Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Thammus 5670 XV. Jahrgang y י LY Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Baseler Programm. Jeffries und Johnson In Amerika hat sich ein wundervolles Schausiiitk abgespielt: Johnson, der schwarze, und Je• vs, der weiße, kämpften um die .Meistersv1 1 im Boxen. Wir Nichtameriknner, wir A! H’ligcn befracliteten das Ereignis mit der- St * .11 Teilnahme wie etwa ein Wettkegeln oder er Wetiessen, — ohne Verständnis, ohne 1:1• n :mg. Was ist uns der wohlgc'icltc laust-; ■.\1i eines Negers? Was ist uns die gespaltene 1 v, das zersplitterte Nasenbein eines Yankees? Her echte Amerikaner aber zitterte vni Bc*!:.Mennig, und sie wäre in einen großen natio- 1 .11 Taumel ausgeartet, wenn sein Stammes- 4usse den Sieg errungen hätte. Daß aber I mtson das l eid behauptete, lenkte den lintliusti 'imis nach der entgegengesetzten Richtung, /u ■ Verzweiflung. Die Enttäuschung wirkte auf II s Yankee wie der Alkohol auf den Russen: er vi lor seine Besinnung, raste wie ein Besessener, lug unschuldige Menschen zu Tode und vorstieg sich zu dem Ausruf, durch des Negers Sieg sei die ganze weiße Rasse geschändet. •- Wie gedankenlos! Von wem besiegt zu werden ei*v Schande ist, den zu besiegen kann doch keine i Uw hv. Also, wozu der Liier? Warum hat d.an den Wettkampf nicht verhütet? Hat 11)0*1 du.1 erwartet, der Neger würde mit den;.!!!! ו in den Hosentaschen Herrn Jeffries die ,'mv!!Inhalten, damit er sie kaputt schlage? S1 lächerlich uns die ganze Geschichte ernlkiiii, so bezeichnend ist sie doch iür den Red:!'begriff im Rassenkampfe. (Denn die liowivi zwischen Johnson und Jeffries war nicht eine Angelegenheit dieser beiden wertvollen .Mitmenschen, sondern sic wurde zu einer nationalcii Aktion gestempelt.) Und der Ausgang war symptomatisch. Die herrschende Passe nmmit den Kampf gegen die unterdrückte mit /üwTsicht auf und im Bewußtsein der endgiltieeii Ucbcrlcgenheit: siegt sic, dann ist der Gegiwr zu Boden geschlagen, unterliegt sie, so wird er zu Boden geschlagen. Außerhalb Amerikas läßt der kannibalische Boxersport die <j •unter ziemlich kalt; Iiuropa wäre durchaus ruhig geblieben, ob dieser oder jener siegte. \!״ r ergriffen ist cs von dem Anblick der zersch nudelten Gerechtigkeit, die stärker blutete als die Nase des Jeffries. Hier hat man die F.mphn Hing, als ob nicht Johnsons Sieg, sondern de ungerechte Rache/ug der Yankees die weiße R; e geschändet hätte. Da die ״weiße Rasse“ aber unfehlbar ist, Sli •t man Erklärungen und Entschuldigungen hu iltre Rohheiten, und ein Mitarbeiter des 1• 1 ״g“ hat entdeckt, daß der Fehler in der Gleichher! chtigung der Neger zu suchen sei. So denkm viele, besonders jenseits des Atlantischen G/t ans. Aber sic irren. In der Mißgunst der Weißen liegt die Schuld. Sie haben vor dem Dirgcrkriege aus politischen Gründen die Schwarzen emanzipiert, ohne daß sie ihnen innerlich die Freiheit gönnten. Nicht die Gleich! bvrechtigung der Neger ist verantwortlich, sendem die Verlegenheit, mit der man ihnen einen Wechsel ausstcllte, in der Absicht, ihn nicht einzulösen. So etwas kommt ja auch in Europa vor. Ja, die gute alte Vettel Europa sollte nicht allzu sehr entrüstet sein. . Sie handelt ’n der An die deutschen Zionisten! Am 20, Thamus, dem 27. Juli, jährt sich abermals der Todcslag Theodor Herzls. Wie in früheren Jahren, wollen wir deutschen Zionisten auch diesmal das Andenken unseres grossen Toten durch Spenden für den HERZLWALD ehren. Auf den Nationalfondsgütern in Lydda und Hulda sind bereits die ersten Anpflanzungen gemacht, und in wenigen Jahren wird der Reisende auf der Fahrt von Jaffa nach Jerusalem den grünenden Wald erblicken, den das jüdische Volk dem ewigen Gedächtnis Theodor Herzls geweiht hat, Kein steinernes Monument, kein Lied und kein Buch kann der Nachwelt ein edleres Symbol der jüdischen Freiheit sein. Der grünende Herzlwald bedeutet das sich immer erneuende Leben unseres alten Stammes und soll allen kommenden Geschlechtern die Erinnerung an die grosse Epoche der jüdischen Geschichte überliefern, die mit dem Namen Theodor Herzls verknüpft ist. An alle deutschen Zionisten ergeht daher der Ruf, durch eine Spende für den Herzlwald ihre Ehrenpflicht zu erfüllen und dem Erneuerer des Judentums ein ewiges Denkmal im Lande der Väter zu errichten! JUED1SCHER NATiONALFONDS Zentrale für Deutschland. Llchthelm. Wollsteiner. Dr. Moses. Sulmann. Cohn. Kneller. Man wolle sich der dieser Nummer beiliegenden Soheckformularo bedienen und das Geld an unseren Schatzmeister, Herrn M. Wollsteiner, Charlottenburg, Sybelstr. 50 senden. Judenfrage fortgesetzt ebenso wie Amerika in der Niggerfrage. Sie verteilt ebenfalls bcreitwilligst papieme Rechte, ohne sic anzuerkennen, ,un dwaclit mit derselben Eifersucht und Mißgunst darüber, daß die herrschende Rasse von der schwächeren im Wettstreit nicht geschlagen werde. Nur wird dieser Streit in Europa nicht in der Boxerarena ausgefochten, sondern auf wirtschaftlichem und geistigem Felde. Diese Dinge sind allgemein bekannt und wären auch dann unzweifelhaft, wenn man sich die Mühe gäbe, sie zu leugnen. Unsere Staatsmänner sind offenherzig genug sic einzugcstchen, weil sie wissen, daß ihnen ein gleichgesinntes Volk den Rücken deckt. Man erinnere sich nur an die Aeußerung des früheren Justizministers Schönstedt über die Anstellung von jüdischen Notaren, an die Reden der vcrschiedenen preußischen Kriegsminister in der Reserveoffiziersfrage und viele ähnliche Dinge in Deutschland und anderswo. Als Fürst Swj ttopolk Mirski russischer Minister wurde, in der Gährungszcit, versprach er allen Völkern des Reiches Berücksichtigung ihrer nationalen An* spräche. Die Juden nahm er ausdrücklich aus mit der Begründung, sic könnten leicht ein wirtschaftliches U c b e r g e w i c h t über den anderen Teil der Bevölkerung bekommen. In diesen Rahmen gehört auch der Aus- Spruch jenes bayerischen Staatsrats, der jüngst einmal erklärte: ״Nach der Verfassung haben ja auch die Juden gleiches Recht, aber wir stellen sie eben nicht an.“ Genug, ob man es mehr oder weniger eingestellt, die 'latsachcn sind wehnotorisch, und die europäischen Völker mit wenigen Attsnnlimen haben daher nicht das Recht, über Amerika entrüstet zu sein. Hier, wie dort kann der Dünkel der herrschenden Rasse die Konkurrenz der anderen nicht ertragen, sei es auf welchem Gebiete auch immer; und weil niemand einem dreinzureden hat, ״korrigiert“ man die Gercclttigkeit und ersetzt das Gewissen durch ein chauvinistisches Pathos. Daß dabei die Gesetze mit Füßen getreten werden, kümmert die Völker nicht, auch diejenigen Leute nicht, deren bczahltes Amt cs ist, das Recht zu hüten. Jede böse Tat muß aber fortzeugend Böses ״ebären, und der einmal betretene Weg der Ungercchtig* keit führt immer weiter auf die abschüssige Bahn. Was den Juden recht ist, ist schließlich den Polen, den Finnen, den Negern gegenüber billig. Noch immer aber gilt das Memento jenes alten Spruches, daß die G e r e c h t i g k e i t das Fun. dament der Staaten ist. E m i. Der Britzer Komödie Schluss Diese Angelegenheit ist nun auf den Fahrten durch alle möglichen Amtsstuben der ßurcaukratic dort glücklich gelandet, wo man sic längst erwartet hat: im Panierkorb. Dem Vorstand der Bcrlin-Brandeiilnirgisclien Acr/.tckammcr hat jetzt der ()herptäsident der Provinz Brandenburg auf dessen Bcschwerdc wegen der bekannten Zurückweisung eines jüdischen Praktikanten im Britzer Krankenhaus einen Bescheid zukommen lassen. Der Vorstand hatte aus diesem Anlaß an den Reichskanzler und den Kultusminister eine Eingabe gerichtet. Der Oberpräsident teilt nunmehr dein Kammcrvorstandc mit, dall der» Anträge, dem Kreiskrankenhause in Britz während der jetzigen Leitung das Recht zur Annahme von Mcdizinalpraktikantcn abzuerkennen, nicht stattgegeben werden könne. Der in der Eingabe erwähnte Vorgang liege außerhalb der Erwägungen und Oeslchtspunktc, die für die Ermächtigung des Krankenhauscs zur Beschäftigung von Praktikanten und folgeweise auch für deren Wlcdcrcntzichung maßgebend sind. Doch spricht der Oberpräsident cs aus, da״