Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1910)
- Date
- 1910-09-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 454. JUEDISCHE RUNDSCHAU No. 38. 11er verglichen wir die Ergebnisse der Schckclsamm* hing in den deutschen Ortsgruppen mit den Ertrügnissen für den jüdischen Nalionalfonds. Aus dem l’rozcntverliültnis ergibt sich, da» in manchen Ortsgruppen eine sehr rege Sammeltätigkeit herrscht, so da» die Ihr den Nationalfonds eingehende Summe das zehn- bis zwaiizigfachc der Schckclzahl erreicht, ln anderen Ortsgruppen dagegen sinkt das Ergebnis der Nationalfonds-Sammlungcn bis auf die Hälfte der Sclickeisnminc. in manchen Orten sogar auf 0 herab. Von grober Wichtigkeit scheint uns die Schaffang einer kurzen, speziell für Deutschland bestimmten Agitations-Broschüre. Für den Winter ist eine ausgedehnte I’ropagauda-'l'iUlgkclt in weitesten Kreisen geplant, die hoffentlich im Verein mit den bisher üblichen Sninniclmcthoden die Ertragnisse weiter steigern werden. Jüdischer Natlonalfonds. Zentrale für Deutschland. L i c h 111 c i in. Nach Schlutl des Dclegicrtcntages versammelten sich Dienstag vormittag noch eine Anzahl Delegierte, um die so überaus sehenswerten iiidlschen Anstalten Frankturts zu besichtigen. Bei der beschriiukten Zeit konnte natürlich nur eine Auswahl getroffen werden. Unter Führung von Dr. S. Sehwarzsehild und Herrn l.ivigard versammelte man sich auf dem alten iiidi• sehen Friedhof am Biirneplatz. Von dort aus wurde die neue Synagoge der Israelitischen Rctigiousgosellschuft an der Friedberger Anlage besichtigt. Der nilchste Besuch galt dem Kindergarten. Der Anblick der kleinen Kinder, deren Eltern zum grollten Teil arme russische und galizischc Juden sind, machte auf alle Besucher starken Eindruck, zumal sic bei fröhlichem Spiel angetroffen wurden. Die Sauberkeit und 7.wcckma»ige Einrichtung der Anstalt übertraf die Erwartungen der (löste. Schließlich führten die Kleinen auf dein Hofe der Anstalt vor den Delegierten einen Parademarsch aus. Sodann begab man sich nach dem Knabenwaisenhaiis. welches sehr eingehend besichtigt wurde, und schließlich in die mit dem Oumpcrtz’schcn Sicchcnliaus verbundene Minka von Ooldselimidt-Rotlischild’sche Stiftung. Auch liier waren die Besucher voll Lobes »Hier die Einrichtung der Anstalten. Die auf dem Wege liegenden anderen Anstalten, wie das Israelitische Schwcsteniliciin, das Koiiigswar.er'sciie und das Rothseliild’sche Spital, die Realschulen und Volksschule, die Altersvcrsorcungsanstalt und Snpnenaiistalt konnten bei der Kürze der Zeit in ihrem inneren Betrieb leider nicht mehr besichtigt werden. Presse und Dcleglerlentag Die Beachtung, welche die allgemeine Presse unserer Tagung geschenkt hat, gibt Zeugnis von dein schönen Erfolge der stetigen Aufkliirungsarbeit, wie sic von unseren Burcaux und vom einzelnen Zionisten ständig geleistet wird. Schon die Vornotizen, die auf die wichtigen Aufgaben hinwiesen, die der Delcgiertentag zu lösen hatte, fanden allüberall — in der führenden Presse aller Partcisclmttierungen sowohl wie in den kleineren Provinzblättcrn ■7־ bereitwillige Aufnahme. Weit über hundert solcher Ausschnitte liegen uns vor und wir dürfen niinchinen, da» die tatsäeliliehe Anzahl der Nachdrucke das Doppelte übersteigt. Auf dem Dclcgicrtentagc selbst war die Presse zahlreicher denn je vertreten und die Originalbcrichtc der jüdischen und nichtjüdischen Blätter waren sachlich und ausführlich. Eine unrühmliche Aus* nähme hiervon machen nur die recht konfusen, zum Teil direkt falschen und unverständigen Ausführungen des ,,Israelit״. Zahlreiche Blätter ergriffen die Gelegenheit, ihre Leser in mehr oder weniger aufklärenden Artikeln mit dein Zionismus bekannt zu machen. Aus der Reihe dieser Arbeiten zitieren wir die in Frankfurt a. M. erscheinende ״Kleine Press c": ״Die zionistische Bewegung, die bei ilircm Auftauchen als reine Utopie abgetan wurde, hat durch die zähe Ausdauer, mit. der ihre überzeugten Anbänger für die Idee cintraten, stetig an Boden gewonnen, besonders seitdem aut dem Gebiet der jüdisehen Kolonisation in Palästina praktische Erfolge erzielt worden sind. Diese Erfolge haben der zlonistlsehen Bewegung festen Boden unter die Füße gegeben und werden auch ihre weitere Ausbreitung ermöglichen. Wie sich allerdings das Endziel des Zionismus gestalten wird, das kann man heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen und auch der überzeugteste Zionist wird darüber nur seine Meinung, aber kein festumrisscncs Programm kundgeben können. Vorläufig lautet das Programm: ״Schaffung e ncr «iffenthch-rccluiichcn Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina.״ 1 ז! Pci Ausweitung des Judentums durch alle Länder tragt selbstverständlich die zionistische Ge- Samtorganisation einen internationalen Charakter, da sie ja bestimmt ist. das Jüdische Volkstum In seiner nlchÄdaT?in',S?"*״?**«"• .Di»s schließt aber Staat« *1« ß|J Änist aucl> ci״ Kutcr Bürger des §*38 Ä, k״־d״' a1״'«Äm־ÄSa ־SÄ־ BSSM-fs■ A»־h'nÄli;״aÄ״ ueutschtum und an ihrer deutschen Heimat, also an ihrem Volkstum und sind docli gute amerikanische Staatsbürger. Etwas bedenklich mag es vielleicht erscheinen, wenn der Zionismus trennend in die 11c- Ziehungen der Staatsbürger zu einander durch Gründüng von Vereinigungen elngreift, die In gesellschaitllclicr Beziehung eine Absonderung des Judentums von der Allgemeinheit der Staatsbürger bezwecken, wie das beispielsweise die national-jüdische Turnerschalt anstreht. Es wäre das verständlich, wenn iu der deutschen Turnerschaft antisemitische Strömutigen herrschten: da dies aber nicht der Fall ist, liegt liier eine durch nichts begründete Absonderung vor, die lebhaft an die gesellschaftlichen Absoluteruugsbestrcbungcn des Katholizismus gemalmt. Der Zionismus würde nach unserer Ansicht besser tun, wenn er sielt auf die «utionuipolitisclic Organisation beschränkte, sicli im übrigen aber bemühte, seine Parteigänger vom freien gesellschaftlichen Verkehr mit den übrigen Staatsangehörigen in keiner Weise tbzuzichen. Die große Frage des Zionismus ist nun. wie sich die ״öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palüstina" entwickeln s׳MI Da soll nun die Oppenheintcrsclie Sicdhmgsgcscllscliaft bahnbrechend wirkett. Der zionistische Nationulökonom Dr. Oppenheimer will zunächst den Grund zur Kolonisation durch landwirtschaftliche Genossenschaften legen, die sich dann ztt Dorfschaften mit ansässigen Handwerken! und Gewerbetreibenden entwickeln sollen. Ist genügend landwirtschaftliche Bevölkerung vorhanden, dann werden auch Städte und bessere Verkehrswege erstehen. Aus der gcnosscnschaftliehen Selbstverwaltung mehr wirtschaftlicher Art soll sich dann allmählich die politische Selbstvcrwaltung entwickeln. Eine autonome Verwaltung Palästinas Innerhalb des ottomanischcn Reiches soll den Abschluß bilden. An eine Losreißung Palästinas von der Türkei und die Gründung eines ganz seihständigen jüdischen Staates wird aber nicht gedacht, da ein derartiger Kleinstaat, bei der Lage und ganzen Beschaffenheit Palästinas recht ungünstige Existenzbedingniigeii hätte. Die politischen Parteien für einen jüdischen Nationalstaat sind allerdings schon jetzt im Zionismus vertreten. Es gibt eine streng konscr* vative religiös-orthodoxe Richtung, die zionistische Föderation ״Misrachi", dann die liberal-dcmokratiselic Zionistische Vereinigung und schließlich eine sozialistische Zionistcngruppc. Die eigentliche jüdisehe Kolonisationsarbeit in Palästina betreibt aber eine Anzahl von kapitalistischen Gesellschaften, Landgescllschafte» und Dankuntcrnchmmigcn. Neben dem praktischen Zweck, der Ansiedelung aus Rullland und Rumänien vertriebener Juden, soll die iüdisehe Heimstätte in Palästina auch eine hohe ideale Aufgabe erfüllen, die Erhaltung der jüdischen Sprache und Kultur in einem Zentrum, wo diese der Aufsaugung durch das sie umgebende fremde Volkstum nicht in dem Maße ausgesetzt sind, wie in den Staaten, wo das Judentum als Volksbcstandteil nur Gnstrcclitc genießt," Wir brauchen an dieser Stelle wohl kaum die irrtümlichen Voraussetzungen, auf denen einzelne Angaben des Artikels beruhen, richtig zu stellen: sie werden unserem Leser aber zeigen, wie selbst dort, wo man sieb bemüht, unser Streben sachlich zu bcurteilen, Mißdeutungen immer wieder aufzuklären sind. Vielleicht ist diese Arbeit nicht minder wertvoll als der Kampf gegen die Mißgunst offener und versteckter Feinde. Nachtrag Nach der Annahme des Beschlusses, betreffend das Verhältnis der Misrachifüdcration zur deutschen Landesorganisation gab auf eine aus der Versammlung an ilm gerichtete Anfrage der Vorsitzende. Rcchlsanwalt Grone mann folgende Erklärung ab: Es ist selbstverständlich, daß der angenommene Antrag keinesfalls in dem Sinne ausgclcgt werden kann, daß Angehörige der Misrachtfördcration, weiche gleichzeitig den deutschen Landesbeitrag zahlen, dadurch ein doppeltes Wahlrecht zum Kongreß erlangen können. Der Vorsitzende stellte fest, daß diese Interpretatlon einstimmig als richtig anerkannt wurde, so* mH Mso als authentisch zu gelten hat. VII % ,u״scrcm vor wöchigen Bericht über den 1 1 ״,'®•cglcrtcntag wird uns ergänzend mitgctcilt, daß der Kommission zur Beratung der Finanzvor- Schläge nuller den bereits genannten noch die Herren L a n d a־u - Hambund Stab 1 -Tarnowitz und L i c h t h c 1 m - Berlin angchörtcn. Fcicrlugsarbcil Die Pflicht und die Notwendigkeit, tätig zu stm. für sein Volk zu arbeiten, hört für den Zionisten nij auf. Stets muß er bereit sein, agitatorisch zu ״ jf. ken. Fernstehende für sein Ideal zu interessieren, äen Schatz des Volkes zu mehren und den, den er mdu moralisch gewinnen kann, wenigstens zu einem (j־.|j. opfer zu veranlassen. In den bevorstehenden holten Festtagen bietet sich hierzu eine Gelegenheit wie selten. Selbst die Juden, die sonst das Jahr I.. kaum wissen, daß sic Juden sind, besinnen sielt wenig, stens für diese drei Tage dessen, was sic ״den (״au ben ihrer Väter" nennen. Hier gilt es, diese IhiUitig erwachende jüdische Stimmung für unsere Sach* nutzbar zu machen. Es hat sich seit langer Zen dje gute Sitte eingebürgert, die Glückwünsche einander statt durch konventionelle Karten auf dem Wege der Spenden für einen sozialen Zweck darzubringeu. I'״r uns Zionisten ist cs selbstverständlich, daß wir l!ese Ablösung der Glückwünsche zu Gunsten des NV1.׳rj|. fonds vornehmen, ebenso selbstverständlich sol־ ׳, cs sein, daß jeder in seinem Bekanntenkreise iv.riur werbend cintritt. Um unseren Gesinnungsg׳.;;•׳ ••sen diese ״Feierlagsarbcit" zu erleichtern, werde;׳ wir auf Wunsch jedem, der seine Glückwünsche ablov. dis betr. Nummer der ״Rutt!Jsehau" gratis zuwuden, ebenso sic an jede Adresse senden, die uns \v! den Spendern aufgegeben wird, so daß die Gliiekw rasche auch jedem persönlich zügelten können. Die bunegen• den Schcckformularc sollen die Übersendung d : \b. lösungssummcn erleichtern und verbilligen: sie v;eisen auf Wunsch jedem in beliebiger Anzahl zur Ver! jung N. F. fiusDeNöeMeiiiDeti 01« Mitarbeit unserer User an dieser — erwünscht.— Rubrik ist besonders Persönliches Uns erreicht die betrübende Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Herrn J. U. Dr. Hugo Rappaport, Advokat in Trautennu, unseres hochvcrdienten Gesinnungsgenossen. Der Verblichene stand seit der Gründung des ״Zionistischen Volksvcrcins Theodor rfcrzl" an dessen Spitze und hat sich durch seine aufopfernde Hingebung und begeisterte Arbeitsfreude unermeßliche Verdienste erworben, welche ihm ein ehrendes Andenken auch Im weiteren Kreise seiner Gesinnungsgenossen sichern. Berlin. Die Einweihung der neu erbauten י•.:..,- gogc Heth ZI011, Brunnenstr. 33. findet statt s• den 25. September, mittags 12 Uhr. Die Festmcligt hält Rabbiner Höxter. Hannover. Am 1.3. September fand liier die ordeutliche Versammlung der Land- und Lchrgiits-Gc• Seilschaft m. b. II, in den Räumen der A. mul l\ Sinton’schcn Stiftung. Hansahaus, statt. Bekanntlich wurde die Land- und Lchrguts-Ücscllschaft zur Ausbildung und Ansicdlung von Landwirten jüdischen Glaubens gegründet. Vertreten war das gesamte Stammkapital. Nach einigen Satzungsänderungen wurden in den Aufsichtsrat *!!gewählt der nutete Rittergutsbesitzer. Herr 1, Brandt aus Cli.irlma.n• bürg und Herr A. Sil herbere. Direktor der Au• stalt in Ahlem. Dann erstattete der Gescüatt'.fnhier. Dr. Eugen Katz. den Jahresbericht. Hiernach he• findet sielt das Lelirgut Steinhorst in andauernder Aufwärtsentwicklung. Die Ernte der Acker- und Oartentrnehte des Jahres 1910 waren befriedigend, die Moorkulturen schreiten vorwärts, so daß im Fruitiahr des nächsten Jahres sechzig Morgen Grasland neu angesät werden hönnen. Mit Hilfe eines Staatliehen Darleliits wurde auch mit den Aufforstung*• arbeiten begonnen. Durch Ankauf eines Stammes allerbesten osifriesisclien Zuchtviehs hat die Mirtschall iubezuK auf den Lclircharaktcr eine schätzen*• werte Bereicherung erfahren. Um eine gröbere Anzahl von Lehrlingen mit Gespann- und Maschinen• arbeiten genügend vertraut machen zu können, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, werden zu dem etwa 91)0 Morgen grollen Gute Steinhorst noch etwa ISO Morgen liiuzugepachtct. Zu den 12 l.ehrluigca, die - abgesehen von den jüdischen Gehilfe״ und Arbeitern — bis heute eingestellt worden sind. h׳׳m ett im Herbst noch einige aufgenommen werden. For Frithiahr 1911 ist eine Vergrößerung des Lehr! ,;esheims geplant, so daß dann etwa 2n Lehrlinge l’hdz finden können. Die Einrichtungen von Steinl **rst haben nicht nur von privater, sondern auch von .mit• lieber Seite verschiedentlich die größte Atvetkeummc ge binden. Strnßhurg 1. Eis. Hier wurde seitens des IL׳:rn Emil Bickhardt eine Sammlung für die lichriiNcliö Mittelschule ״Tachkemoni" in Jana eingeleitct. die das folgende Ergebnis hatte: Dr. B. Colin 5 Vk. Emil Bickhardt 5 Mk., Marcus Plato 3 Mk., Kutz* weil l Mk.. Mever Weil 3 Mk.. Nathan Hirsch 5 VA.. Sam. Wcrtlicimcr 2Mk., Woifföc Rhein 2 Alk., PaGd Lew 2 Mk., K. Goldschmidt 2 Mk.. S. Ackern!. ״» 2 Mk., Jules Döllach 3 Mk., Sigm. Bickhardt ר W. Sepath Emctli 10 Mk. Zusammen SO Alk. V6R6INS-RUNDSCHAU ßi* Schrlhfnhrcr der Vereine werden gebeten, die Perichi# möglichst knnno *u hatten und *Ic *Ich rechtzeitig einzu'cn•!׳(!■ minuftkrtoto nur •ul einer Seile hcichrclbcn — dculllchc Schrliü Berlin. Jüdischer Turnverein ״Bar - Koclilu»״• II. Fraiicn-Abtelliing. Am S 0 n n t a g, d c m 25. S c ה• tcnibcr, nachm. 5 Uhr, findet in unserer Turnhalle Schloswlgcr Ufer 14 (XIU. Realschule) ein Schauturnen statt, das der Propaganda des ■ •* I!■ aiati! ««ג uvr rrupuKiUiUii Lost die Roschhaschanahwünsche durch den Nationalfonds ab!