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Jüdische Rundschau · 1910-10-28 · Heft 43 (28.10.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I I I I I I I I I ו 1 i ך־־—— Abonnomonte * »ul die w&chenlllcli »m Frei• ן 11( erscheinende Jüdlscbe ■ KuruUchsu" hotte■ bei der | Kipedlilon und bei allen Pont• 1 linicrn vicrii-lllhrllch 1.25 M.! »uttethalb Dcuttchlmdt and I Oeiterrelch-Unfarn» 2,— Mi I Ihr Mitglieder indischer Ver- »Ine In Simmelbetu» durch dea Verein I,— M. Verla( JldUche Raidicha■ C. U. m. b. II. Berlin SW, U, Zlamerttr. 77. Qeichlftutuadea: ג bli 7 Uhr I »euer Sonaabead aad Sonate!• Anzolnon kosten ISr die Ulnltetpsliene Pell 1/fIle oder deren Raum 25 Plf.: Stellea-Angcbote und Oetuche sowie Verelnsmlt♦ tellnnfen 0. ״Kleiae Antelfea” nur 15 p|f. ooaooooo Manuskripte werden, wena Porto beilleit. stets turDcV. «esnndt. — Redaktlonsscblust Mittwoch vormlliaKf. Redaktion jrtdlich• Rundtcbsa Ueri!n>Charlottenburg, Blelbtrenstr. 41. Tel. Ch. 7881 Sprechstunden Dienst« und 4 * *י -«ekmilfifl I .U v3Z/W) K«, OK) <3 §)(LOSE)OS(§ln) 2 TttDKOO Berlin, den 28. Oktober 1910 — 25. Tischrl 5671 Nummer 43 XV. Jahrgang Von türkischer Politik ln diesen Taget! wurde die Welt ziemlich j t *errascht durch eine spontane Aeußeruttg von I!■׳••!Wer politischer Bedeutung, die auf eine Ab• |• in־ der islamischen Welt von den Machten der 1: iple-Entente zugunsten der Drei* 1׳ u n d m ä c h t e schließen läßt. Längst schon v aren Anzeichen dafür vorhanden, daß die tra• liäionellc Vorliebe der Orientalen für Engaltid und Frankreich einer nüchternen Ueberlegung weichen würde, und in der Tat kann man sich l'atini einen verhängnisvolleren politischen! eitler vorstellen, als die Anlehnung an so ge• 1 »hrliche Nachbarn, wie gerade England und iTankrcidi es für die Länder des Islam sind, betrachtet man die Eortschritte dieser beiden .'dächte wie auch Rußlands, so sieht man, daß diese Expansionen in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich auf Kosten islamischer Länder erfolgt sind, und alles deutet darauf hin, »laß diese -Machte der Triple-Entente auch weiterhin auf eine Schwächung der islamischen Positionen ausgingen und noch ausgehen. Marokko, Aegypten und Persien sind nur die neuesten Marksteine in dieser Entwicklung. Vorauf gingen die \ttglicderung Algeriens und Tunesiens und des riesigen Hinterlandes durch Frankreich, die Eroberung von Batum, Kars und Ardabnn durch die Russen und Cypcrns durch England und seine Umtriebe in Südirabien etc etc. Pen Türken und Persern ist aber endlich Jer Geduldsfaden gerissen. Der ״Tag“ bringt iai über aus Konstantinopel folgenden telegra-?hischcn Bericht: Zum heutigen Sonnt;!« war von den führenden türkischen und persischen Persönlichkeiten eine «rode politische Protestvcrsammlunß in das Odeon einberufen worden, die in eine großartige, imposaute Demonstration ftir Deutschland und in eine begeisterte Huldigung für Kaiser Wilhelm aus• klaiig, Die Versammlung dauerte fünf Stmuli■»: zahlreiche prominente Politiker ergriffen das Wort. Der russische Tartar Agajow, ein hiesiger I’ubli- /-ist, der sich durch seine temperamentvolle Hukämpfung der russischen Politik einen Namen gcmacht, «ab einen geschichtlichen Ucbcrblick. darin «ipfclnd. Europa habe seine Kultur vom Orient übernommen und benutze sic nun, um die orientalischen Völker zu unterdrücken. Die Türkei dürfe der Raubpolitik Rußlands und Englands Kcßenlibcr nicht gleichgültig bleiben, da in Persien aber eine Lebensfrage der Türkei entschieden werde, und ieuc Mächte eines Ta«es dieselbe Politik, wie jetzt «e«cn Persien, «e«cn die Türkei verfolgen könnten. Die Türkei müsse daher den Anschluß an die europäische Macht suchen, der solche Raubpolitik widerstrebe, und die noch immer die mohammedanischen Völker beschützt habe. Als zweiter Hauptredner erklärte der Koinitccführcr Nadschi-Bci, England habe schic Humanitätspolitik aufgegeben mit dem Ta«c. da es mit Rußland jene Entente gegen den Islam «eschlossen. Großbritannien habe seine Tradition als Beschützerin unterdrückter Staaten c11d«ülti« verlassen. Als letzter Hauptredner sprach der Ab«cordnctc von Smyrna. Ubcidullah. ein sehr einflußreicher Ocistlichcr und prominenter Parlamentarier, In zündenden Worten zu der Ver- Sammlung, in der sich zahlreiche Offiziere, viele Abgeordnete, Koto Bedeute, Geistliche und Gelehrte befanden. Kr sa«tc, Frankreich und En«• land sind einst die Ideale der türkischen Frcihcitsbestrebungen und des türkischen Liberalismus gcwesen, beide haben uns schwer enttäuscht. Frankreich, das dem reaktionären Rußland Milliarden gegeben. macht unserem Verfassungsstaat Sch wie- *igkeiten bei einer Anleihe, die man dem Jildiz in zehnfacher Höhe bewillirt hätte. England streckt seine _ . ״ -Der Zlonlimua cratrcbt lOr Ca! lOdiache Volk Clo Schattno( ela«r öUcotlich-rccblllch ceiicherica Hclmitiue 10 Pal1.il*. Dauter Proaranm. Aus dem Inhalt Von liirklsclicr Politik. — Palästina und andere Länder. Von M. Ussisclikin- Odessa. — Mitteilungen der Orguiilsatlon für licbrälsche Sprache uiid Kutltir. — Flu jüdischer Emlgratlonskomtreß. — Aus den Gemeinden. — Vereinsrundsehau. Wegen der Feiertage mußte der Umlaii« der י vorliegenden Nummer auf H Seiten beschränkt | werden. Hand nach Persien aus, aber die Mohammedaner der ganzen Welt haben einen niUehtigcn Be• schiitzer. der ihnen zur Seite stand, wo immer sic bedrängt wurden, ob am Bosporus, in Mazc• doiiien oder in Marokko. Dieser Beschützer ist der Deutsche Kaiser. Auf ihn richten sich in diesem historischen A11«enbliek die Amten der «auzen mohammedanischen Welt. Für die Türkei ßibt cs nur eine politische Kombination in Kuropa, bei der sie Verständnis finden kann, den Drei• blind, der ihre Interessen mich schlitzen wird. ..Wenn Sic mir daher erlauben, wollen wir •liier anwesenden Mohammedaner, die wir sehr wohl für;!,,וו ean/t'n Islam * ar^rlo'n können, da ich Vertreter aller ntohammedamselu י Mumme liier um mich sehe, ein Danktclc«ramm an den Deutsehen Kaiser senden, und ihn. den treuesten Be• sdiiit/.cr des Islam zu lütten, schic Hand auch Uber unsere bedrängten Brüder in Persien zu halten." Jubelnder Beifall lohnte dem Redner, der darauf erklärte, ich nehme an. daß Sic nicht mir, sondern dem Deutschen Kaiser applaudieren. Alles erhob sich von den Sitzen, und dreimal durclibraustc der Ruf ..Jassaschim Guilelm ikkindsclü", — ״Hoch lebe Wilhelm II." — den Saal. Ein von der Versammlung gewählter Ausschuß wird das Il11ldi«un«stcleßra1nm redigieren, welches morgen abgeht. Für unsere Leser wird dieser Ideengang nicht ganz neu sein. Schon seit Jahren hat Davis Trietsch immer und immer wieder auf die Parallelität der t ii r k i s c 11 e n . der d c 111• sehe 11 und unsei er Interessen hingewiesen. So zum Beispiel in einem Artikel ״Eine s t a r k e Türkei“ vom 23. Juli 1009. Dort heißt es: ״Will Deutschland die wirtschaftlichen Möglichkeitcn der Türkei so voll als möglich aus• nützen, so darf cs auch vor der Konsequenz nicht zuriickschrcckcn, die politische Sicherstell ung des Landes durchzuführen, von der allein die Sicherheit seiner Aufwendungen an Kapital und Unternehmungsgeist zu erwarten ist. — Aber auch Deutschlands Stellung in der W c 11 p 01 i 11 k wird außerordentlich stärker werden, wenn die Türkei ihren Anschluß an den deutschen Konzern vollzieht. Nicht nur bedeutet ein deutsch-türkisches Bündnis einen riesigen Streifen auf der Landkarte: Deutschland. Ocstcrrcich-Ungarn. Balkan. Vorderasien — ein koloniales Gebiet von der Nordsee bis zum Persischcn Golf —, sondern auch eine starke Wirkung der Anziehung weit darüber hinaus. Die ganze islamische Welt, die bei einer Losrcißung des Kalifats vom türkischen Reiche unter britischen Einfluß gerieten, würde im Gegenteil (sogar in ihren schon unter britischer Herrschaft oder Einflußsphäre stehenden Teilen) sich mehr und mehr Ihrer neu erstarkten und gegen die Wcchsclfälfc der Politik mehr als Je gesicherten türkischen Vormacht zuncigen. Zur gesamten, auch nichttürkischen islamischen Welt — von Marokko über Aegypten und Persien bis zum fernsten Indien •— ,wäre damit für Deutschland und seine Alliierten eine neue Verbindung von unermeßlichen Chancen gewonnen, und die Türkei fände in dieser Kombination die wirksamste Garantie für die Unverletzlichkeit ihres Besitz- Standes. Ein Ucutscli-osterrcichisch-iiirkisclics Bündnis wäre militärisch unangreifbar und darum in seiner Wirkung eminent friedlich, das von ihm umfaßte Wirtschaftsgebiet wäre fast in sich unabhängig und würde mit allen seinen Beziehungen einen Liinderkomplex darsteilen, kompakter und bedeutender als die größten Weltreiche aller Zeiten!.*' Weiter wurde dort gesagt: ״Auch wir Juden haben ein Interesse an einer starken Türkei. Uns gilt es dabei nicht einen Markt zu erobern oder unsere Kapitalanlagen zu sichern — nein, aber iür uns steht noch viel Höheres auf dem Spiel. Wir halien unsere Zukunftshotinungcn mit der Türkei verknüpft, in der wir das einzige große und sichere Asylland für unsere Vermißten erblicken und zu deren Besitzstand Palästina gehört, — das Land, das wieder (und nicht nur für uns Zionisten) die Bedeutung eines indischen Stammlandcs — eines Zentrums der Zer- Streuung gewinnt. Sollte dieses Land Palästina der Türkei verloren gehen und unter irgendeine andere Herrschaft fallen, so wäre das wohl der schwerste Schlag, der die jüdischen Palästina-Bestrebungen treffen könnte. Darum gilt es auch für uns. daß wir nicht abwarten sollten, wie die Verhältnisse sich entwickeln werden, sondern daß wir unser Möglichstes dazu tun sollten, die Entwicklung der Vcrhiihuisse zn beeinflussen: in unserem Sinne, das heißt zur Stärkung der Türkei." D׳..׳$c schon danmU sehr beachte!:;wer*-:י Ausführungen, die wir unseren Freunden zum Nachlesen mir empfehlen können, haben durch die neuesten Ereignisse eine im tiirisclien, ebenso wie im deutschen und im jüdischen Sinne erhöhte Aktualität gewonnen. Wir sind besonders auch der Ansicht daß Deutschland nicht so zufällig die Zentrale einer jüdischen Weltorganisation bildet, und daß speziell eine zionistische Zentrale in Berlin die Aufgäbe hätte, das Geringe an Einfluß, das sie auf die Gestaltung der ganz }(roßen Dinge haben oder gewinnen kann, für die Erhaltung des Status q u o im gesamten O ri - ent geltend machen müsse, denn hieraus allein kann eine dauernde Erslarkung der Türkei resultieren, an deren stetiger Entwickelung wir m ehr interessiert sind, als unsere nicht jüdi* sehen und jüdischen nicht zionistischen Mitbiirgcr. Palästina und andere Länder Von M. U s s 1 s e ii k i n . Odessa. Sieben Jahre sind cs 11er. seit Dr. Hcrzl dem VI. Zionistenkongreß das Ugandaprojekt unterbreitet hat. jenes Projekt, das zur Entstehung der territorialistisclicit Bewegung, zum Zwiespalt in der zionistisehen Partei und zur Gründung der Ito führen sollte. Nun ist cs an der Zeit, das Fazit dieses historischen Ereignisses endgültig zu ziehen. Glänzende Perspektiven hatten sich zunächst den J.andsuchcrn" eröffnet. Das fnrehlbnrc Elend der Juden in Rußland, Rumänien und zum Teil auch Galizien machte das Schlagwort von der ״unverziigliehen Hilfe", von der Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens, wo auch immer, ungemein populär. Führer der Tcrritorialistcn wurde Zangwill, eines der einflußreichsten Mitglieder der zionistischen Partei, ein Mann von großem europäischem Rufe, ein hervorragender Redner und. was die Hauptsache ist. ein beharrlicher Arbeiter von kolossaler Energie. Viele wertvolle Kräfte stießen zur neuen Organisation, so die sogenannten ״rein politischen" Zionisten einerscits und die stürmische Jugend anderseits. Ja, sogar unter den angesehensten Zionisten Westeuropas, die sich formell der neuen Organisation nicht angcschlossen hatten, fand der Tcrritorialismus, in der ersten Zeit wenigstens, vielfach verhehlte, bisweilen

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