Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Dienstag Sprechstunden fTisn « « r > t s i 4 kMllI' ALLS SydOOSSIKKi Nummer 26 Berlin, den 1. Juli 1910 24. Slwan 5670 XV. Jahrgang Die zionistische Jahreskonferenz Seit langem hat man in den Kreisen der 7\ isteu keiner Zusammenkunft der führenden .M,. .:1er der Organisation mit so großer Span* 1u: : entgegengesehen, wie der diesmaligen |.. eskonferenz, die vom 27. bis 29. Juni — V tag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche ־ in Berlin im Motel Esplanade getagt hat. ü.es doch, einen Ausgleich zu finden für?!־. :mungen und Divergenzen, die — wenn sic .• .!1 den bedrohlichen Charakter nicht hatten 1: ,1 haben konnten, den unsere allezeit bereiten ('11״ ״er in sie gern hineinlegten! — doch immerhi! bedeutender waren, als frühere ähnliche, uii i die zu ernstesten Störungen unserer Arbeit hauen führen können. Begreiflich genug, daß man allenthalben mit Spannung das Resultat der Beratungen erwartete, die in diesen Tagen in Berlin stattfanden, und daß man ihnen vielfach mit bänglicher Besorgnis entgegensah. Also sagen wir es gleich heraus: d ie J a hr e s k o n f e r c « z hat die weitestgellendsten optimistischen Erv : ׳. n 1111 g e 11 c r f ii 11t, wenn nicht über troffen. Nicht ohne ernste und schwere Redekämpfe, aber dafür auch nicht (huch Majoritätsbeschlüsse, sondern durch .\,.c■!!׳.ii■hi :keil und guten Willen zum Entgegenk *:1,::iu1 auf allen Seiten, hat sie ein Resultat gehra׳.lu, das alle, die es gut meinen mit unserer Sache mul unserer Organisation, mit vollster Befriedigung erfüllen muß: die Spannung der letzten Monate ist gelöst. Am Montag vormittag um 10 Uhr eröffnete Präsident Wolffsohn die Tagung mit einer Begrüßungsansprache und leitete sodann die Debatte über den der Konferenz vorliegenden Bericht des Engeren Aktions- K o in i t c e s (den wir in nächster Nummer vtröffentlichen werden) mit einem kurzen Resi me ein. Anwesend waren von den tcilnahmsbcrech* tig:׳-n Mitgliedern des Großen Aktionskomitees, Präsidenten der Landosorganisationen und Fedvi uioncn, etc. folgende vierzig Herren: Pas H. A.-K.: David WoUfsohn-Küln, Proics r Warburg-Bcrliii, Jacobus Kann-Ilaag. Ferner l'n cssor Iklkousky-Pcicrsburg, Herbert Bcntwiclil11׳.,i()1t, i)r. IJodcnhcimcr-Köln, A. Bölun-Wicn, A. Borucliow-Üdessa, Dr. M. Braude-Lodz, Dr. 11,1. /ic lierenstcm-Haag, Joseph Cowcn-London, M 1'dilstcin-War.sebau, Dr. I. Pcuclitwangcr-Prankb׳: a. M., l)r. Fricdcitianu-Ikrlin, Dr. Louis Frün- B.! Kopenhagen, J. L. Goldbcrg-Wilna, Rcchtsanv '׳. Uroncinann-lkrlin, B. A. Üoldbcrg-Wilna, Dr. Ani.ar Hanlkc-Bcrlin. Dr. Hans Gideon Heymann- 1 '*etInt. |^co Jalie-Wilna, Dr. N. Kalzcnclson-Libau, J Kremcnctzky-Wicn. M. Levy-Bascl, Dr. S. Lcwin- Berlin, Dr. Emil Margulics-Prag, J. M. Magncs- Nav York, Dr. A. Marmorck-Paris, A. Podlischcwski- Wir.schau, s. Roscnbaum-Minsk, J. Rosotf-Pctcrsl:•!•׳״. Dr. Ruppin-.latfa, Julius Simon-Mannheim, Dr. Sal/.-Lembcrg, N• Sokolow-Warschau, Hermann ttruck-Hcrlin, Dr. Schlössingcr-Ncw York, Löbel i'aubes-Czcrnowitz, Davis Trlctsch-Berlin, H. Urysolm-Odessa. Die Versammlung beschloß, z u nächst die Verhandlungen für vertraulich zu er- Wären und erst später bei den weiteren Punkten der Tagesordnung die Ocffentlichkcit in gewissem Umfange zuzulassen. Da die Verbandlungen der Jahreskonferenz Statut engeni ä ß nicht öffentlich sind, können aus diesem Vorgehen keinerlei Schlüsse gezogen werden, wie sie in den Couloirs von Seiten Mißvcrgnügter wohl laut wurden. Alle Redner des ersten Tages betonten trotz aller Kritik die N o t w e n - digkeit einer Verständigung der verschiedenen Richtungen als dringendste Aufgäbe der Jahreskonferenz. Auf Antrag Dr. Alexander Marmoreks wurde denn auch eine sechsgliedrige Kommission gewählt, die der Konferenz Vorschläge bezüglich des ersten Punktes der Tagesordnung, nämlich der F r a g e der Leitung, machen sollte. Das von dieser Kommission ausgearbeitete E i n i g u n g s p r o g r a m m hatte folgenden Wortlaut: Die ,lahrcskonlereiiz beschließt, duß der ttiichsie Kongreß spätestens hu Sommer l'UI slattllndel. Die ,lulircsknnlcreitz heanftragt das \l A.C.. 111 wichtigen Fragen allgemeiner Natur eine» aus drei Mitgliedern bestellenden Betrat zttzuzielten. Die Namen der Gewühlten werden erst nach clngcliolter Ziistliiiuiuu(! veröffentlicht werden. Die JnliresUonlerenz bescblleßt. daß die Sllztmgcii des ÖrolSe» Aktionskomitees von letzt bis zimi nächsten Kongreß mindestens alle vier Monate einmal stallllnden. Die .lahreskonfereuz beanltragt das A.-K., Maßnahmen Im neuen Organlsutlonsstnlut zu treffen, die dem Grölten A.-K. chic Intensivere Mitarbeit an der Führung der Geschälte ormög* liehen. Insbesondere wird liir das neue Organlsatlonsstatut vorgcsehlagcn, daß das Grolle Aktlonskomltec ans setner Milte einen Vorsitzenden wählen soll, dem Sitz und Stimme Im E. A.-K. verliehen werden. Neben dem E. A.-K. soll auch der Vorsitzende des Großen A.-K. berechtigt sein. Slt/.imgon des Großen A.-K. chiznhcrtilun. Das Grolle A.-K. soll uttr bei Anwesenheit von mindestens 15 MItuticdcrti beschlußfähig sein. Die Jahrcskonfcrenz beschließt. den! nächsten Kongreß folgende Vorschläge 711 unterbreiten: 1. Den Sitz des Zcnlralbiircaus nach einem größeren jüdischen Zentrum zu verlegen. 2. Z« ■veranlassen, daß am Sitze des Zentralhurcaiis mindestens 3 Mitglieder des E. A.-K. Ihren Wohnsitz hahcii. 3. Daß der Präsident des Aulslchtsratcs des J. C. T. vollberechtigtes Mitglied dus li.A.-K. Ist. 4. Daß das Ii. A.-K. aus 5—7 Mitgliedern bcsteht. Die ,lahreskonfereuz spricht die Mehlung aus, daß eine gedeihliche Arbeit Im engeren A.-K. nur möglich Ist, wenn dessen Zusammen- Setzung den verschiedenen Strömungen In der Bewegung Rechnung trügt. 5. Daß das Ii. A.-K. seinen Vorsitzenden aus seiner Mitte wühlt. Die .Inhrcskoufcrcnz erwartet, daß ihre sämillchcti Mitglieder sich diesen Beschlüssen fügen und sich liir dieselben olnsctzcn werden. Diu lahreskonfereuz erklärt allo Mlßvcrstündnlssc, wclcho In der Bewegung In letzter Zelt sich bemerkbar gemacht haben, iür geklärt und behoben. Die Jahreskonferenz macht cs ledcia Zlonisten zur Pflicht» alle unliebsamen Vorkomntnlsse zu vergessen, und mR erneuter Energie für die gemeinsamen Aufgaben des Zionismus zu wirken. Ganz besonders hofft die Jaltrcskoiiiercuz, daß jene Mitglieder der Bewegung, welche glaubteil, stell von der aktiven zionistischen Arbeit ziiriickzichcii zu sollen, wieder zu derselben zuriickkchrcu werden. Die ,lahreskonfereuz erwartet von der zionlsllsclien Presse, daß sic durch Ihren Ton und Ihre llallimg zur Beruhigung der Gemüter heitragen wird. Die Mitglieder der Jahrcskonfercnz scheiden mit dem freudigen Bewußtsein, daß die zionistlsche Organisation geeint und gefestigt mit erneutem Kraltgcfiihl ihrem hohen Ziele entgegenschreitct. Nach längeren Debatten wurde dieses ganze Programm in der Nachtsitzung, die am Dienstag abends um 10 Uhr begann, in einer Abstimmung e n b 1 o c einstimmig a 11 g e n o in ni e n. Vor der Annahme gelangte noch folgende ״Frklürung“ Friedenjann und Ge. nossen zur Verlesung, die zu den Akten ge* nominell wurde: Wir erklären, daß wir prinzipiell an unserem Standpunkt fest h alten, den Prüsideuten des A.-K. durch den Kongreß wühlen zu lassen, um des Friedens willen aber bei der Abstimmung über Punkt 5 der Flulgiiugsbcdlnguugeu uns der Stimme enthalten und bis znm Kongreß nicht gegen diesen Beschluß agitieren werden. Da es zu einer gesonderten Abstimmung über den genannten Punkt 5 nicht kam — infolge eines Antrages auf En bloc-Abstimniung — haben dann in dieser auch die Unterzeichner der Erklärung für das ganze Kompromiß gestimmt. Wir werden nicht im Verdacht stehen, Hurrah-Stimmung zu propagieren und dürfen deshalb unserer Freude über diesen durch den guten Willen auf beiden Seiten ermöglichten Friedensschluß, unumwunden Ausdruck geben. Gewiß ist der Beschluß der Konferenz nur erst ein A 11 f a 11 g. Aber derselbe gute und ehrliehe Wille, der ihn möglich machte, wird uns auf diesem Wege auch weiter bringen. Und die endliche friedliche Neugestaltung unserer Organisation tut uns wahrlich überaus not zur Verwirklichung all der ernsten und drängenden Arbeit, die unserer harrt, und von der am zweiten und dritten Tage der Konferenz — in den Referaten Dr. Ruppins und Dr. Oppen heimers, in den Generalversammlungen der Jüdischen Kolonialbank und des Jüdischen Na* tionalfonds — so viel die Rede war. Hoffen wir also, daß die Zionisten draußen m aller Welt es verstehen werden, daß diese Einigung eine absolute Notwendigkeit war, und daß man auf beiden Seiten einseTicn wird, daß ohne eine gewisse Nachgiebigkeit eine Einigung eben eine Unmöglichkeit ist — und daß wir ja schließlich immer alle dasselbe wollten! Dann wird diese Jahreskonferenz eine würdige Einleitung der Arbeiten zum X. Kongreß sein. Dann können wir das englisch« Wort, an das wir bisweilen zu wenig dachten