Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2651273-2651657-2651671--06974-2664104- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jjü n 1 s c r 1! : u u n pscjia u Seile 152. Kussischc und!*olnlsche (iolusbUHen In der No wo je W rem ja stand folgende Annonce: Hin junger Mann (Student) ans indischer F.nnilic (in ZeutialniUland) will /.tim griechisch-katholischen CilittihcH nliei treten und sucht Taiifnatcn, an denen er eine moralische und materielle Stütze haben könnte, wofür er seinerseits mit Anhänglichkeit und Achtung zollen winde. Ndresse: Kiew, Hauptpost, nostlai ernd. Vurzeiger des Reisepasses No. Illiw, 1% dieser Tage erschienene erste Nnninier der neuen polnischen Zeitschrift ״W ie d e rg e h n r t" in Warschau bringt den Appell eines Herrn Wasserzu g au die polniseheii .luden, in welchem diese aut die schwerwiegenden Folgen aufmerksam gemacht werden, die eine weitere Hntwiekclmig des i ii d i י־ג C.H a r;111 s 1« ווו s haben würden. Herr Wussci/.ug fordert die polnischen Juden auf. den einzig richtigen Weg, den W e g d e r A s s i m i I a t i o 11 ein/.uschlagen. Zu diesem Zwecke sei vor allen Hingen eine spezielle Organisation und ein dieser Aufgälte dienendes l’rellorgan ins l.ehen zu rufen. Rumänien Von kurzem fand der konstituierende Koiigrcli der nmniischeii sozialdemokratischen Arbeiterpartei statt, der Koiigrcli befaltte sich auch mit der Judenfrage. Ik'i den Lidrteruugen über das Parteiprogramm verlangten einige Redner die H.infugung eines besonderen Punktes bezüglich der Rechte der Juden. Andere hehaupteten dagegen, ein solcher besonderer Paragraph sei ubciiliissig: in der allgemeinen Forderung nach der (ileiclihcrecliligung aller Nationen seien auch die .liiilen mit einbegriffen. Sehliclilich wurde der er- Malmte Antrag mit ^tiniineiinieliihell .nigeiiommeu und tu das Parteiprogramm die Forderung nach der vor du Jahren von Mitropa so feierlich versprochenen Hm.in/ipatioii der eingeborenen Juden in Rumänien 1 ingestellt. Türkei Mel ainet 1k.mische llntscli.iltcr in der Türkei, Oscar Miaus, weilte vor Km /cm in Ntloiuki und besuchte die Talimid-Tlmrn-Sviingogc im Beisein des Chachainbusclii Jue m M i r. des (iemeiudevor- Standes, der jüdischen Schulleitungen und der Vertreter xerschiedeuer Klubs und Gesellschaften. Per (iesaiigschor der Alliance-Schüler sang das ottumanische l'reilieilslied. und eine ,Anzahl Talmud• Tlinr.i-Klnilci sang die ״llalikwah". Met Clinch.1111• hnsclii hielt eine Bcgriiliuiigsaiispraelie an den Gast, auf die dieses!• mit einer englischen Rede erwiderte, die daraut ins Spnninlisclic übersetzt wurde. Mr. Straus drückte sein Bedauern darüber aus, dal) er sich nicht in der Sprache dieser Gemeinde aiiheru könne. Fr freue sich aber, zu seinen jüdischen Brüdern als amerikanischer Jude /.u sprechen. Pie Türkei sei darin Amerika gleich, dall sie den aus Spanien vertriebenen Juden ihre Tore geöffnet hatte, wie die Juden in Amerika eine Zufluchtsstätte und volle Büigerrechte gefunden halien. Per Botschafter wies auf die heiuerketiswerte Tatsache hin, dal! Spanien gleich nach der Fntdeckuug Amerikas wirtschaftlich niederzugehen begann. Paraiu sprach er sich I ii r die Verbre innig der türkischen Sprache unter den ottoiiiainscheu luden mul gegen den Gebrauch des S p u u i o l i s c It e n aus. F.s sei eine Ironie der < lescliiclile, dall die Juden jetzt die Sprache derer ge- InauclK'ii, dt׳• ihre Almen verfolgt hatten. F.r sprach noch \01t der jüdischen F. i 11 h e i t mul hezeichnet׳: den jüdischen Stamm als den edelsten mul Inttschiitlliclistcn, welcher der Gesamtheit segettsreichen Nutzen bringe. F.r lobte die Neuordnung in der Türkei und sehloll mit den Worten: ״Ware ich nicht Amerikaner, dann würde ich mich freuen, ein otiomaiuschcr Burger zu sein." Patin hielten einige Selnilcr, darunter ein Talnmd-Thora-Zögling, kurze hebräische Ansprachen an den (last. Mr. Straus besuchte auch die Tdmnd-Thora. den Chachambaschi, den ״Clus des Intimes" mul verschiedene Gemeinde• instittumnen, und erwiderte einen Besuch des Gonverneurs von Saloniki. - Straus befindet sieh auf einer Reise nach Ägypten, wo er mit dem F.sprüsidenten Rnosevclt Zusammentreffen wird. Auf der Palm wird et vmcVi .lalia, .Ivtwsalcwi und IkiuAli besuchen. # Unser Gesinnungsgenosse Moise Cohen hatte auch mit Pr. N a s i m - B e y. dem bekannten Führer der Jmigtiirkeu, eine Unterredung über die Spraclieiifrage bei den oltoimmlselieii Juden. N.isim-Bey ist als ein begeisterter, chauvinistisch angehauchter türkischer Nationalist bekannt, mul es liell sieh daher vermuten, dall er sieh nicht so wohlwollend dem Hebräischen gegenüber verhalten würde, wie der türkische Unterriclitsiiiinister. Pies erwies sich jedoch als grundlos, *tich Nasim-Uey hat nichts dagegen, dall die Juden in der Türkei 1j;,s Hebräische als ihre nationale י Sprache pflegen; er betrachtet dies •־tls eine interne Frage der Juden, ühcr die mir sie selbst zu entscheiden Italien. Als aber Mr. Cohen bemerkte, es sei doch iar die oiioniaiiischen Jaden von Interesse und Bedeutung, auch die Meinung der Führer und Vertreter der anderen Nationen hierüber zu erfahren, erwiderte Pr. Nasint-Bey etwa folgendes: ״Ich will daraus kein Hehl machen, dal; ich glücklich wäre, wenn alle Natioitalitaten ohne Unterschied der Konfession und der Abstaiimnmg eine Sprache gesprochen hätten, mul natüilich würde ich es wünschen. daß es die türkische Sprache sein mochte. Pa aber jede der verschieden en Nationalitäten ihre eigene Sprache wahren will, so sind wir nicht gegen dieseil natürlichen Willen, hu Gegenteil, wir gehen ihnen, dm Juden wie den Armeniern und Griechen, die voll e F r e i 11 e i t in dieser Beziehung. Seihstverständlich mit einer Bedingung: die türkische Sprache mul! in allen Schulen als o b I i g a - torischer Gcgestaml gelehrt werden. Pas ist imserc einzige Bedingung. Abgesehen davon können die Juden in ihren Schulen 11 e h 1׳ ä i s c h als U11t c r r i c h 1 s s p r a c 11 e eint'iiliren. Ich achte die (lefühle der nationalen Juden, so wie ich hei Juden die Anhänglichkeit an seine Nation achte. Wenn die oinuiiaulM heu Joden gl.iubi'11, Un 1 c 11 die hebiaische Sprache das Band zwischen ihnen und ihren westlichen Brüdern zu starken wohlan denn! Nach den Meiiiuugsan.lermigeii aber, die ich von eueren Glaubensgenossen In Fiaiikivich mul Huglaiul zu vernehmen vielfach Gelegenheit hatte.' erscheint es mir doch zweifelhaft, ob die hebräische Sprache für ieue Juden dieselbe Bedeutung mul die gleichen Wirklingen li.ihen kann, wie sie die uat1״u,1l11:׳ .luden erlioifeii. . . Aul «Mr. Cohen s UcmcrMiitg. dall es sich da um eine die otioiiiniiiseheu Juden betreffende!•'rage handele, antwortete Pr. Nasim-Bev: ״Ich wiederhole es, die ottomaiiischcu Juden können absolut migehindert das Hebräische zu ihrer nationalen Smaelie maclieii. Sie sollen über auch die Landessprache gut zu erlernen suchen, die auch für ihren eigenen Vorteil uueutbelirlicli ist. damit sic in der Lage sind. Staatsümter zu bekleiden usw. Was mich mbeirim, so bin ich sein׳ fern von Vorurteilen, mul ich würde es mit F r enden begrübe«, wenn einige Mil- I i o 11 e n .111 d e 11 ti a c 11 d e r '1' ii r k e i ein w a 11 - dern mochten, um hier zu niitzbrinvcndcn. vollhurecht 1g teil lim gern zu werden." Auch diese offenherzigen Aeuliennigeii beweisen, dalt die Befürchtung, als könnten die Juden in der Türkei bei der l'ilcge ihrer nationalen Kultur auf ändere Iluuleinisse seitens der dortigen mallgeben• den Kreise Stollen, gänzlich 11 n b e g rundet ist. wenn sie nur darin nicht von ihren westlichen ״Glaubensgenossen" gestört wurden, die päpstlicher sein wollen als der Papst selbst und an ״türkischem Patriotismus" die Türke« noch zu übertrefien bcstrebt sind. (iricchcnland Pie Jüdische Gemeinde In Athen, der Haunlstadt Griechenlands, ist arm und klein, sie zählt iin ganzen etwa InmdertinuldreiiSig Familien. Ihr Cliacliain fungiert als Rabbiner, Schächter. Kantor und Lehrer zugleich, mul erhält sein Gehalt (17׳M Fr. jährlich) vom Staate. Pie Kinder besuchen die griechische mul die italienische Schule. Pie meisten Juden in Athen reden milein.iiuler Griechisch, nur einige aus der Türkei licriibergekonnncne sprechen Spaniohsch; in der Gemeinde befinden sich auch sechs aus Deutschlaiul stammende Familien. Per Cliacliain besucht auch zuweilen die bcmi.'hhnrten Städte Piräus, wo fünf, zehn jüdische I amilieii wohnen, und Pelrnsso, das sechs jüdische Familien hat. In allen drei Städten Mild die Juden sein־ arm. sic hausieren meist in den Portern und auf Märkten. In Athen gibt es ein .Ghetto", in dem etwa dreillig der firmsten jüdischen Familien wohnen und das ein sehr trauriges Bild bietet. Au der Spitze der Gemeinde steht ein Vor-!,mild aus zehn Mitgliedern, der mir mit grollen Anstreiiguiigeii die Kiilliisatisgabeii bestreiten kamt. Auch das geistige Nivea.1 der indischen Bevölkerung ist ein wenig erfreuliche!;. Hin geistiges Interesse ist mir soweit vorhanden, als es sieh um religiöse AugeiegeuluUeii handelt. . No. 13. gespendet, hat alter bald die Soeude aut Img ui״i ן■•,, erhobt. Bei seinem jetzigen Aiiienllnlt m j>l1״ er wieder 25(100 Francs dem Gymnasium zug1u1CH' Für das hiesige Krankenhaus ״Sc 11 a 1 e ,. y.,1' d e k" hat Herr Moser 1000 Flaues gcsnemU;. Jüdisches llolcl In Haha Seil langem wurde in unserer Stadt 0..-! eines jüdischen, dem europäischen 1n>,;1ll. entsprechenden Hotels sehr vermint. Diese׳! ,״.cdiif!', nis ist jetzt durch das eben von Herrn! s tVin croiinetc Hotel abgehoben worden. Pie ..Organisation der Lehrer in Palästina" i c:ii; jetzt allmonatlich eine l.elirerkonieieiiz cm. mal m cinci anderen Kolonie siattimdet,!»!. lerciizen bezwecken, die I.eh rer in ständig. |tM. Imig mit einander zu erhallen, die praktische: n;r. rielitserialirungeii gegenseitig ansziiiauseiieii .. , 1״u als notwendig sich erweisende S e 11 u I r c : mv,! sieh zu verständigen. Jeder Lehrer gibt 1*1■•;; v>:, seiner Lehrmethode und referiert über die ׳;■1 , *׳! beabsichtigten Neuerungen. Die letzte diese ׳,)!:. ־ lenzen, die bereits viel Hrspriel'.liclies ge!e1s!> ,!u hat in der Kolonie Gedern st.ittgefunde1 .״' K l׳, nisten bereiteten den Koiifcrciiztciluclunc״. v1׳.«n ausgezeichneten F.mpfang und beköstigten ,י!״ Kosten der Kolonie. Liuige Kolonisten wobt, ..!,'ו den Verhandlungen bei und beteiligten siel: ,ך.ן Debatten vier Konferenz. Herr Dr. Faul Nathan, V1.׳s11/au!a 0■ veictus der Deutschen Juden", ist m 1.!!׳,;;c. Honen. Fr begibt sich nächstens nach Jeius.,!;n: Haifa, wo der Bau des 'I ecliiilknms mm!*! Angriff genommen werden soll. AUS'D£N G£M£lhDCti Dl• Mitarbeit unserer Leser an dieser Rubrik tu &<!•■&1»: :׳! .. erwünscht.- Jüdische Toleranz und Cicwisscnsfirihcil für Bald(|cU1uftc ln der letzten Repräscntauteiisltzmig zu Knk»• herg I. Fr. der Stadl der reinen Venainii ..!1׳ u. a. auch die schon wiederholt behandelte legeiiliei! zur Sprache, dal! in den hiesigen!1׳ .u״: Schulen die jüdischen Knaben ungehalten wci.;«!, 4 dem christlichen Mogengottesüieiist tcil/uu. 1.;; und sich dazu die notigen Kirchculiederbucbi: .::1• schaffen müssen. Dabei leisteten sich dci \ <!• sitzende d e s Vorst a 11 d e s und der \ ז י י - sitzende der Repräsentanz iolgendc iv .׳n mosaischer F.tliik: Der Herr Vorsitzende ,< a 11* e p r ii s e 111.1 n z fnlirle ans, man miisse >I״J1 uu'! an diejenigen jüdischen F.ltcrn denken, die hebe: Kinder an dem christlichen Gottesdieiis: \■ .1• iicliineii lassen w urden, ehe sie ganz und gai .n.t \ Morgeiiamlaeht ihrer Kinder in der Sc 11 nie züchteten!! Darauf erhob sieb der Herr \!• sitz e 11 d e d e s G e m c i 11 d e v o r s t a 1111 c ' .*>J ei klärte w ö 1 111 c h: ״M .111 m 111! .111 <11 ־ U*: s s i e 11 t 11 e 11 m e n a 11 I d 1 e ן e 111 g e 11 I :: . die ihre Kinder vielleicht t .u. ״ ■ ׳ w o 11 t e 11, 11 n d 111 a 11 m ti 1! Gewisse s f r e 111 e i t nach allen Seiten, a 11 e 11 n - 1 dieser Seite hin üben." Amen' '״-־:! aber noch das e 111 e M o t i v für dieses edle, u u: same Beispiel walirliaft j 11 d 1 s c 11 e 1 Selbst \ 1 I e 11 g 11 11 11 g: das ist die Angst vm dein Siena.m ä. wenn diese noch etwas wasserscheuen Judeי: .׳ Zorn ihre Taufe beschleunigten und aus da ׳ :a meintle austräteii. Ich will keinen Kommeזי.; ׳ schreiben; aber eine bescheidene Anfrage: Oh N a t i o 11 a I j 11 d e n gegenüber dieselbe D 11111 s!1keit mul Gewissensfreiheit walten;׳ ׳! würde? Allerdings kennt man diese nicht ' gut wie die anderen! (Diese Zuschrift war bereits für «Ile \orhergeluad»• Nummer hcstiiiiint, ist aber Infolge eines Ited.iucr- Hellen Versehens zurückgeblieben. I). Red.l llerlln. Die Aiiskimftsstelle des Verbandes inf jüdische Wohltiitlgkeltspflege, Rosenstr. 2/-L Zm .זי 21hat insofern eine Frvveiterung erfahren, als ״!eselbe vom 1. April 11 Js. ab, woclicntäglich \ 1׳• mittags 2 Stunden, von 10'.• (Ihr. geöffnet ist. '1• eine und Privatpersonen werden ersucht, in Zw au יו• fallen sieh an die Auskimf(stelle zu wenden und ca eignete Bittsteller an diese Stelle zu weisen. Berlin. Das Jiidh.chc Alüdclienstlft, Lotlmucer 0!!״ז,ין U», °'״c Anstalt, die unbemittelten jiubs.l.o' Mädchen vollständig unentgeltlich Unterlialt und h.״׳'• wirtschaftliche Ausbildung zur Vorbereitung im den Dieiistbotcnberuf bietet, hat nach seinem eben ascliieneiieti Jahresbericht in den zwei Jahrzehnten seines Bestehens eine recht ersprießliche Wirksamkeit entfaltet und auch im Berichtsjahre einen günstigen Fortgang genommen. Fiir die Bewährung der MaJ־ cheti im Dienst diesem Beruf sind im letzten lahrc 5. insgesamt bisher 109 Zöglinge ztigctultrt worden -־ spricht die Tatsache, dall die Dicnstpr.mtte von *It» Mark fiir molirjährigc treue Pflichterfüllung bei derselben Herrschaft bereits 2ü Mal hat verteilt An das Zionistische Zentral-Bureau Berlin-Charlottenbupn 2 ItloIbtrcaNtr. 10. PALAeSTINA-'RUNDSCHAU Vom Hcbrülschcn Gymnaslnm In Jaffa Aulälllieli der Anwesenheit des Herrn Moser aus Bradford in Jaffa wurde vom Hebräischen Uym- * iiümuiii eine kleine Feier veranstaltet. Herr Moser legte 1 dabei «lat Sehlultsleiu des Gymnasiums und gab in! kurzen Worten seiner Freude über den fortgesetzten i Fortschritt des Gymnasiums Ausdruck. Im Namen der I Lehrerschaft dankte Herr Pr. Mossinsohn Herrn J und Frau Moser für ihre groflzilgige Unterstützung ן des Hebräischen Gymnasiums. Daraufhin saug ein Chor der Schüler einige nationale Lieder. Herr Moser I hat ursprünglich HO 000 Francs für «las Gymnasium I