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Jüdische Rundschau · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 346. J U 1■ Dl $C HE RUN P SCjlAjJ. No. 2«). Macliiavellis;1 Ls den einzigen Üriind für die Tiili^kcit des italienischen Staatsmannes den Wunsch eine Au• Stellung zu erhalten. angeführt habe. Diese Unfähigkeit imcignmül/igcn Mealisiiiiis /u begreifen, sei *111־«־ indisch. Herr v. Levetzow ha( llcinricli Leo bitter unreell( getan. denn der bekannte - d. 11. ihm nicht bekannte Hallenser Historiker war so christlich• germanisch wie möglich und ein Reaktionär auf politischeui und kirchlichem Clebtet. A.ulrcrseits Prof. I'.hrlieh, der Erfinder des Anti-S.vpl ilismiltels ist Jude. und die Deutsche Tngesz.tg. bei•tit/te die (ielegenlieit, dall ein Wiener indischer *rzt sich iiber die Wirksamkeit des ״Präparates hiiii" skeptisch;itillertc. mn über diesen Semiten iicr/tifallcu mul den ..deutschen Mann" Lhrlich im Gegensatz. zu ihm zu stellen und z.u feiern. Hcidcs ist nicht hübsch 111 d auch nicht klug. Denn wenn ein Sachverständiger auch die Leser des genannten Hlattes als ״minder intelligent" eingeschütz.t hat, solche KuiistMiiekchen diirfte der eine oder der andere doch merken mul sein blindes Vertrauen zur Redaktion verlieren. * hu Einverständnis sämtlicher Makler und der Häuser M.M. War hurt; <N Co.. L. Behrens «St Sühne mul A. Auerbach werden an der Hamburger Börse am Sahhath keine Kupfcrnoticruugcn mehr veroi.ciiilieht. Das Kupfergesehäft liegt gerade in seinen loaiigcbcmlsien Vertretern in den I landen s.ibbatlitreuer Eirmen. j)esterreich Kcyicrungs-Antiscmilismus Die Juden imilltcu schon oftmals als Ahlciikmigsobjekt iur Regierungen und regierende l’.irteieu in ungünstigen Zeiten dienen. Dasselbe zeigt sich auch gegen« äitig in der Donaumonarchie. Die herrschende christlich-soziale Partei ist bedenklich ins Wanken geraten. Die llrnha-AEüre. die Enthüllungen über die Korruption der Partcigi ölten und die fortgeset/• teu scharten Ausritte seitens der {ortschrittliclien Parteien haben den Christlich-Sozialen in letzter Zeit viel geschadet um! t|,,s Vertrauen zu ihnen in den besonneneren Kreisen ihrer Anhänger erschüttert, lim nun ihre bedrohte Machtstellung zu stärken timl als Beschützer der ״christlichen kleinen Leute" hervor/utnten. haben sic zu einem Schlag gegen die indischen Hausierer ausgeholt. Der christlich-soziale HandeKministcr Wciükirclmer hat im l'.ti lameiit eine liesetz.esvorlage ciugebraeUt, die den Hausierhandel verbietet. Hie Mitglieder des ..Jüdischen Klubs" haben diese antisemitische Vorlage mit aller Lnt• schicilenhcit und mit Erfolg bekämpft. Verschiedene von ihnen gemachte Änderungsanträge fanden im Ausschult Annahme und haben Aussicht, auch im Rcichsrat selbst diirch/ugchcu. Als der Minister Weibkirclmer diese ,.ticfuhr” erkannte, da gebrauchte er• seine Macht als Minister und verbot in Wien auf administrativem Wege den indischen Hausierern, die nicht seit mindestens drei .(;ihren da wolmen, ihr tiewerbe auszmibeii. Ob cs ihm aber dadurch wirklich gelingen wird, die wankende Stellung seiner Partei zu befestigen, lim!» iluch noch erst abgewartet werden. * nik. Nachdem bereits das Reichsgericht entsehicden hat, dal; die indische Sprache in Oesterreich niclif ״landesnlilich" ist, kam mm auch der Oberste Gerichtshof m die Lage, iiber die l'rage zu entsclieiden. ob Prlvntiirkmiden In liebrülselier Sprache rechtsgültig sind. Die Untergerichte halten einen in hebräischer Sprache ahgefallten Provisiousvcrtrug als l'rn/cltgiimdlagc angenommen und in der Sache selbst entschieden. Der Olterste Gerichtshof hat jedoch ucr Revision des Klägers Holge gegeben, das Urteil des Berufungsgerichts aufgehoben und die Sache zur neuerlichen Verhandlung und Untschehlmig an das Berufungsgericht zurückverwiesen, weil der, I’i'ovisionsbiief in ItebrHiseberSprache ahgchdtj war und nach dem llofkanzleidekrele vom 22, Okinl.eV |,11י in hebräischer Sprache oder mit hebräischen oder jüdischen Buchstaben geschriebene Dokumente für ungültig und nichtig anzuscUen sind. * Nach dem Beseblnlt des Poleuklttbs au öslerrcicliisclien Reichsrat, sich für die Ausdehnung der Smiutagsruliu smcli auf das Schankgcwcrhu ciimisetzen,!)rächten auch die sozialdemokratischen Beisitzer im österreichischen Arl1eitsheir.il einen tumeii Oesetz.entwurf ein, der auf die Einführung der V(,'dständigen Sonntagsruhe hinzielt. Hs bi;*.lebt nicht erst gesagt zu werden, dalt die Spitze dieser Lejden Projekte gegen die Juden ^richtet ist, z;imal da insbesondere das Schankgewerne f st ganz in judisehen Händen ruht. Namentlich würden, so schreibt die N. I, K.. dadurch die jüdischen Kanficine Oalizicns mal der Bukowina, die noch fast mtsnahmslos die religiösen Vorschriften s»fv״g beobachic), schwer geschädigt werden, da sie durch eine Rnliezeit von fast 1': ׳lagen wüelientlleh völlig konki.irenzunfäliig gemacht würden. Dein Veinelmieu nach rlistct sich <lie jüdiselie Kaufmann-un »ft in (m’.bieii zu einer Ahwchraktmu, der kiur auch •die jeJis1.0 ׳ Angestellten energisch ,inschlicllcn werden. Daß dieses Projekt von sozialistischer Seite aurgdit. ist für die Judcufrctmdlichkcit und •Ja5 Rech'sgcfohi dieser Ereiheitskümpicr bezeichnend. « Her (leiiH'imlerat der Sladl Mmiasler/vska in Oalizieu 11.11 vor kurzem beschlossen« eine Gasse dieser Stadt nach Br. Theodor llerzl z« hciicniitiii. Dies ist nach U I i ח i a n y der zweite I׳»■ in Galizien, dal» d is Andenken Dr. Ilerzls «ul diese Weise geehrt wild. Bekanntlich gibt cs auch in Q *c r 11 ’״ ״ יי f: der I andcshaimtstadt der Bukowina, eine Strallc, du* den Namen des verstorbenen Elihrcrs der /lomstcn ll'.lgl. Hu ss 1 and 1:111c jüdische WirlschaflsenquCIc Die Pcicrslnirgcr Gesellschaft zur Eürdcruug des Handwerks unter den russischen Juden, kiir/.genaimt ״der llamlwerksfonds", bereitet jetzt eine wichtige Emiuete über den Stand des Handwerks unter den Juden in Rulilaml vor. Die liesellsehaft betritt damit ein für sic neues Arbeitsfeld. Hislier befalltc sie sieh lediglich mit der Unterstützung von einzelnen indischen Handwerkern. Sie ist aber doch zur Erkenntnis gelangt, dalt die Tätigkeit allein keine weitreichende allgc• meine Bedeutung erlangen kann. Wie in manchen anderen indischen (icscllschaftcn in Ruitland, haben auch in dieser wahrend der letzten Jahre mehr modern gerichtete Elemente und Anschauungen die Oberhand gewonnen. Und so geht sie von der!ein pliilaiiirupiNchen Emzelarheit zu einer umfassenderen, gruli/iigigercn sozialen Betätigung über. Die Lage des indischen Handwerks in Rullland ist noch sehr wenig erforscht worden. Die von der JCA ver.ml;1Btcu Untersuchungen beziehen sich mehr auf die Industrie- und l*aBrikaiumssccUictc. Die das Handwerk belreffenden Arbeiten enthalten Angaben über die Zahl und die Kategorien der jüdischen ILuuhverker, nicht aber aber den Stand und die Qualifikation des Handwerkes in seinen verschiedenen Arten. Solche l uteiMichiingcii sind aber erforderlich, um die handwerkliche Technik und Qualifikation der jüdischen Handwerker heben und sie konkurrenzfähig machen zu können■ Am meisten vorgeschritten ist das i isclilergcvserbe, weshalb auch die Emjuete zunächst uieses l ach betreffen wird. Es gibt in Ridtland etwa UOtHMl jüdische Tischler. Ihre Erzeugnisse genielicu im allgemeinen einen guten Ruf und finden zum Teil mich aultcrhalb des Ansiedlmigsrayons beträchtlichen Absatz. Sic zeigen *las Bestreben nach Vervollkommnung ihrer Prodiiktionsniittel und nach Organisierung ihrer Kräfte. Sie bieten somit ein besonders aussichtsvullcs Arbcitsfeld für die erwähnte liesellsehaft. liinc jüdische Hochschule in Kussland? Der Präsident der Rcidisdiima 0 111 s c h k 0 w , der auf der Durchreise nach Sofia zum Panslawistenkongreit Odessa passierte, empfing dort den Vcrsieter der ״OdessKija Nowosty" und hatte mit ihm ein längeres Besprach iiber die Judenfrage, (lutsch* kew sprach die Vermutung aus, dal! die Qesetz.es- Vorlage wegen Aufhebung des Ansiedlungsraj.ms von der Duma mit der Lmschräiikmig angenommen werden wird, dalt den luden das Wohnrecht in den Städten, keines w e g s aber in den Dörfer u eilig e r ä u in t wird. Heznglieli der jüdischen Sclmhmt erklärte (lutschkow offenherzig, dalt er gegen die Auf hebillig der 1'r!• z e n t n o r m l'ur jüdische A־.p:• raiiieu ist, da in diesem l alle die Juden sehr h.dd die aiitoehlhoncn Elemente aus den Schulen verdräu* gen würden. Hingegen ist (lutschkow für eine Vcrmeliruug der staatlichen Schulen; dadurch wurden sich auch der indischen Schuljugend neue Bildung*•* mügliclikeiten eröffnen, (lutschkow verwies sciiticd* lieh ani die in den Kreisen der UeciiWn geplante Vorläge betreffs Seliaiimig einer spe/Kdlen Hochschule fiir die ,Inden, während diu allgemeinen Hochschulen für sie ganz gesperrt werden sollen. Auf diese Weise w orden die jüdischen Abiturdeinen Unierkimft finden und die russische Jugend vor dein ..demoralisieren* den politischen Eiiiflult der Juden" bewahrt bleiben... Man sollte gar nicht glauben, von wie zärtlicher l’iirsorge Ihr das Wohl der studierenden jüdischen Jugend die herrschenden Parteien in Rullland beseelt sind. Nun wolle« sie sogar eine eigene jüdische llochsclile gründen. . . . Man darf der angckündig.cit Vorlage der Rechten und noch mehr der Begrün* dung der Vorlage mit einiger Spannung entgegcnselic'1. * Dem Hilfsvercin der deutschen Juden wird ans Kiew gemeldet: Die Ausschreitungen der Verbündler in der Vorstand Slohodka dauern an. Da bisher jedes Einschreiten seitens der Behörden gegen die Verbundlcr unterblieben ist, so mehren siel! *he Scharen, die aus Kiew nach Slohodka kommen. Ihr Auftreten wird immer gewalttätiger. Von Mißhandhinten der indischen Passunicn gehen sic nunmehr auch zu Angriffen auf jüdische Läden über. Bulgarien. ulk. Von dein «!!slawischen Kongrcl'». Ja m Sofia stattfand. haben sich die fort schm ן liehen Elemente des Slawentums aller L.ouler grollten Teil ostentativ ferngchalteii. Dafnr 11.1lm1w!l Jedoch die allerreaktionärMen Kreise. 1״sl1es.,aJ, rv. aus Rußland, in großer Anzahl am Kongresse 1U|, Diese versuchten auch, den Verhandlungen cm .!!!. I i s e m i t i s e h e s He präge zu gehen. w.!s je׳, doch von den luilgai isclien Teilnehmern cinscln«!.״׳ ziniickgewieseii wurde. (Hieb nach Krniinmig leS Kongresses, als Prof. Dana Hoff über die ok׳n״). mische Lage des bulgarischen Volkes referierte. •׳;!. (erbrach der russische Delegierte. G c 11 c r .1 I א r. nilowaky aus Odessa, den Referenten durch! 1;. w ährende Zwischenrufe, in denen er sich voll Net ״ er erkundigte, ob die Juden in Bulgarien viel Land '1• sällen lind ob nicht etwa die ganze Industrie in 1! er Hand sei. Der Herr (ieneral wurde von l'roi. D.t a. loif sehr kurz und entschieden abgefertigt. im 1! gen (and vor Eröiiming des Kongresses eine von! sebrittlichen Studenten, Schriftstellern. Lehrern!י י . veranstaltete Protestvcrsainmlung statt, m der J1 die unmenschliche Bedrückung der Juden m Ru. j eingehend bes|)rochcn und im Z11s.1mu1cul1.n1ge .... mit naelidriicklicli betont wurde, dalt cs in Bul ־ ,. riet! i n r Hooligans. Eclitrussen , ,1 g e s i 11 n 11 n g s v e r w a n d t e E I e m c n t e k e.! c Sympathien gebe und dalt das bulgarische \ U sich mit tiefem Abscheu von denjenigen Kreisen 11. wende, die in Rullland die schmachvolle Politik er Pogrome betreiben •׳der auch nur im cuttern;. C:1 begünstigen. Der pogromlusterne (ieneral m, ׳ e übrigen Echtriissen cs befand sich inner; .!! sogar ein Vertreter des berüchtigten Verbände Ls Erzengels Michael sollen s e 11 r ent a u 1״ .׳ und verstimmt die Heimreise angetreten liahen. Die Schmittafrage in Palästina (V'011 unserem Jaffaer Korrespondenten.) Das scliroüe Verhalten einiger Rahhiiici '.rusalcins. die auch in rabbinischcn Kreisen eine / un. lieh untergeordnete Bedeutung haben, gcgeniilu. .!cm erwerbenden und arbeitenden Teil der palasti; Ji.dcnlicil. hat in weiten Kreisen eine l'.rregm c a,J Libitteruug der licmutcr wachgerufen. deren I!;vi vorderhand nicht abziiselieu sind. In erste־ iü״'..• koiimii hier die Schiiiiü.thliagc in Hetraclu. I..- kaiiutlich bildet das jetzt zu Ende geltende L. ״ . c vierte bclmiittah in der Geschichte der neuer: i ׳ nisation. I*ie eiste Sclimittali war un Jaiire und d.׳ die l'rage zu jener Zeit zum ersten M.i'c .; 1• tauchte, so wurde sie in rabbinischcn Gutachten u;• schieden beantwortet. Die Rabbiner Jen!•.!!■•:ns besumdcii auf die Einstellung der Arbeit w״h,»tsl des Scbmittalijabrcs. Sie macbieii gellend, d.״, i.c Kolonisation noch (anno lsso) kleinen 1’im.m 1« .־ und dal; der damalige Protektor der K״l<׳n> 1• Baron Edmond Rothschild in Paris, den K! nisten über das SehiniUujahr liinw egiiclieu w c. Sie lialien aber die Rechnung ohne den Wir; cc• macht. Baron Rothschild leimte es aufs Entschie•‘.! ‘•'e ab, die Kolonisten als mtiltige Kostgänger ans/id, «1• Und so sahen sich die grollten rabbiuiseben 'י v»tatet(, allen voran die Rabbiner v<m Kow in». L• ׳• stock. B.uisk. W.ifscliau iisw. auf Gtmid emge׳:•■ a Studiums der lietrcifciuleu Literatur veraida׳■', c r’eldarheit unter gewissen l'ormalitutcn irei/uc 1• Inzwischen wurde Rabbi Nait.di Herz zum 1' labbmer Von Jana, rler sowohl wegen seiner :1!• ״isclien Gclebrsamleit wie auch wegen seiner 1 יי״• migkeit in allen Kreisen in höchstem Ansehen ׳■;־ i• Als er daher in *len beiden folgenden Sch 1׳m ־ jalircii, |VJ1» und I'ziM, den Kolonisten erlaubte. Eeldarbcitcn vorzunchmcn, haben die daiu.cs 11 o c 11 I c b c 11 d e n b e r i! 11 in t e 11 IC a b I: 1«! J e r ru s a I e 111 s ihre vollständige /*ns: m u n g /.» seinem Vorgehen gegeben 1'- einzelnen l'oriaalitäten und Bedingungen.!'■ •־ ■ denen die Eeldarbeit freigegeben wurde, wurde.i * י für alle mal mi, den Rabbinern Sal.mt und D:״»׳־> festgestellt. Seit damals herrschte im ganzen Lande die <׳:• versiclitliche Annahme, dalt die unselige Prag.! c d c f c n i t i v c Erledigung geiunden habe. V» •! konnte um so weniger glauben, dait jetzt jcm.1.׳ i '' frivol sein würde, die Eragc nochmals aufzm«4. .n «׳der sogar ein A r h e i t s v c r b o t zu erlassen. •d> inzwischen die Kolonisation sich weit und breit >n:!>־ gedehnt hat, und ein völliges Eeiern der jüdischen Kolonisten während ein•' s g a 11 z e n .1 a 11 r e s 11 e n Ruin fast aller i n I* a I ä s t i n a arbeitenden und e r w c r b e " ־ den Juden herbeiführen würde. Leider aber ist das unglaubliche Tatsache gc* worden. Der Rabbiner von S a f e d, ein wegen

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