Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 40 (7.10.1910)
- Date
- 1910-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r־ Abonnomont■ •gl die wflchemllck am rrtl• ui ffichclnoaJe ״Jfldltcha Kmtd^luu" kotlea bei der rircdtiioa und bei allen Poitimu-m vicfUlllhrllch 1,2) M. ••»rrhalb Deulichlandi und Oe«u׳i׳rrlch>U0|arn1 Z,— Mj für Miieliedcr ludhcher Ver- (lac im Sammclbeiuit durch den Vertln l.— M. Veil•( JOdlicba Rundickia I״׳ Q. m. h. H. Herlla SW. M, Zlaaantr. TT. Lür>!sM1s*tu«dea: 2 bl« 7 Uhr Sonaabeid •ad Soiatag, I I I I I I I I I I I I V l^v kotlen^iM die ■ ־>PetH«elle-.'«<Jef deren Kaum ^4I0/,$^״fofÜfcn., deren Raum •Aneebote und wie Vercln'in״* rsw u./..Klein« An***•*■ nur ll'.pid: oooooooo . > f^XNMamiikrfnÄ’ werden, wenn < it ־״eeaamiv— Redaktloimcbluii > ^Mittwoch vormittag». I Redaktion jndltcbe Rundeebaa ■ Ilerlln-Charlotirnbur*. ■ Blelblreuitr. 4f. Tel. Cb. MSI• MBäSCiASOKkl 3ya©0S<SIK)S SdBTDJKIS Nummer 40 Berlin, den 7. Oktober 1910 4. Thischrl 5671 XV. Jahrgang Per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Baseler Programm. /i/i* vorliegende Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint wegen des Roschhaschanahfestes in eingeschränktem Umfange. Cltopien Pu■ xhlagwone unserer Gegner wechseln scluuih.. als die Methoden zionistischer Arbeit. Dieselö l Leute, die noch vor wenigen Jahren unsere 1 oi'derungen als Träume aus dem Reiche Utopien verlachten, sehen sieh heute, da der Traum ur Wirklichkeit wird, veranlaßt an denselben l'mgen, deren Schaffung sie doch mit soviel l'.ahos für unmöglich erklärt hatten, ihre Kritik /•.־.׳. üben und sie damit stillschweigend als gegvben hin/.unehmen. Das ist ein Portschritt, vier vermerkt zu werden verdient. Hatte llerzl nicht seinen herrlichen Traum vom Jtkleiistaat geträumt, sondern als nüchter- 11er Kaufmann die jüdische Entwicklung Palastiiw und die Erstarkung unserer Organisation auf den 'lag, wie wir sie heute trotz aller Mängd zahlenmäßig belegen können, vorausgesagt, er wäre wohl kaum weniger als Phantast vorlacht worden, als cs so geschehen. Man wird nicht behaupten können, daß geraie im gegenwärtigen Augenblick in zionistiselten Kaisen besondere Neigung herrscht, sich über den Wert des tatsächlich Erreichten allzu optimi'tkhen Hoffnungen hiuzugeben. Mindestens wird man zugeben müssen, daß wir uns nach den Jahren der ersten Begeisterung unter Herzls I tihrung zu einer sachlichen Würdigung durchgi'i singen haben. Das ist eine ganz natiir* liehe Entwickelung, die andere vor uns durchlebten. *סי werden w'r es auch verstehen, wenn de Selbstkritik heute noch bisweilen t!fcer d a Ziel hinaussrhießt und zu Ucbertreibungeu nach der anderen Seite Anlaß gibt. 01!.:׳Je jetzt, da wir in Deutschland die unviritckbarc nationale Grundlage unserer Propagandn wieder einmal festgelcgt haben, ist es besonders erfreulich, daß uns zur Agitation >1imn$ unseres Zenlralbureaus ein kleines Heft in die Hand gegeben wird, das den be- Kheidenen Titel führt ״Zi o n i s t i s c h e s M c r k l) 1 a 11“ und das berufen erscheint, die sachli.m• Basis unserer Werbearbeit in ganz her. vorrage.idcm Maße zu festigen. kleine Heft bringt Zahlen und Daten aus dem /.ionistischen Utopien des Jahres 1897 *־ den! Stande der zionistischen Organisation und <!« - jüdischen Palästinas im Jahre 1910. Heute vjcht Utopien schon anders aus: Etwa uas fühl, das Franz Oppenheimer von dem Er- Wgc genossenschaftlicher Siedlung im jüdi• *ohen Zukiinftslandc entwirft, und wenn auch wscs Utopien zum l ande der Wirklichkeit geworden sein wird, so wird das rastlose Schafkn der Besten in Israel dafür sorgen, daß neue 1 lanc die bereits durchgeführten ablösen. Wer dazu berufen ist vor versammelter *'knge in gesetzter Rede für unsere Sache einzu- •rcten, der wird nur selten zu dem ״Z i o n i s 11schen Merkblatt“ greifen müssen. . Er. *ird mit den Vcrhllltnissen, die dort'ihre־ zah-־ « lentnäßige Darlegung finden so vertraut sein, daß er das Hilfsmittel entbehren kann. Aber der Agitation der Tausenden die täglieh und allerorten im persönlichen Verkehr sich darum mühen ihrem Ideale Anhänger und ihrer Organisation nette Mittel zu werben, wird das Merkblatt Sicherheit und das Bewußtsein geben über alle schönen Worte hinaus auf der festen Grundlage des tatsächlich Erreichten zu fußen. Vieles steht in dem Merkblatt über das, was von zionistischen Institutionen, unter zionistischem Einfluß oder auch auf fremde Initiative geschaffen wurde. Aber cs enthält doch eigentlich nur einen kleinen Teil der Werte über die unser Zionswerk zu verfügen hat. Nur das, was sich in den engen Rahmen ziffernmäßiger Darstellung zwängen ließ. Jene hcranwachscnde Generation, die sich mit Ernst auf den Pionierdienst in der erwählteil nltncuen Heimat vorbereitet, jene ״moralisehen Eroberungen“, die unsere stete Arbeit bei den Besten der Juden und Nichtjuden gemacht hat, jenes Wunder, das wir an der wiedererstehenden Judensprache erleben ־- all das läßt sielt nicht mit Zahle״ belegen, sondern es wird erst nach Jahren an den Früchten* erkannt werden. Bis dahin heißt cs unser hohes, unverrückbares Ideal immer wieder in die Massen tragen und den Zagenden zeigen, wie die ersten und schwersten Schritte zu seiner Verwirklichung bereits getan wurden. Und dieser Arbeit wird das ״Merkblatt“ wertvolle Dienste leisten. Res austrlacae von Dr. H. Kadi sch. Das!)olitiselic Leben in Österreich wird, wie in der Vergangenheit auch in der Gegenwart noch vom NationalitUtcnstrcit beherrscht, dessen ungcschwäcluc Fortdauer immer von neuem auch die a n t i - semitischen Fraktionen galvanisiert. Die Her- Stellung des nationalen Friedens 1111 Donaureichc ist also nicht nur ein gcsanitüstcrrcichischcs, sondern auch ein indisches Problem. Wer dies einmal erkannt hat und weiteres sich darüber klar geworden Ist, dal: auch heim günstigsten Fortsehrcitcn der Paliistinaa rbeit. nicht nur die Mehrheit der Juden Oesterreichs, sondern auch der österreichischen Zionisten derzeit nicht cmegricren Hann oder will, der wird die ganze Bedeutung der indischen Landes- Politik in Oesterreich auch vom zionistischen Standpunkt aus begreifen. Ist cs schon in anderen Landern unmöglich, die zionistische Betätigung ausschließlich auf die Pulästinaarheit zu beschränken, so gilt dies in noch viel höherem Maße in einem Staatswesen, wie in Oesterreich, wo die 2'.C» Millionen Juden, welche die beiden Rciclishülftcn bewohnen, mitten in der heftigsten staatsrechtlich-nationalen,׳ religiösen politischen und sozialen Kümpfen, eines Kompaß, einer zusammenfassenden und richtunggebenden! iüdisch-dcmokratisehen, national-sozialcn Organisation bedürfen. In Oesterreich auf die jildisch-nationalc Erziehung politische und soziale Schulung der Jüdischen Volks-!nassen Verzicht leisten, ist gleichbedeutend mit einem Verzicht auf eine zionistische Volksbcwegung, mit einer Auslieferung der Mehrheit der österreichischen Juden an die — Assimilation. Wir brauchen aber eben so dringend ein iüdischcs Volk .für unser Land, als das Land für unser Volk. Ein׳ Zionismus ohne nationales Fundament ist nichts anderes als Tcrrltorlallsmus und darum müssen gerade die Zionisten des polyglotten Donaureiches, wo die Juden mehr als anderswo von der Scylla der Assimilation und der Charybdis des Rassenantisemitismus bedroht sind, die Träger des jüdischnationalen Gedankens sein. Allerdings־ müssen sio aus den Fehlern der übrigen nationalen Parteien lernen und verstehen, eine Harmonie hcrzustcllcn zwischen ihren national-sozialen Postulaten, denen der übrigen österreichischen Rcichsvölker, sowie den E x i s t c n z b c d i n g u n g c n des ü 0 n a u r e i c 11 c s. Dieses ist ein Nationalitätenstaat, der keine nationale und keine konfessionelle Staatsidee haben kann, sondern ein Hort der nationalen, religiösen, politischen und ökonomisch :n Gleichberechtigung aller seiner Bewohner sein muß. Oesterreich hat die Mission, ein Rechtsstaat, ein Kultur- Staat, ein W i r t s c h a f ts s t a a 1 zu sein, Jede nationale, religiöse oder Klassenherrschaft ist mit seinen Existenzbedingungen genau so unvcrcinbar, wie mit den Lehensinteressen der ustcrrciehi* sehen Juden. Darum enthält das jüdisch-nationale Programm die drei Hauptforderungen der nationalen Autonomie, der Demokratisierung der Verfassung und der genossenschaftlichen Sozialreiorm. Durch Realisierung der nationalen Autonomie wurden die Juden wie jedes andere Volk des Habsüugisehen Reiches eine anerkannte, g.eichheicchtigte Nation. Die wirtschaftliche Selbsthilfe ist aber in Oesterreich umsomehr am Platze, da unser parlamentarischer Apparat besonders in ökonomischen Fragen versagt und soweit von sozialpolitischen Maß• nahmen überhaupt die Rede sein kann, diese einen antisemitischen Stempel nur allzu häufig tragen. Alle unsere Vcrtrctungskürper erschöpfen sich nämlich in unfruchtbaren staatsrechtlich-nationalen Kumpfen, die ln Böhmen, Mähren, Galizien und Ungarn vielfach auf dem Rücken der Juden ausgefochtcn werden und sich für sic auch als Rasscnantisemitisinus, sowie wirtschädlicher Boykott fühlbar machen, was aber die Antisemiten der verschiedenen Färbungen nicht hindert. immer von neuem zu behaupten, ״das jüdische Großkapital hetze die österreichischen Völker gegen einander, um sic leichter beherrschen und ausbeuten zu können.'* Und während man so auf unsere ״jüdiselten“ Großkapitalisten. (die mit sehr wenigen Ausnahmen im assimilatorischen Lager sich befinden), von gegnerischer Seite stets hinweist, verfallen die ' jüdischen Massen, besonders in Galizien, Bukowina und Ungarn einem immer größeren sozialen Elend, was auch die stets sich vermehrende Zahl .der Eiuigricrendcn zeigt. Die ganze ökonomische Entwicklung, welche auf Beseitigung des Hausierwesens und jedes Zwischenhandeis überhaupt gerichtet ist, vermehrt aber täglieh das jüdische Luftprolctariat, insbesondere im Osten der Monarchie in einem so großen Maße, daß selbst die im galizischcn Landtage dominierende po* litische Oügarchcnpartci die Notwendigkeit einer Enquete zur — Erforschung der wirtschaftlichen Judennot begreift. Ob diese mm Zusammentritt und ein Ergebnis zeitigt oder nicht. — sic ist ein ernstes Zeichen des sich stets steigernden wirtschaftlichen El :;!des der ga- »zischen Juden, dem selbst durch eine g o ß z ü g i g c Sozialpolitik innerhalb Oalizicns nur teilweise abgehoben werden kann. Jene Massen aber, welche zum Wandcrstabc greifen müssen, blicken sehnsüchtig aus nach dem Lande der Väter, verfolgen mit Aufmerksamkeit alle Fortschritte der Palästinaarbeit, insbesondere die auf Realisierung der Siedlungsgenosscnschaft gerichteten Bcstrebungen unseres Gesinnungsgenossen Professor Dr. Franz Oppenheimer und hoffen auf baldige Verwirklichung des Spruches: Ex Oriente lux.