Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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No. 31. JUED1SCH r: RUNDSCHAU Seite 371. PALAC5TINA-RUNDSCHAU Die Auswanderung nach Palästina ln der Zelt vom 1. Mürz bltl 31. Dezember 1909 (10 Alona(o). Statistik. (Van lnicirmalioitslturcau für Palästina In Wien.) Aus den Ergebnissen unseres Bureaus. welches am l. Marz 190? gegründet wurde, entnehmen wir leitende Daten: Während der Bcrichtszcit haben den Weg über Wien nach Palästina 333 Personen Benommen, hierv.' i .:.(heu als Herkunftsland 257 Europa und 76 Pal>;.• ... an. Von diesen waren aus: Galizien.85 Russisch-Polen ... 81־ übrigen Rußland ... 69 Rumänien .10 Ungarn .5 Bukowina .4 \<n den Palästinensischen haben sich während kir 1י Zeit krankheitshalber 41, geschäftlich n, um d. ilehammenfach zu lernen 4. aus anderen Moti\ : H in den Oohisländcrn nufgchaltcn. Was das Alter betrifft, waren: unter 15 Jahren 31 Personen von 15-30 18 ״t) ״ 30-50 .. 58 über 50 ., 64 ., \\ :! wir also das Alter zwischen 15—50 Jahren als j;troduktive annchmen, so ergibt sich die er- 5! ehe Tatsache, dali mehr als 70 Prozent arheitsk ge Leute ,lingewandert sind. Noch deutlicher t! das zutage, wenn man erwägt, dal! mehr als ,1 Halite der Auswanderer im Alter von 15-30 1 .11 stellen und dall es meistenteils ledige Leute s ., welche sich also eher mit einem kleinen Arheits-!! znfricücnsteilen können. Dieser Prozentsatz v .U sich noch erholten, wenn wir die meistens im \ .nickten Alter stehenden palästinensischen Juden i. .,h/ug bringen würden. Nach dem Gcschlcchtc waren 249 Männer, davon 1 ledig, und 81!־rauen, davon 31 ledig. — Die I da l-'.miilicn betrug 31, darunter 18 mit insge- .v : -’׳» Kindern: hingegen bestanden 13 t'amilicn 1: aus Mann und Frau: letztere begaben sich n־»ch 1־. siuia. um die letzten Lebensjahre dort zu ver- 1 ■een. 2 Frauen fuhren mit 7 Kindern zu ihren M tcrii. die schon längere Zeit in Palästina weilten. Von den 333 Personen waren bis nun 23.8 in versc'• .Gelten Berufen tätig, 33 Kinder und 51! Frauen 0 a selbständige lieschäftigung, welch letztere teils ־■■’י ihren Männern reisten oder aus Palästina mit!11: Kindern zwecks Heilung derselben nach Pa- 14׳־ .! gekommen sind, und 6 Palästina-Clialukai4■: Die Betüt gütig in den einzelnen Berufen stellt;״IgenJcnitaßcn dar:!; dwerker .67 hiervon:!2 Schuster. H Schneider, ׳׳ Holzarbeiter (Tischler, Böttcher), א Schlosser und Mechaniker, 1 Setzer, .יי diverse.!!aiite. 5t i i.dJsaugcstelitc.32 : ,;.!wirte . 21 ' gehöriger freier lieiufe.211 .'mudisten und hebräische Lehrer . ... 14 ־ . Unten .12 .neu den l'ltern in der Ausübung ihres U ruics behilflich. v< 1׳! diesen 23א beabsichtigen als ihren künftigen! 1 m Palästina zu wählen:;«!Wirtschaft .91 :;.!werk.39 hierum: 'chneider.11;!olzarliciter.א Mechaniker und Schlosser.6 Seliuster .3 Hi/er.3 IMserse.. 8 : ufmäimiM.lier llertif.אי eie Berufe .1•' :u1dekmgc.slclltc.3 I waren unentschlossen, jedoch neigten die ׳ ׳,eil zur Landwirtschaft, und 10 begaben sieb > ־. um die Schulen, wie Bez.alcl. llcbräisclies ( nasium oder die Landschule zu besuchen. Von 2. .;!den in vorgerücktem Alter, die aus religiösen ..in ins heilige Land fuhren, beabsichtigten 21 Citahtkagddern ihr Dasein z.u fristen, (1 aber ' ..־,km von ihren Kindern,unterstützt. i's ist nicht uninteressant, ־zu untersuchen, in ' ' heil Berufen die 91 Personen, die sich in Pa- >״ .,;! der Landwirtschaft zu widmen beabsichtigten, i;a tätig waren. Von diesen waren früher nur I'׳ Landwirte, ferner 27 Handclsangcstclltc, 20 Hand- ' ׳ H er. 12 Angehörige der freien Berufe oder I 1 raisclie Lehrer, 9 Kauflcutc und 4 Studenten. Die 1 Men ilandclsangestclltcn, die sielt der Landwirt- * 1׳'dt widmen, kommen aus Galizien. Meist sind cs! vdingc, die ihren Eltern im Geschäfte behilflich v •fei), die aber angesichts der trostlosen Lage oder ־׳"׳'׳ Idealen Motiven auswanderten. Die aus anderen I wmfen kommenden, der Landwirtschaft sich wid- ,״‘״den Personen waren durchwegs uus Rufiland. י Kauflcutc, von denen 2 mit ihren Familien auswandcrlcn, waren materiell die kräftigsten und verfügten jeder über ein Kapital von 80000 bis 100000 Kronen, waren auclt aus Rullland. Ueberhaupt bcmerkt man, dafl, während aus Rullland relativ reiche Leute nach Palästina fahren, starke Arbeiter, endlieb auch Studenten und hebräische Lehrer, die entweder auf dem heimatlichen Boden ihr Kapital fruchtbringend nnlegcn oder ihre Träume als Arbeiter in den Kolonien verwirklichen wollen, so ist das Oros der Auswanderer aus Galizien — wie gesagt — Handels,׳!!(gestellte und Leute, die bis nun im Elternhause keine Beschädigung ausübten. oder Personen im vorgerückten Alter, die nach Palästina reisen, um dort die letzten Jahre zu verbringen. Als Reiseziel gaben an: Jaffa und die Jüdischen Kolonien (Judäa) . . 164 llaiffa und die jüdischen Kolonien (Galiläa) , 66 Jerusalem.72 Saffcd .25 Ücyruth. 6 Auch hier lädt sich in der letzten Zeit ein gewisscr Umschwung konstatieren. Während früher die meisten produktiven Arbeitskräfte nach Jaffa (Judäa) sich begaben, so fahren jetzt viele infolge der leichteren Lamliingsmöglichkcitcn und der Hoffming, in Oaliläc eher kolonisiert zu werden, nach Haiffa. Den Beweggrund zur Auswanderung gaben 201 Personen an, und zwar 24 die Not oder sonst eine Zwangslage und 63 das Streben, ihre Lage zu verbessern. 37 den Wunsch, die letzten Lebensjahre in Palästina zu verbringen und 77 andere ideelle Motive an. Sämtliche Auswanderer beherrschten jüdisch (hiervon 203 ,•״ich noch die Landessprachen). 32 mehr als 3 Sprachen. 127 waren der hebräischen Sprache in Wort und Schrift mächtig. Von 201 Personen, die diesbezügliche Angaben machten, besaiten 132 Informationen über Erwerbsmöglichkcitcn und Verhältnisse in Palästina und zwar 69 von Bekannten, die in Palästina wohnen. 32 aus der Lektüre zionistischer Blätter und verschiedener Broschüren. 2H vom Odessavr Komitee, 10 von unscrem und 0 vom palästinischen Informatiortsbureau. endlich א aus eigener Anschauung; 4.8 haltet» keinerlei litformation. Wir haben schon früher erwähnt, daß ein Uebel, welches in der Emigration ztt Tage kommt, der Mangel an Informiert!!»}׳ über Ujlästina und die Reise ist. Aus dieser Tatsache ist leicht zu begreifen, dall in der Bcrichtzcit 4.8 Auswanderer nur über einen Teilbetrag der Rcisespcsci» verfügten. Von den anderen Answanderen hatten nicht mehr als die Reisespesen 233. weiters verfügten 2 über 1000 Kronen. א über 51XH) Kronen, 2 über 20 000 Kronen, 2 über 50 0110 Kronen. 2 über 100OOP Kronen, 38 verweigerten die Angabe ihres Vermögens. Bekannte in Palästina hatten 74. Verwandte 44. Der physische Zustand der Emigranten war nach ihren Angaben und dem äußeren Aussehen im allgemeinet» recht zufriedenstellend: gut. 238 (69,7 Prozent). schwach . . . 95 (30.3 Prozent). ln den einzelnen Monaten stellte sielt die Zahl der Auswanderer f.dgendenualtcn dar: Im Monat März 22. April 13, Mai 47. Juni 34. Juli 35. August 118. September 24, Oktober 37. Novcinber 22. Dezember 31. Die relativ grolle Zahl der Auswanderer im August lallt sich durch die auf September fallenden hohen Feiertage erklären, da zu dieser Zeit die frouimen Juden nach Palästina wandern. So zeigt sielt, dall unter den 6S Personen im August 32 das 50. Lebensjahr überschritten haben und 31 als Beweggrund der Auswanderung religiöses Motiv angaben. Kabbl Jacob Mclr — Cliacliambasclii von Jerusalem Während des zweiwöchcmlichcn Aufenthaltes der. Rabbi Nahem in Jerusalem ist es ihm gelungen, die Präge der Wahl eines C It a c I! a ttt b a s c h i in Jerusalem zu einer glücklichen Lösung zu führen und einen vollständigen Frieden unter den Parteien üerzuMellai. Mit der Würde des Chueluiutbasehi in Jerusalem wird ittmitielir, mit der Zustimmung aller, Rabbi Jakob Me'ir, der jetzige Cliacluiuthasc'.ii von Saloniki, bekleidet werden, der davon auch bereits aut telegraphischem Wege verständigt ,wurde. Die glückliche Erledigung dieser Angelegenheit in so kurzer Zeit ist ein beredtes Zeugnis dafür, in welch hohem Malte Rabbi Nahem die Sympathien der hiesigen Jmlonhcit sielt zu erwerben verstanden . hat. Freitag, den 24. Juni, verlieh der Chacltant- 1 b.tschi Jerusalem, und zwar wird er mit der Eisen* '!’••In! bis zur Station Ramleh und von dort mit einem | Wagen über Rcchohoth nach Risehon lc Zion fahren, t wo er den Sabbnth verbringen will. Rabbi Nahum wird daun noch Mikwclt-Isracl und Pctliach-Tikwah besuchen und dann über Haifa nach Galiläa gelten, wo er Tiherias und die nahe gelegenen Kolonien bcsuchen wird. Jüdisches Krankenhaus ln Hebron Die Aschkcnnsim und Sefardhn In Hebron haben sielt vereinigt, utn cm allgemeines! jüdisches Krankenhaus zu bauen. Die Schmittuhfrayc in Paläslina Protcstvcrsammlung gegen dlo Boykottierung Jüdischer Trauben durch Jerusalemer Rabbiner. Am 24. Juli fand In Risehon lc Zion eine durch die Organisation der judäischcn cinbcrufcnc Versammlung statt, um gegen das Verbot, das einige Rabbinatsstcllvcrtrctcr in Jerusalem gegen den Genuß jüdischer Trauben erlassen haben, zu protestieren. Die Versammlung war sehr zahlreich bcsucht. Aus allen Kolonien und auch aus Jaffa und Jerusalem waren Delegierte erschienen. Die Ver- Sammlung dauerte von 3 Uhr nachmittags bis Uber Mitternacht und hatte mitunter einen sehr stürm!- sehen Verlauf. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machten die Ausführungen zweier Khlonistcn, Aaron Eisenberg aus Rcchoboth und Elijaltu Ostaschinsky aus Risehon lc Zion, die zusam* men mit noch drei Kolonisten als Delegierte längere Zeit in Jerusalem weilten, um mit den Urhebern des ״Issur“ (Verbotes) Rücksprache zu nehmen und sie nach Möglichkeit zur Rütkzichung ihrer Erklärungen zu bewegen. ״Wir haben uns gleich überzeugen können," sagten beide Kolonisten übereinstimmend, ״daß wir cs nicht allein mit Vertretern einer bestimmten religiösen Richtung zu tun haben, die mitunter unscrer Arbeit zuwidcrläuit. sondern mit aus gesprochcncn Feinden unsc re r ganzen K o I o n i s a t i o n s a r b c i t, mit erbitterten Gegnern des neuen, lebendigen Jischuw. Das Verhalten der Dajaitim uns gegenüber war von Anfang an ein solches, daß wir sogleich jede Hoffnung, etwas auszurichten tntU die harten Herzen erweichen zu können, aufgehen mußten. Alle unsere Reden, unsere Hin- Weisungen auf das Eiend, in das durch das Vorgehen der Rabbinatsvertreter so viele jüdische Familien gestürzt werden und die Hindcutung darauf, daß doch die früheren Schmittahs durch hervorragende Talmudautoritäten freigegeben wurden, halfen nichts. Ja. es hat uns schon viel Miiltc gekostet, überhaupt empfangen zu werden. Welch ein Empfang war dies! Fünf Mitglieder zählte unsere Deputation, zumeist greise Männer, altbewährte Kämpfer aus den ersten Jahren der Kolonisation, auch als gottesfiirclttig und talmudbcflisscn bekannt, und delegiert von allen judäischcn Kolonien. Aber die Herren Rabbinatsvertreter habet» cs nicht für nötig gefunden, lins Stühle anzubicten oder die laufenden kleinen Geschäfte mit Weihern und tmmündigei! Jungen für eine halbe Stunde zu unterbrechen und uns separat aitziikörcn. Gleich als wir nach Jerusalem kanten, wurden wir fest davon überzeugt, daß diese Ang c I c g c n 11 c i t keine S c h nt i 11 a lt -1' r a g c, sondern eine Frage des Sesam öls sei. In Jaiiu nämlich erzeugt ein jüdischer Fabrikant Sesamöl und stützt sielt dabei auf das Gutachten des Oherrahbiners K u k in Jaffa, ohne vorher die Genehntigung der Jerusalemer Rabbinervertreter eingeholt zu haben. Nun haben die Jerusalemer Kaltbitter die Gelegenheit walirgcnoinuieu, um gegen den Rabbiner Kuk einen Streich zu spielen und ihm ihre Macht zu zeigen. Die Pflanzer der Trauben nämlieb, die von den Symlikatskcllercien nicht aufgenommen werden, haben bis jetzt den grollten Teil ihrer Produkte (800-1000 Kantur) in Jerusalem ab- Ht/.ci! können. Nun konnten die Jerusalemer Daja- ״im zeigen, daß mail ohne ihre Erlaubnis in Jerusalem nichts verkaufen kann, und daß auch Gberrabbincr Kuk sielt ihnen unterwerfen müsse, ln Jerusalem verfügen die Rabbiner nämlich über eine bewährte Organisation und fuhren ihre Streiche ganz im Stillen aus. Die Ankündigung des Verbots ist eines Tages mir für kurze Zeit erschienen und ist bald wieder . von den Urhebern selbst spurlos vernichtet worden. : Als später unter dem Druck der öffentlichen Meinung , das \ erbot öffentlich zurückgezogen wurde, schickten ו sie bald darauf ihre Boten, die jedermann 11ci 1111ich ' zuflästerten, daß das Verbot;tu!recht erhalten bleibt. , Dies genügte und die Folge ist. daß von unseren; Trauben bis jetzt mir für 200 Fres. verkauft wurden I (der Redner zeigte hierbei das Geld, das gerade bei J ihm eingetroffen war: ..das ist für fünfzig Familien!"), ן während nichtjiiüschc Trauben bis jetzt für mehr als ן für 4000 Fres. verkauft wurden." 1 Viele Redner, die mit den Jerusalemer Verhält-! itisseit vertraut sind, wiesen darauf hin. daß der Ein- 1 fluß dieser dunklen Gewalt auf das Volk nicht etwa auf die innere Autorität, die diese Männer beim Volke genießen, zuriiekzuführen sei. Im Gegenteil. Die breiten Schichten des Volkes halten sich von diesen Rabbinern längst abgewandt und drücken sich über sie. wo sic angstlos sprechen können, mit Verachtung und Haß aus, alter sie sind infolge der Cltalukah ökonomisch von ihnen abhängig und deshalb ge* zwungen, ihren Befehlen zu willfahren. Alle Versammelten stimmten daher darin überem. daß man auf die Chalukahspender im Galuth weit!!!du,/״l nnT״kr mös,*c• da,ni* dicsc «dien Gaben , ׳ ‘י"r, iC1r.,'ck״״lJ dcr, zahlreichen Jerusalemer jüdischen Bevölkerung, sondern zu ihrer Hebung verwendet werden. K