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Jüdische Rundschau · 1910-04-22 · Heft 16 (22.4.1910) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 16 (22.4.1910)
Date
1910-04-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f" Abonnent .;nta I I •ul ilir «l'clifnllUh am Freimi cruhdiifiiJe ,JüJlicho Kd11tl'vh.1u‘' Kosten bet Oer!',jpi'iliilon mmu oel allen Po*|. 4in!>1n vlertellShrlidi 1,25 M, insseih.Ob IHulsdilaml» nnO Oesieireieh-UiiKama 2,— M; |nr Mlislie<ler JlldOchcr Ver- »im• im S.iimmlbeiuc durch den Verein I.— M. Verlag JiitHache Rnmlschaa I!, 0. in. b. II. ttrrlln SW. 68. ZlmmcrMr. 71, tiis.lijiisstunden: J hU 7 Uhr *׳jssei Sonnabend und Sonniag.^j?v-" ך ALL6^^Cg(Md 3y(iGB0§(£lr3.d5 % Nummer 16 Berlin, den 22. April 1910 — 13. Nissan 5670 r I I I I I I I I I I I I u Anzeigen K0Mtn fQr die IOnfge»p»llen• Petitzelle oder deren Raum 25 PI«.; Slellen*An«cboU und Otiucbe sowie Verelnsmlt* leilunscn 11. ..Kleine Anteilen nur 15 Plg. oooonooo Mannskrlnie werden, wenn Porto bellleit, *teis turück• gesandt. — Redaktionsschluss Mittwoch vormittal*. Redaktion JQdltche Rundschau IJerlin-Charlottenbur«. Dlelblreottr. 4V. Tel, Ch. 9681• Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 5—6 nachmittags. 8ITUHS XV. ahrgang 9 Passah i; uiiliiij^ wirtl's ringsum. Neu begrünt sich die i nie. auf *.1011 Wiesen sprießen die Veilchen, in den 1■ eklem steigen die Lerchen und der Wald legt sei״ Sommerkleid an. Auch in den Menjdu'11 sproßt neue Freude, und selbst Faust, der msimul friedlose, fühlt etwas vom alten, längst ureo.'Sviicii Kinderfrieden in seine Seele ein- 71011011 beim Klange der Osterglocken. Ist doch Osicrn das Fest der Auferstehung des Menschen wie der Natur, das Fest, an dein Verzweiflung sieh mildem, untröstliche Trauer sich zu milder Wehmut verklären, und neue Lehenslioffnungin gebrochene Herzen entziehen soll. S«» feiert die christliche Welt das Osterfest. Aber in die allgemeine Fröhlichkeit tönen dnmpiV gequälte Laute, Stöhnen der Angst und Schrei, der Verzweiflung. bald im Norden, bald im Süden, zittern die I’.iiias der europäischen Gesellschaft vor An l’ölvlltorden, denen der Blutaberglauben eien Verwand zu Mord und rMünderung gibt. In Rumänien und Rußland, den klassischen Län* dem des Judenhasses, nimmt mail ihnen Hab nul (im, Fhro und Freiheit und treibt sic als lieim.'.ilns aus ihren Wohnstätten hinaus ins I luid So sieht die Kultur am Anfang des 20. .lahriimulerts aus. Lud wir erinnern uns der Vergangenheit. Wie oft, in früheren Jahrhunderten, wenn die Osterglocken von Frieden und Freude sangen, klang 1s unseren Vorfahren in die Ohren wie die Sturmglocken, die. zur ״Judcnschlacht“ ritien. zu namenlosen Gräueln. Wenn alles in I nililingsfrcude im Ortinen sich erging, ver* hIiIi.!’, man von außen das Ghetto und prügelte die unverschämten Juden halb tot, die sich erk״hnu!1, mich an Gottes Natur sich erfreuen zu wollen; denn ״Wo ein grüner Halm, da kein .hak■״, hieß es im I aiule. Oder man holte die A1I11 uti der Gemeinde aus dem Ghetto und ließ u. wie in Rom, vor dem Pöbel auf dein Gn>«. Wette laufen, aber erst an dritter Stelle; K1״T'1 kamen die edlen Pferde, dann die Münde, ׳iilci/1 die Juden als die niedersten Lebewesen. Welch blutige Tränen haben die OsterkloiL u verschuldet, wie vielen Tausenden ehrenhaiii!• mul friedlicher Menschen haben sie vorzciiiL־ /.u Grabe geläutet. Und das waren unü'U־ Väter! t 'ml doch haben diese Männer, in ständiger 1 *hI!׳'gefaltr, von Bosheit und Roheit bedroht, 'hr P.ixaltfcst geleiert, haben es gefeiert mit einer h1hr.m>t, wie es die Christen um sie her nicht Vt| 1־ inden. l eierten sic doch ihre einzige Hoff- ׳׳-׳< 1"יי. auch ein Aufersteliungsfcst, das Fest der ' 1'K'img aus der Knechtschaft, das Fest, der n.nin11;<11־|| Wiedergeburt, Vieh uns, den Nachkommen, ist das Lest 1“'ilig. weil uns die Hoffnungen heilig gebheben *'"d, die unsere Väter daran geknüpft, die Hm*- 11',1'g. daß wir einst auf eigenem Boden wtedei 'vmkn Menschen sein dürfen. . Die deutsche Volkssage läßt Faust, das ''"mhild des suchenden, strebenden Menscnen, <)steilage ein neues l eben beginnen. Gluck ü'ill er nicht finden, das ist den Irdischcn un- , erreichbar, wohl aber Zufriedenheit. F.r fmde??nicht im wilden Lebensgenuß, nicht m | ז »thesrausch, nicht im Taumel der Macht und ״ ״ . ״Der Zionismus eritrcbt für das indische Volk dl9 Schatlun« einer ölfcmllch.rcchtllch «calchcMcn tlclmitltte 10 Pellitlna." Baseler Protrimm. Aus dem Inhalt Passah. - Wolfisolins Rede In Lemberg. — 1)1« jüdische Volksldcc lind dt« Propheten. Von Rab. Dr, Joseph. - Naclipiirlni. — Frklärung. — Feuilleton: Pnrtiu und Pcssnclt. Von Lazarus Bart h. ■ Hrliisuiig. Von J e h u d a H a I c v i. Die nächste Nummer der ,..I. R." wird anläßlich des RU. Geburtstages unseres verstorbenen Füllrers (2. Mal) größtenteils dein Andenken Theodor Her/Is gewidmet sein und sich durch einige, Kauz liervorraRcmle Arbeiten aiis/ctclnicn. Die Nummer kostet im Fluzetvcrkaiii 30 PfcnutKc. nicht im ungehinderten Verkehr mit der übersinnlichen Welt. Faust findet den Frieden mit sich seihst, indem er für andere schafft, indem er das Land urbar macht und mit lebensfrohen, arbeitsamen Menschen bevölkert. F.r möchte ״mit freiem Volk auf freiem Grunde stehen“, dann hat er sein Ziel erreicht. Auch wir Juden sollten ein wenig vom großen Goethe iernen. wie man Zufriedenheit erringt, wir, die ia auch so lange in Moderluft unter Urväter Hausrat gehaust. Wir sollten hinaustreteu unter die übrige Menschheit, sollteil unsern Teil am Leben im hellen Frühlingslichte und ein Fckchen von der Welt verlangen, die ja für Kultiirhestrehungen noch ein recht ergiebiges Feld bietet. Wenn das jüdische Volk dereinst seine Auf. erstehung feiern wird im Lande der Väter, dann wird das Passthfost ein reines Fest der I reude sein, ein Fest, an dem niemand hebt und zagt, sorgt und hangt, auch der Fremde nicht. Denn wir werden uns an diesem Tage erinnern, daß wir einst selbst Fremde gewesen sind, daß wir geliebt, gelitten haben und uns selbst erlöst. Vielleicht werden wenige von denen, die heute milarhciten am großen Werke, sein Fnde schauen. Vielleicht müssen die meisten von uns sich begnügen, \vse Faust, voralmcnd die F.rfülhing des Lebenstraumes zu schauen. Vielleicht wird ihnen das Land der Verheißung, das Land ihrer Kinder nur von ferne gezeigt. Aber im Streben nach dem Gelingen werden sie Zufriedenheit finden, die Zufriedenheit eines wohlangewendeten Lebens, das einer großen Idee ge. widmet war. Glücklich wären unsere Väter gewesen, •Ilten sic den Anfang gesellen, glücklich sind;׳ir die ihn erleben können. Die Worte der lagada, die mau früher noch selmend und in laubiger Zuversicht am Scderabcnd aussprach, iic Worte, in welche sich zweitausend Jahre;״,g die Amerstchungshoffming der jüdischen Nation gekleidet, sind zu neuer, lebensvoller Bedeutung erwacht. Und wenn uns trübe Stiinnun״ beschleichen will beim Betrachte״ der Vergangenheit und der Gegenwart, wollen wir ms der Worte erinnern: ״Dies Jahr feiern wir lier das Fest als Knechte, zum kommenden ■ahn! aber als freie Männer, kommenden Jahres 11 Jerusalem!“ Das ist unsere Hoffnung in liesen Tagen. _ Wolffsohns Rede in Lemberg Am 27. März hat Präsident Wotffsohn, der an den Beratungen der ßalizischcn Zionisten in Lemberg tcilnalmi, nach den begrüßenden Worten, die der Vorsitzende. Abg. Stand, an ihn richtete, wie wir in voriger Nummer mittcilien. eine Ansprache an die Konferenz gehalten, die wir heute im vollen Wortlaut nach der .AVcIt“ wiedergeben: ״Meine liehen Ocsinmtngsgeno.sscn! Ich danke ihnen aufrichtig für den liebes ollen enthusiastischen Hmpfang. den Sie mir bereitet haben. Ich danke Ihrem verehrten Präsidenten, meinem Freunde Stand für die liebenswürdigen Worte, die er unter Ihrem 1 Beifall und Ihren Zustimmung soeben gesprochen hat. Zu den Annel1m'״ehkciten der Prüsideutcnwiirdc gehört es gerade nicht, derartige Lobreden entgegenzimchmen. NorUau hat einmal gesagt: ״Auch der gescheiteste Mensch muis. wenn er gelobt wird, •ein dummes Oe!sicln machen'’, und das soll der Präsident unserer BewcGimg nie*1» tun. oder es möglichst zu vermeiden suchen. Das Lot» wirkt ermüdend, crschlalfcnd. Butz anders sieht cs aus. wenn man kritische Reden zu hören »«kommt. Da wird man trotzig, da wird »,;m stark und mutig, auch wenn die Kritik, wie ja ,las meist der Fall ist, herb, bitter lind s:harf ansfällt. Bitteres, Moratir, wird hei uns, wie Sic ja wissen, mit Moraiir, Kren verglichen, Kren reizt den \ppc1it. Durch Kritik wird man stark und mutig. Kritik gibt auch die Möglichkeit, sich zu bessern, Lobreden dagegen gleichen Süßigkeiten und ein erwachsener Mann kann Süßigkeiten nur .schlecht vertragen. Aber glauben Sic nicht, daß ich böse hin für die Worte, di־.־ unser Präsident gebraucht hat. Ich denke nicht daran. Ich habe mir diese kleine F.inführuiig gewählt um zu /eigen, daß ich gerechte Kritik sehr gerne hören und ertragen kann, da!; ich durchaus mcht böse bin. wenn ich kritisiert werde. Und Sic werden ja begreifen, worauf ü־h anspicle, da ich auf dem Kongresse sehr viel ״Moiaur" bekommen I1i.be. Ich bin durchaus nicht böse, und icit mochte Sie bitten, daß Sic meine Anwesenheit ai.siiiitzen, um auch Kritik zu üben. Ich bin nur gegen ungo• rechte, gegen unwahre Kritik, wie sie leider Gottes noch heule hie uud da von einzelnen Männern und Zeitungen ausgeüht wird. Solche Kritik verbessert nie, die verbittert. Ich werde mich freuen, aus Ihrer Versammlung heraus zu hören, welches Ihre Wünsche sind und "׳as Sic zu kritisieren haben. Zunächst drücke ich meine Freude aus. daß cs mir möglich war, gerade heute hei Ihnen zu er* scheinen. Fs war schon längst mein Wunsch gewesen, die cnliziscbcn Zionisten, der Zahl nach, nach Ruliland die meisten und der Qualität nach die besten, - weil in Galizien noch echtes, wahres jüdisches Leben pulsiert, — zu besuchen. Fs war mein inniger Wunsch, bei Urnen zu sein, mit Urnen /iisanimcnzukoniincn und durch nähere Bekanntschuft die Möglichkeit zu erreichen, daß wir später besser zusammen arbeiten können, als wie es bis heute der Fall war. Und ich danke dem Zufall, daß er es mir ermöglicht hat, gerade in einem solchen Momente hei Ihnen /•» sein, wir eine so große Zahl guter Zio,listen aus dem ganzei׳ Lande zur gemein- .,amen Arbeit zusanuuengekommen ist. Wir haben tief darunter zu leiden, daß bei uns Mißverständnisse sich zeigen. die sich hei näherer Bekanntschaft, hei persönlicher Aussprache verlicrcn. Wir luden darunter, daß wir int Golus leben, denn diese Zerstreutheit bringt es mit sich, dal! Miß- Verständnisse entstehen, die allmählich zu Gegnerschäften auswacliscn. •md bei näherem Zusehen merken wir, daß wir einer und derselben Meinung sind und daß nur kleine Unterschiede zwischen uns bcstehen. Auch auf den! IX. Kongresse waren es eigentlich nur Mißverständnisse, die entstanden, weil wir zu selten Zusammenkommen, well die Herren, die in die Opposition gegangen

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