Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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HJED1SCHE RUNDSCHAU Seile •10 J. 0יא. Ti 4 AUS ALL6R WC LT :: Deutschland Hin eigenartiges Kuekiicksei ist dem l’oseiicr ״Verein liberaler Juden'' ins Nest gelegt worden. In der dortigen Lokalpresse verstieg sich ein allzu begeisterter ״l.ilieraler" zu der folgenden Empfehlung des neuesten vom Verein heransgegebeiici» l'lugblaües: ״Der Verein liberaler Juden tritt in die*י ׳ Tagen mit einem Aufruf au die Oeffeutliebkeit. der in populärster Weise <'׳'■• Anschauungen der Vereiitiguug propagiert. Der Drncknrt Wittenbei״ mag ein Omen fiir den Oinndton des Aufrufs sein. Er bedeutet eine l.ossag111nr von der Ueberliei•*- rung. das offene Hekcniitnis, dall Speisegesetze, S.ilibatlilieiliguiig. Zercmouialgcsetze mit dem Kern des Judentums nichts zu tun haben, findet hier /.um ersten Mal klaren Ausdruck. Auch die Forderung von mehr deutschen Gebeten wird energisch erhoben. Oer Verein darf hoffen, gerade in unserer tleuieindc mit so entschiedenen Hördertingeu Beifall zu finden. Interessenten steht das Flugblatt beim Vereinsvorstand zur Vorfuginig." Pas war denn doch sogar für ein ..liberales" Jiulcnlicrz zu viel und die folgende Berichtigung ging in die Welt: ״Der Vorstand des hiesigen Vereins liberale״ Juden protestiert öffentlich gegen die in die liiesige Lokalpresse lancierte Behauptung, er sei in einem neuerlichen Aufruf fiir die völlige Lossagung von dem ganzen indischen Zeremoni.ilgesetz eingetreten. Der Aufruf fordert nicht die Abschabung der alten religiösen Hörnten und 00brauche, sondern erklärt ausdrücklich, dalt d Vereinigung für das liberale Judentum in Deutsch• laud Achtung und Hlnfureht vor dem Kultus der echten Hroimncn alten Stils hegt und bezeugt." Den Hosener liberalen Juden stehen auf Jahre Iiinaiis keine üeiueiudewahlen bevor und es ist durchaus erfreulich, dall sic sielt mit den Tönen dieser ,AViUenbergisehcn Nachtigall" nicht identifizieren Wollen. Aber es wird auch den Dusetter .luden hekaum sein, dall in Berlin noch immer ein früher recht angesehenes Blatt erscheint, das den Titel ..Allgemeine Zeitung des Judentums" führt, das tatsächlich ..tur die völlige Lossagung von dem ganzen jüdischen Zeicnioiiialgesetz" eintritt. das die ״Abschaffung der alten religiösen Formen und Gebräuche" fordert, das die ..Achtung und Hlirfurcht vor dem Kultus der echten Frommen alten Stils" dauernd vermissen lallt und - *sielt als Repräsentantin des deutschen liberaleit Judentums miispiclt. .,Erkläret mir. Ural Oerindur." * Ans dem Bureau der ״Hrcien Vereinigung tur die Interessen des orthodoxen Judentums” wird uns geschrieben: ״Wir machen die Hemm Rabbiner und!.einer 111 den ti.irilisoimrten, sowie die interesMerten jüdischen Soldaten selbst darauf aufmerksam. dal! das p r e u IS t s c 11 e Kriegs• in i ui s t e 1 i 11 m dieser Tage die tleneralkoiiiiuaii• dos ihh! obersten Waffcnhchürdcn durch erneute Vertagung auf seinen Hrlall vom 15. April 1 11> hin• weisen wird. Danadi ist den jüdische 11 Solda teil an den bevorstehenden Feiertagen, soweit du IsiKiessen des Dienstes es gestatten, Urlaub zu bewilligen. Hs wild buche der Interessenten selbst sowie der zuständigen Herren Rabbiner und Lehrer sein, durch persönliche Intervention unter ISeiiiiung auf die in dem H.rlal! zum Ausdruck gebrachten Wiiii'cla des Herrn Kriegsministcrs die llcuriaiibiing im Hmzvlfalle zu erwirken. Galizien Der polnische Rciclisratsabgeordiietc, C irollindustrielle Dr. Nathan!. o w c 11 s t e i 1t. dessen Hemiilmiigeii um die Folonisicfimg des galizischen Judentums ihn oft mit dem ״Jüdischen Klub" in Kmiflikt brachten, ist vom Kaiser Franz Josef In den Adelsstand erhoben worden. Kan min Nach Mitteilungen ans Kanada herrschen in den dortigen politischen Kreisen Meiuungs verschieden• beiten ober die ü c 11 u 11 d 1 im g der jüdischen Einwanderer. Während die englische lievölkerung, die in der Imuiigrationsfrage im allgemeinen eine freiere mul weniger engherzige Richtung vertritt, atielt den Juden gegenüber keine rigorose Strenge angewendet wissen will, fordern andere Kreise die Juden als ״Asiaten״ zu behandeln mul demnach von jedem jüdischen Einwanderer den Mesitz, von mindestens 2111) Dollar zu verlangen, Audi die Ansichten der Beamten gelten hierüber auseinander. Und so kommt cs vor, da» bei der Ankunft von Juden unter den zuständigen Beamten Dificrenzen über das ihnen gegenüber einzuitclmiendc Verhalten entstehen. Die ganze Frage befindet sich noch n ungeklärtem Stadium und harrt der definitiven Regelung. Türkei David Hffcndi Molch o, ehemaliger erster Uebersctzer des Kaiserlichen Diwans. Ist die l.rneimiuig zum Senator erteilt wurden. Im "״ ״ ״,;mischen Juden werden also künftig durch zwei Sitze im Senate vertreten sein. ♦ Der Besuch, den Nalium Sokulow im vergangenen Jahre der Synagoge der Karüer abgestattet, und die Worte, die er damals in hebräischer Sprache an sie gerichtet hatte, scheinen von dauernder Wirkung geblieben zu sein. Die Karner scheine» seitdem ein immer .steigendes Interesse für unsere nationalen An• gelegenliciteu und speziell fnr unsere Sprache zu hegen. So übte auf sie, »einige Leser des hier er* scheinenden ״llamcwasscr". ein in dieser Zeitschrift erschienener Artikel über Assiutilatiönsbcstrebuugeu inner den Karheni RulHamJs einen tiefen, erregenden Himlruek ans. Sie hielten vor kurzem eme Versäumt• lang;111, um gegen solche Tendenzen zu protestieren. Aiülerdcin gellen sie damit um.•sieh an die Karüer Aegyptens zu wenden zum Zwecke der Organisierung eines gemeinsamen Protestes, den sie an die Häupter der russischen Karailen gelangen lassen wollen• Sic wollen es mit Macht zum Ausdruck hringen. da» sie sieb mit ganzer Seele als nationale Juden fühlen und sieh um keinen Preis der Welt vom jüdischen Volke trennen wollen. Russland Der indische Dumaabgeordnete Friedman!» hui sieh einem ׳Zvituugsvcrtrelvr gegenüber über das voraussichtliche Schicksal des (lesct/.esprojekts wegen Abschaltung des jüdischen Ausicdlungsrayoiis gebullert. Danach durfte diese Vorlage im Nove m her d. J. in der Duma zur Beratung gelangen. Die Duma werde dieselbe zunächst weder annehmen noch alilelmen, sondern sie einer Kommission überweisen. Seitens der Jüdischen Dumainitglieder werde die Forderung gestellt werden, das Projekt der Kommission wegen Unantastbarkeit der Person zu überweisen, weil diese allgemeine Frage mit dem jüdischen Wohnrecht eng verknüpft ist. Die Zu• saiimieiisetzung der genannten Kommission biete auch den Juden günstigere Aussichten. Herr Friedmaiin glaubt jedoch nicht, dal! die Duma in diesem Sinne hesclilielleu werde. Wahrscheinlich werde sie das Ucset/esprojekt einer speziellen Kommission!!bei weisen, in welche dann die Kadetten auch die beiden indischen Dumaahgeordiietcn N'issel״• witsch und Friedman» wählen würden. Die Arbeiten 41er Kommission werden voraussichtlich lauge Zeit, vielleicht einige J a 11 re (!) daun 11. da sie das gesamte in den russischen Regie• iimgsarcliiveii befindliche!Material bezüglich der Judcnfiagc zu prüfen haben wer Je. Amterden» wurden auch die jüdischen Dnmaahgcordnctcn der Diiiiiakomiiiissiuii mehrere Dokumente betreffs der .liidenfrnge in Rulilaiul mul im Auslände unterbreiten. PALA65TINA*RUNDSCHAU europäische Reifenindustrie. Die wtiruvm!,«..,. , Templer, die Palästina als Vertreter des Deimch,״ bevölkern, sind mit ihrem Bildungsgang ״!,! V"' Engherzigkeit nicht imstande, mit solch«, d ‘!H! wie es eine überreichlich grolle 011 vemrate is: }.‘,1"י halteriscli umzugclien. Und die w okl.J. .«1'י arbeitenden bittcrarmcn Juden in Pai.»s*״׳,, T. weder Schreib־, noch Länder•, noch Leuu k, «!!ןן!..'!' um zu wissen, wo sie ihre Lrzemousse « •11!1SLC' könnten. In dieser Beziehung ist Palast«., י klugeiiswert uiul es wäre w irklich zu vunv'iin einmal durch irgend ein Ereignis ein in־.;:‘ ' Um״ nationaler Zug durch dies ganze Jam;•;.■• führe.“ Diese Ausführungen sind ein schlage::• dafür, wieviel in Palästina uocli Uurdi seliaftliclt organisatorisches Vorgehen zu v 1 Fiir diese Malliialiineu reichen aber .!!;•• philanthropischer Hilfsaktionen nicht am, es lieillt fnr unsere kauiniimniseli gesclui!• sieh selbst in den Dienst der Suche *.:<;!,. Ort und Stelle durch Belehrung und tig« aktionei» den primitivsten w irtschafthchi;׳ Geltung verschaffen. Nur so ist es zu \ dal! die ״WeinkriMs". die dem jiidisclu satioiiswcik solch einen schweren Seli!,« hat. auf anderen Produktionsgebieteii dir 1, findet. r den ,.PaliistlnlHehi'ii Ollveiinnirkt“ finden wir die folgenden bemerkensw eiten Aiisfiiln 111;ge:1 11, dein in Trier erscheinenden ..Organ für den Oelmul Fellhandel": ״Die Klagen, dal! das Olivenöl, soweit man sich auf Kreta. Spanien und Siuifrankreich vcrlülU. immer seltener wird, Indien insofern keine Berechtigung, wenn mau diesmal etwas mehr in die lerne schweife wollte. So ■/״ B. hat Palästina 111 diesem Jahr eine Oliveiiöl-Hrntc. die geradezu alles b־slier!*.!gewesene in den Schatten stellt. Ganz, abgesehen davon.'dall die Baume geradezu über eine mtuaturliehe Fülle von Fnieliteii verfügen, sind die Oliven andererseits ganz selten ölreich. Das sogenannte ..\11sge1|1uiscl1te". das sich die ganz armen Leute bei den OUvvnb.nnndkwt/ern nach der Oelgew inmiii•׳ Ins jetzt immer erbettelt haben, ergibt in diesem Jahre seihst auf den alten jüdischen Mulden, die aus zwei grollen runden Mühlsteinen bestehen, noch ein ganz vorzügliches zweitklassiges Del, das z. B. in fernen Exporlgehieten weit eher als reines Oliven- Speiseöl verkauft werden könnte, als dies dort heute mit vielen französischen Oden geschieht. Statt aller das heute überall so begehrte mul überall so kostspidige Olivenöl als solches zu verkaufe״, haben es die in l.elraehl kommenden Finnen den Seifeufabrikanten überlassen. Die Seifciifabrikatim» Palästinas bat daher aiillcrndcntlich zugenoiimien; sie lies't in den Ilanden einiger Wiirtteinbcrger. die als Bauern nach Palästina uiiswaiuierten und vereinzelt auch in den I imdeii von I ürkeit und Syrier״. Seife ist heute hier überall zu einem spottbilligen Artikel geworden Hätte man das Olivenöl, das für die Herstellung von* Sufe verwandt ward, als Speiseöl in den Exporthandd gebracht, so hätte man das Sechs- und siebenf.ichu daran verdient, während das kostbare Oel in den billigen Seifen geradezu verloren gegangen ist Lmerseits also schädigt die palästinische geschäftliche Uiihehofenheit das gesamte Olivenöl chikaiifcndc Ausland, und andererseits schädigt cs auc , die .»;1:1 ־- ■mcLi; :ä ״*r;־ ',*»Jur, * ’ V4/fcr, *■L.d.n, 'H־/: RUNDSCHAU DCR PR6SS6 ״fiaolamWilna Das in Wilna erscheinende omziclle o russischen Zionisten besiirieht aukiteiuler > I' r a 1» k f u r t e r D c I e g i e r 1 e 111 a g!!; hierüber u. a.: ״Wenn wir die auf diesem Delegier:, halterten Reden prüfen, dann imissen wir ec: :HVii'jJ u;n:r * >4e'.e ■ M l>es . 4! I C ׳: .)*lUlS. er J. r *.־ 41er Ansicht. Hew eguiig wcrvlen muss. Gew!ein au: ״ dem Zion.s und aller. aut ik Ituude; fnr 1« w e» י! :׳4 * richtiger Freude anerkennen, dal; der Z nicht »tur an Jahren, sondern auch an L gewachsen und zu einem wahren Zionismus ., ist. Und daran liegt seine Wirkungskraft . Man vernahm dort Worte, welche erfüllen: Worte, die wie Samen Herz und 1. fruchten. Der j ii 41 is e he N a 11 o n a I i s n. Einheit des Volkes und die 1. seiner Bedürfnisse und 11 o f i r. 1;: ,, das ist die vom Ir.mkturter Delegierten:.,4 mierte Basis des gesamten Zionismus. ״N für die russische״, nicht für die galiziseac für die rumänischen oder andere Stamme'.; die in irgend einem Winkel der Erde verfolg: nein, für das ganze jüdische Volk und tur ihm bedeutet 41.1s zionistische Pmgr.1;; Losung" so htfz.cielmctc Dr. BodenSie. Ormnlweseii dis Zionismus. ..Der Pelcgicrteiitng ist nationale Charakter unserer tation u״/w eideutig betont sondere soll entscheidendes ziinellen Unterschied zwischen der jüdischen Volksbewegung, jüdische» Organisationen gelegt w erd, 1t" im Namen des Zentralkomitees der den gauisation autgestelite These wurde giertintag einstiimnig angenommen. ״\\'ir Wüllen In Palästina einige Juden ausiedelu, diu 41**rt den Kern hcmiloses Volk bilden sollei;. S!1 Z 4• 11 t r 11 in einer freien j tt d 1 s c It e t, k schaffen . , . . liehet »ms unser Werk v ilas eine absolute N o t w e 11411 g k 4 u n s ist . . ." — mit diesen Worten sei iessor Warlmrg seinen Vortrag in der ans V Dclegiertcnt.igcs veranstalteten Volksvcrs.ru• Der Frankfurter Delegierteutag i*.t w 1; letzten Jahre 41er einzige, auf 41cm die Ans..' treten wurde. 41.11! ein Jude nicht Zionist s. ohne nationale H.r/ielumg. und 41.1 r, 4m h, Ziotüst. 4l.4s bvb’.t N.äion.ühuW. sein könne. .Imleniiim ans seiner 0 11 e 11 e , «! kem . 4lie liehrüisclie Kultur mul die hebräische >;■»■ besitzet». . . . Aber nicht nur das allein 4!ie Basier. Zionismus auf das absolute N.itioii.ilpnuz;:׳ dem Frankfurter Delegierteutag seine Be. Audi in praktischer Hinsicht ist er von bc* Wichtigkeit. Auf diesem Delegiertentag haben deutsche» Kollegen selbst verkündet, da» der mende zehnte Kongrelt .lediglich die Bcsdd. der Berliner Konferenz in Bezug auf die Refotm .1 ' der Zentralleitung zu verwirklichen haben \׳■erde. Zunächst hatten sie uns nicht beigestimmt;!l.uw. als sie cs taten, schienen sie es nicht freiw.lkg tun. Nun hat der Dclegicrtcntag gezeigt, daH unsere deutschen Gesinnungsgenossen, die jetzt die Z4:1.:r.»’.• ieitung in Händen haben, bereits damit begiiun«. dm» künftigen Kongrcii vorztiarbeiten, damit die 'ד׳י• wirklichuug jener Beschlüsse auf kein Hindernis «»»ehr stöbe." ״es;;44.41!•.;•.wn kr;:> I