Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 43 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE KUNDSCHAU i 4 I ז » Nr. 43 Seite 401■ Von der hebräischen Ortjanisalionsarbcil Der ״Organisation für hebräische Sprache und Kultur" gehören gegenwärtig etwa liumlcrt Orts• ginppeii in allen Ländern mit zahlreicher jüdischer lU-völkerung an. Zur einheitlicheren und systema* tischen Durchführung der Orgauisatlonsaufguben sind in einigen Ländern besondere Landeskontitccs gebil* »let worden, so in Heuuehland (unter dem Vorsitz \.ווי l’rofessor I׳.. Mittwoch, Merlin N.W.. Kirch• sirallc 23); in Galizien (Adresse: L. Betula vid, Lein•!׳;׳ig. Urodccka 27): in Rumänien (Adresse: Rabbiner Pr. Jacob Nacht in Focsani, und Rabbiner Dr. N. Nicmirower, Jassy), und in Palästina (David Ycllin , Jerusalem mul Markus Kahan in Jaffa.) in Ruß. ׳ ui sind besondere Rayons gebildet worden. Kiew «Vorsteher: Ilille) Slatopolsky); Wlhia (Vorsteher *•Giesskin): Russ.-Polen (Vorsteher: L. Kaplan und L.m-Avigdor in Warschau): Moskau (Vorsteher: I. A. N ,iditsch); Odessa (Vorsteher: M. Us.sisclikiu). Die Aufgabe!» und Arbeiten der Vereine sind —• : .1/ der Einheitlichkeit ihrer Grundtendenz: U i c I b!־ a i s i c r 11 u g der Judenheit - in den ein• . 'neu Landern naturgemäß verschiedenartig, flau• 1: cs sich im Osten darum, die bereits vorhandenen . 0(;tischen Kräfte ziisnmmviiziifusscn zu eiulieit* « •en Aktionen für die Pflege des Hebräischen als t »er lebenden Verkehrssprache, für die Verbreitung . r hebräischen Literatur und fiir die Hebraisicrung , > indischen Hrzicimiigswcscns, — so gilt cs in!<> u Westlaitdern erst hebräische Kräfte zu bilden, t .• Kenntnis der hebräischen Sprache, die bisher nur '11״ wenigen Juden beherrscht wird, in •weiteren י ■eisen an/ubalmcn. Dementsprechend hat sich das , tusche Landeskomitce unserer Organisation zur Hauptaufgabe gestellt, he britische Sprach- Kurse an möglichst vielen Orten des Reiches zu begründen. Dieses Komitee befallt sielt auch mit der Ausarbeitung und Vorbereitung von hebräischen 1 vlirbUchcrii für die deutschen Juden. Alle diejenigen,!!c sieb hierfür interessieren, mögen sich daher an «Hs genannte Komitee wenden. Die bisherigen Publikationen des Zcntralkomi* wes unserer Organisation sind in 11 e b r ü Ise h e r .-praelie abgcfallt. Diese Publikationen sind: 1. Protokoll der hebräischen Kulturkonfcrcnz in 1!erlin 19.—21. Dezember 1909. (Preis 75 Pf.) Zu beziehen durch ״Achiasaf", Warschau. 2. Appell au das hebräische Publikum int Namen der genannten Konferenz (enthält alle Beschlüsse derselben). 3. Erstes Zirkular der ״Organisation für hebrä- Ische Sprache und Kultur" (enthält Angaben über die Organisierung und Tätigkeit der Vereine). *1. Arbeitsprogramm der Organisation (mit Ent* würfen fiir gröbere allgemeine Aktionen zur Eörderung der hebräischen Kultur). Die drei letzten Publikationen werden Jedem auf Wunsch unentgeltlich zugeschickt Eine jüdische Emigrationskonferenz Über eine hoclibcdcutsamc Tagung, die unlängst m l,i bau stattfand, wird uns von dort geschrieben: Vor kurzem tagte liier eine Konferenz angescheuer Führer der Jüdischen Gesellschaft, die sich imt Prägen der jüdischen Emigration aus Rulüand be• fai’.tc. Die Administration legte der Konferenz die «!)Ilten Schwierigkeiten in den Weg, als wäre sie er.:c ..gefährliche" politische Zusammenkunft und verfolgte nicht rein humanitär-praktische Ziele, deren N:!!zen und Bedeutung allgemein anerkannt werden. Zahlreichen auf dem Gebiete der jüdischen Emigration uakcndcn und erfahrenen Personen, wie einigen Mitg'adern des Petersburger JCA-Komltccs. den Mitgl: dern des hiesigen Emigrationskomitecs und Verintern des Berliner ״Hilfsvcrcins", verbot das M 'iisterium die Beteiligung an der Konferenz. Außerdv a verfügte die Administration, daß diif Steno• gr :•hen der Konferenz mir Nichtjuden sein dürften. . . Ah der Spitze des Beratungsprogramms stand die Frage der Grenzkomitccs. Zu einer definitiven Li« ung dieser scliwicrigen Frage gelangte man jedoch nicht. An der preußischen Grenze, wo cs eine Konim'lstation für die Auswanderer gibt, ließe sich noch in dieser Hinsicht etwas tun: anders liegt aber die Sache an der österreichischen Grenze, wo eine solche Knntnillstation nicht existiert und die Auswanderer vielfach die Grenze mit Hilfe von Agenten passieren. Fdiier beriet die Konferenz über die von den Iminfg'.iiionsländcrn wegen Krankheiten zurückgcwicscncn Personen, und beschloß: eine Spczlalkommlssion zur ärztlichen Untersuchung der Auswanderer cinzusetzen: die mit einer Krankheit behafteten Auswandtrndcn nach Möglichkeit zu heilen, sowie an den Inmiigrationsstationen besondere Ärzte mit der Verteidfgung der in ungerechter Weise Zurückgewiesenen *« beauftragen. Die Konferenz beschloß noch, die Tätigkeit der lnformationsbureaux zu erweitern md zu diesem Zwecke einen gröfleiWn Zuschuß vom Pariser Zentralkomitee der JCA zu verlangen. Für die Rückwanderer wurde die Einrichtung eines Versicherimgsiiistitutes angeregt, das ihnen zu den Kosten der Rückreise beitragen soll. Die Konferenz, beschloß ferner auf Antrag des Zentralkomitees der JCA, an der Emigration nach GnlvcsUm ,.mit den sieb damit befassenden Organisationen" gemeinsam zu wirken. Die Konferenzmitgüiedcr besichtigten die Auswanderimgsscliifi'c der russischen Schiffsgcscllschaften, wobei sie wenig günstige Eindrücke empfingen und namentlich die dritte Klasse in einem äußerst betrübendem Zustande fanden• Eine erfreuliche Reform Uns wird geschrieben: Wir leben bekanntlich im Zeitalter der Reformen. Der so überflüssigen Reform des Judentums folgte die weit nützlichere Reform der Unterkleidung und die des Mimelieiicr Varietes. Neuerdings mm scheint sich, wenn nfclil alle Anzeichen trügen,;mell auf dem Gebiete des jüdischen Witzes eine Reform anz.ubahnen. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Reform gerade in den bewußt jüdischen Kreisen seit langem als ein Bedürfnis empfunden wurde. Mau will natürlich mein jenem aUehrwürdigen jüdischen Witz zulcihc rücken, in dem sich die Volksseele m ungebrochener Klarheit spiegelt und den man ganz, gut als ein Stück nationaler Trnditinn ansprcchcn darf. Er ist unverwüstlich und hat schwereren Anfeindungen als denen eines reformlüsternen Zeitalters widerstanden. Aber gerade ihn gilt cs bei der neuesten Reform aus dem Wulst von Anekdoten und Schnurren, die fremde Mißgunst und eigene Nichtachtung unter der Flagge des jüdischen Witzes segeln ließ, zu konservieren. Hinfort soll es möglich sein, eine Anekdote, in dor irgend ein ״Held" es in Geld- oder Huudclsdingcn an der letzten Akkuratcssc fehlen lädt, weiter/,ugeben. ohne sieh dabei jenes pscudojiUlischen Dialektes zu bedienen, der mit dem, was wir als jüdisch-deutsche Sprache kennen, nur ganz entfernte Ähnlichkeit hat. Eine der letzten Nummern der ״Lustigen Hliitter", die bisher wohl kaum je geglaubt haben, auf das Ehrgefühl Ihrer jüdischen Leser Rücksicht nehmen zu müssen, gibt uns eine Probe dieser neuen Spezies: aus Den GeMeiriDCN 01• Miur&el» un»«r«r L««r «n dleier Rubrik 111 btionätra ———— *rwUnictu.-— Berlin. Bekanntlich hat die Deutsche Zentralstelle für jüdische Wandeiarmeiifürsorgc in ihrer außerordentlichen Tagung vom 18. September d. J$. den früheren Beschluß bestätigt, daß die Organisation In rcits am I. Oktober ihre Tätigkeit beginnen solle. Die praktische Erfahrung zeigt, wie richtig es war, den von inaiieheu Seilen geltend gemachten Bedenken nicht Raum z.u geben. Man hat vor allem auf die 1!(Cl1 vorhandenen Lücken der Organisation, namentlieh in Süddeutseldaiid. Iiingcwicscn. Ls zeigt sich aber, daß gleichzeitig mit dem Beginn des Funktio* nicrcns auch der Ausbau in erfreulicher Weise Fortschritte macht. Zwei der wichtigsten vorhandenen Kassen: Der Z c n t r a I v c r c hi zur Unter- Stützung durchreisender Israeliten F 11 r t h •א u r n be r g und der Israel tische 11 i I f s vc r c i n F r a n k f u r t a. M. haben ihren Beitritt vollzogen; das Gleiche ist selbstverständlich seitens der neu gegründeten W c s t p r e 11 ß i sc 11 e n P r o v i nz i a 1 k a s s c mit dem Sitz in Tliorn geseliehen. Auch mit verschiedenen wichtigen baveriselten Gemeinden werden aussichtsreiche Verbandhmecn wegen Anschluß an die Deutsche Zeiitr.!stelle und wegen Schaffung neuer Grenzburo, gepflogen. In Elsaß-Lothringen nimmt der bisher durch Krankheit verhinderte Sekretär des untcrelsässischcn Kuratoriums. Herr H. Haguenaucr-Straiiburg. ein an• erkannter Fachmann, seine Hemiihungeii wieder auf, die schon vielfach 4u den Rciclislamlen vorhandenen Ansätze zur Schaffung einer gemeinsamen Landeskasse unter Anschluß an die Deutsche Zentralstelle zur Entwicklung zu bringen. Die Vorbereitungen zur Scliafftmg einer O s t p r e u II i s c 11 e ■1 Provinzial kasse mit dem Sitz in Königsberg machen Fortschritte; diejenigen einer Kasse tur die Prov i nz Hessen und angrenzenden Bezirke mit dem Sitz, in Cassel geben ihrem Abschlüsse entgegen. So ist lloinmng vorhanden. daß in absehbarer Zeit kein größerer Bezirk mehr der Deutschen Zentralstelle fernstehen wird. Inzwischen entfaltete sich auch ein reges, inneres Leben: (irenzbüros und Provinzialkassen machen die Probe auf gemeinsames Arbeiten unter Vermittlung der Deutschen Zentralstelle. Die Auffassung von F.inzclfragcn der Praxis sind noch vielfach divergierend und manclicrorten noch ungeklärt. Das hat aber niemand anders erwartet. Die Praxis kann nur aus der Praxis lernen tmd tler augebalmte lebhafte Austausch der Erfahrimgeit ist ein Hoden, der sicher bald gute Früchte tragen wird. Wahrnehmung brcclitigtcr Interessen. Herr Klepper hat zu einem Geschäftsabschluß einen Freund mit gebracht und bespricht in dessen Gegenwart hüchst umständlich die Kaufpreise. Auf dem Heimwege sagte der Freund: ״Deine Taktik verstehe ich nicht; du redest mit dein Manne hin und her, drückst iltn mit den Preisen unter die Möglichkeit. — ieli kenn' dich doch, du wirst ihm doch überhaupt nicht bezahlen, also warum handelst du um jede Kleinigkeit, wie um einen alten Gaul?" Da meint der Käufer: ״Das tu* ich. weil ich nicht will, daß der Mann so viel an mir ver- 1 i c r 11" Man mul; zugeben, daß dieser alte Bekannte hn neuen Gewände keinen, üblen Eindruck macht, und daß die Pointe des Witzes kaum schärfer hervorträte, wenn der Held mit dem Namen Colin belegt worden wäre. Auf Jeden!,all würde ein Fortschrciten auf diesem Wege die Lektüre unserer Witzblätter, — In denen wirklich jüdische Witze kaum zu fehlen brauchten - weit angenehmer machen. Aber von der Presse allein Ist auch liier nicht alles Heil zu liollcn, sondern ein jeder, der sich so gerne über den Schmutz In der Kolportage des Buchhandeis entrüstet, achte peinlich darauf, daß er als Witzko)portcur nur solche Ware mit sich führt, mit der er sein eigenes Nest nicht beschmutzen kann. Jene Sammlungen aber, in denen unsere ״Mauschcls“ sich als Grossisten dieses unsauberen Handels bewähren, werden bei einem Fortschrciten der jüdischen Selbstachtung bald nur noch in antiscmitistischcn Kreisen Anklang finden. Alllance Israllitc Universelle Zum Geschäftsführer int Ehrenamt der Deutsehen Konfcrcnzgcnicinschaft der A. 1. U. ist der Rechtsanwalt Dr. Apfel-Berlin gewählt worden. Wir sind überzeugt, daß cs nicht leicht war, für einen so hochbegabten Mann wie Klausner einen Nachfolger zu finden, bezweifeln aber — ohne dem neuen Geschäftsführer zu nahe treten zu wollen —, ob cs einem ehrenamtlichen Funktionär möglich sein wird, die umfassende agitatorische Wirksamkeit Klausners in ähnlichem Maße fortzuführen, deren eine große jüdische Organisation, wenn sie nicht erstarren will, heute nicht mehr entraten kann. V€Re1NS*RUMDSCHAU mngttch'l knsnp *u hißten und sie ilels rcchuditz elnxincnilen, Mftnuikriotc nuf ®ul einer Seile bochfclbcn — üculUcho SchrillI Ule Schtlüluhrcf Cef Vticine 8<kcU1>. 01c Uciltt״# Ucrlln-Cltarlolicnhur. Generalversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Dienstag. 1. November, abends 9 Uhr, im CafC־ Nollciidorf-Casino (Oberer Saal). Kleiststr. 4L Vortrag des Herrn Dr. Loewenheim über Nationalismus und Palästinaarbeit. Gäste. Damen und Herren, besonders die Mitglieder der anderen zionistischen Organisationen Groß-Berlins, sind willkommen. Chnrlottcnbiirg, Der Jüdische Turnverein Char- (Ottenburg bückt nunmehr auf ein zweijähriges Bestehen zurück. Aus kleinen Anfängen ist eine straffe Organisation von ca. 50 Mitgliedern geworden. Getreu den Tendenzen der ״Jüdischen Turnerschaft" bieten wir unseren Mitgliedern nicht nur Gelegenheit zu jeder Art turnerischer und sportlicher Betätigung, sondern bestreben »ms planmäßig, ihr jüdisches Wissen und Wollen zu festigen und zu entwickeln. So haben wir auch für das kommende Winterhalbjahr eine Reihe von Vorträgen gewonnen. Am Dienstag, den 1. November, spricht unser Herr Doernherg über ״Das Problem der deutschen Juden." — Am Sonnabend, den 19. November, iindet im Kaisersaal der Ausstellungshallen am Zoo unser drittes Stiftungsfest statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. Wir bitten unsere Freunde schon jetzt, siel» den Abend für uns zu reservieren. Zu .allen Veranstaltungen sind jüdische Jünglinge herzlichst cingcladcn. Jeg- . liehe Auskunft erteilt bereitwilligst Zahnarzt Henry 1 Unna, Berlin W. 55. Körnerstr. 1811, 1 Hamburg. Am Donnerstag, den 20. Oktober, hielt die Zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona eine Mitglieder-Vor Sammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Bernhard David, richtete einen Appell an die Mitglieder zu energischer Mitarbeit und erörterte das Programm fiir den kominenden Winter, in welchen» alle 14 Tage Mitglieder- Versammlungen stattfinden sollen. Herr Leopold , Landau erstattete hierauf ein eingehendes Referat I über den Dclcgicrtcutug in Frankfurt a. M.. welches!lebhaften Beifall fand. Herr Referendar Gotts e I» a I c k besprach die jüngsten Ereignisse in der Bewegung. In der den Referaten folgenden Debatte wurde besonders darauf hingewiesen, daß die Neueestaltung der türkischen Gesetzgebung den Erfolg der zionistischen Palästina-Arbeit sichere, die nunmehr mit verstärkten Kräften ,fortgeführt werden müsse. Es wurde die Einrichtung von Palästina Kursen und die Pflege der hebräischen Sprache angeregt« während man auf der anderen Seite eine intensive Beschäftigung mit den thcorctlsehen Grundlagen des Zionismus verlangte. An der