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Jüdische Rundschau · 1910-06-03 · Heft 22 (3.6.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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U»gy7_ ׳.A׳/ U Abonnomonts liiI Jio tvOclirntllch am l'rcl* ns mchelncmlc ,,Jüdische K'h id'cli.111“ ko-tien bet der 11«01!11lon und bei alten Tost- ,,mi.in vier lei j.'lbrHcli 1,25 M. ״״,.svrlulb OrutsdilaiuU lind 0,'1*irticl1*l)nRar11v 2,— M;!,,ז ,Miielleder JlUll^chcr Ver. (imim S.iinmelbeeuc durch dm Verein 1.— M. VcrUß Jüdlicho Rundschau I!. (I. m. b. II. Petlin SW, 68. Zlmmcrstr. 77. (null!;!"!linden: 3 bis 7 Uhr .lüvNii Nmiubcml und Sonntaß.^j \_ נ vb Ri \ ) u Anzeigen kosten für die lilnlscspaltene l'ctltrclle oder deren Raum 25 Sullen-Ancebotc und Oesuchc sowie Vereins״״!* «rllunsvn 11. ״Kleine Aiutlßcn nur 15 PIß. ooooüood Manuskript® werden, wenn Porto belltest, stets zurückßcsandt. — Redaktionsschluss Mittwoch vormittags. Redaktion jüdische Rundschau Hcrlln-Chnrlottenburß, Ulclhtrcuslr. 49. Tel. Ch. 9SRI. Sprechstimden Dienstaß und Donnersiaß 5—6 nachnilttaßs. 1־' I I I I I I 1 1 I I I I I Berlin, den 3. Juni 1910—25. Ijar 5670 Nummer 22 XV. Jahrgang j Die Stellung des jüdischen 1 Arztes in Deutschland Y < 1 ־וי. Max Besser (Hamburg). 2 > u in den dunkelsten Tagen des .Wittel- ' ahei - :. äien jüdische Aeiv.te als berufene mul .{ zuvei'i me Träger griechischer und arabischer 4l Hoilk. t. Ihre rein mensehlichen Eigenschaften, :| ünv s ׳..:,eh eine hohe Staiimiesethik geklärte Lebe! 1 .־.;:.'Chaming gewannen selbst in feindseligor י :ebung ihrem Können unbegrenztes j Wn. 1 .Monarelieii und Päpste legten die |!'»!יי . idmig über ihr körperliches Wohl in die! Haiu1 ulischer I eibär/te. Keine Wühlerei ver- | niud;,.!יוי zum heutigen Tage dieses Vertrauen j zu tk 1 uchtigkeit und selbstlosen Hingabe der J ji:1lin'׳״n Aer/.te in der Bevölkerung ernstlich 1׳ zu er •1!!:!ורו. Line Legion ist die Zahl derer,?1 die' di:1 i'iihm deutscher ürztlidier Wissenschaft; r.U'hivt! halfen. Die C'icsehiehte der Medizin kam!!1.vr die Namen Traube. S enator, M c!1 d 1 ׳. I s r a e I nicht stillschweigend hinj we^uihtu. Aber trotz aller beruflichen und wisstüM-h.ifilielien Lignuiur hat die Neuzeit den jüJiM'hr; Aeiv.tcn schwere Schädigungen ökonrn hi!! und ge<ellsc!1aftlicher Natur gerührt diese ITscheinung? Ist der ,;h du .'Mediziner niduiüdischen Lamilien als gi'11uli.« nlidier Berater weniger willkommen ah fiulu'i '- iVr unbefangene Beobachter muß die Ir..!.;• \(׳meinen. Pie Ursachen liegen zum Teil in der wachsenden Leindseligkeit der nichtji tli ■n Berufsgenossen, zum Teil in der NeugeMalmn:/ der ärztlichen Berufsverhältnisse;uv:!!.!!!!! Wie auf allgemein wirtschaftlichem י »ebii! t ,1. patriarchalische Verhältnis zwischen Ai!' 1 ״Ihi und Arbeitnehmer durch die 1n״A1 . i mwicklung zerstört ist. so hat die!!!0(1׳ n . M<zialc Gesetzgebung an die Stelle der 1: י! . ו יחס, auf persönliches Vertrauen gegründeten I><74!111!!gen zwischen Patient und Arzt das 11!tpt1> uiiclie Vertragsverhältnis zwischen grol en!! •ümtionen uid ärztlichen Arbeilnehmern een 1.0 Zwischen den Kranken und den M'•׳' Ai eine dritte Person. Staat, K r a n ׳: e 11 k a s s e . K r ankn n h a u s 1 e i - tun! als Auftraggeber eingeschoben, und für ־ י ul!läufig andere Motive bei der Aus- , wähl 1,1 ׳ Arztes ausschlaggebend als bei der vniniu Aaren Inanspruchnahme durch den Klar,', >clbst. Lin großer Teil der rein privateil äi/.׳liehen Wirksamkeit ist durch den Staat °dcr di Kommune in eine Beamtentätiekcit ver- 'van!;׳ worden. Ls gibt Kreis־. Gefängnis-, Kom , Bahn•. Gerichts-. Militär-, Armenärzte t'iid «1 ganzes Meer von Medizinern, die an Uiuii!.,;ס n Krankenhäusern. Lungenheilstätten, Lu n;,;j iahen de. an gestellt sind. Cs dürfte j klar;!welche Machtfülle bezüglich der Ver- L'i'iiia,׳; ärztlicher Arbeit damit in die Hand! Pi'iidivlur l'aktoren gelegt ist. und wie diese 1 •'huliiiiillc zu dner furchtbaren Waffe wird, wen״ sich die Behörden wie in anderen Zwei- «m! der Verwaltung die wirtschaftliche Zurück- *Längung der luden auf ärztlichem Gebiet zum 2ide gesetzt haben. Und wahrlich, sie haben sich nicht gescheut, in ausgiebigster Weise diese I NVi|üe gegen diejenigen zu kehren, die dem | Lande und der Wissenschaft mit ihrer Intelli* I ^cnz. ihrer Kraft, ihrem Leben gedient haben. ..Der Zionismus erstrebt für das indische Volk dl» i>cliuffume einer ollcntllch-rcchtllch gesicherten Heimstätte io Palästina," Baseler Prosramm. Aus dem Inhalt Die Stellung des ]tidlsclicu Arztes in Deutschland von Dr. Max B 0 ssc r- Hamburg. — Reli1׳l011snesetz und ZioniMiius von R. L, — An die jüdische .Ittuend von Hans Ooslar. Palästina-Rundseliati. - Rtimlsclian der Presse. - Aus aller 'Veit. Lin (ijuiu zum (irahe Ilcrzls. Der Tcmjielplatz In ,!ernsaleiit (illustriert). — Hebräisch in der Diaspora. - Zionistische Bcwegim«. — Aus *len (ieinelnden. Vcrclnsrimdschaii. - rcnllletoti: Zum Andenken Bllsc Orzcszkos. — ücdaukcnspllttcr aus Moses Hess* Rom und Jerusalem. Der Antisemitismus hat als nartcibiklendes politisches Prinzip gänzlich versagt und sich darum das Mäntelchen der Mittelstandsfreundlichkeit umgehängt. Und doch wäre es arge Selbsttäuschung, aus der Bedeuhmgslosigkeit der Partei zu folgern, daß Staat und Gesellschaft sich der Herrschaft antisemitischer Prinzipien . :! widerst t/e׳* gc!1׳׳׳׳/t sind. Der Lin/elnc seheiii sich, in der ׳ iesellschall anrüchiger Namen genannt zu werden, und die Regierung hat es nicht nötig, den Ruf Deutschlands als eines Kulturslnalcs durch die offene Propagieniug judenfeindlieher Gesinmmg in der Gesetz* gebung zu gefährden, wenn sie die Möglichkeit hat, durch eine geräuschlose Verwaltungspraxis die den .luden durch die l'.manzinalion gewährte Gleichberechtigung ohne Aufsehen illusorisch zu machen. Und sie befolgt auch diese Taktik. Das Programm der Regierung lautet: ״Zur ii e k d r ä 11 g u n g d e r I u d e 11 auf all e 11 (I e b i e t e 11 d e s wirtschaftliche n und p o 1 i t i s c h e n I. e b e n s. In der Theorie bleibt das Dogma von der Gleichberechtigung aller Staatsbürger unangetastet, für unser Verhalten in der Praxis ist diejenige Auffassung maßgebend, die in den luden ein fremdes, das Deutschtum *gefährdendes Rasscnelement erblickt. Der ()Öffentlichkeit und dem Parlament gegenüber, in dem eine regierungsfeindliche Opposition den Vorwurf der Verfassungsverlelzung erheben könnt(', darf eine antisemitische Tendenz nicht zugestundcu werden.“ Wenn nun untergeordnete Verwaltungsorgane eine programmwidrige Ungeschicklichkeit durch Be. kundung antisemitischer Gesinnung begehen, so erleben wir regelmäßig das tragikomische Schauspiel, daß der zuständige Minister eine an ihn gerichtete Interpellation mit dem Hinweis auf die unbedingte Geltung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung beantwortet. Line solche Tragikomödie war auch die Debatte im Abgeordnetenhaus über die Zurück- Weisung des iüdisclten Mcdizinalnraktikantcn durch den Direktor des Kreiskrankenhauses in Britz. Der Kultusminister hatte sich hinter das Selbstbestiminungsrecht der Krankenhausleitung verschanzt, und erst, als der Abgeordnete Cassel ihn zu einer persönlichen Stellung• nähme drängle, erklärte er: ..Nachdem diese Frage jetzt direkt an mich gerichtet worden ist, bin ich gern bereit, sie dahin zu beantworten, daß ich es nicht für richtig halte und nicht billi- | gen könnte, wenn die Annahme von Medizinal- Praktikanten in Krankenanstalten, die nicht kou• fcssionellen Charakters sind, d a v o n a b 11 ü n gig gemacht würde, welcher Reli* gion der zuzulassende Praktikant an gehört.“ Man beachte genau den Wortlaut dieser Lrklärunp! Kann ein Rassenanti• somit sich dadurch getroffen fühlen? Von einer ernstlichen Maßregel gegen die betreffende Krankenhausleitung war natürlich erst recht nicht die Rede: es bleibt alles beim Alten. Angesichts dieses an das Hornberger Schießen gemahnenden Ausganges müssen wir schwere Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit der Form dieser und ähnlicher parlamentarischer Aktionen aussprechen. Wenn eine Regierungs• behürde. welche die Benachteiligung der Juden selbst in ein System gebracht!tat. zur Desavouienmg eines im Rahmen dieses Systems handelnden Beamten gezwungen wird, so ist das eitel Klopffechterei und Gaukelspiel. Wenn hier überhaupt eine Rüge erteilt worden ist. so gilt sie in Wirklichkeit mir allzu ungeschickter Oifenherzigkt.it. Die verkehrte Motivierung des Interpellanten, die in dem Vorwurf der ״konfcssionellen Unduldsamkeit“ liegt, erhöht nur das Gefühl der Sicherheit bei dem angegriffenen Reu־:.eru1M>,־ertr״ter. 1:11;! dessen bm1l!i«״n<le Antwort veranlaßt wiederum den Aiigieifer, seinen Scheinerfolg als einen Sieg zu hei rach ton zum Schaden der betroffenen Gemeinschaft, deren l'insicht in den wahren Sachverhalt dadurch getrübt wird. In Wirklichkeit trifft der Angriii in der Britzer Affäre einen sicherlich zu rügenden Linzeh'nll. der aber gegenüber der systematisch betriebenen Schädigung der jiidisehen Aer/.te durch amtliche Behörden bedeutuiiL'slos erscheint. Wer die I.cbcnsimorossen der jüdischen Acrztesehaft parlainentariscli vertreten will, der dicke schonungslos das ganze Svstem auf und richte seine Angriffe gegen seinen wahren Urlieber, die Regierung. L.r schildere, wie in den Ostniarkcn durch Gewährung von Zulagen, durch Uebcrtragmig von Krankenkassen an evangelische Aer/.te ihre jüdischen Bcrufsgcnossen wirtschaftlich benachteiligt, in auch verdrängt werden, wie in allen ärztlichen von den Behörden abhängigen Bcamtcnstellen der Grundsatz der Ausschließung des jüdischen F.lemcntes möglichst durcligefülirt wird. Lr ",eise auf die kränkende Zurücksetzung jiidischer Hochschullehrer, auf den Ausschluß jiidischer Aer/.te aus der Armee hin. Vielleicht wird ihm dann vom Regierungstisch eine weniger wohlwollende Antwort zu teil, aber er hätte dann das Bewußtsein, mit dem wahren Gegner in ehrlichem Kampf die Klinge gekreuzt und die Situation geklärt zu haben. Ls ist immer besser, die volle, wenn auch unangenehme Wahrheit zu wissen, als sich m ein Gefühl falscher Sicherheit zu wiegen. In kaum geringerem Maße als durch die amtlichen Behörden werden die jüdischen Aerzte durch das iudenfcindliche Verhalten eines Teiles der eigenen Berufsgenossen geschädigt. Daß ihnen die Dozentenlaufbahn durch die medizinischen Fakultäten immer mehr erschwert, fast unmöglich gemacht wird, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Und wie sieht es in der Praxis aus? Ein Blick in die Stellennachweise der ärzt liehen Standesblätter kann den Unkundigen

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