Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1910)
- Date
- 1910-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang Noch einmal ״Der FaltLessing“ Uv! Dr. Theodor Lcssing hat in der ״Allgemeinen Xcituitv; des Judentums" sowie in der ״Hille“ au( die .illscitn: 1׳ Angriffe geantwortet. Seine Ausführungen in der ■' '׳! iineii“ haben auf den ersten Blick etwas IkJU’s* Arttke!' heil ש > 111,1 stell 'יי sei. "i habe* s * verein n׳ nIivw.n <;h< n;e. /.weeh Magen \ י׳ mW. c!׳' ,nassen ■ Uni. In Sc sie geeignet sgltaiien. tdes an sieh. Hei genauerer Durchsicht des .׳!upfindet mau aber die ganze innere Hohl• das Phrascngcwüsch doppelt unangenehm. I>r, I.. sagt in seinen Ausführungen, er fühle als Jude und gerade, weil er darauf stolz v ir alle stolz sein müssten, Juden zu sein, ic Anklagen gegen die galiziscbcn Juden ,.In; denn wir batten cs nicht nötig, unsere , zu verheimlichen und unsere Felder zu betim. Jetzt aber fragen wir Sie, Herr .!11 der Pädagogik: Welchen moralischen vtt Sie mit der Veröffentlichung Ihrer Anttiulen? In welcher Weise sollte Ihr Aufut/. cf/\. crisch wirken? Oerade Sic. als Erzieher nassen d .11 wissen, dass das Konstatieren von Fehevttden und verbrecherischen Anlagen, wie vi den Oalizianer» gefunden haben, nicht ■m. auch mir den geringsten Wandel zu ttcrade Sie müssen wissen, dass eine der* ..rt negative Kritik in solchen Falle» vollkommen wcnlas.!.! widerblich ist. (ianz abgesehen noch ojvun. d.tw das Blatt, in dem Ihre Ausführungen standen, ni v ritatipt nicht in jene Kreise dringt, son* derit gerade 11״,׳ Leute» gelesen " ird und fur Leute k'Mmnm im. bei denen ein derartiger Artikel geeignet ist. .!!!«׳ Ansätze zu positivem Judentum zu vernichten. Penn wahrlich: Ihr Artikel war nicht geeignet, jemanden in seinem Stolz auf sein Judentum /״ he>t.11׳־u(j Haben Sic wirklich die ernste Absicht, an du Regeneration des Judentums mitzu* .1׳ Leiten, v!e j.i Ihre Erklärung besagen w ill, so haben Sie ״!׳eh ,Hidire Mittel und Wege dazu. Schliessen .'mc siel. a. Jt vielt Organisationen an, die Ihre Haupt- *»Ih.11 dar 11 Midien, die Juden von dem Olietio• sclilaimii{. /״!.dreien und sie daraus zu erheben. Aber v!! kminen einfach glauben, dass cs Ihnen ז1'<י Ihrer l!;,lä״mg ernst war. Wenn jemand zur seihen /׳eit Jett von uns genügend gewürdigten Ar- Mel m der ״Schaubühne“ veröffentlichen kann, so darf et unmöglich noch das Recht für sich in Alt- Vfticli itelt.iitn, dass man ihm glaubt, wenn er dann v,,׳־.:t ,,uf das Judentum manifestiert. Nein, Hm Hi.kp.r. w ir haben den traurigen F.indruck. dass >'c eiiic ,.faule Ausrede" gebraucht haben. Und d rum l,.\scu w ir uns auch nicht bluffen und nehmen r״;ht e,1. Wort von dem zurück, was wir gesagt ‘*־)יי". tut Gegenteil: Sic haben es verstanden, jede ״nscur Anklagen zu unterstreichen und zu erhärten un! m. den ganz erbärmlichen Kindruck Ihrer Ausf hrungtder glüeklicltervveisc überall derselbe "fr. /.u ••erschürfen. Unweit der Ualizisehc Reiseskandal. I Wh ,echt wir mit unserem Urteil über Dr. L. hatten, leweist seine ״Selbstwehr" in der ״Hilfe", ׳•tssin*• ,.ersucht sielt mit einem philologischen MUtzcl>ca anv vier Schlinge zu ziehen. Seine Vcrtcidi- Xunk׳ iv , her so läehcrlicli und haltlos, dass wir cs r׳cl1t wa.;en, unseren Lesern auch nur einen Aus- % dar•us vorzuiegen. Wir begnügen uns damit, ,׳'־^ i'iiou.il den Niehtiuden Paul Zscboriich zu ׳,*ieren. der Herrn Lcssing in der ״Hilfe" eine end- |"ltigc und nur zu wohl verdiente Abfuhr bclbringt. ';ז schreibt: ״ ״Hier aber handelte cs sich um eine »tcrurlsehc kiijicIli uiivi die verdiente schärfste Zurück- und Zurechtweisung. Hier handelte cs sich um eine 11 * ** ח I o ic i s c h c Nestbeschmutzung. Und die ,*•u ekelerregend und erforderte eine Brand- Würktittg. Damit komme ich auf das zweite Saltoinortuic, das Herr Lcssing vor unseren erstaunte» Augen zum besten gibt. Herr Lessing, dessen Spezialität in der Ver- 1״*chtigung und Beschimpfung seiner Stammesgc- *> Siche Nr. 6 der ״J. R". ..Der ZlonUtnui eratrtbt (ür da» Ittdliehe Volk dl* Schanunir einer OUcntllcIt-rcchtllch *codierten Hctmttltte!0 Palltilna.“ Oaieter Protramn. Aus dem Inhalt .Noch eliumil ״Der Falt Lcssing". — Zweltuclier Zionismus. Von Heriliold Pciwel. — Zum Aulruf. Von L. K s te r nt a 11 n - Hamburg. ־— Bodcurciorm hi Alt- und NeuUruel. — Arbeit hi Palästina. — Aus aller Welt: Deutschland, Österreich, England. Russland, Japan, Türkei. — Aus der Zionistischen Bewegung: (Aufruf. Mitteilungen des Z e a t r a I b u r c u u s. P. L. D. C.). — Alliance I5racllic Universelle. — Vereins ־ Rundschau. — Literarische Rundschau: Aus einer stillen Welt. Bücher Besprechungen. Fiiclierdiikuul. Versainniltiiigskalciider uul Seite 99. uossen /.tt bestellen scheint, wagt cs. zu helumpten, er sei selber stolz darauf, ein Jude zu Das sagt derselbe Lessing, der vom Juden- Christentum lihcrgetreten ist und dann Christentum zum Judentum! Dieser Schnelläufer, dem hier in der ״Hilfe" sein. uuu zum wieder vom konfessionelle יוון Zeilen zu seiner Zuschauer! beobachtet. ,1 n k t wie Sie recht Jude einen 111 e r i ii d i s c 11 c n beschimpften! bleiben Sie die Ant- Ihre Feder. Diese Zeilen nehmen ־״- .. Verteidigung zur Verfügung gestellt sind, sucht sich liier in fünf Zeilen an dem Hindernis voihtizudruckni. das auf seiner Dahn!iegt! Alter, Herr Lcssing. wir haben Und dieses Schieberstiickelicn wird verlassen Sie sich darauf! Per Kernpunkt meines Angriffes gegen Sie lag, gut wissen, darin, dass Sie als andere u Jude u 11 tu s e F. i g c n schuft e n will e 11 Auf diesen wichtigsten!,unkt wort schuldig, liier versagt Nuss knacken Sie nicht. In fünf Sie Reissaus. Davon wissen Sie nichts und wollen Sie nichts wissen. Und da rate ich Ihnen denn: stecken Sie ihre verehrte Nase doch einmal in die jüdischen Blätter 11»d lesen Sic dort nach, wie ihre eigenen Staiuiuesgenosseit über Ihre Handlungsw eise denke»! Dort werden Sic das getreue Keim ihres aiuiscmitiscltcn (ledrühns finden, Oder ist Ihnen schon entfallen, dass Sie erst kürzlich der Unwahrheit geziehen wurden, als Sie in Ihren gaJizisehen Briefen die tollsten Räubergeschichten auf tischten mit der ausgesprochenen Tendenz, Ihre jüdischen Glaubensgenosse» lierahzusctzen, und dass die Redaktion der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums" Ihrer famosen Schilinerungen wegen in die ärgste Verlegenheit geriet? Wissen Sic nichts davon, dass der Rabbiner Dr. Osias Thon in Krakau von Ihrem ,.kranklmft-unwahrhaftigen Gehirn" sprach, und dass der von Ihren Behauptungen sagte: ״Jeder Satz trägt ja das Stigma der Un- Wahrheit an der Stirn!" Ist Ihnen unbekannt, dass Ihnen ״schamlose Aufschneiderei“, ..Selbstbcsudching" und ״unglaubliche Verrohung eines Privatdozenten" aus Ihren eigenen Kreisen und von denen vorgeworfen worden ist, auf deren Beifall Sic angewiesen sind? Wie? Davon ist Ihnen nichts bekannt? Und Sie wagen cs, sich aufs hohe Pferd zu setzen und uns hier die holte Schule der Rabulistik vorzurcitcn?“ schlicsst dann derb und recht eindeutig: ״Flegeln Sie weiter, in Üottes Namen! Ich bin nicht zu Ihrem Hauslehrer bestellt. Ja, Ich bin sicher, dass Sie rückfällig werden. Pathologische Veranlagung lässt sich nicht so leicht kurieren. Aber mir, wenn ich Sic wieder auf einem Bubenstreich ertappe, dann gibt’s ־ Verstanden?" Mit Freude und glauben Sic literarischen wieder was uuf die FingerI Da erübrigt sich Jedes weitere Wort können wir aber konstatieren, dass unsere Ansicht sich nicht nur mit der der ״Hilfe" vollkommen deckt, sondern dass auch In den weitesten Journalisten- und’ Scftriftstcilerkrclscn Dr. l.cssings Machwerk die ihm gebührende Aufnahme gefunden hat. Ja, wir erfahren von berufener Seite, dass zur Zeit sogar eine Protcstlistc zirkuliert, auf welcher angesehene Schriftsteller und Journalisten gegen die Auswüchse der Kritik, wie sie im Fall Lcssing zutage getreten sind, durch Namcnsuntcrschriit Stellung nehmen und das Bedauern aussprechen, dass es ״keine beruflieben Khrcngcrichtc iur Journalisten gibt." Damit ist hoffentlich der ganze Vorfall wie auclf Herr Privatdozent Dr. Theodor Lcssing endgültig abgetan. Zweifacher Zionismus*) Von B c r t h o I d F c I w e I. Am 18. Februar hat Dr. Franz Oppenheim er in der ״Welt" unter dem Titel ״Stammesbcwusstscin und Volksbewusstsein" einen Artikel verüffentlicbt, von dem die Redaktion voraussah (wie sie in einer Fussuotc bemerkte), ״dass er einen lebhaiten Meinungsaustausch hervorrufen" werde. Einige Tage später kann die!’..Spedition des Blattes in einem Pro-!!ugaiida-Zirkular den Artikel bereits als einen ״aufschtncrrcgcnden" bezeichnen. ״Lebhafter Meinungsaustausch", ״aufsehenerregend" die Redaktion und sogar die Expedition der ״Welt" scheinen mir der Arbeit Franz Oppenheimers nicht ganz gerecht geworden zu sein. Etwas zu wenig Vorbehalt aui jener, etwas zu wenig Clmrakteristik auf dieser Seite angesichts einer publizistischen Aeusserung, die nichts Geringeres ist als ein die herrschenden zionistischen Grundanschauungen revolutionierendes Bekenntnis. Um nicht mehr und nicht weniger handelt cs sich als um die Spaltung des Zionismus in zwei (man verzeihe den harten Plural, die Tatsache ist vielleicht noch härter), in zwei Zionismen. Mit festem, scharfen Schnitt wird eine vermeintliche Einheit geteilt: hie westeuropäischer, hie osteuropäischer Zionismus. Und im Namen (versteht sich: auf Qrund Wissenschaftlieber Legitimation) der Mehrheit der westcuro- Päischcn Zionisten erklärt: So muss es sein, so soll cs sein. Um der Wahrheit, um des Friedens willen, osteuropäische Zionisten, hört cs und lernt es verstellen: ״Wir Westeuropäer stellen dem zionistischen Ideal anders gegenüber als die Osteuropäer. Wir Westjuden haben jüdisches S t a m tu c s b c w u s s t sein, die O s t j u d e 11 jüdisches Volksb e w u s s t s e i 11." Zwei verschiedene jüdische Orundgefültlc, zwei durch Motivierung und Zwecksetzung scharf von einander geschiedene Arten von Zionismus. Eine Um- Wertung der zionistischen Werte, deren Anerkennung ideelle und praktische Kuiisequen/.eu nach sich zielten müsste, die unseren zionistischen Mikrokosmos umgestalten würden von Grund aus. 1 Und die ״Weh" druckt ein so umsiiirzlerisclies Bekenntnis ohne Vorbehalt ab und lädt zur Diskussion ein. War es zu naiv, anzuiiclinicn, dass die Erste, die sich in einer so ungewöhnlich wichtigen Sache zur Diskussion melden würde, die Redaktion der ״Welt", die Sprecherin der Leitung, die publizistisehe Repräsentantin der Organisation sein würde? Die nächste Nummer der ״Welt" erschien — cs gibt für Redaktionen Khrcnfristcn, die mindestens so peinlich-genau cingchaltcn werden müssen wie die der Üentlcmen-Spielcr — und brachte nichts. Und sic scheint doch sonst nicht so zurückhaltend gegenüber zionistischen Auflassungen zu sein, die nicht die ihren sind. Qul tacet, consentire videtur. Wenn man aber nicht nur einverstanden zu sein scheint, sondern es ist, warum sagt itian's nicht mit demselben Freimut, der in so schöner Welse der Vcrlasser von ״Stanmiesbewusstscin und Volksbewusstsein" auszeichnet? Weiss Gott, ich halte mich bei dieser scheinbaren *) Raummangel zwingt uns, diesen Artikel Fortsetzungen zu bringen. Die Red. in