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Jüdische Rundschau · 1910-09-09 · Heft 36 (9.9.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen koMtn fOr die fanigeipellene Pelluelle oder deren R*um 25 Hk.; Siellcn-AnKcbol« und Ocuiche eowle VerclMmit* telluuuvn u. ״Kleine Antc/Kta" nur 15 l*<g. oooooooo Alamukrlrie werden, wenn Porto bcillegt. stets r.ufück ■enndt. — Redaktionsschluss Mittwoch vormlttagi Redaktion Jfldlich# Rusdicti•» Uerlln.Charloitenburg, Olelhtreustr. dp. Tel. Cb. MSI. Sprechstunden Dienstag und Doaaeraug 5—6 oachnliug» v\ Berlin, den 9. September 1910 — 5. Elul 5670 XV. Jahrgang N ־.nmer 36 Aboianomonta auf die wflchenlllch am Frei• tag erscheinende ,.JOdltcbo K’uadschau" kosten bei der tlipedliloa und bei allen Post• amivrit vlcrli'lllhrlich 1,25 M. ausserhalb Ucutschlands und Ocsterrcich-Uniarns 2,— M; tur Milglieder Jüdischer Vereine Im Sammclhesuß durch den Verein I,— M. Verist JOdlscht Rundschat K. 0. in. b, 11. Berlin SW. 68. 2leaner«<r. 77. rieschlllsstunden: 3 bis 7 Uhr ausser Sonnabend and Sonntag. ׳um XH. Delegiertentag XVni^ mehr als /.dm Zionisten waren es, die oh im Frühjahr 1900 in Hannover zum uei n Delegierten!«** der Zionistischen Vereilügt 1!: für Deutschland zusamuicnfanden. Und die i'.njunfj dieses Minjans weckte kaum in eiiu hannoverschen Lokalblatt geschweige dem׳ anderswo das geringste Echo. Vie unrecht aber gleichwohl die hatten, die dam.ls der jungen zionistischen Bewegung glau 'ton prophezeien zu dürfen, sie werde in Dem chland n i c festen Fuß zu fassen vennögen. das zeigt das seitdem verflossene Jahrzehnt mii!Treulicher Klarheit. Mehr als die zehnfache Zalu von Delegierten deutscher zionistischer ,Irii 'pen wird sich am Sonntag mid Montag in I rankfurt am Main zum XII. Delegicrtentage vereinigen. Seit langem schon sind unsere offiziellen Zusunmenkiinfte keine kleinen Konveutikel niehr. sondern große öffentliche Veranstaltungen, von denen die ganze deutsche Presse — wie un* gern sie es auch tut — doch Notiz nehmen muß. Und waren einst orthodoxe •und liberale Juden m dev Verurteilung des Zionismus ganz mul gar einig, so hm sich das jetzt so sehr geändert, daß man den Zionismus fast — tot loben möchte. Die Orthodoxie hat vielfach ernsthaft erkannt, welche unschützbaren positiven Werte im Zionismus liegen und hat sich mit ihm abgc• fundoii, auch wo sic ihn nicht unterstützen zu können glaubte. Weite Kreise strenggläubiger Juden halten es freilich leider immer noch mit einer aufrechten jüdischen Gesinnung für vereinbar. den Standpunkt zu vertreten, den jene berühmte sechste Generalversammlung der ges e t /. e $ t r e u e n Rabbiner Deutschlands im Dezember!000 in Marburg an der Lahn zu einer unvergleichlich humoristischen Resolution verdichtete. Diese ״Entschließung“ sagte da- »nals — nachdem einige zionistisch begeisterte 1 Reden gehalten waren — im wesentlichen, man könne und wolle sich nicht entschließen. Der ZiniiKinus ermögliche in folge der ״Unbestimmtheit 'einer künftigen Gestaltung“ keine geltereih Stellungnahme. Und sogar für die Unter* Min/mg der Palästinabestrebungen des ״Misraelii״ wurde erst eine religiöse Garantie im offi* zivil. 1 zionistischen Programm gefordert, also »nt V ׳ sen das, was der Misrachi selber ja auch visu. 11׳. Soviel gewundene Verlegenheit dürfte «ui euer siebenten Konferenz der gesetzestreuen Rabbiner kaum noch möglich sein. Mies, was sich im Judentum mit so viel falMln r Pose 1״ i b e ra 1“ nennt, haben wir auch heut»• noch scharf gegen uns. Man schleudert keim• liberalen Bannflüche mehr gegen uns, nacbmin man sich von der Nutzlosigkeit solflivr Kraftexperimente überzeugt hat, — matt anerkuiut sogar unseren guten Willen und stellt ui!' bisweilen eine ganz gute Zensur für ״Gesiiiuung“ aus, auch wenn unser ,,Betragen“ weniger zu loben sei, aber man bekämpft uns, und zwar mit Waffen von respektablem Alter. Ans ״Berlin, im September 1910“ - mail muß das ausdrücklich bemerken — ist eine Nr. 27 der ״Mitteilungen des Liberalen Verems für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu ..Der Zlonlumu! erttrebi für das lOdlicho Volk dl* Hcliadiini( einer Otlenillott-roclilltuh Koticlirricn IMdimttto 1a l'tiaiilna.״ Uatuler Proaiaaim. Aus dem Inhalt Zum XII. Deleglortciitag. — Polnischer Zionismus um! Palästlnaarbett. — Gchclmrat Geiger und 1110 Finnländer. — Zur Pücge unserer nationalen Sprache, Von Heinrich Kuhn. — M. Ä. Klausner. — Ein kleiner Nachtrag zu der BctraclUung über ״Jüdische Genügsamkeit". Von Prof. Dr. Kali scher. — Von der Deutschen Pulüstliiabank. — Aus aller Welt. — Palästina• Rundschau. — Rundschau der Prcsso. — Vom llllisvcretn. — Llterurischo Rundschau. Scheu der Orthodoxen vor dem Zionismus und die albernen Legenden der Liberalen über ihn müssen überwunden werden - dann wird die große Masse der deutschen Juden erkennen, daß es für eine jüdische Zukunft keinen anderen Weg als den Zionismus gibt! Dazu aber brauchen wir ein organisatorisch und materiell starkes Arbeitszentrum. Das soll uns der XII. Delegiertentag schaffen, dann wird er einst in der Geschichte der zionistischen Bewegung in Deutschland ein wichtiger Markstein sein! Berlin“*) datiert; die nach einem Satz voll köstliehen Humors die ״Bekämpfung z e rsetzender zionistischer Best reb u tt g e n“ als 4. Programmpunkt der Liberalen hinstellt. Der erwähnte Satz, der offenbar eine echt jüdische Sclbstpcrsiflage darstellt, lautet: ״Vergessen wir nicht, Uull dem Liberalismus das Judentum die Umkehr zahlreicher Indifferenter zum tätigen, religiösen Leben verdankt!" Danach darf man auf die Begründung der Bekämpfung des zersetzenden Zionismus mit Recht gespannt sein. Aber sie übertrifft alle Er- Wartungen ganz erheblich, denn sic deklariert folgendes: ״Der Libcrnlisimis verkannt nicht, dall im Zionismus viel Idealismus liegen kann. Aber er erkennt darin eine Schädigung des Judentums als einer rein religiösen (iciucinschaft und sicht darin eine Gefährdung unserer Staatsbürgerliehen Rechte. Wir müssen ein Programm ableimen, das unseren antisemitischen Gegnern in unserem gerechten und guten Kampfe die schürfsten Wafiou in die Hand gibt. Wir sind und wollen deutsche Juden bleiben." Fünfzehn jüdische ״Notabein“ von Berlin haben ihren Namen nicht für zugut gehalten, um ihn unter einen solchen Wisch setzen zu lassen, der durch den elenden Stil offenbar mileiernde Umstände für die Kläglichkeit der Argumente erwirken möchte. Sachliche Auseinandersetzung mit einem solchen Berliner ״Programm“ ist hier na• tiirlich unmöglich und ist ja auch höchst überflüssig. Wir wollten den Vertretern der deutschen Zionisten, die sich jetzt in Frankfurt versam• mein werden, nur an einem allerneusten Beispiel zeigen, was in Deutschland an primitivster zionistischer Aufklärung noch geleistet werden muß, bis ein solches Schmockstück nicht mehr wird gewagt werden dürfen. Ueber der großen Zahl — wie wir gewiß liicht verkennen — schwieriger und ernster inne. rer Organisationsfragen soll der XII. Delegier* tentag nicht vergessen, daß die unermüdliche und tagtägliclie Aufkliirungs- und Werbearbeit, die allein unsere Bewegung gerade in Deutschland groß gemacht hat, in noch gesteig e r t e m Maße fortgesetzt werden muß. Die *) Ls Isi eine interessante Erscheinung, du» solche Vereine immer so entsetzlich tarnte Namen haben. Warum licillt diese ehrwürdige Institution nicht einfach: .liidisch-lihcrnlcr Gcmcindevcrcin? Aclmlich der bekannte ״Zcntrulvcrcin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der natürlich nicht etwa ein Zcntralvcrcin deutscher Juden istl So groß Ist die Furcht vor der Undeutlichkeit-im Qhetto Immer gewesen I Politischer Zionismus und Palästinaarbeit Einmal waren cs in der Tat Gegensätze, ln wenigen Jahren hoifte man den Judenstaat zu erreichen; der Charter für Palästina sollte der zionistischen Partei erteilt werden, und diesen Cliartcr glaubte man um so schneller erhalten zu können, je wertloser das Land war, für das er gelten sollte. Es war natürlich, du» der Schwerpunkt der Parteiarbeit in der Erlangung der Regicrungszustimmungcn liegen muhte und du» man kein Interesse daran halten konnte, durch Besiedelung Palästinas das Land wertvoller und damit für andere begehrenswerter zu machen. Und so gewöhnte man sich daran, das Kriterium des politischen Zionismus allein in der diplomatischen Tätigkeit Herzls zu erblicken. Inzwischen hat auch der politische Zionismus die Palästinaarbeit als integrierenden Teil seines Programms anerkannt•, diese Gegensätze zwischen der praktischen und politischen Richtung schienen ausgeglichen zu sein, wenigstens betonte man überall, da» prinzipielle Differenzen im Zionismus nicht mehr vorhanden seien. Und dennoch konnte ein unbetangener Beobachter bei diesen Versicherungen sich niemals eines gewissen Unbehagens erwehren. Nicht etwa, als ob es beiden Teilen nicht ganz ehrlich gewesen wäre -- die neue Aufiassung schien ja durch die Umwälzungen in der Türkei ausreichend begründet zu sein — aber cs gehurte kein übertriebenes Pcingc« fühl dazu, zu erkennen, wie sehr gerade alte politische Zionisten die Notwendigkeit des neuen Kurses nur mit innerem Widerstreben anerkannten: sie sahen darin ein Aufgeben des alten, grollen Prinzips des politischen Zionismus, eine Abschwäclumg der reinen Idee. Mil halben Herzen beteiligten sic sich an den pulislincnsiselien Unternehmungen und der Mangel au (lebefreudigkeit, den wir vielfach noch heule leststellen können, hat seinen letzten Grund in der Unausgcglichcnhcit zionistischer Anschauungen. Gelegentlich der Jubiläumsfeier der Kattowitzcr Konferenz ist von Dr. Sandler der Versuch gemacht worden, alle Richtungen des Zionismus, auch den vielgclüstcrteu Chowcwc-Zionismus. als am letzten Ende politisch-zionistische Bestrebungen hinzustclien. Dieser Versuch kann dann als vollkommen gelungen gelten, wenn ■wir 1ms iniiner über die verschiedenen Emstchungsursacbcn des östlichen und westlichen Zionismus im Klaren sind. Deutscher Zionismus hätte 1897 nie etwas mit Chowcwc-Zionismus zu tun haben können, für ihn war die Judcnstuatsidcc die notwendige Konsequenz des zum Bewußtsein erwachten jüdischen National gefühls, und diesem BcwuBtscinszustand entsprach das Verlangen nach dem Charter, der allein diu Verwirklichung des zionistischen Zieles zu garantieren schien. Der Artikel ״Deutscher Zionismus" sollte den' Nachweis erbringen, da» auch heute noch unsere zionistischen Dcnktormcn wesentlich verschieden von denen der östlichen Zionisten sind. Instinktiv ist dies von den westlichen Gesinnungsgenossen immer empfunden worden, sic nannten sich ״politische Zionisten“,

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