Auguststrallc 67/68 Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. II. Fra uc nabt.: Schlcswigcr Ufer 14 Montag und Donnerstag 8 -9!: Uhr. 111. Fra ne nabt.: Ifflund* straBc 9/11 Mittwoch und Sonnabend!58׳—!T10 Uhr. Lchrlingsabt.: Weißem/•• gerstr. 4a Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. Mädchenabt.: August- Straße 67/68 Montag und Donnerstag 6—714 Uhr. Sc h ü I c r a b t.: Hinter der Garnisonkirchc 2 Montag und Donnerstag 6-8 Uhr. Alte Herrenriege: Gr. Hamburgerstr. 27 Dienstag und Donnerstag 8— 10 Uhr. Vorturnerkurse. Turnlchrcrausbildungskursc, Fcchtiibungcn, Samaritcrkursc. Schwimmen. Turnfahrten. Gesellige und wissenschaftliche Unterhaltungsabendc. Bibliothek. Organ: Jüdische Turnzcitung erscheint monatlich. Gäste stets herzlich willkommen. Anmeldungen werden auf den Turnsälen cntgcgcngenomnien. Bureau: Berlin C.. Alcxundcrstr. 39 (Aufg. B. III Tr.). Tel.: VH. 10260, Uureaiistunden wocluntägllclt außer Sonnabend von 9- 1 Uhr. Hamburg-Altona. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona bittet uns unter Bezugnahme auf den jüngst veröffentlichten Bericht, zu berichtigen, da fl der Vorstand am Schluß des Berichtsjahres wie folgt zusammengesetzt war: Dr. Kalmus. 1. Vors.: L. Ester in a n n, 2. Vors.. R.-A. David. 1. Schriftführcr: Dr. Huldschincr. 2. Schriftführer: Leopold Landau, Schatzmeister: Dr. Ch wollest Dr. H a 1 p e r n: Frau Huldschincr: Dr. Victor. Hamburg-Altona, ln der Frmien-Verelnlgung der llonfstlschcu Orfsgrnppu Hamburg-Altona fand am doiuug. 10. Oktober, die 0 cne r al v c r s a m m - u n g statt. Nach Begrünung der erschienenen Mit- :lieder durch die Vorsitzende. Frau Huldschincr. rstattctc Frau Dr. Holpern den Jahresbericht und n Abwesenheit der Kassiererin einen Auszug aus lern Rechenschaftsberichte. Es War der Frauenver- •inigung möglich, trotz sehr bedeutender Kosten und )!!Schaffungen für eine von ihr im Kongrcilgcbäudc ungerichteten Teestube einen Ucbcrschuß zu er- ׳.ielcn, so daß über 400 Mk. zugunsten der nationalen nstitutionen und für den Kinderferienfonds Verwen- Jung fanden. Ein kleiner Reinerlös des Kinder- *urimfestes wurde durch die Sammeltätigkeit der Mitglieder und gütige Spenden auf eine Summe von 1400 Mk. erhöht, so daß ein geeignetes Gartengrunditiiek in Niendorf gemietet und so eingerichtet werden sonnte, daß zirka 70 Kinder während vier Wochen ilr den ganzen Tag liebevolle Aufsicht und Ver- Biegung fanden. Durch das Entgegenkommen des furnvcrcins Bar Kochbar wurde Ihnen auch zweimal wöchentlich Turnunterricht zuteil. Die Neuwahlen beriefen die Damen Frau Huldschiner (Vorsitzende), Frau Abraham. Frau Dr. Chwollcs. Erl. Ella Cohen, Frau Dr. Halncrn. Frau iaskel. Frl. R. Löbke. Frau C. Mathlason und Frl. J. Wolf! in den Vorstand. Es folgten Betprcchungen des Winterprogramms. Ein Beschluß, vom 3. November ab jeden zweiten Donnerstag Im Logenheim. Hartungstr. 9-11. eine zwanglose Zusanimcitkunft der Mitglieder von 8—10 Uhr abends clnztifllhrcu. fand allscitigc Zustimmung. Den Damen, die sieh an den Arbeiten für die Tagcsfcricnkolonic beteiligten mul den gütigen Spendern von Geldmitteln sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedünkt. Stettin. Am Mittwoch, dem 26. Oktober, sprach in der Stettiner Zionistischen Vereinigung Herr Parteisekretär BI u m c n f c l d über ..Judentum und freies Menschentum". In fesselnden, mehr als einstüiuligcu Ausführungen legte der Redner dar. daß nur der Jude ein freier Mensel! sei. der ganz die in ihm liegenden jüdischen Entwickhingsinöglichkcitcn zur Reile bringe. Der Nationalismus schließe das freie Menschentum nicht aus. sondern mache cs erst möglich. Nur auf dem festen Boden der Nationalität könne wahre innere Freiheit erwachsen. 1111 Anschluß hieran forderte Herr Ref. Greifenhagen die Anwesenden zum Anschluß an die beiden Qrgtnisntinncn auf. die in Stettin allein den Nationalitiitsgcdankcn und damit den (llaithen an die freie Zukunft des Juden- (ums vertreten, die Zionistische Vereinigung und den Jüdischen Turnverein. Die übrigen Organisationen seien außerstande, etwas für die innere Befreiung ihrer Mitglieder zu leisten, weil dort Mitgliedern und Leitung das starke persönliche Interesse fehle, das den Nutionaljudcn an sein Judentum knünfe. In einem feinpointierten Schlußwort ergänzte Herr lilumenfcld diese Ausführungen wie die seines Referats und wies noch einmal auf die starken Persünlichkcitswcrtc hin. die der Zionismus bei seinen Anhängern auslöse. Die Ausführungen der Redner erweckten das lebhafte Interesse der Zuhörer. Einige Beitrittserklärungen bildeten den äußeren Erfolg des Abends. —• Am 27. November wird Herr Blumenfeld im Stettiner Jüdischen Jugeudbund sprechen. Posen. Die Natloual-iiidlsclie Frauenvercliilgiiiig Posen hat in diesem Jahr zum ersten Mal eine große S i 111 c 11 a s - T h 0 r a f c i c r für die Jugend voranstaltet. Ueber 300 Gäste jeden Alters, aus allen Kreisen unserer jüdischen Bevölkerung füllten den festlich geschmückten Stal. Ein Prolog, welcher das bevorstehende Fest erläuterte, leitete die Feier ein. Es wurden jüdische Lieder zum Vortrag gebracht, ferner folgten Rezitationen jüdischer Märchen und Erzählungen, von Frl. Martha Wolfsohn ineistcr* liaft vorgetragen. Die nächste Progranininuinnicr bildete ein kleines Tünzerpaar: Winzer aus unseren jüdischen Kolonien, welche durch Gesang und Tanz erfreuten. Den Schluß des ersten Teiles bildete ein lebendes Bild, ״eine junge Mutter beschützt im Kreise einer munteren Kinderschar ihren jüngsten Spröllling" darstclclnd. Eine Bewirtung mit Kuchen und anderen Süßigkeiten, eine Wilrfclbiide. verschiedcnc Kreis- und Bewegungsspiele, sowie ein all* gemeiner Tanz ließen eine echte Simchas-Thora- Stimmung aiifkomnicn. Diese Veranstaltung war wohl die beste Gelegenheit zum Vertrieb von mehr als 100 von den 1'lcißigcn Damen der Frauenvercinigung selbst gefertigter Fahnen, und so waren in diesem Jahr in unsern Synagogen die blau-weißen Fahnen mit dem goldenen Davidsschild sehr zahlreich vertreten. Ein größerer Ucbcrschuß für den Nationalfonds bildete den materiellen Erfolg des wohl* gelungenen Festes. Köln. Am 29. Oktober fand hier im Hotel Berlin der erste der internen Samstag-Abende der Zfoiiistlselien Vereinigung Köln statt, der sich eines guten llcsuclies zu erfreuen hatte. An ein kurzes, einleitendes Referat des Herrn Reinhard über die ״Nationale Frage" schloß sich eine rege Disk 11 ssiim. an der sich die Herren Grün c h a u m , R u b c n s o 11 n . G o I d r c i e h und Dr. Rosenblüth beteiligten. Danach besprachen die Herren Gold re ich. Pollak und Dr. Roscnblü t h einige wichtige Ereignisse der letzten Wochen von zionistischem und allgemein-jüdischem Interesse, wie die Palästina-Nummer der ״Welt" die türkische Anleihe usw. Für den Jüdischen Nationalfonds wurde gesammelt. Der nächste interne Abend, zu dem auch Gäste willkommen sind, findet am Samstag, dem 5. November, im Hotel Berlin statt. Trier. Am 19. Oktober hat Herr Jakob Reich aus München im hiesigen Jüdischen Blldungsvercln einen Vortrag gehalten Über ״Die Aufgaben der Jüdischen Jugendorganisation". Die AnslVßmmgcn des Herrn Reich, die von nationaler Begeisterung getragen waren, haben bei einem großen Teil der hiesigen Jugend lebhaften Widerhall gefunden und er crntclc für dieselben großen Beifall. An den Vortrag schloß sich eine sehr anregende Diskussion an. an welcher sich alle Riehtuiigcu beteiligt haben. Durch den Vortrag des Herrn Reich ist zu erwarten, daß ein jüdischerer Geist in unserem Bildungs-Verein cinzichcn wird. S. G. Essen. Als eine wohlgclungcnc Veranstaltung ist der Simchas-Tliora-Untcrhaltnngsabcnd zu bczcichneu. den die Zionistische Ortsgruppe am vorigen Dienstag Abend im Saale des Hotels Union voranstaltete. Unter der humorvollen Leitung unseres Vorsitzenden, Herrn D. Trou, griff sehr bald eine echte Simehas-Tora-Siiminung Platz, die durch die launigen Rezitationen verschiedener Ortsgruppen- ״Künstler" bis gegen 1 Uhr nachts standhiclt. Erfreulicherweise lieferten auch verschiedene Gäste recht hübsche Beiträge zur allgemeinen Unterhaltung. ) Besonders hervorzuheben sind einige Lieder, welche ‘ das als Gast erschienene Frau Luft mit prächtiger. TTCSChulter Altstimme In künstlerischer Vollendung vortrug. Den Schluß bildete die mit großer Be- .gcistcrung gesungene Hatikwah. Hoffen wir, daß der «zahlreiche Besuch dieser Veranstaltung auch bei ernsten Arbeitsabenden sich wiederholen wird. Kattowltz. Am Montag, dem 10. v. Mts., fand im hiesigen Jugendbunde eine von 15t) Mitgliedern und zahlreichen Gästen besuchte außerordentliche O e n cralvcrsam »bl ״ ״ « statt. Als Vertreter der Goncordialoge und des Literalurverciiis war Herr Dr. Braun Schwelger, für den Verein der Jugendfreunde Herr Arnold Wiener erschienen. Der Vorsitzende. Herr Rechtsanwalt Walfisch, bcgründete — Punkt I der Tagesordnung — den Antrag des Vorstandes auf Verlegung des Vcrciiisjalircs. das bisher mit dem bürgerlichen Kalenderjahr identisch war. auf die Zeit von Oktober bis Oktober. Nach kurzer Debatte, an welcher sich die Herren Rabbiner Dr. Nisclikowskv und Dr. Braunschwcigcr contra. Kappaport, Ma rgu- 1 i c s und Wiener pro beteiligten, wurde der Antrag mit großer Majorität angenommen. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, der ein Bild der fortschreitenden Entwicklung des Vereins — er zählt bereits 225 Mitglieder — und der regen und mannigfaltigen Tätigkeit des Vorstandes gab. mit lebliaftcm Beifall aufgenommen und debatlelos genchmigt wurde. Auf Antrag von Herrn Dr. Braunsebweiger erteilte die Versammlung dem Vorstand Dcchargc und votierte ihm Dank und Ancrkennung. Der alsdann vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes ging, nachdem R.-A. Walfisch auf cino Wiederwahl aus beruflichen Gründen verzichtet hatte, eine temperamentvolle Aussprache über die Oualifikation der Kandidaten für den 1. Vorsitzenden voraus. die von den Herren Hugo Nothmann und Fritz Cohn auf der einen. Margulics. Referendar Ehrlich und Arnold Wiener auf der anderen Seite bestritten wurde. Die Zettel-Abstimmung ergab die Wahl von Herrn Siegmund Ruppaport zum 1. Vorsitzenden mit 71 Stimmen, während auf Herrn Hans Kornbtum 45 Stimmen fielen und der Rest sich zersplitterte. Es wurden ferner gewühlt: Dr. Otto Aronadc (stellv. Vorsitzender), Alfred Nothmann erster, Frl. Rose Ooldmann zweiter Schriftführer, L. Wachsncr Kassierer. Frl. Krebs, Frl. Ottilie Angreß. Dr. Pinezower und Heinrich Margulics Beisitzer. Die Versammlung endete erst um 1 Uhr nachts. Berlin. Am gestirigen Donnerstag veranstaltete der Zcntralvereln deutscher Staatsbiiger jüdisches Glaubens eine a 11 ן e m c i n c Versammlung! in der die Herren Rabbiner Dr. W c i s s c und Syndikus Dr. Holländer zu dem leider allezeit aktueilen Thema ״J u d c n t a 11 f c n" Stellung nahmen. Leider wurde cs unsererseits durch ein Versehen veru!)Säumt, auf diese interessante Versammlung hinzuweisen. Wir hoffen, daß dennoch eine große Anzahl unserer Leser an dem Meeting, das ja auch der Ocffentlichkcit angezcigt worden ist, tcilgcnommen hat und werden über den Verlauf in unserer nächsten Nummer referieren. Königsberg I. Pr. ln der Zionistischen Vereintgung hielt am 20. d. Mts. Herr Alexander Friedmann, ein Kenner ostjüdischen Volkslebens, einen Vortrag mit Lichtbildern über ..Che der und Jcschibah". ..Glieder" die Schule und ..Jeschibah" die Hochschule der Ghetti Osteuropas, muß man als Grundlagen und Stützen der ostiüdischen Welt bezeichnen. Sic bilden den Schlüssel für das Seelenleben des Ostjuden. Sein ganzes Wesen beruht auf der Entwicklung, die Glieder und Jcschibah auf ihn ausgeübt haben. Schon im Alter von 4—5 Jahren wird das Knählcin von den Eltern ins Glieder gebracht. Der Lehrer ist kein großer Pädagoge, aber er kann erzählen, er versteht die Helden der Geschichte lebendig zu machen. Mit Heißhunger werfen sich die Kinder auf das Lernen und durch den lebendigen Unterricht bleibt das Gelernte viel leichter im Gedächtnis haften, so daß das Auswendigkonnen der Bibel nichts Seltenes ist. Mit 7 Jahren beginnt der Knabe das Studium des Talmuds. Nach Vollendüng des dreizehnten Jahres entscheidet cs sich, ob er ins Leben tritt und einen Beruf ergreift oder ob er in der Jcschibah Aufnahme findet. Maßgebend ist nur die Begabung. In der Jcschibah wird Tag und Nacht studiert und der Unterricht ist ein subjektiver. Im Diskurs erweist sich, wer starken Geistes ist. Hoch geachtet sind die Talmudjüngcr. Selbst die Armen des Orts sparen sich Bissen von der täglichen Nahrung, uni sic dem TalmudiUngcr, der meist auf Unterstützung angewiesen ist. bieten zu können. Verschieden gestaltet sich das spätere Leben der jungen Männer. Die Zierden der Jcschibah sind begehrte Schwiegersöhne. Ein anderer Teil verläßt die Jeschibah, weil ein unbezähmbarer Drang nach der Weltkultur in ihm rege geworden Ist. Er fristet in den Universitätsstädten Westeuropas sein Leben auf kümmerlichste Weise, nur um studieren zu können. Ein dritter Teil endlich bleibt in der Jcschibah und bis in das späte Alter bleibt seine einzige Bcschäftigung das Talmudstudium. — Glieder und Jcschibah, die uralten Lehrstätten, sind heute dem Untergang geweiht. Der Sturm der Revolution fegte auch durch die Ghetti und trieb einen Keil zwischen Vater und Sohn, daß sie einander nicht mehr verstanden. — Eino Menge bedeutender Juden haben ihre erste Er- Ziehung in Glieder und Jcschibah genossen. Der Mathematiker Prof. Schani ra (Heidelberg), die Bildhauer Marc Antokolsky und Henryk Qlyccnstcin. der die gewaltige Messias-Statue geschaffen hat. Prof. Boris Schatz, der Leiter der Kunstgcwcrbcschule ״Bczalcl" in Jerusalem. E. M. Lilien, der Bibclillustrator. sic alle sind aus Cheder und Jcschibah hervorgegangen. — Der sehr beifällig aufgenommene Vortrag, dessen Inhalt hier nur mit knappen Strichen angedeutet werden konnte, eine starke Wirkung aus. die übte auf die Hörer

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