Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1910)
- Date
- 1910-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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C Abonnement• ,01 die wflchemlUh •nt Frei• * * 1.,l erscheinende ,.Jüdische K׳urt1l'ch.m" ho*ten bei der |׳lped11ion und bei allen Pos!• amiern vleri«־l|.׳lhrllch 1,25 M. ausserhalb l'vutschlands und Oesierrelch-Ungarns 2.— M; ("ז MUcHcdcr KUIIschcr Vcr* eine Ins Sammdbcxua durch den Verein I,— M. Verlag Jüdische Rundschau U. U. in. b. II. Berlin SW, W. Zlnmcratr. Tt. Ücscbilisstundcn: 3 bis 7 Uhr ausser Sonnabend und Sonntag, lUSlSI wwim■•״•׳« H Hu VU1m1«|1^^ ' ׳i J 0 1-־1 bolt und ferelnsmlt* Cl.Wtf« Anaelfen״ 00^®^*1ק.צ1.י<וו o ״ c o o MannsWtmi! «erden, wenn Porto beilleit. siets *urUck• gesandt. — Redaktionsschluss Mittwoch vormittags. Redaktion Jüdische Rundschau Uerlln-Charlottenburg, Bltlblreuslr. 49. Tel. Ch. 9681. Sprechstunden Dienstag und . Doaaerstag 5—6 nachmittags. י■• «M «■ft «m t■» «•■■■ «■1 •■1 «■• «■1« Nummer 17 Berlin, den 29. April 1910 — 20. Nissan 5670 XV. Jahrgang Theodor Herzl zum Gedächtnis (Zum 50. Geburtslage, 2. Mal — 10. Jjar.) ׳*,js wir erträumt in schicksalsschweren Tagen &5 ungestillte Sehnsucht lang erstrebt, Des Helden Bild, das wir im Sinn gelragen, In der Vollendung haben wir’s erlebt. In dir gewann derTraum von Grösse Leben, Und wie ein Traumbild musstest du ent* schweben. Denn was In Qualen endlos trüber Zelten Der wandermüden Väter Herz bewegt, Wjs auf dem Leidensweg, dem endlos weilen, 1,5׳ letzte Friedenshoffnung sie gehegt, Mas sie in Tod und Schande hochgehalfcn, Du kamst, sein Bild zur Wahrheit zu ge» statten. Du wiesest ostwärts, — und aus Meeres* fluten Hob wild zerklüftet sich ein Felsenstrand, Die Palmen rauschten, und in Sonnengluten ״schien vor uns das alte Wunderland. Mie trauler Kindheit halb verkiung’ne Lieder ״schien vor unserem Blick die Heimat wieder. Oa plöizlich, noch unfassbar unserm Denken, Hat dich ein hartes Schicksal hingerafft• Wir mussten dich in fremden Boden senken In frühen Dahren rüsl'ger Manneskraft Und laut erhob an deinem Sarkophage Ein ganzes Volk die bittre Totenkiage. Du gingst dahin, und mit dir schwand das Schöne, Schwand der Begeist'rung junge Blütezeit. Verklungen sind die frohen Oubeltöne — Ernst scheint uns nun der Weg, das Ziel so weit, — Du stützest nicht mehr Schwache, wenn sie gleiten, Und Feinde drohen uns von allen Seiten. Und doch, in unsern Herzen glüht Dein Feuer, Dein Geist wirkt fort in lichterer Gestalt, Dein Bildnis, das im Leben uns so teuer, Gewinnt im Tod verdoppelte Gewalt. Wir wissend ja, dass du für uns ge* storben, Unsterblichkeit hat dir der Tod erworben. Und wie in tiefer Nacht ein Flammenzeichen, 5ג leuchtete dein Name uns voran, ^5 Ziel uralter Sehnsucht zu erreichen M unserer Wand’rung dornenreichen Bahn. ״orwärlshastend, zahllos im Gedränge, ^9 unabsehbar nach des Volkes Menge. Neine Erinnerungen an Herzl Von Adolph Donath.*) I•s> ist mir, als ob er immer um mich wäre, 1״ll"er an meinem Tische säße, den Heldcnkopf ך Wtniir auf die Brust gesenkt, die matt* nutzenden Augen groß auf mich gerichtet, einer, der sagen möchte: ich muß immer ״*,dir sein, muß immer bei euch sein, denn wir gehören zusammen . . . Nie hat ein moderner Jude fiir scj01^ ״^ cdlcr gedacht als er, nie ratloser die Zukunft empfunden. ״Es wird [!11״,"ul sein." . . . Wenn er also sprach, vor־ sich seine dunklen Augen, und hunderte hי ״ Adolph Donath, der Dichter der Judcnlledcr, v‘lc die Liebenswürdigkeit, auf unsern Wunsch den stellenden Artikel zu schreiben. Nun winkte ja dem Ruhelosen rrieden, Dem Hungrigen fiir seine Kinder Brot, Dem Heimatlosen war ein Heim beschieden Und treues Harren lohnte endlich Gott. Die Greise beteten an frommen Stätten Und liessen sich in heilge Erde bellen. So lass! uns sein Beginnen denn vollenden, Der uns im Leben Trost und Hoffnung war. Ergreift den Stab und gürtet eure Lenden, Die Heimat winkt der müden Wandrerschar. Ein freies Volk soll seine Söhne lehren, Die Heimat lieben und die Toten ehren. M, ft. tausende hingen dann an seinem Munde, n seine Worte ein und wie dann plötzlich Beifall brausend hervorbrach und wie mit!1 Male das eine Wort: Merzt . . . izend hcrvorklang, fühlte man, daß der (c erschauerte. Und in diesem Augenblick f er alles geben mögen . . . Nun sind sechs e schon über sein schlichtes Grab hinweg* *ichcn und eben erst sollte Theodor Herzl :ig werden. Es ist furchtbar, wenn man an! Jugend denkt, die so jäh zusammenbrach. Ich darf mich rühmen, sein Freund ge*!11 zu sein. Ich habe seine Idee wachsen hen, habe sein Werk mitcrlebt, die tausend stclungen unsagbarer Kleinarbeit beob* \ Aber inmitten all der großen Arbeit, für seine Judenidee schuf, hatte sich Herzl . 1 -1.. - oi'ilfrnmriAl mic der er hervorgegangen war. Als Redakteur des Feuilletons der ״Neuen Freien Presse“ in Wien mußte er ״auf dem Laufenden" bleiben, mußte er alle literarischen ״Entdeckungen" mitmachen, Manuskripte, die sich zu Bergen häuften, prüfen und sieben. Und ich weiß, wie schwer er es hatte. Aber wenn er irgendwann auf ein gutes stieß, erzählte er davon, als hätte er aus einem Sumpf eine Edelperle herausgefischt. Ich erinnere mich, wie er mir eines Tages ein Manuskript zeigte: ״Das ist einer, den man stützen muß,“ sagte er, und dann freute er sich wie ein Kind, daß er den ersten Roman Otto Hausers, des einstigen Theologiestudenten, seinen Lesern empfehlen konnte. Er hat überhaupt für die ״Jungen" viel übrig gehabt, lieber Felix Salten sprach er sehr liebes, und um die Dichterzukunft Stefan Zweigs war ihm nicht