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Jüdische Rundschau · 1910-10-12 · Heft 41 (12.10.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 41 (12.10.1910)
Date
1910-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang I ingegangene Jahresbeiträge Heim Zionistischen Zcntralbureau sind nach den*. U׳>chlull der Ausweise in No. 39 der «Jüdischen iiulschau" vom 30. September d. J. bis 10. Oktober : dciide Betrüge cingcgangcn: L. Sehlcsinger-Bcrlin 5 Mk. Jahresbeitrag, M. 1 ,ul.iiiski-Kottbus 5 Mk. Jahresbeitrag, Carl Stein-! ult-Zcrkow 20 Mk. Jahresbeitrag, Michael Lcvito* /..׳uz, 5 Mk. Jahresbeitrag, Dr. mcd. Asclicr-Nordrach .יי Mk. Jahresbeitrag. 1׳.. S. Weil-Prciburg 5 Mk. i.iliresbcitrag. Jacob Ulhnann-Scltwcinfurt II. Rate p Mk. Jahresbeitrag, Dr. Isak Straus-München i; Rate 30 Mk. Jahresbeitrag, Isidor Michalowskiiuisscldorf 11. Rate 10 Mk. Jahresbeitrag. Dr. Wolfs- UliI-Münchcn 20 Mk. Jahresbeitrag. Dr. Sandler- Breslau 11. RatclS Mk. Jahresbeitrag. Mülhausen 1:1s.: 3 Mk. Schekel. 3 Mk. Landcsbcitrüge; Stettin: 12 Mk. Schekel, 8 Mk. Landcsbcitrüge: Kiel: 6 Mk. Schekel, 3 Mk. Landesbeiträge: Rappenau: 3 Mk. >vhckcl; Berlin: 1 Mk. Schekel: München: l Mk. >cl»ckcl, 2 Mk. Landesbeiträge; Metz: 20 Mk. Schekel. 2!1 Mk. Landcsbcitrüge. Alle für das Zionistische Zcntralbureau bestimmich Gelder sind ausschließlich an die Adresse Zionistisches Zcntralbureau Berlin-Charlottcnburg 2, Blcibtrcustr. 49 Postscheckkonto 8091 /.u senden. Der Ausweis der eingegangenen Betrüge erfolgt von jetzt ab in jeder Nummer der ״Jüdischen Rundschau"; schriftliche Bestätigungen werden nicht mehr versandt. Die Juden in der Wissenschaft (Auch ein Jubiläumsartikel.) «Dar Zlonlimo* eriffebt fQr dai lOdltche Volk dla Schäftung einer öllentlicb-rechtllcb *eilcherten Hclmitltio In Pilfiillna," Daialer Proaramm. Wir machen unsere Leser auf den dieser Nummer beiliegenden Prospekt der neuen Jugendzeitschrift ..Jung I&ruor ganz, besonders aufmerksam. Die A b 01111 o n 1011 d 0 r ״Jüdischen Rundschau“ erhalten Jung Israel zu dem erheblich ermüüigten Preise von nur 60 Pf g. uierteljährlich! Bei umgehender Bestellung, die an den Unterzeichneten Verlag zu richten ist, werden sämtliche bereits erschienenen Hefte nachgcliefcrt. Wir nehmen an, daß alle unsere Leser, sei es für die eigene Familie, sei cs für die Kinder bcfreundeter Familien, denen sic eine Freude bereiten wollen, von diesem Vorzugsungebot Gebrauch machen werden und bitten dringend, uns die Bestellungen sofort zu übermitteln. Verlag ״Jüdische Rundschau“, Berlin SW. 68, Zimmcrsfraße 77. Die Berliner Universität feiert in diesen Tagen das Jubiläum ihres hundertjährigen Be- Stehens. Man kann nicht sagen, daß die Teilnähme der Berliner Bevölkerung an diesem Test der Alma Mater eine besonders rege wäre — das erklärt sich zum Teil aus der Unpopularitat, die gerade in Berlin die Universität genießt, /um Teil freilich auch aus anderen Gründen, denen allen hier nicht nachgegangen zu werden braucht. 111 der Presse würdigt man das ürcignis nach Gebühr, feiert in allen Tönen die Leistungen Berliner Gelehrtenarbeit, was natürlich ohne Ueberschwang nicht abgeht ־־־ man übersieht geflissentlich, daß die meisten Gelehrten doch erst nach Berlin berufen wurden, wenn sie bereits in der Wissenschaft einen Namen hatte n, und verschweigt nalürlich die vielen, vielen, die den ehrenvollen Ruf an die Berliner Universität abgelehnt haben, und die wußten, warum sie das taten, i.inige wenige Blätter haben trotz aller gezie* inenden Ehrfurcht auch manche Schattenseiten vits spezifisch Berlinischen Gelehrtentums hervorgehoben. Jedenfalls aber blieb es der jüdischen Presse Vorbehalt,an, auch über den Anteil der Juden an der Berliner Wissenschafts• Produktion etwas zu sagen. Da hat cs das Organ der Alliance, die Monatschrift ״Ost und West“, unternommen, in einigen Artikeln die .m der Berliner Universität wirkenden Gelehrten und die, welche früher an ihr gewirkt haben, in Wort und Bild vorzuführen. Nun hat das Blatt dabei aber eine höchst merkwürdige Erfahrung machen müssen, über die es verlohnt, einiges zu sagen. Eine Anzahl von jüdischen, Universitätsdozenten hat nämlich Bedenken gegen eine solche Zusammenstellung jüdischer Wissen• schaftsarbeit geäußert. Das müsse notwendi* gerweise — so meinen diese Bildner der Jugend — ״Risehuß“ hervorrufen, wenn eine so große Anzahl jüdischer Professoren und Privatdozenten zusammen dem Publikum vorgeführt würde; man arbeite damit den Antisemiten in die Münde, die ja immer behaupten, daß die Juden Kunst und Wissenschaft monopolisiert hätten, usw. usw. Man sollte cs nicht mehr für möglich halteil, daß dieser alte bekannte Jude, der sich ״nischt zu verkennen“ gibt, den wir längst in den Witzblättern gestorben glaubten, noch immer in so vielen ansehnlichen Exemplaren auf Erden wandelt. Daß es noch immer eine Reihe von jüdischen ״Intellektuellen“ gibt, für die der Eintritt in den ״Zcntralvcrein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ ein revolutionäres Bekenntnis voraussetzt. Man sollte das eigentlich heute nicht mehr für möglich halten. Die traurige Tatsache, daß cs möglich ist, daß solche erbärmliche Ghetto-Feigheit sich heute noch in dieser Form äußern kann, zeigt aber in grellem Lichte den unglaublichen Tiefstand unseres jüdischen öffentlichen Lebens. Und wie dumm ist diese alberne Angst! Die Redaktion der genannten Zeitschrift fragt mit Recht, ob denn die furchtsamen Herren wirklich meinen, daß die Antisemiten oder das Kultusministerium (!) e1־$t diese geplante Veröffentlichung brauchen, um zu wissen, wieviel Juden an der Berliner Universität dozieren. Ucber diesen un\vürd»״en Mangel an Stolz, an jedem aufrechten Selbstbewußtscin, an jeder primitiven Voraussetzung für das, was man im bürgerlichen Leben sonst einfach C h arakter nennt, wäre viel zu sagen, wenn — das alles nicht vor zehn und zwanzig Jahren tausendfach schön gepredigt worden wäre. Etwas Aehnliches aber muß von uns zum Jubiläum der Berliner Universität wieder einmal gesagt werden. ,Diese kleinliche Furchtsamkeit, diese fast kindisch zu nennende Gespensterfurcht ist nämlich nicht nur eine Ebenart der jüdischen Gelehrten. Diese unschönen Qualitäten und die daraus entspringen de Kriecherei und Streberei, Duckmäuserei nach oben, dummer Hochmut und Kastendiinkcl nach unten finden sich gerade so schön entwickelt auch bei den nichtjüdischen Gelehrten. Und diese Tatsache hat Zustände entwickelt, die nicht allein ein Skandal für die vielgerühmte ״Gelehrtenrepublik" sind, sondem die auch zum Teil erst die Angstmeierei der jüdischen Dozenten, die dadurch freilich nicht entschuldigt wird, hervorgerufen haben. Es ist bekannt, daß in Preußen-Deutschland heute kaum noch ein Jude ordentlicher Professor wird, ja daß dem jüdischen Bewerber sogar die Habilitation als Privatdozent an den meisten Universitäten in schikanöser Weise erschwert wird, daß namentlich zu gewissen Disziplinen den Juden der Zutritt als akademische Lehrer heute nahezu grundsätzlich verwehrt wird. Was aber weniger bekannt ist, und was bekannt werden muß, ist dieses: daß in vielen Fällen, in den allermeisten sogar, u i *־ h t die Regierung die Juden fernhält, daß die Professoren selber der Regierung die Mühe sparen, Juden abzulehnen, indem sie erst gar keine Juden vorschlag t n! Daß also der waiire Sitz des akademisehen Antisemitismus nicht einmal so sehr im Kultusministerium als vielmehr bei der Professorenscliaft selber zu suchen ist! Daß aber die Herren Professoren fast immer so tapfer sind — wenn einmal gelegentlich der Nichtberufung eines ganz großen jüdischen Gelehrten ein Skandiilchen entsteht —, sich mutig hinter die Regierung zu verkriechen und die antiscmitische Blöße, deren sic sich sieh schämen, stolz mit dem antisemitischen Schurz des Kultusministeriums zu bedecken suchen! Die Geheimhaltung der Vorschläge, die die Fakultäten dem Minister für die Bexufung der Professoren machen, gibt ja ein vorziigliclics Mittel zur Ermöglichun־״ dieses feigen Manövers. Dann heißt cs stets, wenn wieder einmal ein bedeutender Jude nicht berufen und eine gut christlich getaufte Größe dritten oder vierten Ranges statt seiner auf den Lehr- Stuhl gesetzt wurde, mit heuchlerischem Be• dauern: Ja, die Regierung. Nein, diesem Schwindel muß einmal ein Ende gemacht werden. Wenn jetzt sogar die ״Kreuzzeitung“ zugegeben hat, daß jüdische Männer in Wissenschaft und Kunst erfreuliche Arbeit zur Ehre Deutschlands leisten —wir brauchten dieses Zugeständnis nicht, aber für gewisse Kreise muß es doch maßgeblich sein —; dann sollen doch die Herren Professoren den Mut haben, sich bei jeder Gelegenheit hinzustellen und offen zu sagen, daß sie den jiidisehen Kandidaten aus wissenschaftlichen Gründen nicht für den Geeigneten halten! Hier wäre ein dankbareres Feld für den ״Verband der deutschen Juden“ als der Windmühlenkampf um den jüdischen Reservelcutnant, den er eben wieder inszenieren will. So wenig wir auch dieses Kampfes prinzipielle Seite verkennen, und so wenig wir ihn etwa lächer-

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