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Jüdische Rundschau · 1910-09-02 · Heft 35 (2.9.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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r I I I I I I I I I I I I L. Abonnomonta 1uf die wöchentlich «m frei• 1,* erscheinende ..JQdltche K’iiiiilschau“ kosie» bei der |!»pedlllon und bei allen Pc 1ihntern vlerteliaiirllcN 1.23 M. *iivmtIuIIi Deuhchlandi und Ocsierrelch-Unfarns 2,— Mi l!.r Mlielleilcr indischer Vertine Im Sammcibeiu* durch den Verein I,— M. Verl•( Jldltch• Rundicbiu I!. U. m. b. II. Berlin SW. 68, Zlmmenlr. 77. OeschSllsslunden: 3 bis 7 Uhr ausser Sonnabend and Sannta!.^^ Anzolaon kosten lOr die tOnfzespallen« Pellixelle oder deren R»um 25 l’lg.i Stellen-Angcbote und Oesucbe sowie Verelnsmlt• lellungen n. ..Kleine Ansclgcn nur 15 Pit. ס 0 ס ס 0 0 ס o Manitskrlnie werden, *c״״ Porto belllegt, stets surücktesandt, •— Redaktionsschluss Mittwoch vormittags. Radaktlnn jüdische Rundscbaa Ilerlin-Charlottenburg, Blelbtreustr. 4f. Tel, Ch. W8I. Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 5—6 nachmittags. WOBDCrllAX *M> n»VttUiit6«**e AULG<SA(5I)M(3 StUSEOSeirOd SQÖTdJMS N■immer 35 Berlin, den 2. September 1910 28. Mb 5670 XV. Jahrgang Auf nutzlosem Posten“ A'enn mau sich auch auf zionistischer Seile l»e\\ imt hat, von einer jüdischen ״Kolonisation“ in 1 aiästina zu sprechen, so ist man sich doch ste! bewußt geblieben, daß es sich um ein kolo• nis.. *risches Vorgehen besonderer Art handelt, das ׳u dem, was wir gemeinhin unter Koloni• satis-u verstehen, nur ganz geringe Analogicen aufv.iist. Unser Zionswerk kennt ebensowenig ein; Präzcdenz, wie das wunderbare Schicksal uns! res Volkes überhaupt in der Weltgeschichte ein; •eispiel findet. Unterschiedlich von der kricj׳er: ■eiten oder wirtschaftlichen Eroberung von Tuc h t er 1 än dern und Tochtersiedelungen bc/ .vcckt unser Plan die Rückkehr der versprenglen Volksteile ins Mutter lattd. Daß das keine reih theoretische Feststellung ist, sondern daß gerade hier der Kernpunkt unseres kolonisatorisehen Kalküls liegen muß, das zeigt recht dcutlieh ein Vergleich mit den unter äußerlich gleichen Bedingungen wirkenden deutschen Tcmplcrkolouien in Palästina. Ein Artikel, den K u r d v. S t r a n z im ״Tag" veröffentlicht, gibt un: zu einer Betrachtung dieses grundlegenden Unterschiedes willkommene Gelegenheit. Wir geben den Artikel in extenso wieder, weil beinahe ein ״,der Satz der Stranzschen Ausführungen, ans W.K-n ein warmes deutsches Empfinden zu uns spri» ht, Zeugnis ablegt für die grundsätzliche Wesens erschiedenhcit jüdischer und deutscher K01<>!1i■ation im heiligen l aude. I!uT von Stranz schreibt: ..Seit Monaten werden die deutschen Kolonisten 1! li.iiii.i von der arabischen Ikvölkerunß bis zu in .V, ule hehelliut. so dali Truppen sie schützen!,! Äsen und die Botschaft wiederhott ernste VormGIui.r erhob. Wie erfreulich cs auch ist. dal» 4'asc Auswanderer ihr Volkstum treu bewahrt; .l en. so sind sie doch ein verlorener oder weitcmc'is ziemlich nutzloser Posten un- 1 י I C r V 01 k h e i t i in Ausl a n d e. RcliKiüscr I *1 .hu: mul wirtschaftliche Not wie staatlicher;1!.:ei, triehen damals die schwäbischen Bauern;..1s ihrer Heimat, da der Staat den umreheuren v,»rtverlust noch nicht erkannte, daher souur die Wsw.tnderumt unterstützte. Bei einer Million;!uiidcr Arbeiter im Reiche redet heute niemand ׳ hr von notccdrumtcncr Auswanderung. latmlilich fehlen uns die Flüchtlinße. Aus Ruliland ■I eu und fördern wir bereits eine büchst wliniieiiswerte Kückwanileruitß. die aber leider nur . ,nlicli uubeiriiclillicli ist. Es dürfte minmelir , Zeit sjekonmien sein, zu erwüßcn. ob sieb Ke- 1 .miete deutsche Siedlumccn nicht wieder dem ׳ tcrlandc zufiihren lassen. Trotz allen Schirmes des Reiches ist die l.a1te r Orientschwalien Kcfälirdet. Die RcKieruitK 1 ' t sie nicht mehr, besonders hei dem erwachen- < a VolksKeiiihl der .luiiKtürken. Die rclic. öse Schwärmerei ist r e w ichc ri. Die . tliehkcit einer VermisehttnR mit der Nachbar- : :•.»ft ist kcineswcßs Ranz von der Hand zu \ isen. wenn auch die niedere Kultur der um- ׳. dt eine solche bisher verhindert hat. Das S hicksul solcher deutscher Baucrnansctzunß in . :•.niicn und Griechenland. die Ranz cutvolklicht ,rde. sollte aber tlavuii absclircckcn .sie 1 wiederholen oder an die Widerstands- ,;ruft unseres Volkes zu Klauben. Die iist erfreuliche VolksvermcltriinK der Schwaben ».mR zur Gfündunß von TochtcrsiedlunRcn. die von den Mutterkolonicn weit Retrcnnt int Innern iU.s Lundes lieRcn. Andererseits bietet sich jetzt eine besonders RünstiRC OelCRcnheit zur Anutzunß in der alten Heimat.. Die Bchclligunsrcn durch die türkischen Nachharn haben ihren Qrund im «meinen Brotneid, der sich jetzt noch patriotisch ®cwnüber den Landfremden Kibt. sind durch den blühenden Stand der deutschen Wirtschaften hcrvorKcrufcn. Sie sind MustcranlaRen, die daher auch einen ״ ..Der Zlonlimui erstrebt (Or das indische Volk dl• Schanuna einer OUcntllcb.rcclitllch gcilchcrten Heimstätte 10 Palästina." Daseler Proaranns. Bus dem Inhalt ״Auf nutzlosem Posten.“ — Deutscher Zloulstmis. — Von der Deutschen Palästlnabank. — Russische liiislc. — Zinn XII. DelcRlertcti. — Ans aller Welt. — Rundschau der Presse. — Aus der zionistischen HeweRtiiiR. — Vereins- Rundschau. — Literarische Rundschau: Preisaitsschrelbe». — UiiclierbesnrcclituiRen. — EIiirc- KaiiReiie Uiieher. — Feuilleton: Der Golem. Aus dem Hebräischen von Josef Mcisl. schönen Relillicltcn Wert ilaistellen. Die schwäbisehen Bauern sind durch zähen Flcill wohlhabend «worden. Die JtiiiRtürken sind Sicherheit nicht abRcneiRt. solche Musferhöfe als Vorbilder für ilire Landsleute zu aitKcmcssciictn Preise zu erstehen. Noch ein anderer prcisstciRcrndcr Wett־ bewert) dürfte locken. Jüdische WohltütiRkeits- Gesellschaften suchen ihre niatibcnsRCnossen im eohibteit Lande :•nziisiedeln. was der Revierunß nicht Rcnehm erscheint. Sie haben also SchwieriRkeilen, ihre Absicht dnreliziiführen, weil die Türkei vielleicht die LmstehiiiiR eines abfallüstcr- •en jüdischen Gemeinwesens fürchtet. Der Lieber- RaitR der schwäbischen Siedlunecn in zahlkruitiße jüdisclie Ilaiul wird daRCRin keine SchwieriRkeiten machen. Selbstvi'rkt.'imllich niilllten die schwäbischen Bauern um so Imlier cntsehädiKt werden. Die AnsiedlunRsmilRliehkcit mit dem erlialtenen Verkaufspreis ist in der Heimat jetzt besonders KiinstiR. selbst in WiirtteuibcrR. Lieberall ist BanernaiisetziinR der landwirtschaftliche Tnnimf. Der aKiarfeimlliehslc!*rcislim waet liier nicht zu widersprechen und fordert solches Werk. Wie sich schwäbische Weinbauern in Posen wohlfühlen, trotz anderer Wirtschaftsweise, als ie sie in der Heimat ßciibt liabcn. so ist die Ein- KCWöhnnitK dieser orientalischen Schwaben mit Sicherheit zu erwarten. Bei ihrer RartcnmiilliRen BewirlschnftiiiiRsurt dürften sic in Norddeutschland trotz fehlenden Weinbaues kciiuk GelcRcnheit zur AtisübtutR ähnlicher Anhauweisen finden. Die verimrc Kopfzahl der dortiRcn Schwaben würde es auch erniöRlichen, die RiickwandertiitK verhältnisniür.iK selmell d11rehzuf(il1ren." Die traurigen Vorfälle, die dem Verfasser den äußeren Anlaß zu seinen Ausführungen gaben, sind unseren Lesern bekannt. Weniger bekannt dürfte es sein, daß nach neueren Nachrichten der deutsche Konsul, der sich in Begleitung Ungcrs befand, nur dadurch der metichelmürderisdien Kugel entging, daß man ihn für einen j ü d i s c h e n Arzt hielt. Aber wir wissen, daß auch die Geschichte der jüdischen PaVäslinakolonicn zahlreiche Fähe von Mißhelligkeiten mit den umwohnenden Fellachen kennt; und doch wäre der Gedanke einer jüdischen Massenemigration aus der altneuen Heimat mit vollem Recht jederzeit als absurd zurückgewiesen wurden. Einmal, weil eine derartige Rückwanderung im Gegensatz zu den Tcinplcrkolonistcn nirgends erwünscht — und daher überall unmöglich -- wäre, dann aber, weil die ״religiöse Schwärmerei“, von welcher der Artikel spricht, und die bei uns Juden doch allezeit mit einem gut Teil nationalen Bewußtseins durchsetzt war und ist, nicht gewichen ist und niemals weichen wird, solange irgendwo auf dem weiten Erdenrund die jüdische Lehre verkündet wird. Denn wenn das Schicksal dcutscher Bauemansctzung den Deutschen abschreckt an die Widerstandskraft seines Volkes zu glauben, so gibt uns wiederum die Geschichte eines tausendjährigen Martyriums die Zuversicht in 1 die unverwüstliche Lebenskraft unseres Volkstums, das sich überall erhalten, aber nur unter den Bedingungen einer freien jüdischen Siedlung im jüdischen Lande zu seiner vollen kulturellen Blüte entfalten kann. Was endlich den vorgeschlagenen Ankauf deutscher Siedelungcn von jüdischer Seite anbetrifft, so dürften unsere Kolonisten an einem derartigen ״Geschäft“ wenig F'reude haben. Denn einmal würden sieden Wegzug eines strebsamen, kulturfördemden Elementes aus einem Lande, dessen Wohl sic zu dem ihren zu machen gewillt sind, aufs schmerzlichste bedauern. Dann aber haben sich die Methoden unserer Kolonisation, die gerade von dem jung Eingewanderten harte Arbeit verlangen, so gut bewährt, daß man auf den Versuch, die Kolonisten gleichsam ins ״gemachte Bett“ zu legen, gerne verzichten wird. Auch der Fortfall der wirtschaftlichen und f r e u n d n a c h b a r 1 i c h e n B c z i e h u n - gen, die sich zwischen deutschen und jüdischen Kolonisten entwickelt haben, würde sich fühlbar machen. So finden beispielsweise zu der Zeit da in den Obstkulturen der Templer die Pfro!> fungen vorgenommen werden, dort zahlreiche jüdischen Bauern lohnende Beschäftigung, Erst in allerncuester Zeit hat ein in Deutschland lebender Sohn eines palästinischen Deutschen in einer gewissen deutschen Presse versucht, einen feindliehen Gegensatz zwischen”deutschen und jüdisehen Kolonisten Palästinas zu konstruieren, der in der Tat nie vorhanden war und der nur dem Bedürfnis deutsch-chauvinistischer, antiscmitischer 1 lel/.aposlel enlgegciikain. Ueber die Stimmung der maßgeblichen türkischen Kreise gegenüber den jüdischen Palästinabestrebungen haben wir unsere Leser fortlaufend auf Grund zuverlässigen Materials auf dem Laufenden erhalten, sie sind also auf die Belehrungen des Artikels aus deutscher natiotialcr Feder nicht angewiesen und wissen, daß an den Regierungsstellen der eingangs gczcichnete Unterschied der palästinozcntrischen jüdisehen Bestrebungen und der deutschen Kolonisation, die ihren Stützpunkt im Berliner auswärtigeu Amt hat, wohl einleuchtet. Daß übrigens die deutsche Position in Palästina nicht überall so pessimistisch beurteilt wird, wie cs in dem vorliegenden Artikel geschiebt, das bewies erst ganz kürzlich die Deutsche P a 1 ä s t i n a b a n k , über deren neuerliche Kapitalserhöhung wir an anderer Stelle dieses Blattes berichten. Uns Juden ist Palästina historisch bedingtes Endziel, das keine Rückentwicklung kennt, dem Deutschen ein Posten seiner Volkheit im Auslande“, unter vielen der. wenn er als ״ziemlieh nutzlos“ erkannt wird, zurückgezogen werden kann, um entweder, wie es im vorigen fahre in Afrika geplant war, einen anderen zu verstärken, oder, wie es jetzt von Herrn von Stranz gefordert wird im Muttcrlande zur Kräftigung des nationalen Stammes beizutragen. Deshalb verlangt der Deutsche mit vollem Recht von seinen Kolonisten Treue zum Deutschtum und Treue zu seinem Muttcrlande, daß seine Anhänglichkcit wiederum mit ausreichendem politischem Schutze lohnt, wir aber verlangen, daß unsere r toniere die wir von den ״nutzlosen Posten“ der Diaspora zurückziehen, auf die sie das Schicksal wider Willen stellte, gute Juden und gute Bürger ihres neuen Heimatstaates seien und i 'eiben fa.

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